Können Tiere denken? Teil I

Ohne die Definition näher zu kennen, schütteln viele energisch den Kopf und antworten mit einem: Natürlich NICHT.
Und die andere Fraktion, die zugegeben deutlich kleiner ist, zieht es zumindest in Erwägung. Selbstverständlich sind wir Menschen der felsenfesten Überzeugung, dass Denken nur für uns in Anspruch zu nehmen ist, denn wir sollen ja angeblich die Krönung der Schöpfung sein.

Puhhh…, bei dieser Aussage schüttelt es mich durch und durch. Dabei sollten wir uns zunächst mit der genauen Definition „Denken“ beschäftigen.

Unter „Denken“ werden alle Vorgänge zusammengefasst, die aus einer inneren Beschäftigung (mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen) eine Erkenntnis zu formen versuchen. Hört sich etwas hochtrabend an, aber so lautet eine der offiziellen Umschreibungen. Für Otto Normalverbraucher übersetzt, heißt es: Wenn ein Individuum durch Erfahrungen und Vorstellungen eigenständige Schlüsse zieht, die zu neuem Verhalten führen, so ist dies ein Denkvorgang. Oder noch kürzer: Wenn Gegebenheiten aus der realen Welt im Kopf simuliert und beurteilt werden, wird gedacht. Wobei das Beurteilen für mich der entscheidende Fakt ist, denn daraus werden Konsequenzen im Handeln gezogen. Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, die Definition.

Wenn ich so über diese Definition nachdenke…, komme ich bei einigen Mitmenschen schon arg ins grübeln…

Können auch Tiere denken?

Können auch Tiere denken?                                                                                                             Foto Jasemin B

Ich kann euch helfen, diese Antwort selbst herauszufinden. Mit einem eigenen Experiment.  Dieser Versuch dauert mehrere Wochen, kann aber jeder Hundebesitzer durchführen. Der Hund sollte zwischen 3 – 9 Jahre alt sein, 5 – 8 wäre perfekt, zudem agil, aufmerksam und geistig sehr wendig.

Versuchsaufbau

  1. Wir brauchen 2 große Kisten, eine schwarz ( innen & außen), die andere weiß
  2. Die Kisten sind jeweils an einer Seite offen, der Hund muss bequem hineinlaufen können
  3. Die Kisten werden in entgegengesetzten Richtungen ( in verschiedenen Zimmern des Hauses) aufgestellt
  4. Sie sind vom „Start“ aus nicht zu sehen und nicht auf direktem Weg zu erreichen
  5. Der Hund muss sich also in die eine oder andere Richtung bewegen
  6. In jeder Kiste stellt ihr exakt das gleiche Futter bereit (natürlich lecker)

Versuchsablauf

  1. Die Fütterung erfolgt immer zur gleichen Zeit
  2. Ausgangspunkt ist immer der selbe /z.B. Diele
  3. Der Hund läuft dann in die eine oder andere Richtung
  4. Die Räume mit den Kisten sind gut beleuchtet
  5. Dieser Ablauf wird 2x täglich mindestens 2 Wochen durchgeführt
  6. Nach 2 Wochen erfolgt ein Umbau
  7. Die zwei Kisten werden in einen anderen, bisher noch nicht genutzten Raum gestellt
  8. Jede Kiste in eine andere Ecke des gleichen Raumes (also ein komplett anderer Versuchsaufbau)
  9. Zu den Räumlichkeiten des ersten Versuches hat der Hund jetzt keinen Zugang
  10. Die schwarze Kiste wird innen mit starkem Gebläse versehen, welches durch einen Kontakt beim Betreten des Hundes startet. Zudem wird ungeeignetes Futter angeboten
  11. Die weiße Kiste bleibt neutral und beinhaltet gutes Futter
  12. Dieser Ablauf wird 2x täglich 1 Woche durchgeführt
  13. Nach 1 Wochen erfolgt ein Umbau
  14. Rückbau auf den ersten Versuchsaufbau
  15. Erneute Durchführung des 1. Versuchs- nur 1 x

Ergebnis

Alle Anhänger der These: Tiere folgen nur ihren Trieben oder einer Konditionierung, müssen davon ausgehen, dass der Hund nach dem 2. Versuch und anschließendem Umbau zum 1. Versuchsaufbau, wieder in sein gewohntes Verhalten zurückgeht.

So die weit verbreitete Annahme.

Wurden alle Versuchsbedingungen erfüllt, ist das Ergebnis erstaunlich.
Erstaunlich  anders, anders als die meist verbreitete Meinung uns sagen möchte.
Ihr dürft gespannt sein.

Das überraschende Ergebnis erfahrt ihr in:
Können Tiere Denken  Teil II

Déjà-vu – schon mal gesehen

Schon das Wort Déjà-vu ist verwirrend, aber die Welt dahinter ist noch viel verwirrender. Manche Wissenschaftler nennen dieses Phänomen auch Erinnerungstäuschung oder  Gedächtnisstörung, meinen aber stets das Gleiche. Déjà-vu – schon mal gesehen

Déjà-vu - schon mal gesehen

Déjà-vu – schon mal gesehen

Wie auch immer, in jedem Fall ist Déjà-vu wiedermal ein Stück aus der Aufführung: Wir haben keine Ahnung. Das trifft sich gut, denn ich wusste mit diesem Erlebnis auch nichts anzufangen. Ich lief durch eine fremde Straße in Süd-Deutschland, genauer gesagt durch Landshut und da traf es mich wie der berühmte Blitz aus heiterem Himmel. Hey, genau das habe ich doch schon mal erlebt! Wie zum Teufel ist das aber möglich, dass ich plötzlich das Gefühl hatte, schon mal hier gewesen zu sein? Wie kann mein Gehirn eine Realität abbilden, die ich noch gar nicht kenne? Entweder sind die Grauen Zellen, Rebellen mit einem Hang zur Revolution, oder im Oberstübchen passieren Dinge, die unseren Wissens Horizont übersteigen.

Ich tippe auf das Letztere.

Zahlreiche Wissenschaftler sind der Meinung, Déjà-vu`s stammen aus dem Langzeitgedächtnis und werden bei vermeintlicher Übereinstimmung mit der Realität wieder ans Tageslicht geholt. Gegen diese These spricht diese Variante, wenn man ein Déjà-vu hat, tatsächlich noch nie an dem Ort gewesen zu sein. Oft geht es aber auch nur um eine Ahnung, das Gefühl, Etwas  zu kennen. Was genau? Genau das ist der Kern des Rätsels, denn wir erkennen nicht einen Fakt, sondern uns überfällt eine Vision, ein vertraute Ahnung.

Also die Vision, etwas zu kennen, was man eigentlich gar nicht kennen kann, sondern stattdessen von den rebellischen Grauen Zellen vielleicht nur mit einer ähnlichen Situation verglichen wird. Die intelligenten, grauen Mitbewohner im Oberstübchen haben also ein Eigenleben und ganz eigene Vorstellungen?  Vielleicht!

Fakt ist, dass 1868 der deutsche Psychiater Julius Jensen erstmals den Begriff Déjà-vu in seine Arbeit eingefügt hat. Davor war es entweder eine unerklärliche Anomalie oder ein Zeichen (von wem auch immer).  Fakt ist aber auch, dass sich im Oberstübchen Dinge abspielen, die wir nicht einordnen und schon gar nicht kontrollieren können. Eine der letzten wissenschaftlichen Erkenntnisse, oder nennen wir es Hypothesen, besagt: Möglicherweise handelt es sich um spezielle Situationen, in denen Kurz- und Langzeitgedächtnis für einen Moment nicht aufeinander abgestimmt sind. Einer weiteren Hypothese zufolge, treten Déjà-vu`s in Situationen auf, die an ein verdrängtes, tatsächlich erlebtes Ereignis erinnern, dass so kurz wahrgenommen wurde, dass es nicht bewusst registriert werden konnte. So die Weissagung.

Déjà-vu - schon mal gesehen

Déjà-vu – schon mal gesehen

Wie ist das aber nun mit den Tieren? Einigen Spezies spricht man unglaubliche Erinnerungsleistungen zu und müssten sie demzufolge nicht auch Déjà-vu`s haben? Gewagte These, warum aber eigentlich nicht? Früher haben wir überzeugend behauptet, die Erde sei eine Scheibe und Astrologen drohte für die These: die Sonne steht im Mittelpunkt und nicht die Erde, der Scheiterhaufen. Unser Gehirn ist schon ein wundersames Ding und ein Meisterstück der Evolution. Leider nicht perfekt. Zumindest so wie wir es derzeit verstehen. Aber die Evolution hat ja noch Zeit, denn sie bastelt ja erst wenige Jahre daran herum. Der Gewinner in der Evolution ist nicht, wer leistet was, sonder wie kann meine Spezies überleben und da sind wir bisher alles andere als ein Vorzeigeobjekt. Spitzenreiter sind natürlich die Bakterien und bei den hoch entwickelten Spezies ungeschlagen die Haie (mit rund 250.000000 Jahren), dicht gefolgt von den Dinosauriern (mit rund 150.000000 Jahren).

Wir Menschen (mit rund 200.000 Jahren) haben also noch eine ganze Menge Zeit, zu erforschen, was wir noch nicht verstehen. Déjà-vu ist einer der vielen weißen Flecken davon. Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass alles ganz anders ist, als wir heute vermuten und staunen, dass dies überhaupt möglich ist.

Déjà-vu,
über sowas habe ich doch schon mal nachgedacht

 

Hunde reden und Freunde posten auf Finnisch

Stellen wir uns vor, Silvester,  genau um Mitternacht, also zu Anfang des neuen Jahres, verändert sich plötzlich unsere Welt. Silvester-Raketen steigen in den Himmel, aber kein Geräusch ist zu hören, kein Knall. Unsere Nachbarn stehen verwundert auf der Straße und schauen ratlos zu uns herüber. Der leichte Schneefall ist wunderbar, das leise Schnee-Knirschen unter unseren Schuhen verbreitet ein wohliges Gefühl und eine merkwürdige Stille breitet sich aus.

Noch während wir uns überrascht ansehen und die ersten Vermutungen die Runde machen, bemerke ich so ganz neben bei, aus dem Augenwinkel, dass alle Hunde aus der Straße nun ebenfalls draußen sind. Zunächst habe ich mir nichts dabei gedacht, aber als sie alle dicht beieinander standen, wurde ich neugierig. Von weitem sieht es so aus, als würden sie miteinander sprechen, was ja nicht sein kann, aber irgendwie scheint mir heute Alles anders als sonst. Ich unterbreche meine Diskussionsrunde und laufe zu den Hunden. Während ich näher komme, beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl, denn aus der Runde der Vierbeiner dringen Stimmen zu mir. Stimmen die ich noch nie gehört habe.

Mit aufgerissenen Augen stelle ich fest, was eigentlich nicht sein kann: Die Hunde reden miteinander.

Hunde reden und Freunde posten auf Finnisch

Hunde reden und Freunde posten auf Finnisch

Ich bleibe kurz stehen und überlege, was ich alles getrunken habe, bin ich verrückt geworden?
Wahrscheinlich, denn das Reden höre ich nun laut und deutlich. Plötzlich schaut mich Mex,  der Mischling von gegenüber, an und begrüßt mich mit einem freundlichen Hallo Peter.

Nun bin ich mir sicher, ich bin verrückt geworden.

Sogleich schauen alle zu mir und rufen Frohes Neues Jahr. Ich kann sie verstehen, ich kann mit Hunden reden, oder ist das doch nur ein Traum? Ich weiß es nicht. Vielleicht wache ich ja gleich auf und hatte nur zu viel getrunken. Meine May kommt mir entgegen und begrüßt mich überschwänglich, aber nicht nur mit Schwanzwedeln, sondern mit aufgeregten Worten. Toll, schön dass du da bist, ich hab dich lieb. Jetzt kommt auch Abby mir entgegen und ruft schon von Weitem: Wollen wir zu den Schafe?  Und im Handumdrehen stehen die beiden vor mir und erzählen wie ein Wasserfall. Meine Hunde reden mit mir?!

Nachdem ich mich wieder gefasst habe und noch immer der Meinung bin, in einem Traum zu sein, beuge ich mich zu meinen Hunden und nehme sie zur Begrüßung in den Arm. Sie erzählen was sie alles gesehen haben und dass das Huhn Erna, von schräg gegenüber wieder über die Garage geflogen ist. Im gleichen Moment blafft Abby den Nachbarhund an, er soll lieber nicht zu nahe kommen. Warum machst du das frage ich Abby. Ich habe Angst, dass er dich mir wegnimmt, weil ich in der Zeit vor dir nicht immer Schönes erlebt und vieles immer wieder verloren habe.

Nun bringt mich das doch alles aus dem Gleichgewicht, oder sollte ich besser sagen um den Verstand?! Ich laufe eilig ins Haus, starte hastig den Computer und sehe als erstes meine zuletzt geöffnete Seite  -Facebook. Ok, das sieht ja alles ganz normal aus. Doch bei genauerem Hinsehen, posten alle meine 5.000 Kontakte in Finnisch. Ich reibe mir wieder die Augen.

Finnisch?

Warum um Himmels Willen schreiben alle in Deutschland auf Finnisch? 99,99% von denen sind doch Deutsche und mailen auch mit Freunden aus Old Germany. Sind nun alle verwirrt oder im Geltungs-Modus? Was ist das für ein Silvester, Hunde können plötzlich reden, Silvesterraketen machen keine Geräusche und auf Facebook schreibt man in Deutschland nun auf Finnisch. Ich schreibe einem Border Collie Freund, ob bei Ihm alles in Ordnung ist und bekomme auch schnell eine Antwort  – auf Finnisch:

Rakas Peter, toivotan teille kaikkea uutta uutta vuotta  

Warum auf Finnisch, schreibe ich zurück. Die erneute finnische Antwort: Es könnte ja eventuell auch jemand in Finnland lesen.  Zu diesem ganzen finnischen Schreib-Quatsch muss ich gleich mal die Hunde befragen, was sie davon halten.

Hunde reden und Freunde posten auf Finnisch

Hunde reden und Freunde posten auf Finnisch

Gerade als ich zu meinen Hunden gehe, um mit ihnen über die finnischen Posts zu diskutieren, zucke ich zusammen. Laute Explosionen und Lichtblitze erschüttern meine Gedanken. Ich schrecke hoch und…  öffne die Augen. Ich war auf dem Sofa eingeschlafen und hatte einen Traum. Es ist gerade Null Uhr Silvester. Der Computer vor mir ist noch an und 1000 Glückwünsche rauschen durch das Netz. Ich wünsche meinen Freunden ein gutes Neues Jahr und erhalte das Gleiche  -von einigen auf Englisch. Warum um Himmels Willen auf Englisch?

Meine Hunde sitzen vor mir und schauen mich an, als würden sie jedes Wort verstehen. Ich verspreche ihnen, wir bleiben für immer zusammen. (auf Deutsch)

 

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

An alle Schreibtisch-Täter, Traumtänzer und Möchtegern-Abenteurer, die wahren Helden unserer Tage kommen nicht aus den Fitnessstudios oder dem TV, sondern aus dem harten Alltag der Wanderschäfer.

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Wanderschäfer, auch zur Winter-Zeit

Ich weiß was es heißt, sich um seine Tiere im Winter Sorgen zu machen. Man kennt sie ganz genau. Die einen sind zurückhaltend, die anderen frech, manche zutraulich und bei anderen muss man immer ein Auge drauf haben, dass sie genug zu Fressen bekommen und nicht von den anderen abgedrängt werden. Dabei habe ich nur 120 Damen. Was ist das aber für eine riesen Last für 1.000 Tiere, also 1.000 Leben verantwortlich zu sein. Ich stehe immer wieder sprachlos vor der Herde meiner befreundeten Schäfermeister. Wie unglaublich kompromisslos sie sich für ihre Tiere einsetzen. 14 Arbeitsstunden sind dabei keine Besonderheit und am Wochenende braucht ihre Herde die gleiche Aufmerksamkeit.

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Zeiten, die diesen unbeugsamen Individualisten alles abverlangen.  Im Winter

Als ich diese Fotos zum ersten Mal gesehen habe, Christian Peter hatte sie ins Netzt gestellt, war ich so fasziniert, dass es mir kalt den Rücken herunter lief. Was für ein Durchhaltevermögen, welche Willensstärke und Härte gegen sich selbst, einfach unbeschreiblich. Dieser uralte Traditionsberuf vereint so vieles, was uns Zweibeiner ausmacht, denn er ist einer der wenigen verbliebenen Lebensarten, die noch Natur, Tier und Mensch im Einklang vereint. Die letzten verbliebenen Wanderschäfer sind das Paradebeispiel für ein Leben mit der Natur und nicht nur von ihr.

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Ob Sturm, Regen oder wie hier Schnee, er sorgt sich immer um seine 1.000 Tiere

Als ob das alles nicht schon anstrengend genug wäre, besteht das Wetter in Deutschland ja nicht nur aus 24 Grad und einer leichten Sommer-Briese, sondern auch aus Sturm, Regen, Unwetter und vor allem auch aus einem Winter mit Schnee.

Was soll da eigentlich unser Gezeter: z.B. Warum hat der Schneepflug noch nicht geräumt?  Das Internet war gestern Abend auch ausgefallen.

Dabei wollten einige vielleicht gerade gestern Abend nachsehen, wo entlang ihre sensationelle Radtour verlaufen soll, aber allein schon die Hotelauswahl eine Herausforderung darstellt. Nicht dass dies einer missversteht, ich mag Radfahren, aber mit unserem Alltag erschaffen wir nicht gerade die Welt neu, auch wenn wir manchmal meinen, einen Sturm bezwungen zu haben. Doch meist ist es nur ein Sturm im Wasserglas. Schauen wir also aus unseren warmen Stuben voller Bewunderung auf wirkliche Helden unserer Tage, auf Wanderschäfer mit ihren Herden.

Solltet ihr einmal einen Wanderschäfer mit seiner Herde begegnen, so zollt ihm Respekt, denn es sind die letzten Helden unserer Zeit.

 

Meine Tiergefährten

Als ich anfing, meinen wundersamen Alltag auf zu schreiben, dachte ich eher an ein Tagebuch für meinen Sohn, oder an einen Blog, merkte aber schnell, dass da eine gewaltige Lawine auf mich zu rollte und ich hatte große Mühen, meine täglichen Ereignisse aufzuschreiben. Mein Alltag glich einem Schnellzug, der mit Höchstgeschwindigkeit über die Schienen rast, spannend, aufregend und immer Hände schüttelnd mit neuen interessanten Menschen…

Nun könnten einige behaupten: Was soll der ganze Stress. Auf dem Sofa liegen ist doch viel besser.

Aber was soll man machen, wenn einem das Faulenzen nicht so recht in die Wiege gelegt wurde? Natürlich etwas unternehmen und das auch noch möglichst mit Tieren. So kam es, wie es kommen musste, meine Welt wurde bunt. In dieser rasanten, bunten Welt regierten von nun an viele Farben, jedoch nicht rosarot. Es gibt auch Endtäuschungen, Rückschläge und Niederlagen, aber hinfallen ist nicht das Problem, sondern das liegen bleiben. Es war nie meine Sache liegen zu bleiben, denn das Geheimnis unseres Alltags liegt im:  immer wieder Aufstehen. Es ist nicht wichtig, was du bist, sondern was du daraus machst.

H.P.Schaarschmidt /Autor: Tiergefährten

H.P.Schaarschmidt /Autor: Tiergefährten

Denke ich zurück,  – was alles in den letzten 10 Jahren passiert ist, wüsste ich gar nicht, wo ich anfangen sollte, all diese 1000 Geschichten aus dem Wunderland zu erzählen. Manchmal kam ich mit tatsächlich wie Alice im Wunderland vor, die immer tiefer in den Kaninchenbau vordrang. Ich lernte nicht nur viel über die Schafzucht, sondern dass auch jedes Tier eine wirkliche Persönlichkeit ist, dass Tiere, wenn man sie lässt, ihren eigenen Regeln folgen und manchmal Dinge tun, die wie ein ausgetüftelter Plan erscheinen. Also habe ich angefangen, das tägliche Staunen im Wunderland aufzuschreiben und musste mir nach einigen Monaten selbst verwundert darüber, wie mein Alltag aussieht. Aufregend, bunt, anstrengend, aber wunderbar. Zumindest wunderbar für einen Zweibeiner wie mich, der in diesem Kaninchenbau von Alice seine Heimat gefunden hat.

Zu den wundersamen monatlichen Aufzeichnungen über meine Tiere, gesellten sich die Erlebnisse mit den vielen Individualisten, die im Kaninchenbau nebenan wohnen. Viele dieser Bewohner sind so besonders, dass sie vom Otto Normalverbraucher so weit entfernt sind, wie eine Weinbergschnecke vom Marathonlauf. Dennoch finden viele der Nicht-Kaninchenbau-Bewohner gerade diese Individualisten spannend, denn sie leben ein Leben, dass der eine oder andere sehr gern selbst leben möchte. Zumindest projektieren einige ihre Wünsche in sie hinein, wie es doch wäre, wen man auch so leben würde. Ich darf euch aber versichern, dass die viel beschriebene Schäfer-Romantik nur an eure Tür klopft, wenn ihr euch harte Arbeit, sterbende Tiere, Trauer und auch Kummer gefallen lasst. Dann, aber auch nur dann, habt ihr eine realistische Chance auf tolle Momente.

Mein Buch Tiergefährten Autor H.P.Schaarschmidt

Mein Buch Tiergefährten Autor H.P.Schaarschmidt

Mein Buch Tiergefährten  Autor H.P.Schaarschmidt

Ich habe diese Momente und viel mehr, aber auch eine ganze Menge Schufterei, die mir zugegeben ziemlich viel Spaß macht. In Tiergefährten berichte ich über diese Momente und über die Weggefährten im Kaninchenbau nebenan, die mein Leben ebenfalls bereichert haben.Man muss nicht unbedingt mit Border Collies arbeiten oder schottische Schafe züchten, um sich in die Erlebnisse von Tiergefährten hinein ziehen zu lassen, denn das Natur- und Tierwohl sollte bei uns allen auf dem Merkzettel stehen. Ob humorvoll, kritisch oder spannend, die wichtigste Botschaft in meinem Buch lautet:  Begegne den Tieren mit Respekt.

Tiergefährten
von Hunden, Schafen und Individualisten

Viel Spaß beim lesen

Hunde, Schafe, Tiergefährten

 

Baywatch

Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Sie sind gerne am Strand, genießen die Freiheit und machen eine ziemlich gute Figur, zumindest die Hunde…und vielleicht auch Pamela Anderson. Kaum sind wir an dem fast menschenleeren Küstenabschnitt angelangt, laufen auch schon die Kollegen von David und Pamela im chilligen Schritt an uns vorbei, aber weder im engem Badeanzug noch in extrem körperbetonter Kleidung, sondern in dicken Jacken. Haben die denn nie Baywatch gesehen? Mit Baywatch ist es so wie mit der Bildzeitung. keiner will sie gelesen haben, aber wieso ist sie dann mit Abstand die meistverkaufte Zeitung in Good Old Germany?

Da steht der Schaf-Peter, der eher Berge gewohnt ist, am Strand, schaut auf die winzige Linie am Horizont und ist mächtig beeindruckt, was ihn hinter dieser Linie erwarten würde. Wie haben, verdammt noch mal, die alten Seefahrer vor 500 Jahren neue Welten entdeckt? Waren sie alle Helden oder einfach nur rund um die Uhr betrunken? Vielleicht beides.

Baywatch Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Baywatch  Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Für das Foto haben sie schnell ihre Winterjacken ausgezogen.

Nachdem ich das Foto geschossen habe, will ich die Damen eigentlich noch fragen, ob sie für mich in zu engen Badeanzügen und in Zeitlupe über den Strand laufen würden, aber aus irgendeinem Grund traue ich mich das dann doch nicht. Vermutlich hätte mich meine bessere Hälfte mit dem Schlag einer Boje hart auf den Boden der Realität zurückgeholt. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt: Ich will ja nur realistische Fotos wie aus dem Film machen.

Was fasziniert uns eigentlich an einer Wasserfläche, die bis zum Horizont reicht? Der Anschein von Unendlichkeit, eine unbezwingbare Naturgewalt oder einfach nur Fernweh? Obwohl wir bequeme Langzeiturlauber geworden sind, steckt in uns allen ein neugieriger Kämpfer und Entdecker. Wir leben in Deutschland wie auf einer kleinen Insel der Glückseeligen und bemühen uns nach besten Kräften, die böse Welt um uns herum zu ignorieren. Werte Damen und Herren, Sie können gern alle Fenster Ihres trauten Heimes schließen, aber trotzdem atmen wir alle immer noch die gleiche Luft und leben alle gemeinsam auf einem kleinen Planeten. Zahlreiche Wissenschaftler beschäftigen sich inzwischen mit der Frage, wie das „Leben“ der Pflanzen wirklich ist und ob sie untereinander kommunizieren können. Einige Forscher wollen bereits bewiesen haben, dass sich Pflanzen gegenseitig vor Gefahren warnen. Was für eine Wunderwelt sich da wohl in Zukunft noch offenbaren wird? Aber das ist eine andere Wundertüte, die wir an dieser Stelle nicht öffnen wollen.

Ich stehe noch immer am Strand und starre auf die kleine Linie am Horizont, genau wie meine bessere Hälfte, die ihr Foto-Verhinderungs-Schlaggerät inzwischen beiseite gelegt hat. Das wird wohl nichts mit Baywatch-Fotos.

Baywatch Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Traumhafter Ausblick und die Quelle der Sehnsucht.

Durch die schmale Linie da hinten kommt das Schiff nie durch.

Heute wissen wir, dass die Erde rund ist und man nach dieser Linie am Horizont nicht von der Erde herunter fällt. Damals wie heute begründen wir das plausibel und mit größter Gewissheit: „So ist es.“ Was wäre also, wenn wir eines Tages doch herausfinden, dass Pflanzen miteinander reden und Steine ein Gedächtnis haben? Das hört sich ziemlich verrückt an, aber genau das hat man von Nikolaus Kopernikus auch behauptet. Nicht die Erde, sondern die Sonne sollte nach seiner Ansicht im Zentrum stehen. Seine Gegner hielten seine Überlegungen für ein wirres Hirngespinst, denn wenn das wahr wäre, müsse man ja durch die Bewegung um die Sonne einen Fahrtwind spüren. Heute lachen wir darüber, weil wir es besser wissen, aber damals…

Was könnte also noch dahinter stecken, dass wir diese kleine Linie am Horizont faszinierend finden?

Die Antwort ist mal wieder ziemlich simpel:  Weil wir noch immer Entdecker sind, die nach neuen, besseren Lebensräumen suchen.  Wie schon vor 100.000 Jahren. Leider ignorieren wir vieles von dem, was uns in tausenden von Jahren geprägt hat. Die Erde ist unser Zuhause und die Tiere sind unsere Mitbewohner. Wir alle sind aber auch nur Teil eines Kreislaufes. Unsere tapferen Vorfahren waren ganz einfach gezwungen,  neue Lebensräume zu entdecken und das steckt noch immer in uns.

Baywatch Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Das Tor zur Welt

Das Tor zur Welt – und ein Hilfsmittel für die schmale Linie am Horizont

Es ist schon faszinierend, was sich unbewusst in unserem Inneren abspielt. Ob nun die Gedanken über die schmale Linie am Horizont, durch die sowieso niemand durchkommt, oder der Drang, Tiere zu halten: Wir sind fast immer Opfer unseres 90%-igen Ichs, dem Unterbewusstsein, das auf 200.000 Jahre Entwicklungsgeschichte zurückgreift. Ihr schüttelt den Kopf? Nun gut, kein Problem, das stören die 90% nicht. Wenn Ihr also in Zukunft mal wieder tiefsinnig nachdenkt „warum-wieso-weshalb“: Genießt einfach den Moment.

Wir tun, was wir tun müssen. Ich für meinen Teil lebe mit Hunden und Schafen, weil ich meine, es machen zu müssen.

PS.: Vielleicht schau ich mir auch irgendwann mal die schmale Linie am Horizont an, doch wichtiger ist das HIER und JETZT.

Schein oder Sein

Wir leben in einer schnellen, hektischen Welt, in der alles jetzt und sofort passieren muss. Dabei schauen wir auch gern mal NICHT hinter die Kulissen, sondern begnügen uns mit dem Schein.

Ein Beispiel: Fragen wir uns ernsthaft, wie es möglich ist, dass uns die bunte Werbung T-Shirts für 3,99 € verspricht? Nur drei Sekunden Gehirn-Aktivität und wir würden bei der Beantwortung dieser Frage in eine mittelschwere Krise stürzen. Da leben wir lieber weiterhin in unserer Schein-Welt. Wir leben in ihr, weil sie doch so wunderbar bequem und einfach ist.

Gruselige Scherzverpackung. Spiele-Wurst

Gruselige Scherzverpackung. Spiele-Wurst

Gruselige Scherzverpackung. Spiele-Wurst

Ich frage mich auch, weshalb es kaum jemanden interessiert, dass hinter den hübschen Bildchen auf der abgepackten Wurst für 79 Cent millionenfaches Elend steckt. Wollen wir diese schrecklichen Bilder aus den Tierfabriken überhaupt sehen? Nein, denn mit einem netten Bildchen auf der Verpackung schmeckt die Wurst besser und lässt sich auch besser verkaufen.

Kürzlich fragte mich jemand:  „Bist du ein Grüner?“ Als ob die Grünen das Tierwohl für sich gepachtet hätten. Und nein, ich bin parteilos. Nur mal nebenbei angemerkt: Hätten die Grünen einen guten Job gemacht, wären wir heute nicht Weltmeister in der Massentierhaltung. Meine Einstellung, die zugegeben nicht immer mit dem aktuellen Zeitgeist konform geht,  habe ich meinem gesunden Menschenverstand zu verdanken.

Kürzlich bestätigte sich beim Besuch einer gut funktionierenden Thüringer Groß-Schäferei, dass respektvoller Umgang mit Tieren keine Theorie sein muss. Selbst die Hundezwinger gefielen mir, obwohl ich kein Anhänger von Außenzwingern bin. In diesem Unternehmen herrschte nicht der Schein oder eine Wunsch-Welt vor, sondern ein respektvoller Pragmatismus, gepaart mit Erfahrung und Begeisterung. Wunderbar.

Auch wenn unsere selbstgebastelte Schein-Welt bequem zu sein erscheint, in den 200.000 Jahren Menschheitsgeschichte hat sie noch nie funktioniert.

 

Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

 

Ein tolles Wochenende mit Gleichgesinnten, das ist es doch, was wir uns alle wünschen. Ich hatte mal wieder das Glück, zwei wundervolle Tage zu erleben. Leider war meine bessere Hälfte Jasi nicht mit dabei, aber das Wochenende war trotzdem unvergesslich. Eigentlich habe ich zwei Tage mit Sandra  im Richterwagen zugebracht, aber wir hatten so extrem viel Spaß, dass selbst der Fotograf Martin Schulte schon anfing, über unsere extrem gute Laune Scherze zu machen.

Falls jemand auf den Gedanken kommt, wir könnten unsere Aufgabe nicht ernst genommen haben, dem kann ich versichern: Doch, wir haben unseren Job erledigt – und dabei einen Riesenspaß gehabt. Eigentlich sind wir ganz schön verrückt: Wir lassen unsere Partner zu Hause, obwohl wir mit ihnen ein tolles Wochenende verbringen könnten, stellen uns bei Wind und Wetter auf irgendeinen Acker und schauen zu, wie Border Collies fünf Schafe über die Fläche schieben. Ich gebe aber zu, dass es schon mächtig faszinierend ist, diesen vierbeinigen Raketen bei der Arbeit zuzuschauen und ihre Fähigkeiten zu bewundern.

Ich gestehe aber auch, dass man ein Border Collie Bewunderer sein muss, wenn man sich stundenlang, ach, was sage ich, tagelang hinstellt, um bei strömendem Regen diesen schwarz-weißen kleinen Genies zuzusehen. Sandra, die Richterin an meiner Seite, ist ständig im Zwiespalt zwischen Kritik und Motivation. Lässt sie das jetzt durchgehen? Motiviert sie dieses Team, weiter zu machen, auch wenn ein anderer dann vielleicht fragt „Warum warst du bei mir härter?“

Wir haben mehr als einmal darüber diskutiert, ob das jetzt zu lieb bewertet war und ob sie deshalb positiver von der Wettkampffläche gehen. Gerade in den Klassen 1 und 2 spielt die Motivation eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn viele Teams schnuppern zum ersten Mal Trial-Luft und sind vor jedem Start so aufgeregt, dass sie fast erstarren. Aber sein wir doch ehrlich: Gerade diese Aufregung macht die Tage zu etwas Besonderem.

Nun sitze ich, wie so oft in diesem Jahr, wieder in einem Hotel. Diesmal in Thüringen, denn Morgen haben Bianca und ich wieder Hütevorführungen. Vormittags sind wir mit einem Schäfer aus der Region verabredet, der sich nicht nur um 2.500 Muttertiere kümmert, sondern auch mit Isegrim zu kämpfen hat. In den letzten Wochen wurden 80 Tiere gerissen. Das treibt dem Schaf-Profi deutliche Sorgenfalten auf die Stirn. Auf einmal wirken unsere Problemchen eher als Luxussorge. Ich komme nicht umhin, die Berufsschäfer voll Hochachtung zu betrachten, denn sie leisten täglich Wunder. Ein Schäfermeister, der seinen Megabetrieb im Griff hat, ist einfach ein tolles Erlebnis.

Prost /Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

Prost /Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

Ich habe beim Einschlafen zwar keine Schäfchen gezählt, bin aber mit großer Neugier auf den nächsten Morgen eingeschlafen.

Die Nacht war schnell vorbei und der neue Tag hatte gleich zu Beginn Erstaunliches zu bieten. Einen umsichtigen Schäfermeister, der sich neben 2.500 Muttertiere auch noch um Angestellte und Azubis zu kümmern hat. Nach einer freundlichen Begrüßung stellten Bianca Jacobi und ich uns kurz vor. Nachdem wir einen Vorraum mit unzähligen Auszeichnungen an der Wand durchquert hatten, traten wir in die erste Halle ein. „Wow“, fiel mir da nur ein, denn die Ausmaße waren gigantisch. Ich vermute, man könnte auch zwei Reithallen daraus machen. Aber Schafe sind mir hier lieber. Toll, dass es überhaupt noch solche großen Betriebe gibt, die noch nicht von dem allgemeinen Industrie-Wahn aufgefressen wurden. Um es vorweg zu nehmen, wir haben uns für die nächste Lammzeit wieder verabredet. Das Gewimmel möchte ich unbedingt sehen. Zwei Megahallen voller Wollis mit Lämmern bekommt man in unserem Land so gut wie gar nicht mehr zu sehen. In der übrigen Zeit sind alle Tiere auf unendlichen Weiden.

Wunderbar

Wärend er uns den Ablauf ausführlich erklärte, begutachtete ich die wenigen aufgestallten Tiere. Sie sollten verkauft werden. Ich dachte: „Die haben ihren Laden wirklich im Griff.“ Die vielen Auszeichnungen in der Eingangshalle haben sie zu Recht bekommen, denn die Merino Schafe sind wirklich vorzeigbar. Da wir bereits vor Sonnenaufgang vor Ort waren, konnte ich mit meinem Handy nur Geister-Fotos schießen.

 

Keine Geister Merinos

Keine Geister Merinos

Keine Geister Merinos, sondern eine Unzulänglichkeit meines Handys.

Auf dem Rückweg hielten wir an einer Tankstelle und mussten uns erst Mal von den überwältigten Eindrücken erholen. Die Tankstelle glich eher einem Supermarkt und zu unserer großen Verwunderung gab es hier Dinge, die bei uns in Niedersachsen unvorstellbar währen.

Zum Kaffe noch einen Schlagstock to go

Zum Kaffee noch einen Schlagstock to go

Zum Kaffee noch einen Schlagstock to go gefällig? Thüringen ist wunderschön, aber das hat uns dann doch verwirrt. Nochmal zu Erinnerung: Wir waren in einer Tankstelle!

Trotzdem, Thüringen ist toll. Allerdings muss man hin und wieder mit Straßensperren und Polizeikontrollen rechnen, weil gerade Stiefelträger im Nachbarort aufmarschieren. Und ich meine damit nicht die Feuerwehr.

Wir kommen wieder.

 

Hütevorführung oder Hüte-Vorführung?

„Wie? Sie wollen bei uns eine Hüte-Vorführung präsentieren?“ fragt ein Schlossverwalter, willigte aber im gleichen Moment ein. Er wundert sich nur, dass wir so viel Fläche dafür benötigen. Hüte passen ja wunderbar zu einem Schloss, aber eine gewisse Verwirrung ist dem Hausherren deutlich anzusehen.

Ich trage Gummistiefel und eine Wachsjacke, habe zwei Border Collies dabei und erzähle von meinen Laufenten, aber irgendwie will sich der Nebel in seinem Kopf noch nicht verziehen. Ich überlege kurz: „Gefällt mir diese Verwechselung?“ Die Antwort ist schnell gefunden: „Ja, echt witzig!“ Eigentlich müsste ich diesen Herrn auf den Boden der Tatsachen holen, aber die Wortspiele und das offensichtliche Missverständnis machen mir ziemlich viel Spaß.

Wir reden noch immer über eine Hütevorführung, oder doch eine Hüte-Vorführung?

Die Frage nach Absperrgittern und Strom für die Technik bringen ihn nicht auf andere Gedanken, aber das Thema Heu macht den Freiherrn von ich weiß nicht genau dann doch etwas stutzig.

„Heu? Sie brauchen Heu?“ „Ja, das wäre super, wenn die Wiesen so weit runter gemäht sind, dass sie nicht mehr ergiebig sind.“ „Die Wiesen müssen ergiebig sein?“ „Naja“, antworte ich „unsere schottischen Kolleginnen müssen ja ordentlich versorgt werden“. So langsam werde ich mutig und erwähne noch: „Schließlich bin ich für die vielen hübschen Damen verantwortlich“.

Vor mir steht ein Mann, der ein Schloss von seiner Familie übernommen hat und in seiner ganz eigenen Welt lebt. Ich gebe zu, seine mit Wappen bestickten Hemden und seine Lack-Schühchen finde ich etwas lächerlich, aber jeder mag so leben, wie es ihm beliebt. Über mein Leben mit den Tieren werden sicherlich auch viele Menschen den Kopf schütteln.

Doch dann findet er seine Sprache wieder und stellt die richtige Frage: „Was machen Sie eigentlich genau?“ Nun wird es Zeit, die Situation aufzulösen. Eigentlich schade. „Wir präsentieren den Border Collie Arbeitshund in der Tradition der schottischen Farmer und das mit Hilfe von schottischen Schafen und Laufenten.“ Ich sehe in aufgerissene Augen und wieder folgt Schweigen.

Hütevorführung Border Collie May /Foto: Jasemin B

Hütevorführung Border Collie  /Foto: Jasemin B

Dann aber bricht es aus ihm heraus: „Das ist ja wunderbar und es passt perfekt in diese Umgebung“. Ich mochte den schottischen Landadel schon immer, denn er ist das Paradebeispiel für Pragmatismus und Tradition. „Werter Freiherr von ich weiß nicht genau, bei uns geht es weniger um den schottischen Adel, sondern eher um den Border Collie. Genau gesagt, um den Arbeitshund Border Collie“. Ich kann fast sehen, wie seine grauen Zellen auf Hochtour laufen, er aber versucht, diese Gehirnakrobatik zu verstecken.

„Wieviel Fläche brauchen Sie und kann man diese Präsentation in einem Schloss-Event integrieren?“ „40m x 60m wäre wunderbar, aber wir kommen auch mit etwas weniger zurecht. Es ist aber sehr schön, auch für die Zuschauer, wenn die Hunde genügend Platz haben, um ihren Job zu erledigen. Es sieht einfach besser aus und das Publikum sieht Border Collies, wie sie wirklich agieren. Das ist ziemlich spektakulär. Und was die Einbindung in ein Schlossfest betrifft, so haben wir mit dieser Kombination nur gute Erfahrungen gemacht. Der Veranstalter benutzt unsere Hütevorführung sogar als zusätzliche Werbung für sein Fest.“ „Ok, das kann ich mir alles gut vorstellen“, ist seine spontane Antwort.

Während er betont lässig hinter seinem ehrwürdigen Schreibtisch sitzt, der vermutlich von seinem Ur-Ur-Urgroßvater stammt, beschleicht mich ein komisches Gefühl. So ganz genau kann ich es nicht beschreiben, aber seine übertriebene Lässigkeit passt irgendwie nicht zu ihm. Dieser Freiherr versucht doch tatsächlich, einen auf Kumpel zu machen, aber meine Magengegend rebelliert. Nein, kein Durchfall. Mit dem Mann, der in den Lackschühchen steckt, stimmt etwas nicht.

„Für die Programminhalte geben wir auf unseren Schlossfesten nichts aus, weil unser Event eine tolle Plattform ist, bei der alle dabei sein wollen.“ OK, das erklärt meine Bauchschmerzen. Sie wollen sehr viel für Null. Am besten alles. Die Lackschühchen suchen nur Einnahmequellen, da vermutlich die Unterhaltskosten der Schlossmauern drücken. So habe ich mir eine Zusammenarbeit nicht vorgestellt. Ich wünsche mir eine gewisse Begeisterung und Achtung für und vor uns und unseren Hunden. Ich mag die Geschichte, Burgen und Schlösser auch, aber keine arroganten Fatzke, die den Verfall mit Überheblichkeit verdecken wollen. Bin ich jetzt zu streng oder zu intolerant?  Mir ist es egal.

H.P.Schaarschmidt /Foto: Jasemin B

H.P.Schaarschmidt /Foto: Jasemin B

Auf diesem herrschaftlichen Schlossgelände werden wir dann wohl nicht den Arbeitshund Border Collie vorstellen. Bei der Arbeit mit Schafen und Hunden spielen Ideale mehr als nur eine große Rolle.

Einige „Otto Normalverbraucher“ halten uns Schaf- und Hundeleute sicher für verrückt. Als ich meinen Lektor in Berlin frage, ob da etwas dran sei, fällt seine Antwort so kurz wie simpel aus: „Natürlich sind Sie etwas verrückt, sonst würden Sie das doch alles nicht machen. Schafe, Border Collies, Hütevorführungen, ein Buch schreiben und dabei noch einem Beruf nachgehen ist verrückt. Aber schön, dass Sie es tun.“

 

Bucherscheinung 2017 – Tiergefährten –

Meine täglichen Erlebnisse rauschen wie ein Schnellzug in voller Fahrt an mir vorbei und ich komme gar nicht dazu, all das Erlebte festzuhalten. Das Erleben, das Machen und das Aktiv sein sind ja aber auch nur eine Seite meines Lebens, worum es mir noch geht, nämlich das Schreiben, ist eine ganz andere.

Eigentlich sollte mein Erstlingswerk „Tiergefährten“ bereits im Sommer auf dem Markt sein, aber bei der Abschlussbesprechung in Berlin flogen mir nicht nur die Kritikpunkte meines Lektors um die Ohren, sondern auch die von einer guten Freundin, die der schreibenden Kunst mächtig ist. Das Schreiben und Veröffentlichen eines Buches hatte ich mir bis dahin ganz anders vorgestellt.

Bucherscheinung 2017 - Tiergefährten -

Bucherscheinung 2017 – Tiergefährten –

Aber da jede Krise auch ein produktiver Prozess ist, sollte ich froh sein, dass ich so kompetente Freunde an meiner Seite habe. Deshalb ist des vermeintlich fertige Buch nun wieder für eine neue Überarbeitung freigegeben. Nein, ich bin nicht deprimiert, vielleicht ein bisschen enttäuscht. Mit meinem Erstlingswerk male ich mir natürlich keine Chancen auf den Pulitzer Preis aus, der mir sowieso egal ist, aber ich möchte unbedingt, dass der Schnellzug meines Lebens einen Moment anhält, Ihr eine Strecke mit mir reisen könnt und ich Euch dabei meine Geschichten über die Tiere und Mutter Natur lebendig und fesselnd erzählen kann.

Mutter Natur? Mit diesem Namen sollte ich mich auch mal näher beschäftigen..

Auch wenn ich dachte, wir hätten alle Arbeiten abgeschlossen, haben sich nun alle Beteiligten wieder in die Arbeit gestürzt und aus dem Sommer-Buch wird wohl eher ein Herbst-Buch 2017.

Ganz mit den Worten des genialen Oscar Wilde: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es nicht das Ende“. Ihr dürft also weiter gespannt sein und ich informiere Euch über Neuigkeiten.

 

Herzliche Grüße aus dem schönen Nienburg
H.P.Schaarschmidt