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Dr. Peter Wölkchen

Dr. Peter Wölkchen ist 61 Jahre, hat Biologie und anschließend Mathematik studiert. Er sagte einmal, Zahlen machen ihn glücklich. Dr. Wölkchen trägt graue Anzüge und war noch nie unpünktlich an seiner Arbeitsstelle. Alle Menschen ohne Anzug hält er für Kommunisten und seinen Postboten traut er ebenfalls nicht über den Weg, er wolle ihn nur ausspionieren  – bestimmt arbeitet er heimlich für die Russen. Jeder Morgen beginnt nach einem genau durchstrukturierten Ablauf. 06:00 Uhr aufstehen, 06:05 Uhr Bad, 06:15 Uhr Kaffee anstellen und 06:23 Uhr zwei, mit Käse belegte, Scheiben Toast essen. Die Kaffeemaschine benötigt exakt 8 Minuten, so dass 06:30 Uhr das Frühstück beendet werden kann.

Danach widmete sich Dr. Wölkchen der wichtigsten Tätigkeit am Morgen, dem Ankleiden. Sein Motto: Bist du nicht korrekt gekleidet, dann gehe besser nicht aus dem Haus. Seine Vorstellungen von korrekter Kleidung bestehen aus schwarzen Schuhen, schwarzen Socken, aus einem grauen Anzug mit weißem Hemd und einer immer absolut präzise gestellten Uhr. Da er etwas Schwung in sein Leben bringen wollte, lies er seit zwei Tagen die Krawatte weg und kam sich dabei etwas verwegen vor. 06:50 Uhr war es wieder vollbaracht, die Kleider saßen perfekt. Er schaute auf die Uhr, 06:51 Uhr, seine Stirn runzelte sich, er war 01 Minute in Verzug. Das muss beim nochmaligen Binden der Schnürsenkel passiert sein, aber schließlich waren die Schleifchen nicht gleichmäßig.

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Der Tag konnte beginnen.

Mit der Aktentasche unter dem linken Arm und dem Schlüssel in der rechten Hand trat er voller Weltvertrauen vor die Tür. Die Sonne blinzelte ihn ein wenig entgegen und wies ihm den Weg zu seinem Auto. Es war kein gewöhnliches Auto, sondern ein Mercedes, der ihn bereits seit 28 Jahren zuverlässig transportierte. Veränderungen seien nicht gut, hat er schon oft gesagt, sie bringen Unruhe. Seine EX- Frau muss wohl anderer Meinung gewesen sein, denn vor 14 Jahren reichte sie die Scheidung ein. Seitdem lebte Dr. Peter Wölkchen allein, mit seinem Mercedes und den 2 ½ Zimmerpflanzen. Er drehte den Zündschlüssel und sein Liebling schnurrte wie ein Kätzchen. Dass die Stoßdämpfer völlig außer Kontrolle waren und der Wagen bei jedem Schlagloch wie ein Wasserbett wippte, bemerkte er natürlich nicht, denn sein Auto war perfekt und eine Reparatur würde nur Unruhe in seinen Tagesablauf bringen. Die alte ehrwürdige Karosse hatte wie jeden Tag um diese Zeit das gleiche Ziel, dass Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Er war zwar kein Chemiker, aber ein Künstler mit Zahlen und da ging es um gewaltig viele Zahlen. Zum Beispiel wurden die ältesten Lebensspuren auf der Erde auf: vor 3,8 Milliarden Jahre datiert, die ersten vielzelligen Meerestiere auf: vor 700 Millionen Jahren, die ersten Landpflanzen auf: vor 436 Millionen Jahren, die ersten Reptilien auf: vor 290 Millionen Jahren und die ersten sogenannten Vormenschen konnten: vor 5 Millionen Jahren eingeordnet werden.

…und der moderne Mensch erst seit lächerlichen 35 Tausend Jahren.

Genau das war seine Arbeit, mit Zahlen jonglieren, ins Verhältnis setzen, beurteilen und erneut berechnen. Das war die Welt von Dr. Peter Wölkchen. Das Leben selbst hinter diesen Zahlen interessierte ihn so viel wie die Watt-Zahl der Glühbirne in seinem Kühlschrank. Die er, nebenbei bemerk, gleich nach dem Kauf entfernt hatte, denn nach seiner Ansicht, braucht man im Kühlmöbel kein Licht. Exakt um 07:13 Uhr hielt er vor dem Geschäft des „Schlachter Sanftmut“ an. „Guten Morgen Herr Doktor, hier wie immer ihre frisch belegten zwei Brötchen, für das zweite Frühstück, gut gewürztes Mett aus frischer Schlachtung.“, sagte dieser. Mit einem wohlwollenden Nicken nahm er sein zweites Frühstück entgegen, drehte sich wortlos um und verließ in eiligen Schritten das Fleisch-Haus.

Dieser Tag meinte es wieder gut mit ihm, denn alles war perfekt. Die Zeit stimmte, das Auto schnurrte, die Kleidung war unübertroffen und wieder stand eine zeitliche Punktlandung im Institut bevor. Andere konnten ihre Uhr nach ihm stellen. Er war der Fels in der sonst so bröckelnden Brandung der Zuverlässigkeit. Wie im Traum glitt er elfengleich mit seinem Auto über den Boden und dachte bereits an all die wundervollen Zahlen: 570 Millionen Jahre, 436 Millionen Jahre, 250 Millionen Jahre, 65 Millionen Jahre. Alles erforschte Angaben zu globalem Massenaussterben auf der Erde.

Er machte ein zufriedenes Gesicht, denn Dr. Wölkchen wusste ganz genau, wie dieser Tag beginnen, verlaufen und enden würde. 07:45 Uhr passierte er den Pförtner, dieser schaute auf seine Uhr und nickte ihm wohlwollen zu. 07:48 Uhr stellte er seinen geliebten Gefährten (seinen Mercedes), ab. 07:50 Uhr betrat er das Eingangstor zu seinem Institut und Punkt 07:55 Uhr steckte Dr. Peter Wölkchen seine Stempelkarte in die Uhr. Sie machte ein ächzendes Geräusch und die Arbeit konnte beginnen. All das sah er bereits deutlich vor sich. Denn es war das exakte Drehbuch für jeden Tag, im Leben des Doktor Wölkchen. Nur noch wenige Straßen und Kreuzungen, dann begrüßen mich wieder meine geliebten Zahlen., dachte er. „Was gehen mich die Griechlinge und sonderbaren Spezies dahinter an, sie verderben nur meine Statistiken.“ Während er auf eine Kreuzung zufuhr, kroch ein leises Summen in seine Ohren, was sich immer tiefer bohrte und bis in seine mit Zahlen gefüllten inneren Windungen vordrang. Aus dem Summen wurde ein Rauschen und aus dem Rauschen ein Geflüster. Peter Wölkchen fuhr rechts ran.

„Was um Himmels Willen ist in meinem Kopf los?
Werde ich jetzt verrückt?
Genies soll das ja öfters ereilen.
Bin ich ein Genie?“  
Er dachte kurz nach, „…natürlich bin ich ein Genie.“

Die Stimmen wurden immer lauter, aber irgendwie hörten sie sich komisch und nicht menschlich an.
Er schüttelte mit aller Wucht den Kopf, schlug mit seiner Hand gegen die Stirn und wollte diesen Alptraum irgendwie abschütteln. Aber das Ergebnis war, es wurde immer lauter, immer greller und immer besitzergreifender. Nein, nein, nein hörte er immer wieder und herzzerreisend erbärmliche Schreie.
Ich bin ein Genie und werde jetzt verrückt“, sagt er zu seinem Auto. „Was zum Teufel ist da los? Mein Kopf explodiert. Arme und Beine fingen an zu schmerzen. Blut rann ihm plötzlich aus Nase, Ohren und Mund. Was ist hier los? Langsam setzte sein hochgerühmtes logisches Denken aus. Blut, Schmerzen und diverse andere Flüssigkeiten übernahmen die Regie. Plötzlich wurde ihm schwarz vor Augen und ein unerträglicher Schmerz bohrte sich durch seine Arme. Er hatte das Gefühl, als ob sich eine Kettensäge durch seine Innereien bohrte. Verschwommen, wie in einem Wahn, sah er, wie sein Blut in ein Auffangbecken floss und da von einem schmierigen Kerl mit gelben Gummistiefeln und einer Zigarette im Mundwinke umgerührt wurde. Die Zigarette sollte vermutlich die unzähligen Fliegen verscheuchen und den mörderischen Gestank überdecken.

Ich bin nicht nur verrückt geworden, ich bin in der Hölle.

Nein mein Sohn, du bist nicht in der Hölle, aber auch nicht im Himmel- noch nicht. Peter Wölkchen starrte mir weit aufgerissenen Augen auf einen Mann, der mit seinem leuchtend weißen Gewand vor ihm stand und mit tiefer, aber liebevoller Stimme zu ihm sprach. „Mein Sohn, ich heiße dich willkommen, nun beginnen deine Prüfungen. Möge das Licht mit dir sein.“

Moment, Moment, was soll das alles, ist das ein Scherz? Wenn ja, werde ich euch verklagen und ins Gefängnis bringen. Ich muss pünktlich im Institut sein.

Ich bin Heimdall, ich bin der Wächter und kontrolliere den Zugang zu unserem Reich. Ja mich gibt es wirklich, ihr habt nur nicht mehr an uns geglaubt. Wir sind eine sehr alte Zivilisation und kümmern uns um euch. Ihr seid wie kleine dumme Kinder und habt, bei unserem Erscheinen, Götter zu uns gesagt. Ich bereite dich nun auf deine Prüfungen vor. Du hattest einen Autounfall und bist mit einem Schweine-Transporter zusammengestoßen. Hunderte Schweine mussten auf der Straße notgeschlachtet werden und du lagst mittendrin. Entweder du hast ein gefälliges Leben geführt und kommst in das Reich Asgard, von Euch Menschen Himmel genannt, oder in die Höhlen des Fenri, ihr sagt Hölle dazu. Ich zeige dir nur den Weg, den Weg in deine Ewigkeit. Gehen musst du allein.

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Nein, nein, nein, das kann nicht sein. Ich muss pünktlich auf Arbeit erscheinen. Ich bin noch nie zu spät gekommen. Lass also diesen Unsinn und zeig mir gefälligst den Ausgang, schimpfte er. Lieber Peter Wölkchen, hier sind alle freundlich und wollen dich nur vorbereiten., bekam er als Antwort. Alle freundlich?, sagte Wölkchen verächtlich. „Wirklich alle nur freundlich? Die alle sind bestimmt nur genau so dämlich wie du.

„Du wirst deine Lage schon noch begreifen.“

„Hier gibt es nur einen einzigen Weg und genau diesen wirst du, wie jeder Mensch auf der Erde am Ende gehen. Euer Tod ist nicht das Ende, sonder der Anfang einer sehr langen Reise. Entweder endet er für immer und Ewig in den Höhlen von Fenri oder, wenn ihr rein seid, im Reich Asgard. Das entscheiden aber nicht wir. Auf dieser Reise gibt es unzählig Stationen und an jeder Station wartet ein Tier auf euch. Ein Tier das irgendwann im Leben euren Weg gekreuzt hat. Ameisen, Spinnen, Hunde, Katzen, Schafe, Rinder, Pferde, Vögel. Alle wirst du wiedertreffen und an jeder einzelnen Station entscheidet eines dieser Tiere, ob du weiter darfst oder nicht. Warst du schlecht zu ihm, verweigert es dir die Weiterreise und du gehst sofort in die Höhlen des Fenri, wenn ja, bist du wieder einen kleinen Schritt weiter und dem Reich Asgard etwas näher, bis zur nächsten Station. Deine Reise dauert viele Jahre und dabei wirst Du hunderten Tieren wiederbegegnen. Sei demütig und bescheiden.

Die Tiere richten über deine Ewigkeit.“

Ich rufe die Polizei und bringe euch Spinner alle hinter Schloss und Riegel. Ich bin Dr. Peter Wölkchen, ein angesehener Wissenschaftler. Ich weiß ja nicht wo ihr ausgebrochen seid und welches Lösegeld ihr verlangen wollt aber eure dämlichen Tiere sind mir ebenso egal wie euer Asgard.

Mein Sohn, ich sehe du hast einen schweren Weg vor dir, aber unendlich viel Zeit,
über dein Verhalten nachzudenken.

Meine Arbeit ist getan, deine Reise kann beginnen.“

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Seine Reise dauerte nicht viele Jahre, sondern nur wenige Tage, denn schon an der ersten Station war das Wiedersehen ein Desaster. Dr. Peter Wölkchen traf auf jene Katze, die er angefahren vor seinem Haus gefunden und dann in den Mülleimer geworfen hatte. Seine Reise war zu ENDE, denn die Katze ließ ihn nicht vorbei. Wie von Geisterhand bewegte er sich plötzlich auf einen tiefen Schlund zu, seinem neuen Zuhause.


Behandle deine Tiere so, dass du im nächsten Leben ohne Probleme
mit vertauschten Rollen klar kommen würdest.
Zitat von Pascal Lachmeier

Außer Kontrolle

Mach die Augen zu und lass dich treiben,
spüre nur den Wind und die Unendlichkeit.

Mach einfach nur die Augen zu und tauche ein,
lass alle Sinne dich begleiten und ihre Stimmen laut schreien.

H.P.Schaarschmidt

Auweia, wann haben wir das mal gemacht? Eingefangen in einem Hamsterrad und immer auf der Jagd nach Anerkennung. Da Ist für solch unnützes Treiben doch keine Zeit. Dabei schreit es uns fast jeden Tag an: Rede mit mir, mach die Augen zu und lass dich einen Moment lang treiben.

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Außer Kontrolle H.P.Schaarschmidt http://www.schaf-land.de

Eigentlich habe ich ziemlich viel Glück, denn meine Tiere halten mich am Boden und schenken mir jeden Tag Liebe und Vertrauen. Natürlich ist dies etwas ganz anderes, aber es macht auch glücklich und die Arbeit mit Tieren schenkt innere Ruhe, zumindest geht es mir so. Was ist aber mit den Menschen? Wie kommt es z.B., dass uns manche fast magisch anziehen, während wir andere spontan ablehnen? Liegt es an dem oft zitierten Bauchgefühl, oder ist dies purer Unfug? Ich kann nur für mich sprechen. Da gibt es in meinem Leben eine Erkenntnis, die mich verändert hat. Nichts passiert einfach so, sondern folgt Ursache und Wirkung. Das Zusammenleben mit Tieren verändert uns Zweibeiner, denn sie haben eine starke Wirkung auf uns. William James, Psychologe der Harvard-Universität, wies bereits 1884 nach, dass Umwelteinflüsse unmittelbare körperliche Reaktionen auslösen und sich auch auf unsere Psyche auswirken.

Kümmern wir uns z.B. um ein Mutter-Schaf und begleiten die Geburt, so hat dies direkte und nachhaltige Wirkung auf unser ICH. Die Tiere verändern uns… – nicht wir sie.
Von irren Züchtungen mal abgesehen, sind sie unverzichtbar, sie sind unser Leben. Abgestumpfte Stadt-Menschen werden diesem Gedanken vielleicht schwer folgen können, aber seid versichert:  Auch ihr seid nur ein kleiner Teil des GANZEN und nicht die Krönung im Universum.
Es kommt aber noch dicker, denn Ferdinand Vogel und seine Mitarbeiter an der Universität Heidelberg ist es gelungen nachzuweisen, dass unsere seelische Verfassung sogar durch Vererbung stark beeinflusst wird. Es ist nicht schon genug, dass wir von 90% gesteuert werden, auf die wir keinen Einfluss haben, unserem Unterbewusstsein, nun werden wir auch noch von einem genetisch vererbten seelischen Zustand geleitet.

Einfache Frage: Was entscheiden wir eigentlich tatsächlich noch selbst?

Einfache Antwort: Wenig

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DAGOBERT /Arno Funke http://www.schaf-land.de
Außer Kontrolle H.P.Schaarschmidt

Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, mich mit dem spektakulärsten Kaufhaus-Erpresser aller Zeiten- Dagobert– (Arno Funke) zu unterhalten. Er hat übrigens im Berliner Polizei Museum, für die spektakulärsten Kriminalfälle, eine eigene Abteilung. Dieser kriminelle Pfiffikus hatte während seiner jahrelangen Haft genügend Zeit, genau über dieses Thema nachzudenken. Er kam zu dem Schluss, dass unser Rechts-System zusammenbrechen würde, wenn wir unsere 90% Unbeeinflussbarkeit mit beurteilen würden.   …Denn, wer sollte zur Verantwortung gezogen werden? Das Unterbewusstsein? Der genetisch beeinflusste seelische Zustand?

Wie einfach haben wir Schafzüchter es doch da, wenn wir die Reaktionen unserer Herde lesen, klar verteilte Rollen, einfache Hierarchie und alle Reaktionen sind in jedem Moment live und echt. Wie kompliziert erscheint da doch unser Zweibeiner-Leben?! Nein, nein, ich möchte mich nicht über die Zweibeiner beschweren, es gab und gibt auch einige, die finde ich mehr als nur bemerkenswert. Hast du eine positive Lebenseinstellung, so findest du in der Regel auch häufig Menschen, die ähnlich positiv denken. Bist du meist mies drauf, begegnest du auch nur missmutigen Menschen. Bei meinen Schafen ist das etwas einfacher geregelt. Bei der Position in der Hierarchie spielen vor allem zwei Dinge eine große Rolle, Alter und mentale Stärke. Ja genau, auch bei den Tieren spielt die Persönlichkeit eine große Rolle und auch bei den Tieren wird diese vererbt. Als eines morgens, völlig unerwartet, meine uneingeschränkte Rudel- Herden- Führerin tot war, übernahm – ohne Diskussion- ihre stattliche Tochter das Zepter. Das geistige Innenleben wird also auch hier nachweislich weitergegeben.

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Ingrid Stottmann
http://www.schaf-land.de Außer Kontrolle H.P.Schaarschmidt

Wir wollen alles wissen, verstehen und vor allem immer kontrollieren, aber eine von mir sehr geschätzte Freundin, Ingrid Stottmann hat einmal gesagt: Du musst dich davon verabschieden, immer alles unter Kontrolle haben zu wollen. Das sagte sie, als wir intensiv mit unseren Border Collies trainierten und ich noch auf Wettkämpfen startete. Heute geht es in erster Linie um die Arbeit an meiner Schaf-Herde. Genau in diesem Umfeld kann ich, wenn auch nur gelegentlich, meine Augen schließen, um nur den Wind und die Unendlichkeit zu spüren- wundervolle Momente.

Was habe ich eigentlich meinen Tieren voraus? Als Erstes fallen mir Ratio und Sensus ein und dass wir die Gewinner eines Großhirns sind, doch bei allen angeblichen Errungenschaften, ein Teil der Natur- sind wir Zweibeiner schon lange nicht mehr. Wir kontrollieren unsere eigene Welt, in jedem Fall versuchen wir es und gehen dabei zahllose Irrwege. Den Wind und die Unendlichkeit zu spüren, das haben die meisten von uns doch längst verlernt.

Das müssen wir ändern.


Mach die Augen zu und lass dich treiben,
spüre nur den Wind und die Unendlichkeit.

Energie-Verschwendung

Ich bin Schafzüchter und was machen Liebhaber stark behaarter Damen? Sie denken über wichtige Fragen nach. Als ich kürzlich meine ersten Lämmer betrachtete und ganz gedankenversunken über den Sinn des Lebens nachdachte, schoss mir plötzlich eine alles entscheidende Frage durch den Kopf:

Wenn man zufällig irgendeine Telefonnummer wählen würde und Gesundheit sagt, wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit, dass der Angerufene gerade niest?

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Diese alles entscheidende Frage ist sehr schwer und verändert das Leben eines jeden Schafzüchters. Während meine Lämmer gemütlich im Futter liegen und Mama rücksichtsvoll drumherum frisst, beginne ich zu rechnen. Lt. Statistik niest ein Mensch im Durchschnitt ca. 250-mal pro Jahr, Dazu gibt es mehrere wichtige Studien, die sogar von spektakulären 400 Niesausbrüchen pro Jahr ausgehen, aber das ist vermutlich nur Panik-Mache und soll die Bevölkerung nur verunsichern. Dieser Katastrophenfall ist eher unwahrscheinlich. Bleiben wir also bei unseren streng wissenschaftlichen Studien von  ca., eventuell und möglichen 250.

Bei diesen wichtigen Recherchen bin ich auf eine noch wichtigere Erkenntnis gestoßen. Die Suchmaschine Google registrierte  rund 6.000 Suchanfragen zu dem Thema Niesen. Wenn nur die Hälfte dieser wichtigen Anfragen aus den USA kommt und jede Anfrage durchschnittlich 4 Autoren hat, erwischt man bei einem Zufallsanruf mit einer Wahrscheinlichkeit  von etwa, ca., vermutlich
1 : 10 000 000  jemanden, der genau an diesem Tag eine Suchanfrage gestellt hat.

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Ich betrachtete noch immer meine Lämmer und während die Synapsen in meinem Obergeschoss schon deutlich über ihre Leistungsfähigkeit arbeiteten, schoss mir ein weiterer wichtiger Fakt durch die überlastete Schaltzentrale: Wenn eine fremde Person den gleichen weltveränderten Versuch macht und ebenfalls in diesem Moment eine zufällig Telefonnummer wählt um Gesundheit zu wünschen, so besteht die wissenschaftlich fundierte Chance 1 : 10 000 000 000 000, dass wir uns im gleichen Moment gegenseitig anrufen.

An diesem Punkt wurde mir ganz schwindelig, meine Schaltzentrale stellte auf Notstrom und ich erhielt die unmissverständliche Mitteilung:  Du verschwendest meine Energie. Beschäftige dich mit den Lämmern, sonst schalte ich mich ab. Von da an, habe ich nie wieder über so hoch wissenschaftliche Fragen nachgedacht, sondern mich nur noch um die Realität gekümmert. 

…ich sah auf meine Lämmer und sie waren wunderbar.

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