Eines meiner Schafe trauert

Schafe habe ich nun schon einige Jahre und mit den „Damen“ auch so manches erlebt. Wenn aber Zwillinge zur Welt kommen und keines überlebt, ist das ein bitteres Erlebnis. Natürlich versuche ich immer alles, um meinen Mädels in Notsituationen zu helfen, von Extrafutter, ärztliche Betreuung vom ‚“Gesundmacher“ oder auch schon mal bis zur nächtlichen Geburtshilfe durch mich. Doch manchmal geht „Mutter Natur“ ihre eigenen Wege, die gelegentlich leider nicht mit meiner Route übereinstimmen.

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Ein Lamm war bereits bei der Geburt tot und das zweite starb in der Nacht.

Meine wolligen Kolleginnen sind ja im Allgemeinen „hart im Nehmen“ und spüren sehr schnell, wie es um ihren Nachwuchs bestellt ist. Haben sie zum Beispiel Zwillinge und eines der kleinen Racker ist extrem unterentwickelt und nur schwer bis gar nicht lebensfähig, lassen sie es achtlos liegen und kümmern sich um das gesunde Lamm. Aus unserer Sicht ziemlich hart, aber für ihr Überleben wichtig und logisch. Meine Scottish Blackface, als auch meine Mixe (wie hier), sind tolle Mütter und kümmern sich aufopferungsvoll um ihre Kleinen. Deshalb ist es in der Lammzeit für meine Hunde immer eine ganz besonders „Abenteuer“ sie zielsicher zu bewegen. Fühlt sich eines der Mütter mit ihrem Nachwuchs bedroht, heißt es Vorsicht für den Hund. In dieser Zeit ist nix mit „liebes Schaf“ und sie greifen im Notfall auch mehrere Hunde an – um ihre Babys zu verteidigen. Tolle Mütter.

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Sie stand die ganze Zeit neben ihrem toten Nachwuchs und hielt Wache.

Stirbt ein Lamm, finden sie sich in der Regel binnen weniger Stunden damit ab und akzeptieren das Unvermeidliche. Noch schneller geht es, wenn sie sich um den zweiten Nachwuchs kümmern müssen. Bei der Haltung versuche ich die Tiere so artgerecht wie möglich zu behandeln und mache vielleicht einiges anders, als man vermuten würde. Zum Beispiel nehme ich die Lämmer nicht vorzeitig von den Müttern weg, um sie mit Kraftfutter zu „mästen“ oder bei dem Tod von Lämmern, entferne ich sie nicht gleich, sondern lasse sie noch einen Tag bei der Mutter liegen.
Mit meinen über hundert Muttertieren bin ich noch immer ein „Hobby-Schafhalter“, doch in einem Schäfereibetrieb sind 1.400 Mutterschafen eine ganz andere „Welt“, aber auch sie versuchen es den Damen so artgerecht wie möglich zu gestalten. Mit einigen habe ich gearbeitet und sie sollten endlich mal eine Auszeichnung bekommen: „Held der Arbeit“ …oder so

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert, oder empfindet etwas Ähnliches.

Bei meinen Damen habe ich festgestellt, sie brauchen einige Zeit, dies zu akzeptieren und ganz besonders, wenn der komplette Nachwuchs stirbt. Noch bis vor wenigen Jahren wurde auf einigen Universitäten (besonders in den USA) gelehrt: Tiere haben generell keinerlei Emotionen und sind ausschließlich triebgesteuert – empfinden also absolut Garnichts. Schaue ich mir unser „Tierschutzgesetz“ an, glauben das auch Einige in unserem Land.
Wieder zurück zu meinem trauernden Schaf. Sterben wie in diesem Fall beide Lämmer, ist das eine Katastrophe. Der komplette Verlust löst anscheinend einiges bei dem Mutter-Schaf aus und nach unseren, menschlichen Maßstäben würden wir es als Trauer bezeichnen. Denke ich in diesem Zusammenhang an die zahlreichen Mastanlagen und Massentierhaltungen, wird mir ganz übel und ich schäme mich für die Betreiber.
Dieses Schaf hat es besonders schwer getroffen, denn zum einen ist sie eine tolle Mutter mit außergewöhnlich guten Muttereigenschaften und zum anderen ist der komplette Nachwuchs tot. Gerade diese brauchen dann einige Zeit, um zu akzeptieren, dass ihre Kleinen nicht mehr leben. Diese Möglichkeit gebe ich ihnen und lasse die Lämmer noch liegen. Die Mutter steht dann neben ihnen und passt auf sie auf. Ein wirklich herzzerreißender Anblick und wenn ich in ihre Augen schaue, sehe ich Trauer. Nun sind die zwei Lämmer nicht mehr im Stall, aber sie steht noch immer ganz apathisch herum und kommt nur langsam wieder in das Herden-Leben zurück. Auch bei meinem Schaf stellt sich nun wieder die Frage: wenn sie „nichts empfindet“, warum sollte sie sich so verhalten?
An alle, die Tiere nur als „Fleischlieferanten“ sehen, ihr seid auf dem „Holzweg“.

Ich für meinen Teil versuche das Gegenteil zu tun, von dem was ihr macht.

Und es gibt Viele von uns…

12 Gedanken zu „Eines meiner Schafe trauert

  1. Heike Schönherr

    Hallo. Hoffentlich gibt es viele von Euch, daß heißt- bei denen Mutterschafe trauern dürfen! Nachwuchs zu bekommen in das schönste Erlebnis der Welt – ich denke mal- auch bei allen anderen Lebewesen außer uns Menschen. Ob nun bewußt oder unbewusst, Tiere sollten auch trauern dürfen. Ich finde es toll, daß Du das Deinen Schafen ermöglicht. LG

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    1. Heriberto

      Hallo aus La Palma, Kanaren.

      Ja, leider geschehen solche traurigen Todesfälle.
      Auch in meiner langJährigen Schafzucht ist dieser Fall einige Male eingetreten. Meistens hat aber eines der Lämmer überlebt. Bei einem totalen Verlust habe ich jeweils das Glück gehabt, dass ein anderes Schaf fast gleichzeitig abgelammt hat und ev. zwei bis drei Lämmer geboren hatte. Es klingt jetzt ev. etwas entfremdet, aber ich habe dann einem toten Lamm das Fell abgezogen und das einem anderen Lamm ca 3-4 Tage „angezogen“. Die Mutter hat das immer akzeptiert und das Lamm angenommen und das über den Geruch ihres toten Lammes.
      Die Mütter waren jeweils sofort mit dem Lamm beschäftigt und liessen es auch sofort säugen.
      Dass Tiere auch trauern ist so logisch wie für uns.
      Saludos, Heriberto

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    2. Korinna Hamer

      Hallo ,ich muss mir einfach dieses nun von der Seele schreiben. Wir haben 7 Schafe und 1 Ziege. Seit 1Woche hat unsere Skudde Zwillinge geboren. Bei dem Muttertier und den beiden Jungen ist alles okay. Aber heute Morgen hat eine unserer Schwarzkopf Damen gelammt…..Leider ist der kleine verstorben 😥Und was soll ich sagen ,ich sehe schon so was wie Trauer, sie bölkt und ruft nach dem kleinen,legt sich immer wieder an die Stelle hin wo er lag.Und ich meine so etwas wie Tränen in ihrem Gesicht zu sehen. Man kann jetzt von mir denken was man will ,aber das Tier was Adelheid heißt tut mir leid. 😔

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      1. H.P. Schaarschmidt Beitragsautor

        Liebe Korinna,
        die meisten „Wissenschaftler“ sind der Meinung, das Tiere so etwas wie Trauer nicht empfinden können, aber wir Tierhalter, die täglich mit ihnen zusammen sind, können meist von Anderem berichten. Wir können nicht in das „Innenleben“ unserer Vierbeiner schauen, aber in jedem Fall ist da viel mehr, als wir erahnen.

        Herzliche Grüße
        H.P.Schaarschmidt

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  2. Cornelia Saner

    Hallo Hardi, hoffe Deiner Wolldsme geht es besser.
    Gegen Trauer hilft sehr gut Ignatia Globuli C30
    Yeweils 5-10 Globuli Morgens und Abends.
    Ich kenne den Trauerprozess von meinen Ratten, hochintelligente Wesen und von Romina, meiner Hündin welche Meerlis ihr Eigen nannte.
    Herzliche Grüsse
    Cornelia Saner
    Drogistin und
    Tiergesundheitsberaterin

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    1. H.P. Schaarschmidt Beitragsautor

      Hallo Cornelia,
      vielen Dank für Deinen Tipp. Ich war „eigentlich“ ein Globuli-Skeptiker …bis ich versehentlich das Hundewasser getrunken habe. In diesem waren Globulis/Tropfen zur Beruhigung
      und auch ich habe eine Wirkung gespürt, ohne zu wissen, dass in dem Wasser etwas war. Wie es tatsächlich funktioniert, weiß ich aber noch immer nicht…

      Liebe Grüße in die Schweiz

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  3. Ulrike Burchard-Grohe

    Hallo, das denke ich auch. Zudem habe ich jetzt den Fall, dass ein Schaf Zwillinge verlammt hat, dann hat 1 Tag später die Zwillingsschwester dieses Schafes ein Böckchen bekommen, Ich konnte in den nächsten Tagen beobachten, dass es bei beiden Schwestern getrunken hat. Jetzt fühlt sich aber keine der Beiden zuständig, wenn das Kleine mäh macht. Stattdessen antwortet unser Bock, kommt rann und führt es zu seiner Mutter. Ich staune, weil sowas hab ich in über 15 Jahren Schafhaltung noch nicht erlebt. Viele Grüße, Ulrike

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    1. H.P. Schaarschmidt Beitragsautor

      Liebe Ulrike,
      die Reaktion von Deinem Bock ist wirklich bemerkenswert und zeigt uns wieder einmal mehr, dass wir nur einen Bruchteil von dem verstehen,
      was in den köpfen unserer Tiere vor sich geht. Mir wird ganz übel, wenn ich daran denke, was noch vor einigen Jahren gelehrt wurde: Das Tiere
      weder Gefühle, noch Schmerzen empfingen. Bei den hochentwickelten vierbeinigen Tiergefährten ist die Gedanken Welt so komplex, dass wir uns
      ihr nur mit größten Respekt nähern und erforschen sollten.
      Natürlich die die erde kein Streichel-Zoo und die Gesetze in der Natur können ganz schön hart sein, aber was wir für billiges Fleisch und Wurst
      für 40 Cent in unseren Regalen anstellen, ist mehr als nur unmoralisch. Ich liebe meine Tiere und hoffe, wir werden mehr.

      Liebe Grüße
      Peter

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  4. Gertrud

    Vor nicht ganz einer Woche ist unser fünf Monate alte Tassilo an einer Schlundverstopfung gestorben. Wir waren nicht zuhause. Die ganze Herde war bedrückt und seine Mutter Luise trauert seitdem. Sie steht abseits, blickt in die Ferne, sucht Tassilo. Bei ungewohnten Geräuschen schaut sie sofort, ob das vielleicht doch nicht er ist. Es ist herzzerreissend und ja, natürlich trauern Schafe! Was bilden wir Menschen uns ein, sowas in Frage zu stellen?! Und ja, wir trauern auch um Tassilo, unseren „Kleinen“.

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  5. Katharina

    Hallo,

    vielen Dank, dass Sie sich so toll um Ihre Schafe kümmern, und danke auch an die anderen Schaf- oder Ziegenbesitzer, die hier schrieben und das ebenso tun.
    Mich entsetzt diese Lehre von der angeblichen Gefühl- und sogar Schmerz(!)losigkeit der Tiere auch sehr. Sie führte und führt zu den schlimmsten Auswüchsen. Ich bin Tierschützerin- und Rechtlerin und kann gar nicht sagen, von was für grausamen Dingen ich schon gelesen habe, mir berichtet wurde oder ich auch selbst gesehen habe.
    Das geht von Tiersadisten, wie z.B. des Falles einer Katze, die in München 5 Monate verschwunden war und dann gehäutet aufgefunden wurde (also 5 Monate in der Hand eines Tiersadisten war, mehr möchte ich dazu nicht sagen) über die Massentierhaltung, Pelzindustrie, Zirkusse und „Unterhaltungsbranche“ (z.B. Löwen,- Affen- und Elefantenbabies, die in Urlaubsländern ihren Müttern entrissen werden, um fortan für Touristen als Fotoobjekte zu dienen) bis hin zu Tierversuchen, wobei die für die Psychiatrie und Neurologie mit zu den grausamsten gehören. Da wurden Affenkinder von ihren Müttern getrennt (dieses viel zu frühe Trennen von Müttern und Kindern, manchmal kurz nach der Geburt, ist leider in fast jeder Tierbranche so, von Milchkühen bis Haustieren) und danach in einem Verlies gehalten (das vom durchführnden Wissenschaftler übrigens zynisch auch als solches bezichnet wurde).

    Aber – und deshalb habe ich bezüglich der Menschheit zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer – wir sind mittlerweile wirklich viele, es werden immer mehr, die das nicht so sehen und etwas ändern wollen!

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  6. becki becker

    Hallo,
    vielen liebsten Dank für deinen achtsamen und liebevollen Text. Damit hast du gerade auch MIR Trost gespendet 🙏 ….ich komme in unseren Ziegenstall und sehe, oh sie hat geboren..2 Kitze…aber eines tot
    (schnell gesehn, unterentwickelt, blaue Zunge..unter der Geburt scheinbar erstickt..
    Als ich es ihr reichte, nahm sie keinen Blick dazu und kümmerte sich um das lebensstärkere..

    Die Tiere sind uns große Vorbilder, klar, ehrlich, angebunden ans göttliche, friedvoll, liebend, fleißig…

    ich habe es mit rausgenommen, beim nächsten Mal weiß ich es besser ♥️

    Fühle dich im Herzen dankbar gesehn
    ein trauerndes Menschlein

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