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Silvester, diesmal anders

Warum ich Silvester bei Schnee-Regen, aber in kurzen Hosen, meinen Bulli belud und der Nachbar bei diesem Anblick nachdenklich wurde, möchte ich kurz erklären.

Mail
Sehr geehrter Herr Schaarschmidt,
wir würden uns freuen, Sie am 31.12.2021 auf unserem Anwesen zu einer kleinen privaten Silvester-Feier begrüßen zu dürfen. Für Live-Musik und ein reichhaltiges Büfett ist gesorgt. Doch für gute Laune sind unsere Gäste verantwortlich.

Begrüßung der Gäste: 19 Uhr

Wir freuen uns auf einen schönen Abend.

Mit besten Grüßen
Norbert und Annegret …

Was kann man über so eine Einladung sagen? Zunächst war ich dankbar und beeindruckt, dass auch ich eingeladen wurde. Zu diesen zwei erlauchten Personen habe ich ein sehr gutes Verhältnis und sie sind zudem auch einer meiner/unserer Veranstalter. Ich fühlte mich also wirklich geehrt, ganz besonders in der heutigen Zeit, wo Kunst und Kultur ein elendiges Dasein fristen.

Gerade war ich noch in Cuxhaven unterwegs, da flatterte mir jene Silvester-Einladungsmail aufs Handy.

Eigentlich wollte ich Silvester dieses Jahr anders verbringen- ruhig, nachdenklich und vor allem nicht so wie sonst.

Unverhoffter Besuch in der Schweiz…

Mehrere Alternativen standen jetzt zur Auswahl: In die Schweiz fahren und überraschen (leider zu weit), also blieben nur zwei Möglichkeiten: Entweder-mich mit meinem Bulli zwei Tage in einen romantischen Schlosshof stellen oder ans Meer fahren an einen abgelegenen Strand, natürlich immer in Begleitung meiner Hunde

Einfach mal frei in der Natur sein, Spaß mit den Hunden haben und so das neue Jahr begrüßen, das hörte sich großartig an.

Mail
Sehr geehrter Herr …
Sehr geehrte Frau …

Ich fühle mich sehr geehrt, zu Ihrer privaten Silvester-Feier eingeladen worden zu sein,
doch leider kann ich dieser nicht folgen. Silvester 2021/2022 möchte ich mit meinen Hunden verbringen. Nicht zuletzt auch wegen möglicher Raketen oder Knaller. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und freue mich auf unser baldiges Wiedersehen.

Herzliche Grüße- H.P.Schaarschmidt

Gesagt, getan. Schlafmatte, Bettzeug, Wein inklusive, Hundefutter verstaut und los. Dumm nur, dass Petrus einen wirklich miesen Tag hatte und uns kleinen Erdlingen mal so richtig das Leben schwer machen wollte. Es war grau, nebelig und ekelig, nur die Wasserversorgung funktionierte perfekt- von oben.

Die Rache des Petrus, übler Schneeregen http://www.schaf-land.de

Diese Dumpfbacke, da oben, hatte mir meine schöne Idee echt versaut und ich überlegte, wie ich meiner Entrüstung nun Ausdruck verleihen konnte.

Wenn ich kurze Hosen und ein T-Shirt anziehe, dass üble Wetter bei 4°C ignoriere und mit Sonnenbrille einfach durch das Getöse wandle? Dann ärgert er sich bestimmt.

Leider muss ich sagen, mein perfekter Plan kam mir dann doch nicht so perfekt vor, ganz besonders, als ich im Schnee-Regen, mit kurzen Hosen mein Auto beladen wollte. Ich glaube auch gesehen zu haben, dass mein Nachbar bereits den Telefonhörer in der Hand hatte, als er mich beobachtete.

Die guten Vorsätze waren dahin. Eigentlich sollte es doch an diesem Silvester anders sein, aber bei Gegnern wie Petrus und der Welt, hat man leider nur geringe Chancen. Also schaute ich 20 Uhr die Nachrichten und suchte mir danach einen Krimi. Nein, so schlimm war es dann doch nicht, aber ich tauschte die kurzen Hosen gegen lang und bequem, öffnete eine Flasche Wein, legte Bob Marley auf und spielte mit meinen Hunden.

Die Hunde waren glücklich

Leider verbrachte ich Silvester nun nicht unter freiem Himmel, aber ruhig, besinnlich und mit meinen Hunden, auch ganz schön.

Nur die Sache mit Petrus ist noch nicht vergessen…
Da überlege ich mir was Neues.

Kleine Weihnachtsgeschichte

Feiert Ihr auch Weihnachten?! Natürlich und warum? Weil man es so macht und auch noch Feiertage sind. Feiertage? Warum eigentlich? Viele Fragezeichen. Zu diesen Fragezeichen hätte ich einen Vorschlag: Wir gehen in die Fußgängerzone und befragen viele Jugendliche, weshalb sie Weihnachten feiern. Wir alle können ziemlich sicher sein, dass neben der ansteckenden Unwissenheit auch grandioser Unsinn herauskommt. Die Antworten reichen von: Weiß nicht, über: Weil ich Geschenke bekomme. bis hin zu: Die Lichter sind so schön.

Auweia.

70% der Menschen, in Old Germany, feiern Weihnachten weil:  Die Familie zusammenkommt. Auch wenn es nichts mit dem eigentlichen Anlass der Feiertage zu tun hat, so ist es ein wirklich guter Grund. Wer es noch nicht wissen sollte, der 24.Dezember ist vor langer, langer Zeit willkürlich festgelegt worden und hat absolut Garnichts mit dem Geburtsdatum des Nazareners zu tun. Falls Ihr nun auch nicht einmal wisst wer der Nazarener war, ist dem Allgemeinwissen wirklich nicht mehr zu helfen.

Fragt Google.

Der Nazarener Kleine Weihnachtsgeschichte H.P.Schaarschmidt

Immerhin glauben über 2,1 Milliarden Menschen an den Nazarener und der Rest feiert einfach mit, na ja, nicht alle. Das ist eine zehnstellige Zahl 2,100000000 Menschen. Ein ziemlich cooles Ergebnis für einen Wanderprediger. Ein Zimmermann mit 2,1 Milliarden Fans, er ist der größte Superstar aller Zeiten, gleich nach Michaele Jackson. Es spielt aber gar keine so große Rolle, wer die Menschen so unglaublich bewegt. Ob Nazarener, Michael Jackson oder der Osterhase, wichtig ist das Ergebnis. 

…und das Ergebnis führt weltweit Menschen zusammen.

Warum kommt eigentlich der Osterhase? Schon wieder:  Auweia.

…Google?

24. Dezember 1922

Wir schreiben das Jahr 1922. Eine mehr als bewegte Zeit. In Europa hat man vor den Kommunisten aus Russland Angst und die Weimarer Republik hat sich im damaligen Deutschen Reich auch keine Lorbeeren verdient. Keiner konnte damals ahnen, dass es noch schlimmer kommen würde- frei nach dem Motto: Schlimmer geht immer. Dies führte dann auch 11 Jahre später zur Machtübernahme eines gewissen Herren aus Braunau am Inn als Reichskanzler in Deutschland. Genau zu dieser Zeit stapfte Josef Bergmann durch den hohen Schnee, der die Nacht gebracht hatte. Er versuchte einen Güterzug zu finden, der Richtung Chemnitz fuhr, denn zur damaligen Zeit war Chemnitz einer der vorzeige Städte in Sachen Technik und Industrie und sein Vater arbeitete in einer dieser neuen Technik-Schmieden, bei Continental Chemnitz.

Continental Werk Chemnitz Kleine Weihnachtsgeschichte H.P.Schaarschmidt

Der Wind blies ihm mit 10 Grad unter null mitten ins Gesicht. Die Jacke war viel zu dünn und seine Brote waren schon lange aufgegessen. Ihm war kalt und er hatte Hunger. Es war der 24 Dezember 1922 und an diesem Abend wollte er, egal wie, zu Hause sein. Einmal im Jahr bei seiner Familie zu sein, das war für Josef nicht nur wichtig, sondern bedeutet für ihn auch einige Tage Seelen-Frieden.
 Dann sah er es. Auf dem angesteckten Transportzettel stand: Über Leipzig, Chemnitz nach Nürnberg.

Seine Augen fingen an zu leuchten.

Bahnhof 1922 Kleine Weihnachtsgeschichte H.P.Schaarschmidt

Von Weitem konnte Josef die Bahnhofsuhr sehen, 12:30 Uhr. Nun hoffte er in einem der Wagons Unterschlupf zu finden, um bei der Fahrt nicht zu erfrieren. Bei 10 Grad Minus würde er die lange Fahrt auf einem Außen-Tritt nicht überleben, also musste er irgendwie hinein. In geduckter Haltung ging er von einem Wagen zum andern und versuchte die festgefrorenen Hebel zu öffnen. Keiner bewegte sich. Seine Finger wurden langsam taub von der Kälte. Er merkte, wie sein Griff schwächer wurde, aber er gab nicht auf und ging weiter, von Wagon zu Wagon. Zu dem stechenden Eis-Wind hatte sich inzwischen Schnee gesellt, der seine Suche fast unmöglich machte.

Plötzliche bewegte sich ein Riegel. Er nahm alle seine Kräfte zusammen und drückte mit seinem ganzen Körpergewicht dagegen. Der Riegel gab quietschend nach, die Tür war offen. Mit letzter Kraft schob Josef die Schiebetür Zentimeter für Zentimeter auf.

Josef war am Ende.

Durch den geöffneten Spalt streckte sich plötzliche eine Hand entgegen: „Halt dich fest, ich ziehe dich rein.“ Ohne groß zu überlegen, griff er nach der Hand und sie riss ihn mit großer Wucht hinauf, in den Wagon. In dem Halbdunkel schauten ihn drei Paar Augen an. Nachdem sich seinen Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, erkannte er drei Männer, eingehüllt in dicke Decken. In der Mitte standen einige Töpfe mit Essen und daneben zwei, nein drei, Flaschen rum.
Frohe Weihnachten. Wir wollen nach Nürnberg und du?  fragte einer der Reisenden. Hast du Hunger, willst du etwas Rum? Der wärmt auf.
Josef musste sich erst die Finger reiben, denn sie waren inzwischen so taub geworden, dass er weder essen noch trinken konnte.

Ja, war seine Antwort.

Die vier Gesellen stellten sich Josef vor. Ich bin Caspar. Ich bin Martin, und der dritte begrüßte ihn mit: Ich bin Moritz, wärme dich doch erst mal und reichte Josef eine Decke. Erst jetzt verstand Josef, dass diese drei   Reisenden seine Rettung gewesen sind, denn ohne die kräftige Hand hätte er vermutlich noch nicht einmal mehr den Sprung in den Wagon geschafft.  

Ich danke euch, sagte Josef.

„Du brauchst uns nicht zu danken. Wir helfen dir gern und geben alles von Herzen.“ Josef war etwas verwirrt, denn sowas hatte er nun wirklich nicht erwartet. Nach dem seine Finger wieder zum Leben erweckt waren, nahm er sich etwas von diesem gut riechenden Essen und trank seit langer Zeit wieder köstlichen Rum. Wir haben auch noch Wein, wenn du möchtest? sagte Caspar.
Josef verschlug es die Sprache.

Ja, sehr gerne, war wieder seine Antwort.

Hier, bitte Josef…

Was für eine Wendung. Eben noch kurz vor der Verzweiflung und vor dem Erfrieren und nun in einem Wagon der Richtung Heimat fuhr mit gutem Essen, Wein und Rum. In diesem Moment fiel ihm nur der Satz ein: Frohe Weihnachten. Die Zeit flog dahin. Sie unterhielten sich, die drei Reisenden erzählten von fremden Ländern und dass auch sie nach Hause wollten. Alle drei wohnten in der Nähe von Nürnberg, in einem kleinen Dorf. Und immer wieder reichten sie Josef neues Essen- verbunden mit der Frage: Ist dir jetzt wärmer Josef? Ja danke, mir ist warm, das Essen ist traumhaft und der Wein schmeckt phantastisch. Schön, war die Antwort der drei Reisenden.

Wein von den Reisenden Kleine Weihnachtsgeschichte H.P.Schaarschmidt

Josef, wir nähern uns jetzt Chemnitz, du bist gleich zu Hause. Josef war überwältigt. So etwas hatte er noch nie erlebt und das auch noch am 24.12. Der Zug fuhr in den Chemnitzer Güter-Bahnhof ein und wurde langsamer. Josef, unsere Wege trennen sich nun. Hab einen friedlichen Heiligen Abend mit deiner Familie, wir sind in Gedanken bei dir. Sie schauten sich in die Augen… Da war eine unerklärliche tiefe Verbundenheit…  Dann schoben die drei Reisenden die Tür auf. Du bist zu Hause.
Josef bedankte sich und sprang aus dem nun stehenden Zug.
Bald bin ich da, dachte er.

Noch auf dem Heimweg schoss es ihm plötzlich durch den Kopf,
Ich habe mich doch gar nicht mit meinem Namen vorgestellt?!

Weihnachten Kleine Weihnachtsgeschichte H.P.Schaarschmidt

Wenn Tiere unsere Seele heilen

Als Erstes könnten wir natürlich über den Begriff Seele diskutieren, doch über dieses Thema sind bereits unzählige Bücher geschrieben worden. Also sparen wir uns das. Einigkeit herrscht aber darüber, dass es bei diesem Begriff um unser Innenleben geht.

Um es anschaulicher zu gestalten, betrachten wir doch lieber einen aktuellen Fall:
Steffen ist 14 Jahre und seit seiner Geburt geistig behindert. Die Ärzte sagen: Mit der Sauerstoffversorgung ist im Körper etwas schiefgelaufen. Nachdem sich die Eltern schweren Herzens eingestehen mussten, dass sie der Aufgabe nicht mehr gewachsen sind, zog Steffen in professionelle Hände um. In diesem Heim kümmern sich nun ausgebildete Fachkräfte um Steffen und tun täglich ihr Möglichstes, um wenigstens hin und wieder Sonne in seine Seele scheinen zu lassen.

Doch einmal in der Woche passiert in Steffens Leben etwas ganz Besonders. Luzi kommt zu Besuch. Luzi ist ein ausgebildeter Therapie-Hund und kann Wunder bewirken. Was sich in dieser Zeit ganz genau zwischen den BEIDEN abspielt, kann niemand mit Bestimmtheit sagen, aber die Ereignisse grenzen tatsächlich an ein Wunder.

Therapie-Hund Luzi

In der Zeit, die Steffen mit Luzi verbringt, verhält er sich völlig anders. Eigentlich kann er nicht so wie wir seine Umwelt wahrnehmen und darauf reagieren. Doch mit Luzi scheint der Sonnenschein in ihm einzuziehen. Steffen streift mit seinen Händen durch ihr Fell und sein „Innenleben“ reagiert. Wie? Keiner weiß es genau, aber Steffen wird fokussiert, ruhig und ein Lächeln huscht über sein Gesicht.

Freunde

Was wir heute mit Sicherheit wissen, in uns allen schlummert die komplette Menschheits-Geschichte. An diesem Punkt kommt das Zauberwort „Genetik“ ins Spiel. Wir alle haben tausende Jahre dieser Geschichte in uns… und wenn ich „in uns“ sage, meine ich das nicht sinnbildlich, sondern direkt und genetisch. Ob es nun der eine oder andere gern hören mag, die Tiere verbinden uns mit den Menschlichen Wurzeln. Streifen wir durch das Fell der Tiere, läuft unser Innenleben zu Hochform auf. Zweibeiner glauben häufig, die Krönung im ganzen Universum zu sein, die Antwort lautet: Evolution und Genetik sind unbestechlich und auch wir Menschen sind nur ein Teil der Entwicklungsgeschichte auf einem kleinen Planeten namens Erde.

Weshalb gibt es allein in Deutschland z.B. 9,4 Millionen Hunde. Warum sonst nehmen wir Tiere mit in unsere Behausung und stellen Pflanzen in unser Heim?! Falls das Zweifler auch noch nicht überzeugen kann, so gehen wir unser Innenleben einmal wissenschaftlich an. Erwiesenermaßen und wissenschaftlich bestätigt, enthält jeder von uns 2 Prozent Neandertal- DNA. Das Max Planck Institut hat in mehreren Forschungsreihen herausgefunden, dass auch diese Neandertal Gene uns noch heute beeinflussen. Egal ob wir es wollen oder nicht, zu 2% sind wir Neandertaler.

Unsere Vorfahren

Selbst die rücksichtslosesten Brutalo-Kapitalisten treffen wichtige Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Natürlich wird es keiner von ihnen jemals zugeben, es sei alles nüchtern und völlig rational überlegt- die Wissenschaft sagt klar: NEIN. Natürlich spielen logische und rationale Überlegungen eine große Rolle. Hat der Entscheidungsträger aber ein komisches Bauchgefühlt, läuft das Geschäft nicht.

Was ist aber eigentlich dieses Bauchgefühl? Wenn wir schlechtes Essen einmal ausklammern, geht es wieder um unser Innenleben. Wittern wir eine Gefahr, werden wir vorsichtig. Genau wie bei unseren Vorfahren. Nur da konnte dieses Gefühl über Leben oder Sterben entscheiden. Auch der Drang auf gemeinsames Essen ist nichts anderes als ein Ritual aus einer Zeit die zehntausende Jahre zurückliegt.

Gemeinsames Essen- Teilen der Beute

Rituelles Teilen der Beute- nur dass wir unsere heutige Beute im Supermarkt erlegen…..
An dieser Stelle eine kurze Anmerkung: Durch den allgemeinen Selbstbedienungs-Landen, der jederzeit Alles bietet, haben wir die Regeln der Evolution geändert. Heutzutage bekommen wir die Häppchen Frei-Haus und das hat Folgen. Zum Einen entfernen wir uns in Siebenmeilen-Stiefel von unserer wertvollen Vergangenheit und zum Anderen, findet keine Auslese mehr statt. Hört sich vielleicht etwas mies an, aber die Evolution hat ihre eigenen Gesetze und die sind ziemlich erfolgreich und effizient, wenn man sie lässt.

In anderen Situationen kann es aber auch unseren Alarm-Reflex auslösen. Laute dumpfe Töne zum Beispiel, wirken auf uns in einer ganz besonderen Art und Weise. Einige Zweibeiner, meist jüngere, hören Musik gern mit extrem tiefen Bass. Diese fast schon körperlichen Schwingungen wirken aggressiv. Dahinter steckt nichts anderes, als das Stampfen angreifender Großtiere aus längst vergangenen Zeiten. Wir sind also in unserer vermeidlichen technisierten Gesellschaft nicht die Krönung, sondern das Ergebnis unsere Vorfahren.

Leben in einer gefährlichen Welt

Natürlich gab es auch zahlreiche ungefährliche Tier, an denen man sich gern erfreute. Ist es da noch verwunderlich, dass wir bei einigen Tieren ganz besondere Gefühle entwickeln, als würden sie mit zur Familie gehören?! Wir genießen ihre Gesellschaft, ihr Schnurren, Schmatzen, Scharren oder Herumtollen. Bleibt eines dieser wunderbaren Wesen unbeweglich stehen und schaut uns direkt in die Augen, hält die Zeit für einen kurzen Moment an, denn diese Augen dringen bis in unserer Innerstes.

All dies und noch viel mehr steckt in uns und ist der direkte Kontakt mit unserer Vergangenheit, die uns noch heute Tag für Tag beeinflusst. Lassen wir diese Konfrontation zu, lassen wir uns bewegen von Momenten, die auf unerklärliche Weise Emotionen in uns bewirken.

Ein vertrautes Gefühl- wir berühren unsere Wurzeln.

Streichen wir durch das Fell von Tieren, erinnert sich unsere DNA an längst vergangene Zeiten. Die Tiere helfen uns, Verlorenes zu erfühlen und unser Innenleben mit Vertrautem zu beruhigen. Falls es nun doch so etwas wie eine Seele gibt, beruhigen wir diese mit Erinnerungen, die in uns schlummern.


Betrachten wir die Tiere nicht als Untertanen,
sondern bedanken uns bei ihnen- jeden Tag.

Kunst – 20.000 Jahre alte Höhlenbilder

Dr. Peter Wölkchen

Dr. Peter Wölkchen ist 61 Jahre, hat Biologie und anschließend Mathematik studiert. Er sagte einmal, Zahlen machen ihn glücklich. Dr. Wölkchen trägt graue Anzüge und war noch nie unpünktlich an seiner Arbeitsstelle. Alle Menschen ohne Anzug hält er für Kommunisten und seinen Postboten traut er ebenfalls nicht über den Weg, er wolle ihn nur ausspionieren  – bestimmt arbeitet er heimlich für die Russen. Jeder Morgen beginnt nach einem genau durchstrukturierten Ablauf. 06:00 Uhr aufstehen, 06:05 Uhr Bad, 06:15 Uhr Kaffee anstellen und 06:23 Uhr zwei, mit Käse belegte, Scheiben Toast essen. Die Kaffeemaschine benötigt exakt 8 Minuten, so dass 06:30 Uhr das Frühstück beendet werden kann.

Danach widmete sich Dr. Wölkchen der wichtigsten Tätigkeit am Morgen, dem Ankleiden. Sein Motto: Bist du nicht korrekt gekleidet, dann gehe besser nicht aus dem Haus. Seine Vorstellungen von korrekter Kleidung bestehen aus schwarzen Schuhen, schwarzen Socken, aus einem grauen Anzug mit weißem Hemd und einer immer absolut präzise gestellten Uhr. Da er etwas Schwung in sein Leben bringen wollte, lies er seit zwei Tagen die Krawatte weg und kam sich dabei etwas verwegen vor. 06:50 Uhr war es wieder vollbaracht, die Kleider saßen perfekt. Er schaute auf die Uhr, 06:51 Uhr, seine Stirn runzelte sich, er war 01 Minute in Verzug. Das muss beim nochmaligen Binden der Schnürsenkel passiert sein, aber schließlich waren die Schleifchen nicht gleichmäßig.

Dr. Peter Wölkchen H.P.Schaarschmidt www.schaf-land.de

Der Tag konnte beginnen.

Mit der Aktentasche unter dem linken Arm und dem Schlüssel in der rechten Hand trat er voller Weltvertrauen vor die Tür. Die Sonne blinzelte ihn ein wenig entgegen und wies ihm den Weg zu seinem Auto. Es war kein gewöhnliches Auto, sondern ein Mercedes, der ihn bereits seit 28 Jahren zuverlässig transportierte. Veränderungen seien nicht gut, hat er schon oft gesagt, sie bringen Unruhe. Seine EX- Frau muss wohl anderer Meinung gewesen sein, denn vor 14 Jahren reichte sie die Scheidung ein. Seitdem lebte Dr. Peter Wölkchen allein, mit seinem Mercedes und den 2 ½ Zimmerpflanzen. Er drehte den Zündschlüssel und sein Liebling schnurrte wie ein Kätzchen. Dass die Stoßdämpfer völlig außer Kontrolle waren und der Wagen bei jedem Schlagloch wie ein Wasserbett wippte, bemerkte er natürlich nicht, denn sein Auto war perfekt und eine Reparatur würde nur Unruhe in seinen Tagesablauf bringen. Die alte ehrwürdige Karosse hatte wie jeden Tag um diese Zeit das gleiche Ziel, dass Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Er war zwar kein Chemiker, aber ein Künstler mit Zahlen und da ging es um gewaltig viele Zahlen. Zum Beispiel wurden die ältesten Lebensspuren auf der Erde auf: vor 3,8 Milliarden Jahre datiert, die ersten vielzelligen Meerestiere auf: vor 700 Millionen Jahren, die ersten Landpflanzen auf: vor 436 Millionen Jahren, die ersten Reptilien auf: vor 290 Millionen Jahren und die ersten sogenannten Vormenschen konnten: vor 5 Millionen Jahren eingeordnet werden.

…und der moderne Mensch erst seit lächerlichen 35 Tausend Jahren.

Genau das war seine Arbeit, mit Zahlen jonglieren, ins Verhältnis setzen, beurteilen und erneut berechnen. Das war die Welt von Dr. Peter Wölkchen. Das Leben selbst hinter diesen Zahlen interessierte ihn so viel wie die Watt-Zahl der Glühbirne in seinem Kühlschrank. Die er, nebenbei bemerk, gleich nach dem Kauf entfernt hatte, denn nach seiner Ansicht, braucht man im Kühlmöbel kein Licht. Exakt um 07:13 Uhr hielt er vor dem Geschäft des „Schlachter Sanftmut“ an. „Guten Morgen Herr Doktor, hier wie immer ihre frisch belegten zwei Brötchen, für das zweite Frühstück, gut gewürztes Mett aus frischer Schlachtung.“, sagte dieser. Mit einem wohlwollenden Nicken nahm er sein zweites Frühstück entgegen, drehte sich wortlos um und verließ in eiligen Schritten das Fleisch-Haus.

Dieser Tag meinte es wieder gut mit ihm, denn alles war perfekt. Die Zeit stimmte, das Auto schnurrte, die Kleidung war unübertroffen und wieder stand eine zeitliche Punktlandung im Institut bevor. Andere konnten ihre Uhr nach ihm stellen. Er war der Fels in der sonst so bröckelnden Brandung der Zuverlässigkeit. Wie im Traum glitt er elfengleich mit seinem Auto über den Boden und dachte bereits an all die wundervollen Zahlen: 570 Millionen Jahre, 436 Millionen Jahre, 250 Millionen Jahre, 65 Millionen Jahre. Alles erforschte Angaben zu globalem Massenaussterben auf der Erde.

Er machte ein zufriedenes Gesicht, denn Dr. Wölkchen wusste ganz genau, wie dieser Tag beginnen, verlaufen und enden würde. 07:45 Uhr passierte er den Pförtner, dieser schaute auf seine Uhr und nickte ihm wohlwollen zu. 07:48 Uhr stellte er seinen geliebten Gefährten (seinen Mercedes), ab. 07:50 Uhr betrat er das Eingangstor zu seinem Institut und Punkt 07:55 Uhr steckte Dr. Peter Wölkchen seine Stempelkarte in die Uhr. Sie machte ein ächzendes Geräusch und die Arbeit konnte beginnen. All das sah er bereits deutlich vor sich. Denn es war das exakte Drehbuch für jeden Tag, im Leben des Doktor Wölkchen. Nur noch wenige Straßen und Kreuzungen, dann begrüßen mich wieder meine geliebten Zahlen., dachte er. „Was gehen mich die Griechlinge und sonderbaren Spezies dahinter an, sie verderben nur meine Statistiken.“ Während er auf eine Kreuzung zufuhr, kroch ein leises Summen in seine Ohren, was sich immer tiefer bohrte und bis in seine mit Zahlen gefüllten inneren Windungen vordrang. Aus dem Summen wurde ein Rauschen und aus dem Rauschen ein Geflüster. Peter Wölkchen fuhr rechts ran.

„Was um Himmels Willen ist in meinem Kopf los?
Werde ich jetzt verrückt?
Genies soll das ja öfters ereilen.
Bin ich ein Genie?“  
Er dachte kurz nach, „…natürlich bin ich ein Genie.“

Die Stimmen wurden immer lauter, aber irgendwie hörten sie sich komisch und nicht menschlich an.
Er schüttelte mit aller Wucht den Kopf, schlug mit seiner Hand gegen die Stirn und wollte diesen Alptraum irgendwie abschütteln. Aber das Ergebnis war, es wurde immer lauter, immer greller und immer besitzergreifender. Nein, nein, nein hörte er immer wieder und herzzerreisend erbärmliche Schreie.
Ich bin ein Genie und werde jetzt verrückt“, sagt er zu seinem Auto. „Was zum Teufel ist da los? Mein Kopf explodiert. Arme und Beine fingen an zu schmerzen. Blut rann ihm plötzlich aus Nase, Ohren und Mund. Was ist hier los? Langsam setzte sein hochgerühmtes logisches Denken aus. Blut, Schmerzen und diverse andere Flüssigkeiten übernahmen die Regie. Plötzlich wurde ihm schwarz vor Augen und ein unerträglicher Schmerz bohrte sich durch seine Arme. Er hatte das Gefühl, als ob sich eine Kettensäge durch seine Innereien bohrte. Verschwommen, wie in einem Wahn, sah er, wie sein Blut in ein Auffangbecken floss und da von einem schmierigen Kerl mit gelben Gummistiefeln und einer Zigarette im Mundwinke umgerührt wurde. Die Zigarette sollte vermutlich die unzähligen Fliegen verscheuchen und den mörderischen Gestank überdecken.

Ich bin nicht nur verrückt geworden, ich bin in der Hölle.

Nein mein Sohn, du bist nicht in der Hölle, aber auch nicht im Himmel- noch nicht. Peter Wölkchen starrte mir weit aufgerissenen Augen auf einen Mann, der mit seinem leuchtend weißen Gewand vor ihm stand und mit tiefer, aber liebevoller Stimme zu ihm sprach. „Mein Sohn, ich heiße dich willkommen, nun beginnen deine Prüfungen. Möge das Licht mit dir sein.“

Moment, Moment, was soll das alles, ist das ein Scherz? Wenn ja, werde ich euch verklagen und ins Gefängnis bringen. Ich muss pünktlich im Institut sein.

Ich bin Heimdall, ich bin der Wächter und kontrolliere den Zugang zu unserem Reich. Ja mich gibt es wirklich, ihr habt nur nicht mehr an uns geglaubt. Wir sind eine sehr alte Zivilisation und kümmern uns um euch. Ihr seid wie kleine dumme Kinder und habt, bei unserem Erscheinen, Götter zu uns gesagt. Ich bereite dich nun auf deine Prüfungen vor. Du hattest einen Autounfall und bist mit einem Schweine-Transporter zusammengestoßen. Hunderte Schweine mussten auf der Straße notgeschlachtet werden und du lagst mittendrin. Entweder du hast ein gefälliges Leben geführt und kommst in das Reich Asgard, von Euch Menschen Himmel genannt, oder in die Höhlen des Fenri, ihr sagt Hölle dazu. Ich zeige dir nur den Weg, den Weg in deine Ewigkeit. Gehen musst du allein.

Dr. Peter Wölkchen H.P.Schaarschmidt http://www.schaf-land.de

Nein, nein, nein, das kann nicht sein. Ich muss pünktlich auf Arbeit erscheinen. Ich bin noch nie zu spät gekommen. Lass also diesen Unsinn und zeig mir gefälligst den Ausgang, schimpfte er. Lieber Peter Wölkchen, hier sind alle freundlich und wollen dich nur vorbereiten., bekam er als Antwort. Alle freundlich?, sagte Wölkchen verächtlich. „Wirklich alle nur freundlich? Die alle sind bestimmt nur genau so dämlich wie du.

„Du wirst deine Lage schon noch begreifen.“

„Hier gibt es nur einen einzigen Weg und genau diesen wirst du, wie jeder Mensch auf der Erde am Ende gehen. Euer Tod ist nicht das Ende, sonder der Anfang einer sehr langen Reise. Entweder endet er für immer und Ewig in den Höhlen von Fenri oder, wenn ihr rein seid, im Reich Asgard. Das entscheiden aber nicht wir. Auf dieser Reise gibt es unzählig Stationen und an jeder Station wartet ein Tier auf euch. Ein Tier das irgendwann im Leben euren Weg gekreuzt hat. Ameisen, Spinnen, Hunde, Katzen, Schafe, Rinder, Pferde, Vögel. Alle wirst du wiedertreffen und an jeder einzelnen Station entscheidet eines dieser Tiere, ob du weiter darfst oder nicht. Warst du schlecht zu ihm, verweigert es dir die Weiterreise und du gehst sofort in die Höhlen des Fenri, wenn ja, bist du wieder einen kleinen Schritt weiter und dem Reich Asgard etwas näher, bis zur nächsten Station. Deine Reise dauert viele Jahre und dabei wirst Du hunderten Tieren wiederbegegnen. Sei demütig und bescheiden.

Die Tiere richten über deine Ewigkeit.“

Ich rufe die Polizei und bringe euch Spinner alle hinter Schloss und Riegel. Ich bin Dr. Peter Wölkchen, ein angesehener Wissenschaftler. Ich weiß ja nicht wo ihr ausgebrochen seid und welches Lösegeld ihr verlangen wollt aber eure dämlichen Tiere sind mir ebenso egal wie euer Asgard.

Mein Sohn, ich sehe du hast einen schweren Weg vor dir, aber unendlich viel Zeit,
über dein Verhalten nachzudenken.

Meine Arbeit ist getan, deine Reise kann beginnen.“

Dr. Peter Wölkchen H.P.Schaarschmidt www.schaf-land.de http://www.schaf-land.de

Seine Reise dauerte nicht viele Jahre, sondern nur wenige Tage, denn schon an der ersten Station war das Wiedersehen ein Desaster. Dr. Peter Wölkchen traf auf jene Katze, die er angefahren vor seinem Haus gefunden und dann in den Mülleimer geworfen hatte. Seine Reise war zu ENDE, denn die Katze ließ ihn nicht vorbei. Wie von Geisterhand bewegte er sich plötzlich auf einen tiefen Schlund zu, seinem neuen Zuhause.


Behandle deine Tiere so, dass du im nächsten Leben ohne Probleme
mit vertauschten Rollen klar kommen würdest.
Zitat von Pascal Lachmeier

Außer Kontrolle

Mach die Augen zu und lass dich treiben,
spüre nur den Wind und die Unendlichkeit.

Mach einfach nur die Augen zu und tauche ein,
lass alle Sinne dich begleiten und ihre Stimmen laut schreien.

H.P.Schaarschmidt

Auweia, wann haben wir das mal gemacht? Eingefangen in einem Hamsterrad und immer auf der Jagd nach Anerkennung. Da Ist für solch unnützes Treiben doch keine Zeit. Dabei schreit es uns fast jeden Tag an: Rede mit mir, mach die Augen zu und lass dich einen Moment lang treiben.

Außer Kontrolle  H.P.Schaarschmidt  www.schaf-land.de
Außer Kontrolle H.P.Schaarschmidt http://www.schaf-land.de

Eigentlich habe ich ziemlich viel Glück, denn meine Tiere halten mich am Boden und schenken mir jeden Tag Liebe und Vertrauen. Natürlich ist dies etwas ganz anderes, aber es macht auch glücklich und die Arbeit mit Tieren schenkt innere Ruhe, zumindest geht es mir so. Was ist aber mit den Menschen? Wie kommt es z.B., dass uns manche fast magisch anziehen, während wir andere spontan ablehnen? Liegt es an dem oft zitierten Bauchgefühl, oder ist dies purer Unfug? Ich kann nur für mich sprechen. Da gibt es in meinem Leben eine Erkenntnis, die mich verändert hat. Nichts passiert einfach so, sondern folgt Ursache und Wirkung. Das Zusammenleben mit Tieren verändert uns Zweibeiner, denn sie haben eine starke Wirkung auf uns. William James, Psychologe der Harvard-Universität, wies bereits 1884 nach, dass Umwelteinflüsse unmittelbare körperliche Reaktionen auslösen und sich auch auf unsere Psyche auswirken.

Kümmern wir uns z.B. um ein Mutter-Schaf und begleiten die Geburt, so hat dies direkte und nachhaltige Wirkung auf unser ICH. Die Tiere verändern uns… – nicht wir sie.
Von irren Züchtungen mal abgesehen, sind sie unverzichtbar, sie sind unser Leben. Abgestumpfte Stadt-Menschen werden diesem Gedanken vielleicht schwer folgen können, aber seid versichert:  Auch ihr seid nur ein kleiner Teil des GANZEN und nicht die Krönung im Universum.
Es kommt aber noch dicker, denn Ferdinand Vogel und seine Mitarbeiter an der Universität Heidelberg ist es gelungen nachzuweisen, dass unsere seelische Verfassung sogar durch Vererbung stark beeinflusst wird. Es ist nicht schon genug, dass wir von 90% gesteuert werden, auf die wir keinen Einfluss haben, unserem Unterbewusstsein, nun werden wir auch noch von einem genetisch vererbten seelischen Zustand geleitet.

Einfache Frage: Was entscheiden wir eigentlich tatsächlich noch selbst?

Einfache Antwort: Wenig

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DAGOBERT /Arno Funke http://www.schaf-land.de
Außer Kontrolle H.P.Schaarschmidt

Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, mich mit dem spektakulärsten Kaufhaus-Erpresser aller Zeiten- Dagobert– (Arno Funke) zu unterhalten. Er hat übrigens im Berliner Polizei Museum, für die spektakulärsten Kriminalfälle, eine eigene Abteilung. Dieser kriminelle Pfiffikus hatte während seiner jahrelangen Haft genügend Zeit, genau über dieses Thema nachzudenken. Er kam zu dem Schluss, dass unser Rechts-System zusammenbrechen würde, wenn wir unsere 90% Unbeeinflussbarkeit mit beurteilen würden.   …Denn, wer sollte zur Verantwortung gezogen werden? Das Unterbewusstsein? Der genetisch beeinflusste seelische Zustand?

Wie einfach haben wir Schafzüchter es doch da, wenn wir die Reaktionen unserer Herde lesen, klar verteilte Rollen, einfache Hierarchie und alle Reaktionen sind in jedem Moment live und echt. Wie kompliziert erscheint da doch unser Zweibeiner-Leben?! Nein, nein, ich möchte mich nicht über die Zweibeiner beschweren, es gab und gibt auch einige, die finde ich mehr als nur bemerkenswert. Hast du eine positive Lebenseinstellung, so findest du in der Regel auch häufig Menschen, die ähnlich positiv denken. Bist du meist mies drauf, begegnest du auch nur missmutigen Menschen. Bei meinen Schafen ist das etwas einfacher geregelt. Bei der Position in der Hierarchie spielen vor allem zwei Dinge eine große Rolle, Alter und mentale Stärke. Ja genau, auch bei den Tieren spielt die Persönlichkeit eine große Rolle und auch bei den Tieren wird diese vererbt. Als eines morgens, völlig unerwartet, meine uneingeschränkte Rudel- Herden- Führerin tot war, übernahm – ohne Diskussion- ihre stattliche Tochter das Zepter. Das geistige Innenleben wird also auch hier nachweislich weitergegeben.

Außer Kontrolle   H.P.Schaarschmidt   www.schaf-land.de
Ingrid Stottmann
http://www.schaf-land.de Außer Kontrolle H.P.Schaarschmidt

Wir wollen alles wissen, verstehen und vor allem immer kontrollieren, aber eine von mir sehr geschätzte Freundin, Ingrid Stottmann hat einmal gesagt: Du musst dich davon verabschieden, immer alles unter Kontrolle haben zu wollen. Das sagte sie, als wir intensiv mit unseren Border Collies trainierten und ich noch auf Wettkämpfen startete. Heute geht es in erster Linie um die Arbeit an meiner Schaf-Herde. Genau in diesem Umfeld kann ich, wenn auch nur gelegentlich, meine Augen schließen, um nur den Wind und die Unendlichkeit zu spüren- wundervolle Momente.

Was habe ich eigentlich meinen Tieren voraus? Als Erstes fallen mir Ratio und Sensus ein und dass wir die Gewinner eines Großhirns sind, doch bei allen angeblichen Errungenschaften, ein Teil der Natur- sind wir Zweibeiner schon lange nicht mehr. Wir kontrollieren unsere eigene Welt, in jedem Fall versuchen wir es und gehen dabei zahllose Irrwege. Den Wind und die Unendlichkeit zu spüren, das haben die meisten von uns doch längst verlernt.

Das müssen wir ändern.


Mach die Augen zu und lass dich treiben,
spüre nur den Wind und die Unendlichkeit.

Energie-Verschwendung

Ich bin Schafzüchter und was machen Liebhaber stark behaarter Damen? Sie denken über wichtige Fragen nach. Als ich kürzlich meine ersten Lämmer betrachtete und ganz gedankenversunken über den Sinn des Lebens nachdachte, schoss mir plötzlich eine alles entscheidende Frage durch den Kopf:

Wenn man zufällig irgendeine Telefonnummer wählen würde und Gesundheit sagt, wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit, dass der Angerufene gerade niest?

Energie-Verschwendung /H.P.Schaarschmidt /www.schaf-land.de

Diese alles entscheidende Frage ist sehr schwer und verändert das Leben eines jeden Schafzüchters. Während meine Lämmer gemütlich im Futter liegen und Mama rücksichtsvoll drumherum frisst, beginne ich zu rechnen. Lt. Statistik niest ein Mensch im Durchschnitt ca. 250-mal pro Jahr, Dazu gibt es mehrere wichtige Studien, die sogar von spektakulären 400 Niesausbrüchen pro Jahr ausgehen, aber das ist vermutlich nur Panik-Mache und soll die Bevölkerung nur verunsichern. Dieser Katastrophenfall ist eher unwahrscheinlich. Bleiben wir also bei unseren streng wissenschaftlichen Studien von  ca., eventuell und möglichen 250.

Bei diesen wichtigen Recherchen bin ich auf eine noch wichtigere Erkenntnis gestoßen. Die Suchmaschine Google registrierte  rund 6.000 Suchanfragen zu dem Thema Niesen. Wenn nur die Hälfte dieser wichtigen Anfragen aus den USA kommt und jede Anfrage durchschnittlich 4 Autoren hat, erwischt man bei einem Zufallsanruf mit einer Wahrscheinlichkeit  von etwa, ca., vermutlich
1 : 10 000 000  jemanden, der genau an diesem Tag eine Suchanfrage gestellt hat.

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Ich betrachtete noch immer meine Lämmer und während die Synapsen in meinem Obergeschoss schon deutlich über ihre Leistungsfähigkeit arbeiteten, schoss mir ein weiterer wichtiger Fakt durch die überlastete Schaltzentrale: Wenn eine fremde Person den gleichen weltveränderten Versuch macht und ebenfalls in diesem Moment eine zufällig Telefonnummer wählt um Gesundheit zu wünschen, so besteht die wissenschaftlich fundierte Chance 1 : 10 000 000 000 000, dass wir uns im gleichen Moment gegenseitig anrufen.

An diesem Punkt wurde mir ganz schwindelig, meine Schaltzentrale stellte auf Notstrom und ich erhielt die unmissverständliche Mitteilung:  Du verschwendest meine Energie. Beschäftige dich mit den Lämmern, sonst schalte ich mich ab. Von da an, habe ich nie wieder über so hoch wissenschaftliche Fragen nachgedacht, sondern mich nur noch um die Realität gekümmert. 

…ich sah auf meine Lämmer und sie waren wunderbar.

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Wenn der Sensenmann an der Tür klopft

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft, passieren Dinge, die wir alle nicht wollen, aber dieser Dunkle Geselle bekommt letzten Endes immer was er will.

Es ist Anfang Februar, aber der Wettermacher weiß es nicht, denn wir haben 14 Grad Celsius und Winter, Schnee, oder gar der Einzug von Väterchen Frost ist nicht in Aussicht. Man könnte sich zwar Gedanken machen, ob diese Temperaturen noch ganz normal sind, aber da springt mir sofort die Frage mitten ins Gesicht: Was ist normal? Also verbanne ich ganz schnell alle Fragen und finde es einfach GUT. An diesem sommerlichen Wintertag war ich bei einem Freund in Hannover und habe mit ihm nicht nur über wichtige Männer-Themen gesprochen, sondern auch im Garten gegrillt.

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

Es kommt bei mir selten genug vor, dass ich samstags mal nichts zu tun habe, aber wenn, dann macht es einen riesen Spaß. Es war also ein toller Relaxtag und ich ahnte noch nicht einmal im Ansatz, was für eine bösartige Lawine bereits zu mir unterwegs war.

Frühlinghaftes Winterwetter, gute Laune und ein toller Nachmittag mit Freunden, was kann es schöneres geben?! Beim Abschied umarmten wir uns und sprachen schon von einem nächsten Treffen. Das Leben kann so großartig sein. Fröhlich gelaunt und mit Vorfreude auf meine Tiere zu Hause, stieg ich ins Auto.

Auch das Radio machte mir große Freude, denn es präsentierte einen Hit nach dem andren. Auch das  Auto hörte sich wie Musik an und schnurrte wie ein Kätzchen. Ich musste nur kurz auf die A2, denn schon an der zweiten Abfahrt ging es auf die B6 Richtung Nienburg weiter.

Die Autobahn war nur mäßig mit Reisenden belegt. Ich rollte entspannt über den Asphalt und auch sonst war alles toll. Mehr als nur entspannt saß ich in den bequemen Sitzen, träumte vor mich hin und summte fast jedes Lied aus dem Radio mit. Dieser Tag könnte ewig dauern.

Plötzliche explodierte mit einem ohrenbetäubenden Knall der Innenraum meines Autos. Um mich herum war alles weiß und ich verlor die Orientierung. Ob dieser Moment eine Sekunde oder eine Woche gedauert hat, ich könnte es nicht sagen. Ich sah nicht einmal die Hand vor Augen, hatte aber keine Schmerzen, sah nichts und ich hörte nichts. Ich konnte nicht nachdenken und war einfach nur da. Es zog auch nicht mein ganzes Leben vorüber, sondern es war einfach nur NICHTS. Alles war bedeutungslos und bisher Gewesenes existierte nicht.

War ich Tod?

Dann roch es verbrannt und ein Schmerz schoss im meine Beine. Ich war aber noch immer in ein weißes Etwas gehüllt und versuchte zu erkunden, ob ich lebe oder schon tod war. Dann sprangen meine Synapsen wieder an zum Dienst und meldeten: Tode spüren keinen Schmerz. Die kleinen Kollegen hatten Recht, also lebe ich. Während meine Kommandozentrale wieder Kontakt zu den einzelnen Körperteilen herstellte, lichtete sich plötzlich dieses weiße Etwas vor mir. Um Himmels Willen, was ist das? Zwischen Blech, Glassplitter und einem üblen Geruch nach verschmortem Kunststoff, versuchte ich noch immer herauszufinden, wo ich war oder was da eigentlich explodiert sein könnte.

Nachdem vor mir Räder erschienen, stellte ich fest, dass ich mich unter einem LKW befand. Um Gottes Willen, wie konnte das passieren? Ich war weder zu schnell noch auf einen LKW aufgefahren. Oder doch? Da stand ich nun, mit einem Geruch wie aus der Hölle, mit grauen Zellen, die diverse Schwierigkeiten zeigten und mit der Unterseite eines LKWs, von der ich nicht wusste, wie ich zu diesem Anblick gekommen war.  Der Kopf war also an seiner dafür vorgesehenen Stelle und meine diversen Gliedmaßen schienen ebenfalls noch funktionstüchtig zu sein, also stieg ich aus. Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, aber es muss mir leicht gefallen sein, da die Tür fehlte.

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

Ich stand vor einem LKW und mein Auto steckte tatsächlich darunter. Ob ich eine Sekunde oder eine Stunde versucht habe diesen Anblick zu verstehen, in jedem Fall sprach mich dann ein Polizist an. Sind sie verletzt?  Danach folgte ein regelrechter Menschenauflauf. Polizisten, Rettungssanitäter, nochmal Polizei und nach einer gewissen Zeit der Abschleppwagen des ADAC. Im Nachhinein betrachtet, lief dieser Alptraum ziemlich planvoll ab. Die Polizisten wirkten beruhigend auf mich ein  und die Rettungshelfer unglaublich fürsorglich. Eine gut geschmierte Maschine,  die jeden Tag eine Katastrophe nach der anderen professionell abarbeitet. Mein ganz persönlicher Alptraum ist also kein Einzelfall, sondern nur eine weitere Bekanntschaft mit der Dunklen Seite. Der Mann in schwarz ist immer für eine Überraschung bereit und hat zuweilen Ideen, denen wir Kleingeister so gut wie nie folgen können. Mittlerweile hatte sich ein Engel in Position gebracht, ein Gelber Engel. Kurze höfliche Begrüßung, Austausch der ADAC Karte und schon schwebte mein Häufchen Elend durch die Luft. Er landete ganz weich auf einem riesen Transporter, aber sein Anblick war mehr als nur mitleiderregend.
Alles verstaut, ich auf dem Beifahrersitz und ab ging es, meinen bedauernswertes Metall Häufchen Richtung Heimat zu transportieren. Engel Steffan war nicht gerade ein Alleinunterhalter, hatte aber eine bestimmende und verlässliche Ausstrahlung. Er war ca. 1,80m groß, kurzer Militärschnitt, und deutlich bemuskelt. Seine Erscheinung war aber nicht die eines Muskelmenschen, der jede Minute  seiner Zeit im Fitnessstudio zubringt, sondern eher die eines super durchtrainierten Athleten. Das machte mich neugierig.  Sind sie schon lange beim ADAC?

Die Antwort ließ lange auf sich warten, doch dann die trockene Antwort.
Zwei Jahre.

Was haben sie vorher gemacht?
Ich war bei der Bundeswehr.

Darf ich fragen was sie gemacht haben?
Ich war Scharfschütze bei einer Sondereinheit.

Wow, Scharfschütze ist ja auch nicht gerade ein Job wie jeder andre.
Stimmt

Was macht man so als Scharfschütze? Wieder eine lange Pause.
Zuletzt war ich in Kriegseinsätzen. Darüber möchte ich aber nicht sprechen, denn ich habe Bilder im Kopf, die ich nie wieder los werde.

Steffan erzählt mir dann doch noch Einiges, das ich aber für mich behalten möchte.

Danach war wieder Stillschweigen, bis wir zu Hause angekommen waren und das verbogene Etwas zügig abgeladen hatten. Wir verabschiedeten uns und ich sah noch lange dem abfahrenden Transporter hinterher. Die Erzählungen haben mich tief beeindruckt. In dieser Nacht konnte ich keine einzige Minute schlafen und es lag nicht nur daran, dass vor meiner Garage ein echtes Häufchen Elend stand. Der Unfall hätte auch ganz anders ausgehen können…

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft, stehen wir meist vor der Schlussrechnung. Doch diesmal war sie bei mir noch nicht fällig. Er hatte nur mal einen Blick auf mich geworfen.

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

Helden für einen Tag

Jack treibt in über 600 m Entfernung die fünfköpfige Schafgruppe präzise durch den vorbestimmten Parcours und man kann gar nicht anders, als mit aufgerissenen Augen dieses Treiben zu bestaunen. Sind da übernatürliche Kräfte am Werk und warum kann das mein so süßer Mischling Rudi nicht? Der Wunder-Hund führt noch immer sämtliche Pfeifkommandos perfekt aus, was bei fast allen Zuschauern am Rande des Trial Feldes ein schlechtes Gewissen aufkommen lässt: Meiner könnte das bestimmt auch, ich habe nur keine Zeit.

Ist schon klar.

Schaf-Land

Schaf-Land

Das, was diese Hunde auf dem Wettkampffeld vollbringen, muss nicht jeder Hund können, denn jeder Vierbeiner hat seine eigene Bestimmung. Die Bestimmung der Border Collies ist eben die Arbeit an Schafen. Nur mal zur Vervollständigung, die Wettkampfbedingungen haben meist wenig mit der tatsächlichen Arbeit an einer Herde von 1.600 bewollten Damen zu tun. Natürlich leugnen das fast alle Wettkampfteilnehmer, aber dann erkläre mir doch bitte jemand, weshalb so gut wie kein aktiver, ausgebildeter Berufsschäfer oder gar Schäfermeister teilnimmt?! Was aber die grandiosen Leistungen auf dem Wettkampffeld nicht kleiner machen. Es ist ein Wettkampf und das beste Team erstreitet die begehrten Punkte.

Jack hat inzwischen alle Aufgaben mit Bravur abgearbeitet und ist bei der letzten Prüfung angelangt, dem Einpferchen. Super, auch das wäre geschafft. Toll, dass müssen die andern Punktejäger erst mal nachmachen oder übertreffen. Die berühmte Latte liegt nun ziemlich hoch. Ein Team nach dem anderen schreitet zum Startpfosten, gibt sein Bestes und kämpft um Qualifikationspunkte.

Alle Zuschauer sind beeindruckt, die Starter ärgern sich über Fehler, nur für die Hunde ist es ein Tag wie jeder andere. Sie geben ihr Bestes. Noch während sich die letzten Starter auf ihren Wettstreit vorbereiten,  muss ich plötzlich an meine befreundete Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein denken. Wir kennen uns gut. Sie liebt Tiere und die Arbeit mit ihnen über alles.

Helden für einen Tag - Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Helden für einen Tag – Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Doch weshalb käme sie nie auf den Gedanken von Schäferhunden auf Border Collies umzusteigen, sie perfekt auszubilden und an diesen Trials teil zu nehmen? Eigentlich sollte ihr das doch auch Spaß machen!? Unter den Startern findet man aber meist Tierärzte, Polizisten oder Angestellte, die zu Hause 20- 30 Schafe halten und ihre ganze Energie in die Perfektionierung der vierbeinigen Zauberlehrlinge stecken.

Helden für einen Tag - Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Helden für einen Tag – Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Bei Kerstin, mit ihren über 1.200 Mutter Schafen, einer Bison Herde, einer Yak Herde, Hühnern, unzähligen Hasen und 10 Schäferhunden, sieht die Welt schon etwas anders aus. Das ist die echte Welt der Farmer und Schafzüchter. Ich habe mit Kerstin gearbeitet und muss voller Respekt sagen: „Hut ab- mit tiefer Verbeugung“. Das, was sie täglich leistet, grenzt für mich schon fast an ein Wunder.  Und die Hunde, wie arbeiten die Hunde dieses zweibeinigen Perpetuum Mobiles? Ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich an die tägliche Arbeit denke. Ohne die fantastischen Leistungen der Trial Hunde auf dem Wettkampffeld schmälern zu wollen…, kommen mir diese außergewöhnlichen Leistungen auf dem Trial-Feld wie ein Hobby vor.

Arbeitet nur eine Woche mit einem Berufsschäfer, an seiner Herde, dann könnt ihr vielleicht erahnen was ich meine. Am Abend werdet ihr zugeben: Sie waren heute Helden, für einen Tag. Nur das wir nicht sehen, dass dieser Tag wie jeder andere ist.

Was sind wir doch bequem, satt und faul geworden. Haben wir unsere Ideale, Naturverbundenheit und Begeisterung schon völlig verloren? Seien wir fair, nicht jeder kann sich intensiv mit Tieren beschäftigen und schon gar nicht halten. Was aber nicht den Blick auf unsere Wurzeln verdecken darf, denn wir sind was wir sind: Eine junge, kriegerische Spezies, die noch immer in ihren ursprünglichen Veranlagungen und Trieben gefangen ist, es aber aus Arroganz und Überheblichkeit verleugnet. Dumme Angewohnheit.

Helden für einen Tag - Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Helden für einen Tag – Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Warum sehen Menschen wie Kerstin Doppelstein die Welt anders als die meisten von uns? Allein darüber könnte man vermutlich eine Doktor Arbeit schreiben. Unsere letzten Helden kommen nicht aus der griechischen Mythologie und schon gar nicht aus kriegerischen Aktionen fürs Vaterland, sondern aus unserem Alltag. Jedes Mal wenn der Tag zur Neige geht, gibt es Zwei- und Vierbeiner, die auch an diesem Tag wieder Unglaubliches vollbracht haben.

Was macht aber Menschen wie Kerstin Doppelstein nun wirklich zu Helden unseres Alltags?

Kerstin ist ein Extremist, verfolgt fast rücksichtslos ihren Weg und nimmt bewusst große persönliche Einschränkungen in Kauf. Genau aus diesem Stoff werden Helden gemacht. Helden die uns als Vorbild dienen, auch wenn wir sie nie erreichen. Ein Vorbild an Willensstärke, Durchhaltevermögen und Idealismus. Kerstin, dir und vielen anderen… – danke!

Ihr wart auch heute wieder:  Helden für einen Tag.

-und morgen und übermorgen und überübermorgen…

 

 

Der Klang des Lebens

Heute habe ich den Klang des Lebens gehört und für einen Augenblick hatte ich alle Zeit der Welt. Alle Zeit? Ja, alle Zeit,  denn in diesem Moment war ich mit Allem vereint und Zeit war in diesem Moment das, was sie tatsächlich ist  – nichts. Die ärgerliche Zeit haben wir Zweibeiner, die Krönung der Schöpfung, erfunden. Warum?  Weil Angst unser Leben bestimmt,  nicht das Leben. Ich hoffe, alle können diesen leicht verstörenden Wort- Bild- Fetzen folgen. Falls nicht,  lest einfach weiter und vielleicht könnt ihr dann erahnen, was ich meine.

Eigentlich hatte dieser Tag ziemlich mies angefangen, denn ich war zwar wach, aber mein verdammter Glücksbringer noch nicht. Was macht man also, wenn einem der Tag schon am Morgen so richtig vors Schienbein schlägt? Man macht einfach weiter und tut so, als müsste das genauso sein. In Wirklichkeit finde ich den Macher des Tages ziemlich unsympathisch. An diesem Morgen war er entweder nicht bei Sinnen, oder schlicht und ergreifend doof. Der Himmel hatte weit die Schleusen geöffnet und zeigte, zu was er an diesem doofen Morgen alles im Stande ist. Na toll, dachte ich, die Gummi-Pelle kommt wieder zum Einsatz. Ziemlich nützlich das Zeug, hässlich aber brauchbar. Ich trete in der Gummi-Rüstung aus der Tür. Habe ich die zweite Sintflut verschlafen? Teilt sich jetzt gleich das Wasser, so dass ich trockenen Fußes hindurch gehen kann? Gefühlt schlug mir da gerade ein ganzes Meer entgegen und ich war ein Kapitän auf hoher See, aber ohne Schiff. Noch während meine missmutigen Blicke über dieses Elend streiften, beruhigte sich das Meer. Teilt es sich jetzt doch, oder bin ich nur im Auge der Hurrikans? Fast schlagartig zogen sich die Wassermassen zurück und der Himmel hatte ein Einsehen. Wer auch immer da oben die Geschäfte führt und den Plan geschrieben hat. Danke.

Morgenstund hat Gold im Mund. So ein Quatsch. Ich muss sehen, dass ich auf dem Weg zur Garage nicht ertrinke. Geschafft, Hunde im Auto und ich bereit für ein feuchtes Abenteuer. Das Abenteuer hieß in diesem Fall Schafe kontrollieren und umsetzen, wenn nötig mit schwimmenden Hunden. Schlüssel rein und los. Los? Nochmal, Schlüssel drehen und los? Warum höre ich nicht den geringsten Ton? Eigentlich sollte doch an dieser Stelle, mein alter Diesel eigenwillige, laute Geräusche von sich geben. Bitte nicht schon wieder, dachte ich. Alle weiteren Versuche schlugen ebenfalls fehl und nun war ich an einem Punkt angelangt, an dem in mir der Gedanke hoch kroch, dass ich doch besser im Bett liegen geblieben wäre. Wie auch immer ich das anstelle, ich musste zu den Schafen. Kurze Überlegung: das Auto springt nicht an, Werkstatt dauert zu lang, Freundin für drei Tage bei Ihren Eltern, Nachbar nicht zu Hause und meine Schwester wohnt fast 500 Kilometer entfernt.

Alles in allem, läuft es heute mal wieder traumhaft.

Was solls, Bilderbuch kann jeder. Was waren also noch für Optionen offen? Dabei habe ich das Wieder-schlafen-gehen ausgeklammert   …obwohl ich für einen kurzen Moment nochmal darüber nachgedacht habe. Taxi geht nicht, zu teuer und echter Unsinn. Laufen zu weit, aber was ist mit Fahrrad? Falls sich die himmlischen Schleusen ganz schließen, wäre dies zumindest auch eine Variante. Vielleicht fällt mir ja doch noch was Un-anstrengenderes ein. Busse fahren nicht, denn es ist Sonntag. Weshalb heißt der Tag eigentlich Sonntag? Für alle  Geschichts-Muffel: Die alten Germanen widmeten den ersten Tag der Woche ihrer Sonnengöttin Sunna, der im Laufe der Zeit  unser geliebter Sonntag wurde. Das ist ja alles schön und gut, hilft mir aber auch nicht.

Zähneknirschend entscheide ich mich für das Fahrrad. Hunde wieder ins Haus, Luft aufgepumpt und los. Mit dem Auto waren meine Schafe gleich um die Ecke, aber mit dem Fahrrad bekommt man auf das Thema Entfernung einen ganz anderen Blickwinkel. Der Regen hatte zwar ein Einsehen, aber sein zänkischer Bruder Sturm war noch kräftig bei der Arbeit. In Nienburg haben wir zwar viele tolle Radwege, aber bei extremen Gegenwind denkt man doch schon mal über ein Taxi nach. Aber nein, ich kämpfe mich im Angesicht der brutalen Naturgewalten durch und leiste Heldenhaftes, immer begleitet von herzhaften Flüchen. Nach einer gefühlten Drei-Tages-Rad-Tour, stehe ich dann endlich mit dem Drahtesel vor meinem Schafstall. Die Damen müssen umgesetzt werden, ein neuer Heuballen aufgeschnitten und den Zaun so umbauen, dass sie auch von ihrer Freifläche freien Zugang haben. …und die zwei abgeschälten Bäume vielen mir erst später ins Auge.

Alle Arbeit war erledigt und alle Damen versorgt, so dass ich mich wieder auf mein Reisegefährt schwingen konnte, um Richtung Heimat zu strampeln. Eigentlich fahre ich ja wirklich gern Rad, aber zu Arbeitszwecken und bei einem echt mies gelaunten Wetter-Gott macht die Sache keinen Spaß. Diesmal hatte ich Rückenwind, so dass ich geschwind voran kam. Eine Abkürzung führte mich vom Radweg ab in etwas unwegsameres Gelände, aber dafür durch wunderschöne Wiesen und in einen traumhaften Mischwald.

Als ich dann im Wald stand, fern ab von allem Getöse und das gleichmäßige Rauschen in den Baumwipfeln hörte, hatte ich einen Augenblick das Gefühl schwerelos und wirklich frei zu sein. Ohne Last. Es war der Klang des Lebens, der sich genauso bereits vor Millionen Jahren über das Land verbreitet hat und dem es egal ist, wer da gerade auf der Erde nach Futter sucht. Vielleicht ist es auch nur das Gefühl, für einen Moment mit der Natur wieder verbunden zu sein, was uns in den wenigen Entwicklungsjahren bereits verloren gegangen ist  – wir aber unbewusst vermissen.

Der Klang des Lebens /Schaf-Land /H.P.Schaarschmidt

Der Klang des Lebens /Schaf-Land /H.P.Schaarschmidt

Nachdem man so einen schwerelosen Moment erlebt hat und dann wieder hart auf den Tatsachen unserer selbst gebastelten Realität aufgeschlagen ist, stellt sich fast automatisch wieder die Frage aller Fragen: Was ist der Sinn des Lebens?
Fragt einen studierten Philosophen ganz ernsthaft nach dem Sinn des Lebens und ihr werdet erleben, wie er nach einem dreitägigen Dauervortrag bewusstlos zusammenbricht, da er keine Zeit hatte etwas zu trinken. Gerade die Gilde der Philosophen hat sich mehr als nur ausgiebig mit einem Thema seit tausenden von Jahren beschäftigt, das wir nicht verstehen. Am Ende steht dann doch immer wieder die quälende Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Nach Höherem zu streben? Anerkennung, Arbeit, Liebe, Geld oder Erfolg? Mit diesem Thema haben sich schon viele schlaue Menschen beschäftigt und ihre Theorien füllen bereits tausende und abertausende Seiten, doch jede Theorie besagt im Grunde immer das Gleiche: Ich habe keine Blassen Schimmer. Einiges ist jedoch bereits sicher, unser Platz im unendlichen Universum ist nicht reserviert worden damit wir viel Geld scheffeln, eine Machtposition erlangen oder freundlich zum Nachbarn sind. Nein, dafür nicht. Auch die tausend kleinen Alltagsdinge und vielen fiesen Gehässigkeiten sind unser Werk, die haben wir uns selbst ausgedacht und bestimmen sogar unser Leben. Doch überraschender Weise kommen wir mit dieser Selbsterkenntnis der Lösung den ersten Schritt näher. Zwischen all den philosophischen Sätzen die brutale Frage: Was ist der Unterschiet zwischen Mensch und Hai?

Antwort: Dass der Hai im Wasser lebt, wir auf dem Land und
natürlich auch viel klüger sind?

Falsch!

Dass der Hai schon 100 Millionen Jahre vor den Dinosauriern lebte, gerade die Menschen-Zeit durchsteht und in 100 Millionen Jahren, wenn es uns schon lange nicht mehr gibt, auch noch seine Bahnen ziehen wird. Das ist der Unterschied. Es geht einfach nur ums Überleben. Alles was wir daraus machen, ist unser Werk. Es wird uns entweder zum frühen Ausscheiden bringen, oder unsere Zeit verlängern. Neid, Hass, Habgier oder all die anderen vielen Nettigkeiten tragen eher dazu bei, das wir nicht im Zeitalter der super Individualisten leben, auch Neandertaler, sorry  Menschen genannt, sondern nur in einem kurzen Abschnitt. Falls nun jemand auf den Gedanken kommt, dass sich dies alles ziemlich verrückt anhört, dann reden wir doch einmal kurz über unsere Welt-Religion mit 2,2 Milliarden Gläubigen. 2,2 Milliarden ist eine Zahl mit 12 Stellen hinter dem Komma.  2.200.000.000.000.
Da gibt es jemanden, der nicht nur die Erde, die Natur und uns Menschen innerhalb einer Woche erschaffen hat, sondern zum Schluss  – dem Mann auch noch eine Rippe entfernt hat, um daraus eine Frau zu basteln  – damit er nicht allein auf der Erde wandelt.  Das nenne ich verrückt. Wir sind nicht die Krönung der Evolution und erst recht nicht irgendeiner Schöpfung, sondern nur ein winziger Teil von einem Ganzen, welches wir nie verstehen werden. Das ist alles und wenn wir Momente erleben, in denen wir das Gefühl haben, ein Teil dieses Ganzen zu sein und nicht der viel gepriesene Individualist, eröffnen sich plötzlich ganz neue Welten. Leider kann man diesen Zustand nicht erklären, sondern nur erleben und wahrnehmen. Ein gleichmäßiges Rauschen in  den Wipfeln hat mich dazu gebracht, genau dies zu fühlen. Warum? Ich weiß es nicht, aber irgendetwas muss ja in uns schlummern, wenn wir Gefühle erleben, die uns zum Teil des Ganzen machen  – wenn auch nur für einen kleinen Augenblick.

Heute habe ich den Klang des Lebens gehört und
für einen Augenblick hatte ich alle Zeit der Welt.