Archiv des Autors: H.P. Schaarschmidt

Energie-Verschwendung

Ich bin Schafzüchter und was machen Liebhaber stark behaarter Damen? Sie denken über wichtige Fragen nach. Als ich kürzlich meine ersten Lämmer betrachtete und ganz gedankenversunken über den Sinn des Lebens nachdachte, schoss mir plötzlich eine alles entscheidende Frage durch den Kopf:

Wenn man zufällig irgendeine Telefonnummer wählen würde und Gesundheit sagt, wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit, dass der Angerufene gerade niest?

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Diese alles entscheidende Frage ist sehr schwer und verändert das Leben eines jeden Schafzüchters. Während meine Lämmer gemütlich im Futter liegen und Mama rücksichtsvoll drumherum frisst, beginne ich zu rechnen. Lt. Statistik niest ein Mensch im Durchschnitt ca. 250-mal pro Jahr, Dazu gibt es mehrere wichtige Studien, die sogar von spektakulären 400 Niesausbrüchen pro Jahr ausgehen, aber das ist vermutlich nur Panik-Mache und soll die Bevölkerung nur verunsichern. Dieser Katastrophenfall ist eher unwahrscheinlich. Bleiben wir also bei unseren streng wissenschaftlichen Studien von  ca., eventuell und möglichen 250.

Bei diesen wichtigen Recherchen bin ich auf eine noch wichtigere Erkenntnis gestoßen. Die Suchmaschine Google registrierte  rund 6.000 Suchanfragen zu dem Thema Niesen. Wenn nur die Hälfte dieser wichtigen Anfragen aus den USA kommt und jede Anfrage durchschnittlich 4 Autoren hat, erwischt man bei einem Zufallsanruf mit einer Wahrscheinlichkeit  von etwa, ca., vermutlich
1 : 10 000 000  jemanden, der genau an diesem Tag eine Suchanfrage gestellt hat.

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Ich betrachtete noch immer meine Lämmer und während die Synapsen in meinem Obergeschoss schon deutlich über ihre Leistungsfähigkeit arbeiteten, schoss mir ein weiterer wichtiger Fakt durch die überlastete Schaltzentrale: Wenn eine fremde Person den gleichen weltveränderten Versuch macht und ebenfalls in diesem Moment eine zufällig Telefonnummer wählt um Gesundheit zu wünschen, so besteht die wissenschaftlich fundierte Chance 1 : 10 000 000 000 000, dass wir uns im gleichen Moment gegenseitig anrufen.

An diesem Punkt wurde mir ganz schwindelig, meine Schaltzentrale stellte auf Notstrom und ich erhielt die unmissverständliche Mitteilung:  Du verschwendest meine Energie. Beschäftige dich mit den Lämmern, sonst schalte ich mich ab. Von da an, habe ich nie wieder über so hoch wissenschaftliche Fragen nachgedacht, sondern mich nur noch um die Realität gekümmert. 

…ich sah auf meine Lämmer und sie waren wunderbar.

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Tiere können reden und Pflanzen sind schlau.

Als ich, wie immer am Morgen, mit meinen Hunden sprach und sie mir zuhörten, als würden sie jedes Wort verstehen, musste ich plötzlich an meine 100 bewollten Frauen denken. Warum? Weil ich mit diesen Damen eine ebenso angeregte Konversation pflege, wie mit meinen Hunden. Selbstverständlich kommunizieren sie nicht mit mir in einem hannoverschen Hochdeutsch, aber auf irgendeine wundersame Weise verstehen wir uns. Nur bei meinen Laufenten, da hapert es gelegentlich mit dem Gedankenaustausch. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie mich zwar verstehen, aber schlicht weg ignorieren. Tinker Ponny Angel ist zum Beispiel etwas dickköpfig und frech, aber bei ihm habe ich schon von weitem das Gefühl, dass er am liebsten laut HALLO rufen würde. Vielleicht macht er das auch, nur eben in seiner Sprache. Eigentlich können alle Tiere reden, doch wir nehmen uns nicht die Zeit, ihnen wirklich zuzuhören. Zuhören heißt: Mit ihnen Zeit verbringen und aufmerksam beobachten.

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Tiere Können reden und Pflanzen sind schlau H.P.Schaarschmidt www.schaf-land.de /Scottish Blackface

Eine gut funktionierende Schaf-Herde hat ihre ganz eigenen Gesetze. Sie regeln viel untereiner, wenn man sie regeln lässt. Natürlich  gibt es auch mal Streit. Oft geht es nur um Kleinigkeiten, doch sie sprühen vor Energie, so dass die Hitzköpfe nicht selten aneinander geraten.

Da stehen sie also,  wütend und bockig gegenüber. Dan dauert es nicht mehr lange, bis ihre Dick-Köpfe aufeinander prallen. Kurz ein paar Schritte zurück und schon knallen sie zusammen- … und wieder und wieder.
Was kaum jemand weiß, in einer solchen Herde gibt es streng verteilte Hierarchien und Jobs. Geraten zwei wütende junge Damen aneinander und lassen ihrer Kampfeslust freien Lauf, schalten sich irgendwann ältere Mädels ein und stellen sich, mit leichter Drohgebärde, zu den aufgebrachten Damen. Das Signal bedeutet: Hey, aufhören, sonst gibt’s richtigen Ärger. Wie aber Kids so sind, natürlich hören sie meist nicht auf. Diese Damen-Ringkämpfe kann ich immer wieder beobachten und ebenso die Folgen nach der ersten Warnung. Irgendwann wir es einer der älteren Ordnungshüterinnen zu bunt. Sie eilt erneut zu den aufgebrachten Girls und stellt sich recht rüde zwischen die zwei aufmüpfigen Kontrahenten. Das war die zweite Warnung. Wenn sie diese aber erneut ignorieren, wird es übel. Ein oder gar zwei ältere Schafe greifen zum dritten Mal in die Kämpfe ein, unterscheiden aber diesmal wer angefangen hat und vermöbeln ihn nach Strich und Faden.
Problem gelöst – Streit beendet.  Situationen erkennen, Entscheidung treffen und entsprechend der neuen Situation verändert handeln. Das ist Intelligenz.

Dies ist keine ausgedachte Gute-Nacht-Geschichte, sondern der Einblick in meine Herde
Scottish Blackface Schafe. Sie reden also miteinander. Nur können wir ihre Sprache nicht verstehen, was mir übrigens in der Zwei-Beiner-Welt auch des Öfteren passiert. Je mehr man sich mit den 100 eigensinnigen Mädels beschäftigt, desto näher kommt man ihnen und umso besser verstehen wir auch ihre Welt.

Bei allen Schwierigkeiten, die wir hatten,  zauberten sie mir doch oft ein Lächeln ins Gesicht und dafür danke ich ihnen, den schottischen Damen.

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Während ich meine Schafe neulich beobachtete, saß ich unter einem sehr alten Baum. Der Volksmund sagt: Rede mit den Pflanzen, dann wachsen sie besser. So ein Unsinn. Ist es wirklich Unsinn? Google, Wikipedia und auch mein viel zu vollgestopftes Bücherregal gaben mir zahlreiche Antworten. Dabei schwankte ich von Kopfschütteln, über Neugier bis hin zum Staunen. Eigentlich war ich immer der Meinung: Schon die Tier-Welt hält Erstaunliches für uns bereit. Doch jetzt las ich noch verrücktere Dinge.

Verrückt passt nicht so ganz. Unfassbar trifft es besser. 99,7 Prozent der irdischen Biomasse entfallen auf Grünzeug und nur 0,3 Prozent auf alle Menschen und Tiere. Ohne dieses unnütze Grünzeug auf Erden, wären wir alle nach 1 Woche tot. Eigentlich doch Grund genug, dem angeblichen unnützen Grünzeug viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Stefano Mancuso, Professor an der Universität Florenz, leitet das Laboratorio Internazionale di Neurobiologia Vegetale und ist Gründungsmitglied der International Society for Plant Signaling and Behavior. (Hört sich ziemlich wichtig und schlau an, was auch immer das genau heißt.) Dieser schlaue Grünzeug- Professor schrieb zu seinen aktuellen Forschungen Folgendes: Im Moment befinden wir uns in einer ähnlichen Situation, wie die Ägyptologen um 1822, als sie langsam anfingen die Hieroglyphen zu entziffern. Wir wissen, dass wir von der Pflanzen-Welt noch Garnichts wissen, aber sie reagieren auf: Licht, Wärme, Töne, Erdmagnetismus, respektieren Artgenossen,  kommunizieren untereinander, vermutlich über die Düfte Rosarien und Zitrone als eine Art Sprache und sie unterscheiden zwischen Freund und Feind. (Zitat Professor Mancuso)

Ich war verwirrt.

So tiefgründig habe ich über das Schaf-Futter noch nie nachgedacht. Ich bin zwar sehr naturverbunden und es gibt in dieser wundersamen Welt noch viele Dinge, die uns immer wieder vorkommen als wären wir wie Alice in den Kaninchen-Bau gefallen. Wir leben nun Mal in einem spannenden Abenteuer und in diesem Abenteuer passieren Dinge, die manchmal unerklärlich sind. Finden wir eines Tages den richtigen Schlüssel zum passenden Schloss, können wir auch durch diese Tür gehen.

Pflanzen nehmen keinen Schmerz wahr, weil sie dafür nicht die geeigneten Voraussetzungen besitzen, aber dafür verfügen sie über viel mehr Sinne, um ihre Umwelt wahr zu nehmen, als wir Menschen. Sie nehmen Umweltsituationen wahr und reagieren darauf, um zu überleben. In einigen Fällen tauschen sie sogar Warnungen bei Schädlingsbefall aus, aber dies ist bereits ein ganz eigenes Thema.

Fast automatisch komme ich dabei auch zu dem Thema: Intelligenz. Sind meine Schafe intelligent, meine Hunde, der Alte Baum und ist der Mensch wirklich so schlau, wie wir alle immer behaupten? Auweia, so schwere Fragen am Vormittag. Zahlreiche Zwei-Beiner, darunter auch der Grünzeug Professor, verstehen unter Intelligenz:  

Die Fähigkeit zur Problemlösung.

Ok, also das Lösen von Problemen ist ein Anzeichen von Intelligenz.

 Ich denke kurz nach….
… – meine schottischen Damen in jedem Fall, meine Border Collies sowieso,
die Laufenten bestimmt (nur verheimlichen sie es), Trinker Angel ganz sicher,
die 99,7% auf Erden vielleicht,
nur bei den Menschen, da habe ich manchmal große Zweifel.

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Tiere Können reden und Pflanzen sind schlau H.P.Schaarschmidt www.schaf-land.de /Indische Laufenten

Alice im Wunderland – Der Alptraum –

Ganz in der Ferne und unverständlich dumpf, hörte Alice mehrere Stimmen. Der Rücken schmerzte und ihr Hals fühlte sich an, wie heißer, trockener Wüstensand. Plötzlich verkrampfte sich ihr Hals, und Panik schleuderte sie aus ihrem dumpfen Dämmerzustand. Alice riss die Augen auf und wurde von der Sonne wie ein Lichtblitz wieder niedergeschlagen. Sie hatte das Gefühl, sie noch nie benutzt zu haben. Nun versuchte sie mit geschlossenen Augen nicht nur zu sich zu kommen, sondern auch langsam einen klaren Gedanken zu fassen.

Der Rücken schmerze noch immer, als würde ein langes Messer darin stecken, aber die Stimmen wurden nun deutlicher. David hatte mich gebeten ihn zu verteidigen und ich werde meine ganze Kraft dafür einsetzen… Langsam lichtete sich der Nebel in ihrem Kopf, so dass Alice wieder versuchte ihre Augen zu öffnen. Sonnenstrahlen trafen sie genau ins Gesicht und die Stimmen kamen aus dem laufenden Fernseher. Sie war auf dem Sofa eingeschlafen und die erwachenden Lebensgeister meldeten sich mit Schmerzen.  Die Luft war stickig, alle Heizungen voll aufgedreht und ihr Laptop neben ihr hatte sich auf Standby gestellt. Um die Uhrzeit zu erfahren, schaute sie auf ihr Handy, es war aus. Der Akku war leer. Nach einem Tipp auf die Enter Taste des Laptops traute sie ihren Augen nicht, Oster Samstag um 09,04 Uhr. Sofort schalteten all ihre Funktionen auf Hochbetrieb, denn als sie sich auf dem Sofa hingelegt hatte, war es Donnerstagnachmittag.

Nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte, sprang Alice auf und wankte ins Bad. Sie hielt den Kopf unter kaltem Wasser und rannte wieder zurück an ihr Laptop. Sie konnte es nicht glauben, aber es war tatsächlich zwei Tage später. Schnell sprang sie in die Dusche, um auch noch die restlichen Lebensgeister zu wecken, zog sich an und schluckte eilig zwei Kopfschmerztabletten. Als sie aus der Tür trat, begrüßte sie ein wunderschöner Tag. Wolkenloser Himmel, ein warmer Sonnenschein und ein leichtes angenehmes Lüftchen. Sie schloss die Augen, atmete tief durch und genoss den wundervollen Morgen. Also doch ein schöner Tag. Eilig startete sie ihr Auto und machte sich auf den Weg in Richtung Innenstadt. Inzwischen war es 10,30 Uhr, aber die Straßen waren noch immer Menschenleer. Kein Auto, kein Radfahrer und nicht ein einziger Fußgänger. Ohne groß darüber nachzudenken fuhr sie weiter in Richtung Zentrum.

Je weiter sie aber in die Innenstadt kam und die Leere langsam anfing zu schreien, kroch in ihr ein beklemmendes Gefühl hoch. Die leeren Straßen hatten etwas Gespenstisches. Wo sind all die Menschen hin? Donnerstag war die Welt doch noch in Ordnung? Endlich, ein Lebenszeichen. Alice kam ein Bus entgegen. Als er an ihr vorbei fuhr, stockte ihr der Atem, der Busfahrer hatte eine Atemmaske auf und ohne Fahrgäste.

Was, um Himmels Willen, ist hier los?

Alle Geschäfte waren geschlossen, alle Firmeneingänge verbarrikadiert und sämtliche Parks abgesperrt. Alice fing an zu schwitzen und Schweiß rann über ihre Haut. Sie fing an zu zittern. Ihr fehlten zwei Tage und sämtliche Gedanken schossen nun durch ihren Kopf, was passiert sein konnte. Mit zitternden Händen schaltete sie ihr Autoradio ein und hörte nur noch das Ende eines Berichtes  …in New York können, trotz Einsatz der Nationalgarde, die vielen Toden nicht mehr beerdigt werden, so dass die Regierung entschieden hat, tausende Tode in Massengräbern zu beerdigen und der Hinweis, dass die Notgesetze in Kraft getreten sind und strikt eingehalten werden müssen  …dann dröhnte der neuste Hit von Lady Gaga aus den Lautsprechern. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie in der Innenstadt das einzige Auto auf der Straße war, ja der einzige Mensch. Alice hielt an. Ihr Herzschlag war wie ein lauter Glockenschlag und ihre Hände so feucht, dass sie kaum noch das Lenkrad festhalten konnte. Ein leises Brummen machte sich in ihrem Kopf breit. Leise aber gleichmäßig und immer mit dem gleichen Ton.

Was ist hier nur los? murmelte sie immer und immer wieder.

Das Brummen wurde lauter. Sie blickte nach allen Seiten, aber nicht war zu sehen. Als dieses Geräusch aber lauter wurde, öffnete sie die Autotür und stieg aus. Direkt über ihr schwebte eine Polizei-Drohne. Sie hatte eine weiße Farbe, war kaum zu sehen und eine Art Kamera oder Objektiv an der Unterseite.

In der Ferne sah sie ein Tankstellenschild, also sprang Alice wieder ins Auto und trat sie aufs Gaspedal. Vor dem Eingang machte sie eine Vollbremsung und stieß mit Schwung die Tür auf. Der Tankstellenshop war leer. Vor der Kasse stand eine riesige Glaswand und auch der Angestellte hatte eine Maske auf. Ihr Herz fing wieder an zu rasen. Panisch eilte sie zur Kasse, doch noch bevor sie den maskierten Mann erreichte, dröhnte er mit lauter Stimme: Bitte halten sie 2 Meter Abstand. Ihr wurde schwindlig und nur der schnelle Griff nach dem Süßwarenständer verhinderte den harten Aufschlag am Boden.

…hallo, hallo, wachen sie auf. Wie ist ihr Name? Wo ist ihr Ausgangsgenehmigung?

Ich muss ins Krankenhaus, murmelte sie leise vor sich hin. Wenn sie keine Ausgangsgenehmigung haben, werden sie verhaftet und ins Sonderlager eingewiesen. Noch im gleichen Moment wurde ihr ein Chip in den Oberarm gespritzt, mit der Erklärung: Das ist nur zu ihrem Besten. So wissen wir immer wo sie sich aufhalten und falls sie einmal Hilfe brauchen, sind wir sofort zur Stelle. Die vier Gestalten, in weißen Schutzanzügen, heben Alice auf steckten ihr eine Registriernummer an die Kleidung und schafften sie in den weisen Sicherheit-Transporter vor der Tankstelle. Während des Transports lag sie gefesselt auf einer Liege und blickte starr vor Schock an die Decke. Sie erkannte die Einrichtung eines Krankenwagens aber mit Panzerung, Waffen an der Wand und Schusssicheren Fenstern. Alles in Weiß. Selbst die Waffen waren weiß lackiert.

Ihr Herz raste und war kurz davor aus der Brust zu springen. Ist das alles nur ein Traum, ein Alptraum? Sie schloss die Augen, biss sich mit aller Kraft auf die Lippe und spürte einen heftigen Schmerz. Blut lief aus ihrem Mund. Passiert das Alles wirklich? Nach mehreren Kontrollen gelangten sie in ein Stadion das als Notlager diente und von weißen Gestalten mit Waffen bewacht wurde. Über dem Stadion kreisten zwei Drohnen, auf der Innenfläche des Stadions standen unzählige weiße Wohncontainer mit Nummern und vor jeder Wohn-Box waren zwei bewaffnete Sicherheitskräfte postiert. Sie war im Sonderlager.
Einer der vier Bewacher, aus dem Auto, gab ihr in kaum verständlichem Deutsch, strenge Anweisungen. Ihr fiel aber auf, dass er mit starkem asiatischen Akzent sprach.

Alice kam sich vor, als wäre sie in den tiefsten Kaninchenbau gefallen und nach ihrer Ohnmacht in einer fremden Welt aufgewacht.    

Fortsetzung folgt…

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft, passieren Dinge, die wir alle nicht wollen, aber dieser Dunkle Geselle bekommt letzten Endes immer was er will.

Es ist Anfang Februar, aber der Wettermacher weiß es nicht, denn wir haben 14 Grad Celsius und Winter, Schnee, oder gar der Einzug von Väterchen Frost ist nicht in Aussicht. Man könnte sich zwar Gedanken machen, ob diese Temperaturen noch ganz normal sind, aber da springt mir sofort die Frage mitten ins Gesicht: Was ist normal? Also verbanne ich ganz schnell alle Fragen und finde es einfach GUT. An diesem sommerlichen Wintertag war ich bei einem Freund in Hannover und habe mit ihm nicht nur über wichtige Männer-Themen gesprochen, sondern auch im Garten gegrillt.

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

Es kommt bei mir selten genug vor, dass ich samstags mal nichts zu tun habe, aber wenn, dann macht es einen riesen Spaß. Es war also ein toller Relaxtag und ich ahnte noch nicht einmal im Ansatz, was für eine bösartige Lawine bereits zu mir unterwegs war.

Frühlinghaftes Winterwetter, gute Laune und ein toller Nachmittag mit Freunden, was kann es schöneres geben?! Beim Abschied umarmten wir uns und sprachen schon von einem nächsten Treffen. Das Leben kann so großartig sein. Fröhlich gelaunt und mit Vorfreude auf meine Tiere zu Hause, stieg ich ins Auto.

Auch das Radio machte mir große Freude, denn es präsentierte einen Hit nach dem andren. Auch das  Auto hörte sich wie Musik an und schnurrte wie ein Kätzchen. Ich musste nur kurz auf die A2, denn schon an der zweiten Abfahrt ging es auf die B6 Richtung Nienburg weiter.

Die Autobahn war nur mäßig mit Reisenden belegt. Ich rollte entspannt über den Asphalt und auch sonst war alles toll. Mehr als nur entspannt saß ich in den bequemen Sitzen, träumte vor mich hin und summte fast jedes Lied aus dem Radio mit. Dieser Tag könnte ewig dauern.

Plötzliche explodierte mit einem ohrenbetäubenden Knall der Innenraum meines Autos. Um mich herum war alles weiß und ich verlor die Orientierung. Ob dieser Moment eine Sekunde oder eine Woche gedauert hat, ich könnte es nicht sagen. Ich sah nicht einmal die Hand vor Augen, hatte aber keine Schmerzen, sah nichts und ich hörte nichts. Ich konnte nicht nachdenken und war einfach nur da. Es zog auch nicht mein ganzes Leben vorüber, sondern es war einfach nur NICHTS. Alles war bedeutungslos und bisher Gewesenes existierte nicht.

War ich Tod?

Dann roch es verbrannt und ein Schmerz schoss im meine Beine. Ich war aber noch immer in ein weißes Etwas gehüllt und versuchte zu erkunden, ob ich lebe oder schon tod war. Dann sprangen meine Synapsen wieder an zum Dienst und meldeten: Tode spüren keinen Schmerz. Die kleinen Kollegen hatten Recht, also lebe ich. Während meine Kommandozentrale wieder Kontakt zu den einzelnen Körperteilen herstellte, lichtete sich plötzlich dieses weiße Etwas vor mir. Um Himmels Willen, was ist das? Zwischen Blech, Glassplitter und einem üblen Geruch nach verschmortem Kunststoff, versuchte ich noch immer herauszufinden, wo ich war oder was da eigentlich explodiert sein könnte.

Nachdem vor mir Räder erschienen, stellte ich fest, dass ich mich unter einem LKW befand. Um Gottes Willen, wie konnte das passieren? Ich war weder zu schnell noch auf einen LKW aufgefahren. Oder doch? Da stand ich nun, mit einem Geruch wie aus der Hölle, mit grauen Zellen, die diverse Schwierigkeiten zeigten und mit der Unterseite eines LKWs, von der ich nicht wusste, wie ich zu diesem Anblick gekommen war.  Der Kopf war also an seiner dafür vorgesehenen Stelle und meine diversen Gliedmaßen schienen ebenfalls noch funktionstüchtig zu sein, also stieg ich aus. Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, aber es muss mir leicht gefallen sein, da die Tür fehlte.

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

Ich stand vor einem LKW und mein Auto steckte tatsächlich darunter. Ob ich eine Sekunde oder eine Stunde versucht habe diesen Anblick zu verstehen, in jedem Fall sprach mich dann ein Polizist an. Sind sie verletzt?  Danach folgte ein regelrechter Menschenauflauf. Polizisten, Rettungssanitäter, nochmal Polizei und nach einer gewissen Zeit der Abschleppwagen des ADAC. Im Nachhinein betrachtet, lief dieser Alptraum ziemlich planvoll ab. Die Polizisten wirkten beruhigend auf mich ein  und die Rettungshelfer unglaublich fürsorglich. Eine gut geschmierte Maschine,  die jeden Tag eine Katastrophe nach der anderen professionell abarbeitet. Mein ganz persönlicher Alptraum ist also kein Einzelfall, sondern nur eine weitere Bekanntschaft mit der Dunklen Seite. Der Mann in schwarz ist immer für eine Überraschung bereit und hat zuweilen Ideen, denen wir Kleingeister so gut wie nie folgen können. Mittlerweile hatte sich ein Engel in Position gebracht, ein Gelber Engel. Kurze höfliche Begrüßung, Austausch der ADAC Karte und schon schwebte mein Häufchen Elend durch die Luft. Er landete ganz weich auf einem riesen Transporter, aber sein Anblick war mehr als nur mitleiderregend.
Alles verstaut, ich auf dem Beifahrersitz und ab ging es, meinen bedauernswertes Metall Häufchen Richtung Heimat zu transportieren. Engel Steffan war nicht gerade ein Alleinunterhalter, hatte aber eine bestimmende und verlässliche Ausstrahlung. Er war ca. 1,80m groß, kurzer Militärschnitt, und deutlich bemuskelt. Seine Erscheinung war aber nicht die eines Muskelmenschen, der jede Minute  seiner Zeit im Fitnessstudio zubringt, sondern eher die eines super durchtrainierten Athleten. Das machte mich neugierig.  Sind sie schon lange beim ADAC?

Die Antwort ließ lange auf sich warten, doch dann die trockene Antwort.
Zwei Jahre.

Was haben sie vorher gemacht?
Ich war bei der Bundeswehr.

Darf ich fragen was sie gemacht haben?
Ich war Scharfschütze bei einer Sondereinheit.

Wow, Scharfschütze ist ja auch nicht gerade ein Job wie jeder andre.
Stimmt

Was macht man so als Scharfschütze? Wieder eine lange Pause.
Zuletzt war ich in Kriegseinsätzen. Darüber möchte ich aber nicht sprechen, denn ich habe Bilder im Kopf, die ich nie wieder los werde.

Steffan erzählt mir dann doch noch Einiges, das ich aber für mich behalten möchte.

Danach war wieder Stillschweigen, bis wir zu Hause angekommen waren und das verbogene Etwas zügig abgeladen hatten. Wir verabschiedeten uns und ich sah noch lange dem abfahrenden Transporter hinterher. Die Erzählungen haben mich tief beeindruckt. In dieser Nacht konnte ich keine einzige Minute schlafen und es lag nicht nur daran, dass vor meiner Garage ein echtes Häufchen Elend stand. Der Unfall hätte auch ganz anders ausgehen können…

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft, stehen wir meist vor der Schlussrechnung. Doch diesmal war sie bei mir noch nicht fällig. Er hatte nur mal einen Blick auf mich geworfen.

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

Wenn der Sensenmann an der Tür klopft /H.P.Schaarschmidt

 

 

 

 

Der Wolf auf dem 20 Euroschein

Wir schreiben das Jahr 2030. Es ist Mittwochmorgen und am Kalender erscheint Februar der 13. Mein Wecker hat mich wieder 6 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Missmutig schiebe ich das Rollo zur Seite und hoffe auf gutes Wetter. Pech gehabt, nasskalt und eine üble Mischung aus feinem Regen und Schnee wartet auf mich. Ich brenne eine Kerze an und bringe für meinen Wach-Mach-Kaffee den Gaskocher in Gang, denn seit den neuen Umweltgesetzen wird der Strom nur noch zu festgesetzten Zeiten freigegeben. Na ja, man gewöhnt sich daran. Während ich das heiße Startgetränk einnehme, überlege ich, wie mein Hund Otto heute Morgen sein Geschäft verrichten könnte.

In den letzten 10 Jahren hat sich so viel getan, dass man gar nicht mehr hinterher kommt oder gar versteht. Die  Grün Grüne Regierung hat wirklich alles auf den Kopf gestellt. Eigentlich fing doch alles so harmlos an, aber seit dem Die Grünen und die NABU Partei regieren, ist nicht nur der Wolf auf dem 20 Euroschein abgebildet, sondern auch eine neue Gesetzgebung in Kraft getreten. Ich muss ja zugeben, dass ich vieles davon mitgetragen habe, aber dass wir in Deutschland nun über 3000 Wölfe zählen und sogar die Tierzüchter aus Russland ihre vom Abschuss bedrohten Graumäntel zu uns bringen, sprengt ja nun langsam doch unsere Möglichkeiten.

Ich wohne in Kassel, in einem drei Familienhaus, im zweiten Stock und muss jeden Tag überlegen, wo ich mit Otto hingehe, damit er sein Geschäft erledigen kann. Seit Isegrim nach dem EU Gesetz nun auch von unserer Regierung eine zusätzliche Sonderschutzklasse bekommen hat, vermehren sich meine grauen Haare fast stündlich. Die über 3000 schlauen Vierbeiner haben vor einigen Jahren erkannt, dass es in den Städten nicht nur wärmer ist und von den Zweibeinern keine Gefahr droht, sondern auch viele Essensreste angeboten werden. Zudem laufen ihnen die Snacks fast ins Maul.

 Der Wolf auf dem 20 Euroschein /Wölfe wohnen in der Stadt

Der Wolf auf dem 20 Euroschein /Wölfe wohnen in der Stadt

Katzen gibt es schon lange nicht mehr und sobald mein Hund nicht direkt neben mir auf dem Fußweg bleibt, geht er in das Eigentum der zahlreichen Stadt- Wolfsfamilien über. Alle Spielplätze wurden abgesperrt, die Parks geschlossen, Polizisten dürfen Wölfe nicht verletzen und nachts sind die Straßen Menschen leer. Etwas nachdenklicher werde ich aber bei den NEWS aus Brandenburg. Da wurden in einer Kleinstadt die ersten Braunbären gesichtet. Wenn man aber diese Neuankömmlinge ganz neutral betrachtet und die Wölfe alle in der Stadt sind, wäre doch auf dem Land wieder Platz. In der Stadt leben alle friedlich Tür an Tür mit dem Wolf und auf dem Land in harmonischer Nachbarschaft mit dem Bär. Ein Traum würde wahr. Da gäbe es noch ein Tier, das mir besonders am Herzen liegt und tatsächlich vom Aussterben bedroht ist, das Nashorn. Rücken wir alle zusammen und schränken uns etwas ein, dann wäre doch an der Elbe zwischen Dresden und Hamburg Platz. Die Schifffahrt müsste zwar umgeleitet werden, was aber kein Problem sein sollte. Dann hätten wir stolze Wölfe in der Stadt, glückliche Bären auf dem Land und wunderschöne Nilpferde in der Elbe.

Was machen wir aber, wenn die sibirischen Tierschutz Kollegen um Asyl für ihre Tiger bitten?

Ein wirklich großer Erfolg ist auch, da es keine Weidetiere mehr gibt, dass die Weideflächen in riesige Wälder umgewandelt werden konnten, das ist toll. Was tierische Nahrungsmittel betrifft, so importieren wir sie ganz einfach aus Russland oder Afrika. Von dort bekommen wir ALLES zu super billigen Preisen und müssen uns beim Einkauf nicht einschränken.

Meine Tasse ist leer, doch für Otto habe ich heute Morgen noch immer keine Lösung gefunden. Ich werde wohl wieder in den Hunde-Sicherheitsbereich gehen müssen und für 20 Euro eine neue Wochenkarte kaufen.

Na ja, man gewöhnt sich daran, aber irgendwie
habe ich mir das anders vorgestellt.

 

Der Doktor und das liebe Vieh

Es war einmal  ein Doktor, der sein ganzes Leben dem Lieben Vieh gewidmet hatte. Wenn er morgens erwachte, blinzelten bereits die Sonnenstrahlen in sein Schlafzimmer und verkündeten: Guten Morgen Liebe Doktor, heute wird wieder ein wunderbarer Tag. Seine vierbeinigen Patienten standen auf saftigen Weiden, hatten kaum Beschwerden und wenn jemand aus der Gemeinde einen Rat brauchte, war er stets zur Stelle. Doktor Schön lebte mit seiner hübschen Frau in einem traumhaften Fachwerkhaus, das sie mit viel Liebe restauriert hatten und jeder Tag war eine Freude voller Sonnenschein.

Der Doktor saß gerade mit seiner Frau am Frühstückstisch, als plötzlich das Telefon klingelte.

Guten Morgen, hier Doktor Schön. Rosa war am Telefon. Herr Doktor, Herr Doktor sagte sie ganz aufgeregt, ich glaube meine Katze humpelt etwas. Aber Rosa, wie konnte das nur passieren? Ich weißes auch nicht. Heute Morgen habe ich es bemerkt und sie sofort angerufen. Lieber Herr Doktor, bitte helfen sie meiner Katze, ich mache mir solche Sorgen. Liebe Rosa, ich beeile mich, lade alles Notwendige in mein Auto und mache mich sofort auf den Weg. Danke lieber Doktor, ich bin ja so verzweifelt. Keine Sorge Rosa, das schaffen wir schon.

Nachdem Doktor Schön seinen blitzblanken, neuen Wagen beladen hatte, verabschiedete er sich noch von seiner Frau, die ihm mit Liebe belegte Brote mit auf dem Weg gab. Dann machte er sich auf zu seinem Notfall. Die Sonne stand schon hoch, das Wetter war traumhaft und im Radio lief gerade: What a Wonderful World.

Der-Doktor-und-das-liebe-Vieh-www.schaf-land.de

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Plötzlich sah er am Straßenrand einen toten Igel liegen. Doktor Schön machte eine Notbremsung und setzte mit seinem Wagen eilig zurück. Der Igel sah aus wie Rudolph vom Sonnenhof. Marlis, Anna und Paul haben schon zweimal in der Praxis angerufen, da Rudolf seit zwei Tagen nicht mehr zu seinem Futterteller gekommen ist. Doktor schön stieg aus. Es war tatsächlich Rudolph. Ach wie schrecklich, nun konnte er nur noch versuchen, diese Nachricht auf dem Sonnenhof mit größter Vorsicht zu verkünden. Doktor Schön öffnete in seinem Auto eine kunstvoll gefertigte Kiste, die mit weichem blauem Stoff ausgelegt war und legte Rudolph vorsichtig hinein.

Wer tut denn sowas? Aus unserem Tal kann das niemand gewesen sein – dachte Doktor Schön. Polizei Oberinspektor Mopps sollte sich dieser Angelegenheit annehmen und wenn nötig in jedem unserer Hotels Nachforschungen anstellen. Doch jetzt musste er eiligst zu Rosa, denn es könnte sein, dass ihre Katze humpelt. Gesagt getan und weiter ging die Reise auf den nach frischem Grün duftenden Landstraßen.  Die Sonne lachte durch die Zweige und verbreitete ein wohliges Gefühl, so dass er das schreckliche Erlebnis am Straßenrand für einen Augenblick vergessen konnte. Als der Doktor vor dem prächtigen Landhaus ankam, stand Rosa schon davor und hielt nach dem Retter Ausschau. Endlich sind sie da Herr Doktor, ich habe meine Katze ganz genau beobachtet und es schon wieder gesehen, sie humpelt. Rosa, mach dir keine Sorgen, ich habe ALLES für eine umfassende Behandlung dabei, so dass wir Carlo ganz bestimmt helfen können.

Wie gut, dass wir sie haben, Herr Doktor Schön.

Der Retter in der Not entlud sein Auto und richtete in Rosas Kaminzimmer ein komplettes Behandlungszimmer ein. Nach einer halben Stunde war es dann soweit, die Rettung von Carlo konnte

beginnen. Doch bevor es an die harte Arbeit ging, reichte Rosa zur Stärkung eine Tasse Tee. Doktor Schön konnte noch etwas verschnaufen, um dann frisch gestärkt seine Behandlung zu beginnen. Nach unendlichen 40 Minuten war es dann soweit, das Bein von Carlo war fixiert. Rosa war überglücklich, dass es Doktor Schön wieder geschafft hatte, ein Tier zu retten.

Wie kann ich Ihnen nur danken, Herr Doktor?

Sie machen mich und meinen Kater Carlo überglücklich. Aber liebe Rosa, das ist mein Beruf und ganz nebenbei angemerkt, macht es auch mich glücklich, wenn ich helfen kann. Carlo braucht jetzt absolute Ruhe. Kein wildes Herumspringen, kein Ausgang und zur Unterstützung lasse ich Ihnen diese Medikamente hier. Das wird schon wieder, sagte Doktor Schön und fing an, seine Gerätschaften wieder abzubauen. So, alles war verstaut, Kater Carlo gerettet und Rosa überglücklich   – wieder ein erfolgreicher Tag.

Noch bevor er aber in sein Auto einsteigen konnte, kam Rosa mit eiligen Schritten zu ihm. Herr Doktor, wussten sie schon, dass der Brendel Hof verkauft wurde?! Schon vor einer ganzen Weile. Na ja,  er stand ja auch schon lange leer. Wer hat ihn gekauft? Ein Unternehmer aus Nord-Deutschland, der dort wohl eine große Nummer in der Tier-Mast ist.

Bei uns eine Großmastanlage?

Ich dachte diese Anlagen gibt es bei uns gar nicht mehr. Das glaube ich erst wenn ich sie sehe. Unvorstellbar! Und überhaupt, wieso weiß ich noch nichts davon? Nein, das kann nicht sein! Ganz  aufgeregt und ohne weitere Verabschiedung sprang Doktor Schön in seinen frisch geputzten Wagen und trat das Gaspedal voll durch, denn so einer unglaublichen Neuigkeit wollte er sofort auf den Grund gehen.

Nei, nein und nochmals nein, das kann nicht sein!

Sein geliebtes Weißwasser-Tal hat dunkle Flecken bekommen und auf dem Weg zur vermeintlichen neuen Mastanlage vielen ihm zum ersten Mal auch Hinweisschilder zu diesem Störenfried auf. Schon als er zum Brendel Hof einbog, konnte er zahllose LKWs sehen. Ihm stockte der Atem, um Himmelswillen, was ist denn hier los?

Er machte eine Vollbremsung, warf die Tür auf, sprang aus dem Auto und rannte zum ersten Tor. Doch als er auch das aufstieß, sah er etwas, das er nie erwartet hätte. Keine Mast-Hähnchen-Anlage oder unzählige Schweine-Boxen, sondern viel Schlimmeres  -eine illegale Schlachtanlage. Doktor Schön brach innerlich zusammen und ging wie unter Betäubung in die Hallen hinein. Ein unfassbar großer Abgrund tat sich vor ihm auf, es stank fürchterlich und von dem was er erkennen konnte, war dieser Abgrund unfassbar groß.

Doktor Schön spürte, wie Übelkeit und Würgereiz in ihm hoch krochen. Er ging weiter und stand plötzlich in einer dunkelroten glitschigen Masse, die fest an seinen Schuhen haften blieb. Sofort wolle er sie panisch abschütteln, doch was er auch versuchte, das dunkle Etwas hatte sich bereits tief hinein gefressen. Plötzlich rutschte er auf der schleimigen Masse aus und landete mit seinem Gesicht in dem klebrigen Sud.

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Doktor Schön wurde übel und noch vor dem Aufstehen musste er sich übergeben. Nun war er ein Teil dieser Hölle, besudelt mit Blut, Schleim und Erbrochenem.

Nur mühsam kam er wieder auf die Beine, doch er hatte nicht nur kurzzeitig die Orientierung verloren, sondern empfand vor allem Ekel vor sich selbst. Doktor Schön wankte weiter. In der nächsten Halle lagen Berge von Pferden, die anscheinend weiterverarbeitet werden sollten. Doktor schön musste wieder erbrechen, aber es kamen nur noch grüne Magenreste. Um Himmels willen, wo bin ich nur hingeraten, ist das hier vielleicht tatsächlich der Vorhof zur Hölle?  Er ging weiter. Schon von weitem sah er Berge von Köpfen, Schaf-Köpfen. Plötzlich fing sich alles um ihn herum an zu drehen und aus dem Berg mit Köpfen strahlte ein Licht.

Doktor Schön, Doktor Schön, um Gottes willen Doktor Schön, was ist mit ihnen… ? Wachen sie doch wieder auf. Rosa schlug den Doktor verzweifelt rechts und links auf die Wangen. Nichts passierte. Und noch einmal, nur diesmal schlug sie viel fester. Doktor Schön kam wieder langsam zu sich und saß noch immer in seinem Auto vor Rosas Haus. Rosas schreckliche Neuigkeit hatte ihn überfordert.

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Der Doktor und das liebe Vieh im Weißwasser-Thal, eine selbst gewählte Fantasiewelt, in die auch wir gerne flüchten, weil die Wirklichkeit sonst unser unbeschwertes, selbst erdachtes Paradies stört.

 

 

Halte Kurs

Halte Kurs, trotz Regen und Sturm.
Guter Leitspruch, aber das Leben kennt nicht nur weiß und schwarz. Die Grautöne haben sich erfolgreich in unser Leben eingeschlichen und beherrschen fast schon den kompletten Alltag
– aber nur fast!
In unserem Alltag gibt es tausende Beispiele für Kompromisse mit Grautönen, aber egal welche Farbe, halte Kurst. Leidenschaft, Talent und Durchhaltevermögen sind die Triebfedern des Erfolgs. Manchmal reicht schon eines der drei Begabungen aus. Treffen aber zwei zusammen und gehen Hand in Hand auf gleichen Kurs, sind besondere Ereignisse fast unausweichlich.

Meistens freunden sich Leidenschaft und Talent zuerst an, wobei man nie genau sagen kann, welcher der beiden Mitstreiter zuerst da war. Das Resultat marschiert aber immer in die gleiche Richtung, sie halten Kurs und steuern bewusst oder unbewusst auf ein Ziel zu.

Einer der kuriosesten Beispiele für das Talent, unbeirrt Kurs zu halten,  sind Captain Morgan und Francis Drake. Ihr wisst nicht wer diese Herren sind? Bei Francis Drake kann ich das gut verstehen, aber von Captain Morgan habt ihr bestimmt schon mal gehört. Der Rum Captain Morgan ist sicher vielen von Euch bekannt. Die Sache mit dem Rum beruht  sogar auf einer tatsächlichen Geschichte. Sie mischten damals Wasser mit Rum, da das mitgeführte, abgestandene, muffige Wasser auf ihren Schiffen so besser getrunken werden konnte.

Halte Kurs /Schaf-Land.de /Francis Drake

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Francis Drake, einer der erfolgreichsten und vor allem listigsten Piraten die jemals gelebt haben.

Die schmucken Kleider dürfen aber nicht darüber hinweg täuschen, dass auch Francis Drake kein Problem damit hatte, ein Hindernis gewaltsam aus dem Weg zu räumen. Nur war er ein Mischung aus Gewalt, Intelligenz und wenn nötig auch Diplomatie.

Wer waren diese Herren aber tatsächlich? Zunächst erst mal die erfolgreichsten Piraten aller Zeiten. Dagegen erscheint der bei uns auf der Ostsee bekanntgewordene Pirat Störtebeker wie ein kleiner Schuljunge, der gelegentlich frech wurde. Diese zwei Herren besaßen genau jenes Erfolgs-Gen, was bis heute zum Beispiel auch die erfolgreichen Finanz-Haie antreibt, um unvorstellbare Gewinne zu scheffeln. Sie halten unerschütterlich an ihrem Kurs fest, denn Rückschläge lassen sie unbeeindruckt. Allerdings auch immer ohne Rücksicht auf Verluste. Kollateral-Schäden interessieren sie nicht. Macht und Reichtum standen noch nie für die inneren Werte eines Menschen.

Ihr Leitspruch lautet:
Steht etwas zwischen meinem Ziel und mir, marschiere darüber hinweg.

An dieser Devise hat sich bis heute, bei einigen Brutalo Kapitalisten, nichts geändert. Sie haben, ebenso, wie die Raubritter zur See, ihren ganz persönlichen Weg festgelegt.

Kurs halten zu können ist eine wunderbare Gabe, doch ohne sozialen Verstand und auf den Gebeinen der Kollateralschäden, eher ein menschlicher Rückschritt. Halte Kurs und trete anderen nicht auf die Füße, denn einer unserer großen Vorteile ist der Drang zum Zusammenhalt und unser soziales Talent. (Bei den Meisten jedenfalls) Wollen wir also ein ganz bestimmtes Ziel erreichen, sollten wir nicht nur dies im Auge behalten, sondern auch unsere Prioritäten daran ausrichten.

Im Klartext heißt das: Lebe dein Leben und kümmere dich um die, nach deiner Ansicht, wichtigen Dinge und trete so wenigen Menschen wie möglich auf die Füße. Halte einfach Kurs und lass dich niemals entmutigen. Bist du von etwas überzeugt, so kämpfe dafür. Einige haben das mit dem kämpfen vielleicht zu wörtlich genommen, aber das ist zum Glück dann doch eher die Ausnahme.

Jeder hat irgendeine besondere Stärke oder Fähigkeit etwas zu tun, was andere nicht können, man muss es nur nachhaltig ans Licht holen. Genau dies macht den Unterschied. Egal ob du dich irrst oder Recht hast, kämpfe für deine Überzeugung. Natürlich nicht so wie Captain Morgan oder Francis Drake, aber immer mit dem Ziel vor Augen.

Halte Kurs /Schaf-Land.de /Blackbeard

Halte Kurs /Schaf-Land.de /Blackbeard

Ausgenommen ist der gefährlichste und brutalste Pirat, Blackbeard. Er war nicht nur Vorbild für einer der Figuren aus den Filmen Fluch der Karibik, sondern tatsächlich der gefürchtetste aller Freibeuter. Sein einziges Ziel bestand in rauben und Schrecken verbreiten, denn seine Marketing Strategie, soviel üble Gerüchte wie möglich über sich selbst zu verbereiten, damit sie ihm schon beim Anblick ihre Reichtümer aushändigten, ging lange Zeit erstaunlich gut auf. Blackbeard wurde er wegen seines langen,schwarzen Rausche-Bartes genannt, sein bürgerlicher Name war  Edward Thatch.

Der kleine Ausflug in die Geschieht der Atlantik-Wegelagerer soll nur zeigen, dass es zu jeder Zeit Menschen gegeben hat, die unbeirrbar an ihren Zielen festgehalten haben  …und seien sie noch so seltsam. Eigentlich stehen wir uns immer nur selbst im Weg, lassen uns ablenken, oder sind nicht hartnäckig genug. Zum Glück werden aber diese Kämpfe nur selten mit dem Schwert ausgefochten, denn der größte Gegner wohnt in uns selbst.

Halte Kurs, trotz Regen und Sturm.

Anmerkung:
Diese Raubritter zur See waren sicher wilde Gesellen, haben aber neben grandiosen Nautischen Fähigkeiten die demokratische Wahl eingeführt und vermutlich auch die Rente erfunden. Nach den Griechen waren sie die einzigen, bei denen die Führung durch Abstimmung abgewählt werden konnte. War man mit einem Kapitän nicht zufrieden, konnte er durch eine Wahl abgesetzt werden. Zudem bekamen viele Mitstreiter nach schweren Verletzungen oder gar Verlust eines Körperteils (falls er es überlebte) sogar eine Sonderzahlung.
Nennen wir es Piraten-Rente.

Wer hätte das von diesen Raufbolden gedacht?!

 

 

 

 

 

 

 

 

Helden für einen Tag

Jack treibt in über 600 m Entfernung die fünfköpfige Schafgruppe präzise durch den vorbestimmten Parcours und man kann gar nicht anders, als mit aufgerissenen Augen dieses Treiben zu bestaunen. Sind da übernatürliche Kräfte am Werk und warum kann das mein so süßer Mischling Rudi nicht? Der Wunder-Hund führt noch immer sämtliche Pfeifkommandos perfekt aus, was bei fast allen Zuschauern am Rande des Trial Feldes ein schlechtes Gewissen aufkommen lässt: Meiner könnte das bestimmt auch, ich habe nur keine Zeit.

Ist schon klar.

Schaf-Land

Schaf-Land

Das, was diese Hunde auf dem Wettkampffeld vollbringen, muss nicht jeder Hund können, denn jeder Vierbeiner hat seine eigene Bestimmung. Die Bestimmung der Border Collies ist eben die Arbeit an Schafen. Nur mal zur Vervollständigung, die Wettkampfbedingungen haben meist wenig mit der tatsächlichen Arbeit an einer Herde von 1.600 bewollten Damen zu tun. Natürlich leugnen das fast alle Wettkampfteilnehmer, aber dann erkläre mir doch bitte jemand, weshalb so gut wie kein aktiver, ausgebildeter Berufsschäfer oder gar Schäfermeister teilnimmt?! Was aber die grandiosen Leistungen auf dem Wettkampffeld nicht kleiner machen. Es ist ein Wettkampf und das beste Team erstreitet die begehrten Punkte.

Jack hat inzwischen alle Aufgaben mit Bravur abgearbeitet und ist bei der letzten Prüfung angelangt, dem Einpferchen. Super, auch das wäre geschafft. Toll, dass müssen die andern Punktejäger erst mal nachmachen oder übertreffen. Die berühmte Latte liegt nun ziemlich hoch. Ein Team nach dem anderen schreitet zum Startpfosten, gibt sein Bestes und kämpft um Qualifikationspunkte.

Alle Zuschauer sind beeindruckt, die Starter ärgern sich über Fehler, nur für die Hunde ist es ein Tag wie jeder andere. Sie geben ihr Bestes. Noch während sich die letzten Starter auf ihren Wettstreit vorbereiten,  muss ich plötzlich an meine befreundete Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein denken. Wir kennen uns gut. Sie liebt Tiere und die Arbeit mit ihnen über alles.

Helden für einen Tag - Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Helden für einen Tag – Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Doch weshalb käme sie nie auf den Gedanken von Schäferhunden auf Border Collies umzusteigen, sie perfekt auszubilden und an diesen Trials teil zu nehmen? Eigentlich sollte ihr das doch auch Spaß machen!? Unter den Startern findet man aber meist Tierärzte, Polizisten oder Angestellte, die zu Hause 20- 30 Schafe halten und ihre ganze Energie in die Perfektionierung der vierbeinigen Zauberlehrlinge stecken.

Helden für einen Tag - Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Helden für einen Tag – Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Bei Kerstin, mit ihren über 1.200 Mutter Schafen, einer Bison Herde, einer Yak Herde, Hühnern, unzähligen Hasen und 10 Schäferhunden, sieht die Welt schon etwas anders aus. Das ist die echte Welt der Farmer und Schafzüchter. Ich habe mit Kerstin gearbeitet und muss voller Respekt sagen: „Hut ab- mit tiefer Verbeugung“. Das, was sie täglich leistet, grenzt für mich schon fast an ein Wunder.  Und die Hunde, wie arbeiten die Hunde dieses zweibeinigen Perpetuum Mobiles? Ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich an die tägliche Arbeit denke. Ohne die fantastischen Leistungen der Trial Hunde auf dem Wettkampffeld schmälern zu wollen…, kommen mir diese außergewöhnlichen Leistungen auf dem Trial-Feld wie ein Hobby vor.

Arbeitet nur eine Woche mit einem Berufsschäfer, an seiner Herde, dann könnt ihr vielleicht erahnen was ich meine. Am Abend werdet ihr zugeben: Sie waren heute Helden, für einen Tag. Nur das wir nicht sehen, dass dieser Tag wie jeder andere ist.

Was sind wir doch bequem, satt und faul geworden. Haben wir unsere Ideale, Naturverbundenheit und Begeisterung schon völlig verloren? Seien wir fair, nicht jeder kann sich intensiv mit Tieren beschäftigen und schon gar nicht halten. Was aber nicht den Blick auf unsere Wurzeln verdecken darf, denn wir sind was wir sind: Eine junge, kriegerische Spezies, die noch immer in ihren ursprünglichen Veranlagungen und Trieben gefangen ist, es aber aus Arroganz und Überheblichkeit verleugnet. Dumme Angewohnheit.

Helden für einen Tag - Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Helden für einen Tag – Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein Schaf-Land

Warum sehen Menschen wie Kerstin Doppelstein die Welt anders als die meisten von uns? Allein darüber könnte man vermutlich eine Doktor Arbeit schreiben. Unsere letzten Helden kommen nicht aus der griechischen Mythologie und schon gar nicht aus kriegerischen Aktionen fürs Vaterland, sondern aus unserem Alltag. Jedes Mal wenn der Tag zur Neige geht, gibt es Zwei- und Vierbeiner, die auch an diesem Tag wieder Unglaubliches vollbracht haben.

Was macht aber Menschen wie Kerstin Doppelstein nun wirklich zu Helden unseres Alltags?

Kerstin ist ein Extremist, verfolgt fast rücksichtslos ihren Weg und nimmt bewusst große persönliche Einschränkungen in Kauf. Genau aus diesem Stoff werden Helden gemacht. Helden die uns als Vorbild dienen, auch wenn wir sie nie erreichen. Ein Vorbild an Willensstärke, Durchhaltevermögen und Idealismus. Kerstin, dir und vielen anderen… – danke!

Ihr wart auch heute wieder:  Helden für einen Tag.

-und morgen und übermorgen und überübermorgen…

 

 

Der Klang des Lebens

Heute habe ich den Klang des Lebens gehört und für einen Augenblick hatte ich alle Zeit der Welt. Alle Zeit? Ja, alle Zeit,  denn in diesem Moment war ich mit Allem vereint und Zeit war in diesem Moment das, was sie tatsächlich ist  – nichts. Die ärgerliche Zeit haben wir Zweibeiner, die Krönung der Schöpfung, erfunden. Warum?  Weil Angst unser Leben bestimmt,  nicht das Leben. Ich hoffe, alle können diesen leicht verstörenden Wort- Bild- Fetzen folgen. Falls nicht,  lest einfach weiter und vielleicht könnt ihr dann erahnen, was ich meine.

Eigentlich hatte dieser Tag ziemlich mies angefangen, denn ich war zwar wach, aber mein verdammter Glücksbringer noch nicht. Was macht man also, wenn einem der Tag schon am Morgen so richtig vors Schienbein schlägt? Man macht einfach weiter und tut so, als müsste das genauso sein. In Wirklichkeit finde ich den Macher des Tages ziemlich unsympathisch. An diesem Morgen war er entweder nicht bei Sinnen, oder schlicht und ergreifend doof. Der Himmel hatte weit die Schleusen geöffnet und zeigte, zu was er an diesem doofen Morgen alles im Stande ist. Na toll, dachte ich, die Gummi-Pelle kommt wieder zum Einsatz. Ziemlich nützlich das Zeug, hässlich aber brauchbar. Ich trete in der Gummi-Rüstung aus der Tür. Habe ich die zweite Sintflut verschlafen? Teilt sich jetzt gleich das Wasser, so dass ich trockenen Fußes hindurch gehen kann? Gefühlt schlug mir da gerade ein ganzes Meer entgegen und ich war ein Kapitän auf hoher See, aber ohne Schiff. Noch während meine missmutigen Blicke über dieses Elend streiften, beruhigte sich das Meer. Teilt es sich jetzt doch, oder bin ich nur im Auge der Hurrikans? Fast schlagartig zogen sich die Wassermassen zurück und der Himmel hatte ein Einsehen. Wer auch immer da oben die Geschäfte führt und den Plan geschrieben hat. Danke.

Morgenstund hat Gold im Mund. So ein Quatsch. Ich muss sehen, dass ich auf dem Weg zur Garage nicht ertrinke. Geschafft, Hunde im Auto und ich bereit für ein feuchtes Abenteuer. Das Abenteuer hieß in diesem Fall Schafe kontrollieren und umsetzen, wenn nötig mit schwimmenden Hunden. Schlüssel rein und los. Los? Nochmal, Schlüssel drehen und los? Warum höre ich nicht den geringsten Ton? Eigentlich sollte doch an dieser Stelle, mein alter Diesel eigenwillige, laute Geräusche von sich geben. Bitte nicht schon wieder, dachte ich. Alle weiteren Versuche schlugen ebenfalls fehl und nun war ich an einem Punkt angelangt, an dem in mir der Gedanke hoch kroch, dass ich doch besser im Bett liegen geblieben wäre. Wie auch immer ich das anstelle, ich musste zu den Schafen. Kurze Überlegung: das Auto springt nicht an, Werkstatt dauert zu lang, Freundin für drei Tage bei Ihren Eltern, Nachbar nicht zu Hause und meine Schwester wohnt fast 500 Kilometer entfernt.

Alles in allem, läuft es heute mal wieder traumhaft.

Was solls, Bilderbuch kann jeder. Was waren also noch für Optionen offen? Dabei habe ich das Wieder-schlafen-gehen ausgeklammert   …obwohl ich für einen kurzen Moment nochmal darüber nachgedacht habe. Taxi geht nicht, zu teuer und echter Unsinn. Laufen zu weit, aber was ist mit Fahrrad? Falls sich die himmlischen Schleusen ganz schließen, wäre dies zumindest auch eine Variante. Vielleicht fällt mir ja doch noch was Un-anstrengenderes ein. Busse fahren nicht, denn es ist Sonntag. Weshalb heißt der Tag eigentlich Sonntag? Für alle  Geschichts-Muffel: Die alten Germanen widmeten den ersten Tag der Woche ihrer Sonnengöttin Sunna, der im Laufe der Zeit  unser geliebter Sonntag wurde. Das ist ja alles schön und gut, hilft mir aber auch nicht.

Zähneknirschend entscheide ich mich für das Fahrrad. Hunde wieder ins Haus, Luft aufgepumpt und los. Mit dem Auto waren meine Schafe gleich um die Ecke, aber mit dem Fahrrad bekommt man auf das Thema Entfernung einen ganz anderen Blickwinkel. Der Regen hatte zwar ein Einsehen, aber sein zänkischer Bruder Sturm war noch kräftig bei der Arbeit. In Nienburg haben wir zwar viele tolle Radwege, aber bei extremen Gegenwind denkt man doch schon mal über ein Taxi nach. Aber nein, ich kämpfe mich im Angesicht der brutalen Naturgewalten durch und leiste Heldenhaftes, immer begleitet von herzhaften Flüchen. Nach einer gefühlten Drei-Tages-Rad-Tour, stehe ich dann endlich mit dem Drahtesel vor meinem Schafstall. Die Damen müssen umgesetzt werden, ein neuer Heuballen aufgeschnitten und den Zaun so umbauen, dass sie auch von ihrer Freifläche freien Zugang haben. …und die zwei abgeschälten Bäume vielen mir erst später ins Auge.

Alle Arbeit war erledigt und alle Damen versorgt, so dass ich mich wieder auf mein Reisegefährt schwingen konnte, um Richtung Heimat zu strampeln. Eigentlich fahre ich ja wirklich gern Rad, aber zu Arbeitszwecken und bei einem echt mies gelaunten Wetter-Gott macht die Sache keinen Spaß. Diesmal hatte ich Rückenwind, so dass ich geschwind voran kam. Eine Abkürzung führte mich vom Radweg ab in etwas unwegsameres Gelände, aber dafür durch wunderschöne Wiesen und in einen traumhaften Mischwald.

Als ich dann im Wald stand, fern ab von allem Getöse und das gleichmäßige Rauschen in den Baumwipfeln hörte, hatte ich einen Augenblick das Gefühl schwerelos und wirklich frei zu sein. Ohne Last. Es war der Klang des Lebens, der sich genauso bereits vor Millionen Jahren über das Land verbreitet hat und dem es egal ist, wer da gerade auf der Erde nach Futter sucht. Vielleicht ist es auch nur das Gefühl, für einen Moment mit der Natur wieder verbunden zu sein, was uns in den wenigen Entwicklungsjahren bereits verloren gegangen ist  – wir aber unbewusst vermissen.

Der Klang des Lebens /Schaf-Land /H.P.Schaarschmidt

Der Klang des Lebens /Schaf-Land /H.P.Schaarschmidt

Nachdem man so einen schwerelosen Moment erlebt hat und dann wieder hart auf den Tatsachen unserer selbst gebastelten Realität aufgeschlagen ist, stellt sich fast automatisch wieder die Frage aller Fragen: Was ist der Sinn des Lebens?
Fragt einen studierten Philosophen ganz ernsthaft nach dem Sinn des Lebens und ihr werdet erleben, wie er nach einem dreitägigen Dauervortrag bewusstlos zusammenbricht, da er keine Zeit hatte etwas zu trinken. Gerade die Gilde der Philosophen hat sich mehr als nur ausgiebig mit einem Thema seit tausenden von Jahren beschäftigt, das wir nicht verstehen. Am Ende steht dann doch immer wieder die quälende Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Nach Höherem zu streben? Anerkennung, Arbeit, Liebe, Geld oder Erfolg? Mit diesem Thema haben sich schon viele schlaue Menschen beschäftigt und ihre Theorien füllen bereits tausende und abertausende Seiten, doch jede Theorie besagt im Grunde immer das Gleiche: Ich habe keine Blassen Schimmer. Einiges ist jedoch bereits sicher, unser Platz im unendlichen Universum ist nicht reserviert worden damit wir viel Geld scheffeln, eine Machtposition erlangen oder freundlich zum Nachbarn sind. Nein, dafür nicht. Auch die tausend kleinen Alltagsdinge und vielen fiesen Gehässigkeiten sind unser Werk, die haben wir uns selbst ausgedacht und bestimmen sogar unser Leben. Doch überraschender Weise kommen wir mit dieser Selbsterkenntnis der Lösung den ersten Schritt näher. Zwischen all den philosophischen Sätzen die brutale Frage: Was ist der Unterschiet zwischen Mensch und Hai?

Antwort: Dass der Hai im Wasser lebt, wir auf dem Land und
natürlich auch viel klüger sind?

Falsch!

Dass der Hai schon 100 Millionen Jahre vor den Dinosauriern lebte, gerade die Menschen-Zeit durchsteht und in 100 Millionen Jahren, wenn es uns schon lange nicht mehr gibt, auch noch seine Bahnen ziehen wird. Das ist der Unterschied. Es geht einfach nur ums Überleben. Alles was wir daraus machen, ist unser Werk. Es wird uns entweder zum frühen Ausscheiden bringen, oder unsere Zeit verlängern. Neid, Hass, Habgier oder all die anderen vielen Nettigkeiten tragen eher dazu bei, das wir nicht im Zeitalter der super Individualisten leben, auch Neandertaler, sorry  Menschen genannt, sondern nur in einem kurzen Abschnitt. Falls nun jemand auf den Gedanken kommt, dass sich dies alles ziemlich verrückt anhört, dann reden wir doch einmal kurz über unsere Welt-Religion mit 2,2 Milliarden Gläubigen. 2,2 Milliarden ist eine Zahl mit 12 Stellen hinter dem Komma.  2.200.000.000.000.
Da gibt es jemanden, der nicht nur die Erde, die Natur und uns Menschen innerhalb einer Woche erschaffen hat, sondern zum Schluss  – dem Mann auch noch eine Rippe entfernt hat, um daraus eine Frau zu basteln  – damit er nicht allein auf der Erde wandelt.  Das nenne ich verrückt. Wir sind nicht die Krönung der Evolution und erst recht nicht irgendeiner Schöpfung, sondern nur ein winziger Teil von einem Ganzen, welches wir nie verstehen werden. Das ist alles und wenn wir Momente erleben, in denen wir das Gefühl haben, ein Teil dieses Ganzen zu sein und nicht der viel gepriesene Individualist, eröffnen sich plötzlich ganz neue Welten. Leider kann man diesen Zustand nicht erklären, sondern nur erleben und wahrnehmen. Ein gleichmäßiges Rauschen in  den Wipfeln hat mich dazu gebracht, genau dies zu fühlen. Warum? Ich weiß es nicht, aber irgendetwas muss ja in uns schlummern, wenn wir Gefühle erleben, die uns zum Teil des Ganzen machen  – wenn auch nur für einen kleinen Augenblick.

Heute habe ich den Klang des Lebens gehört und
für einen Augenblick hatte ich alle Zeit der Welt.