Alice im Wunderland – Der Alptraum –

Ganz in der Ferne und unverständlich dumpf, hörte Alice mehrere Stimmen. Der Rücken schmerzte und ihr Hals fühlte sich an, wie heißer, trockener Wüstensand. Plötzlich verkrampfte sich ihr Hals, und Panik schleuderte sie aus ihrem dumpfen Dämmerzustand. Alice riss die Augen auf und wurde von der Sonne wie ein Lichtblitz wieder niedergeschlagen. Sie hatte das Gefühl, sie noch nie benutzt zu haben. Nun versuchte sie mit geschlossenen Augen nicht nur zu sich zu kommen, sondern auch langsam einen klaren Gedanken zu fassen.

Der Rücken schmerze noch immer, als würde ein langes Messer darin stecken, aber die Stimmen wurden nun deutlicher. David hatte mich gebeten ihn zu verteidigen und ich werde meine ganze Kraft dafür einsetzen… Langsam lichtete sich der Nebel in ihrem Kopf, so dass Alice wieder versuchte ihre Augen zu öffnen. Sonnenstrahlen trafen sie genau ins Gesicht und die Stimmen kamen aus dem laufenden Fernseher. Sie war auf dem Sofa eingeschlafen und die erwachenden Lebensgeister meldeten sich mit Schmerzen.  Die Luft war stickig, alle Heizungen voll aufgedreht und ihr Laptop neben ihr hatte sich auf Standby gestellt. Um die Uhrzeit zu erfahren, schaute sie auf ihr Handy, es war aus. Der Akku war leer. Nach einem Tipp auf die Enter Taste des Laptops traute sie ihren Augen nicht, Oster Samstag um 09,04 Uhr. Sofort schalteten all ihre Funktionen auf Hochbetrieb, denn als sie sich auf dem Sofa hingelegt hatte, war es Donnerstagnachmittag.

Nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte, sprang Alice auf und wankte ins Bad. Sie hielt den Kopf unter kaltem Wasser und rannte wieder zurück an ihr Laptop. Sie konnte es nicht glauben, aber es war tatsächlich zwei Tage später. Schnell sprang sie in die Dusche, um auch noch die restlichen Lebensgeister zu wecken, zog sich an und schluckte eilig zwei Kopfschmerztabletten. Als sie aus der Tür trat, begrüßte sie ein wunderschöner Tag. Wolkenloser Himmel, ein warmer Sonnenschein und ein leichtes angenehmes Lüftchen. Sie schloss die Augen, atmete tief durch und genoss den wundervollen Morgen. Also doch ein schöner Tag. Eilig startete sie ihr Auto und machte sich auf den Weg in Richtung Innenstadt. Inzwischen war es 10,30 Uhr, aber die Straßen waren noch immer Menschenleer. Kein Auto, kein Radfahrer und nicht ein einziger Fußgänger. Ohne groß darüber nachzudenken fuhr sie weiter in Richtung Zentrum.

Je weiter sie aber in die Innenstadt kam und die Leere langsam anfing zu schreien, kroch in ihr ein beklemmendes Gefühl hoch. Die leeren Straßen hatten etwas Gespenstisches. Wo sind all die Menschen hin? Donnerstag war die Welt doch noch in Ordnung? Endlich, ein Lebenszeichen. Alice kam ein Bus entgegen. Als er an ihr vorbei fuhr, stockte ihr der Atem, der Busfahrer hatte eine Atemmaske auf und ohne Fahrgäste.

Was, um Himmels Willen, ist hier los?

Alle Geschäfte waren geschlossen, alle Firmeneingänge verbarrikadiert und sämtliche Parks abgesperrt. Alice fing an zu schwitzen und Schweiß rann über ihre Haut. Sie fing an zu zittern. Ihr fehlten zwei Tage und sämtliche Gedanken schossen nun durch ihren Kopf, was passiert sein konnte. Mit zitternden Händen schaltete sie ihr Autoradio ein und hörte nur noch das Ende eines Berichtes  …in New York können, trotz Einsatz der Nationalgarde, die vielen Toden nicht mehr beerdigt werden, so dass die Regierung entschieden hat, tausende Tode in Massengräbern zu beerdigen und der Hinweis, dass die Notgesetze in Kraft getreten sind und strikt eingehalten werden müssen  …dann dröhnte der neuste Hit von Lady Gaga aus den Lautsprechern. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie in der Innenstadt das einzige Auto auf der Straße war, ja der einzige Mensch. Alice hielt an. Ihr Herzschlag war wie ein lauter Glockenschlag und ihre Hände so feucht, dass sie kaum noch das Lenkrad festhalten konnte. Ein leises Brummen machte sich in ihrem Kopf breit. Leise aber gleichmäßig und immer mit dem gleichen Ton.

Was ist hier nur los? murmelte sie immer und immer wieder.

Das Brummen wurde lauter. Sie blickte nach allen Seiten, aber nicht war zu sehen. Als dieses Geräusch aber lauter wurde, öffnete sie die Autotür und stieg aus. Direkt über ihr schwebte eine Polizei-Drohne. Sie hatte eine weiße Farbe, war kaum zu sehen und eine Art Kamera oder Objektiv an der Unterseite.

In der Ferne sah sie ein Tankstellenschild, also sprang Alice wieder ins Auto und trat sie aufs Gaspedal. Vor dem Eingang machte sie eine Vollbremsung und stieß mit Schwung die Tür auf. Der Tankstellenshop war leer. Vor der Kasse stand eine riesige Glaswand und auch der Angestellte hatte eine Maske auf. Ihr Herz fing wieder an zu rasen. Panisch eilte sie zur Kasse, doch noch bevor sie den maskierten Mann erreichte, dröhnte er mit lauter Stimme: Bitte halten sie 2 Meter Abstand. Ihr wurde schwindlig und nur der schnelle Griff nach dem Süßwarenständer verhinderte den harten Aufschlag am Boden.

…hallo, hallo, wachen sie auf. Wie ist ihr Name? Wo ist ihr Ausgangsgenehmigung?

Ich muss ins Krankenhaus, murmelte sie leise vor sich hin. Wenn sie keine Ausgangsgenehmigung haben, werden sie verhaftet und ins Sonderlager eingewiesen. Noch im gleichen Moment wurde ihr ein Chip in den Oberarm gespritzt, mit der Erklärung: Das ist nur zu ihrem Besten. So wissen wir immer wo sie sich aufhalten und falls sie einmal Hilfe brauchen, sind wir sofort zur Stelle. Die vier Gestalten, in weißen Schutzanzügen, heben Alice auf steckten ihr eine Registriernummer an die Kleidung und schafften sie in den weisen Sicherheit-Transporter vor der Tankstelle. Während des Transports lag sie gefesselt auf einer Liege und blickte starr vor Schock an die Decke. Sie erkannte die Einrichtung eines Krankenwagens aber mit Panzerung, Waffen an der Wand und Schusssicheren Fenstern. Alles in Weiß. Selbst die Waffen waren weiß lackiert.

Ihr Herz raste und war kurz davor aus der Brust zu springen. Ist das alles nur ein Traum, ein Alptraum? Sie schloss die Augen, biss sich mit aller Kraft auf die Lippe und spürte einen heftigen Schmerz. Blut lief aus ihrem Mund. Passiert das Alles wirklich? Nach mehreren Kontrollen gelangten sie in ein Stadion das als Notlager diente und von weißen Gestalten mit Waffen bewacht wurde. Über dem Stadion kreisten zwei Drohnen, auf der Innenfläche des Stadions standen unzählige weiße Wohncontainer mit Nummern und vor jeder Wohn-Box waren zwei bewaffnete Sicherheitskräfte postiert. Sie war im Sonderlager.
Einer der vier Bewacher, aus dem Auto, gab ihr in kaum verständlichem Deutsch, strenge Anweisungen. Ihr fiel aber auf, dass er mit starkem asiatischen Akzent sprach.

Alice kam sich vor, als wäre sie in den tiefsten Kaninchenbau gefallen und nach ihrer Ohnmacht in einer fremden Welt aufgewacht.    

Fortsetzung folgt…

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