Schlagwort-Archiv: Hütetraining

Bucherscheinung 2017 – Tiergefährten –

Meine täglichen Erlebnisse rauschen wie ein Schnellzug in voller Fahrt an mir vorbei und ich komme gar nicht dazu, all das Erlebte festzuhalten. Das Erleben, das Machen und das Aktiv sein sind ja aber auch nur eine Seite meines Lebens, worum es mir noch geht, nämlich das Schreiben, ist eine ganz andere.

Eigentlich sollte mein Erstlingswerk „Tiergefährten“ bereits im Sommer auf dem Markt sein, aber bei der Abschlussbesprechung in Berlin flogen mir nicht nur die Kritikpunkte meines Lektors um die Ohren, sondern auch die von einer guten Freundin, die der schreibenden Kunst mächtig ist. Das Schreiben und Veröffentlichen eines Buches hatte ich mir bis dahin ganz anders vorgestellt.

Bucherscheinung 2017 - Tiergefährten -

Bucherscheinung 2017 – Tiergefährten –

Aber da jede Krise auch ein produktiver Prozess ist, sollte ich froh sein, dass ich so kompetente Freunde an meiner Seite habe. Deshalb ist des vermeintlich fertige Buch nun wieder für eine neue Überarbeitung freigegeben. Nein, ich bin nicht deprimiert, vielleicht ein bisschen enttäuscht. Mit meinem Erstlingswerk male ich mir natürlich keine Chancen auf den Pulitzer Preis aus, der mir sowieso egal ist, aber ich möchte unbedingt, dass der Schnellzug meines Lebens einen Moment anhält, Ihr eine Strecke mit mir reisen könnt und ich Euch dabei meine Geschichten über die Tiere und Mutter Natur lebendig und fesselnd erzählen kann.

Mutter Natur? Mit diesem Namen sollte ich mich auch mal näher beschäftigen..

Auch wenn ich dachte, wir hätten alle Arbeiten abgeschlossen, haben sich nun alle Beteiligten wieder in die Arbeit gestürzt und aus dem Sommer-Buch wird wohl eher ein Herbst-Buch 2017.

Ganz mit den Worten des genialen Oscar Wilde: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es nicht das Ende“. Ihr dürft also weiter gespannt sein und ich informiere Euch über Neuigkeiten.

 

Herzliche Grüße aus dem schönen Nienburg
H.P.Schaarschmidt

 

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen (Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland)

Von Border Collies, Schafen und einem tollen Tag.

Als ich das Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen auf Kloster Schinna mit der Klosterchefin besprochen habe, war ihre erste Antwort: Reichen da unsere Parkflächen? Sie war wohl der Meinung: da fallen 70 Mitglieder mit 140 Hunden auf dem ehrwürdigen Klostergelände ein, sie gab aber dennoch sofort ihr ok. 70 Zweibeiner und 140 Vierbeiner sind es dann doch nicht geworden, aber der Tag war toll und zwar so richtig toll.

Als ich am Veranstaltungsmorgen aus dem Fenster schaute, traf mich fast der Schlag. Regen wie aus Eimern…  Mist, so haben wir uns das nicht vorgestellt. Ein Blick auf die Wetter-App prophezeite uns aber einen schönen Tag, dann glaube ich ganz einfach mal der Technik. Die Einzigen die an diesem Morgen das Wetter super fanden, waren meine Laufenten. Sie putzten sich im Regen, liefen quietschvergnügt über die Wiese und dachten sich: Genau so kann es bleiben.

Die App sagte NEIN, aber das habe ich ihnen nicht verraten.

Warum treffen wir uns eigentlich, wobei einige sogar 1 ½ Stunden Fahrzeit auf sich nehmen?
Um den freien Tag mit anderen Border Collie- und Schaf-Leuten zu verbringen. Dieser Regio Treff hat mich auch wieder daran erinnert, warum ich in der ABCD bin. Eine tolle und entspannte Zeit mit Menschen, die von dem gleichen Virus befallen sind, dem „Border Collie Wahnsinn“.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Pünktlich beim Eintreffen der ersten Border Collies (mit ihren Zweibeinern), machte sich dieses gelbe Ding am Himmel  Platz und verschönerte uns den Tag. Brauchen wir eigentlich unbedingt Sonne für unsere Arbeit? Ich glaube die Frage hat sich erledigt. Denn im Mutterland dieser vierbeinigen Kollegen hat die Sonne nicht gerade eine Chefposition. Egal, wir sind hier. Die Sonne scheint und heute dreht sich alles um  unsere schwarz-weißen Mitarbeiter.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Einige kamen auch ohne Herrchen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Man beachte den Border Collie-Teller von Jasi. Ulrike kann ihre Freude nicht „verheimlichen“.

Nach Begrüßung und einem süßen Imbiss schlenderten wir erst mal über das Klostergelände. Als aber die Sonne unsere Regio noch mehr verschönern wollte, verlegten wir kurzerhand das Ganze ins Freie. Die Figur auf dem Teller lies Jasi nicht aus den Augen, denn dieser Glücksbringer sollte wieder mit nach Hause.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Ein schönes Plätzchen mit Blick auf die Schafe (Auf dem Kloster meine Lieblings-Ecke)

Bevor das lockere Training beginnen konnte, stand zunächst eine kurze Regio-Besprechung auf der Tagesordnung: Vorschläge, Anliegen, Anregungen und Vorschau auf anstehende Veranstaltungen bei uns in Niedersachsen. Eine der ersten Fragen war: wie lief das letzte Treffen bei Christine Fischer. Da die Anmeldezahl bescheiden ausfiel, wurde auch ein Gast aus NRW gerne gesehen. Wir waren alle der gleichen Meinung: sind noch Plätze frei, ist jedes ABCD Mitglied aus ganz Deutschland herzlich willkommen. Die Regio-Vorsitzende Ulrike machte aber auch nochmal deutlich, dass sie einen der Schwerpunkt darin sieht, Trial für die Klassen 1 und 2 zu fördern. Es ist fantastisch, dass wir international erfolgreiche Trialisten haben, aber die Basis müsse in Zukunft deutlich mehr unterstützt werden, denn die ABCD ist der Verein des Arbeitshundes Border Collie und erst an zweiter Stelle ein Veranstalter von Trials. Was nicht heißen soll, dass wir weniger machen sollten, ganz im Gegenteil, aber eben deutlich mehr für die Basis. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass wir uns in Niedersachsen aller 3 Monte Treffen, um sich auszutauschen und enger zusammen zu rücken, sagte Ulrike.

Das nächste Treffen findet voraussichtlich bei Svea Bruhn statt. Svea, wir freuen uns darauf!

Nun ging es an die Abteilung Spaß. Lockeres Training an meinen Blackys. Ich hatte drei Tore aufgebaut und jeder konnte das trainieren, was er seinem Hund zutraute. Bei ausgelassener Stimmung gingen viele Junghunde an den Start und  wertvolle Ratschläge gab es von einer gut gelaunten Ingrid Stottmann.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Training unter realistischen Bedingungen.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Zahlreiche Zaungäste gab es auch. Sie beobachteten uns bei der „schweren Arbeit“.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Der schönste Platz ist noch immer im Wasserkübel.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Grill-Meister Jan

Das gemeinsame Trainieren machte riesen Spaß und konnte nur noch von dem „Tagesordnungspunkt“ Grillen getoppt werden. Profi-Griller Jan hatte das heiße Monster voll im Griff und zauberte uns Leckereien.  Jan, vielen DANK!

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Ich denke, dass Foto spricht für sich.

In unserer ABCD geht es um Zusammenhalt und um Freude an gemeinsamen Interessen. Wir alle können nicht immer einer Meinung sein. Das ist auch gut so. Die Leidenschaft für Tiere vereint uns, denn in einer funktionierenden Gemeinschaft sind wir stärker als Einzelkämpfer. Gebt euch beim nächsten Regio Treffen einfach mal einen Ruck und kommt mit dazu. Wir freuen uns auf euch.

Ein entspannter Tag mit Freunden, die gemeinsam Zeit verbringen, sich austauschen und Spaß haben wollen, genau so war es. Einfach toll.

Schön das ihr alle dagewesen seid.

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Wer hätte es gedacht, dass ich mich einmal mit dem hüten von Enten beschäftige. Prompt bekam ich auch einige Sprüche zu hören. Zum Beispiel:  ich dachte du kennst nur die Peking-Ente beim Chinesen,  Ente gut, alles gut oder das ist die falsche WC-Ente und andere wichtige Lebensweisheiten.

Das kleine Flatter-Vieh ist schon was Besonderes und sie haben auch noch Ansprüche. Was macht man aber nicht alles, damit es dem lieben Vieh gut geht. Es fängt schon mal damit an, dass die Laufenden bei zahlreichen vierbeinigen „Kollegen“ als Beute  willkommene ist und keine Lücke in der Behausung zu klein ist, um in der Nacht einen „Besuch“ abzustatten. Da waren sie auch schon wieder, die Sprüche und hilfreichen Lebensweisheiten: Der Fuchs hat drei Enten geholt?! Die Besten kommen halt zuerst in den Himmel. Heißt das jetzt wenn ich sehr alt werden sollte, wollte mich da oben keiner haben? Und überhaupt, wer soll das entscheiden und wo ist eigentlich da oben?

Fragen über Fragen…

Enten hüten ist so eine ganz spezielle Sache, denn die Fehlerquote unserer Hunde sollte bei null liegen. Warum?  …muss ich das wirklich erläutern? Meine Abby könnte zum Beispiel nicht diesen Job erledigen, weil sie des Öfteren nicht nur ein schwaches Nervenkostüm hat, sondern auch mal deutlich! nach-hilft. Die kleinen Biester sind ja nicht nur niedlich und die Schnecken-Vertilger schlecht hin, sondern auch ganz schön aufwendig  – wenn man sie lange behalten möchte.

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Nix mit einfach über den Hof laufen lassen, oder Freies Land für Freie Gänse. Toller Spruch, aber leider nur für eine kurze Zeit, denn dann sind sie gern gesehene „Gäste“ bei Marder, Fuchs und Kollegen. Also Obacht und Sicherheitsstufe 1.

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Meine Hündin Abby ist an den Enten nicht so gut aufgehoben, aber dafür meine May. Einen richtig guten Job macht Sky von Bianca Jacobi. Da wir des Öfteren gemeinsam unterwegs sind, habe ich Sky genau beobachten können  – sie ist bei der Enten-Arbeit einfach traumhaft.

Wenn ich ganz ehrlich bin, wollte ich „eigentlich“ nie zu meinen Hunden und Schafen auch noch Federvieh, aber nun sind einige dieser possierlichen Wesen bei mir eingezogen und ich bereue nichts. Die Laufis sind toll und lieb gewonnenen Mitbewohner.

 

Herzlich willkommen, schön dass ihr da seid.

Geduld, Border Collies und Bambus Bauern

Bambus Bauern? Wieso Bambus Bauern?
Man man man, nun regnet es schon den dritten Tag und ich kann so Garnichts von all den Dingen erledigen, die erledigt werden müssten. Bei diesem Vorgeschmack auf die Sintflut, heißt es nur: Geduld.
Habt ihr Geduld? Ich nicht und muss sogar jeden Tag darum kämpfen, sie nicht zu verlieren. Eigentlich möchte ich viel mehr davon, am besten jetzt gleich und sofort. Mist, so funktioniert das nicht mit der Geduld, also sollte ich mir anderweitig mehr davon „besorgen“. Sich mehr Geduld beschaffen, ist ein wirklich harter Job, denn wir müssen an der schwersten Aufgabe von allen arbeiten, an uns selbst. Dumm ist nur, nicht allein der Wille ist entscheidend, sondern die innere Einsicht.

…und woher bekomme ich jetzt „schnell“ diese innere Einsicht?

„Eigentlich“ haben wir in unserer durchorganisierten, auf Optimierung getrimmten Welt ziemlich schlechte Chancen, diesen Weg zu finden. Das klingt jetzt vielleicht etwas hart, aber die „Masse“ läuft doch täglich wie „aufgescheuchte Hühner“ durch den Alltag und ist von innerer Ruhe so weit entfernt, wie eine Mücke vom Elefant. Es ist aber nicht unmöglich, aus einer Mücke einen Elefant zu machen  …und das meine ich diesmal nicht im bekannten negativen Sinne, nein, ganz und gar nicht, sondern diesmal positiv, der Weg zur inneren „Mitte“. Dumm nur, dass man diese innere Mitte schlecht beschreiben kann und sie eigentlich selbst erleben muss, um sie zu begreifen. Ohne Training, nur aufgrund von Umständen, durfte ich dieses Gefühl bisher zweimal erleben. Das erste Mal war vor 20 Jahren in einem dreiwöchigen Urlaub auf Sri Lanka (bis 1972 Ceylon). Wir haben weder Teeplantagen noch Tempel angesehen, sondern ausschließlich am Traumstrand im Schatten der Palmen gelegen. Nach reichlichen zwei Wochen stellte sich eine erstaunliche innere Ruhe ein. Nach drei Wochen war mein Innenleben so sortiert, dass ich ein ganz anderes Körpergefühl hatte. Wie schon gesagt, dies kann man eigentlich nicht beschreiben, sondern nur selbst erleben. Der zweite Moment ist erst ein Jahr her und „überfiel“ mich auf einem Hüte-Trial im Harz. Trotz Zuschauer und vieler Wettkampfteams, war ich mit meinem Hund ganz allein und war bei ihm – auch in 150 Meter Entfernung. Unvergesslich!

Geduld ist eigentlich „nur“ das Endergebnis, das Ende der Reise. Wer „nur“ das Ziel vor Auge hat, ist bereits von der „Hauptstraße“ abgekommen. Wir sind dann aber nicht nur von der „Hauptstraße“ abgekommen, sondern laufen zudem auch noch den falschen Zielen hinterher. Wir hetzen, machen und tun, ohne wirklich Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können. Bringt etwas in der heutigen Zeit keine schnellen Ergebnisse, ist es „untauglich“. Hat man Geduld, so ist es eine Tugend, die wertvoller ist als Gold. Ich gebe zu, ein für uns alle schwer zu verstehender Satz, denn wir haben andere Lebensvorstellungen mit auf den Weg bekommen.

Ein wunderbares Beispiel ist nicht nur die Arbeit mit unseren Border Collies, sondern Bambus-Bauern. Bambus-Bauern? Was haben Bambus-Bauern mit Geduld zu tun? …Und überhaupt, was machen diese Leute? Ich darf euch versichern, sie sind das Paradebeispiel und Aushängeschild für Geduld.

Bambuswald Ⓒ Steffen Reuter

Bambuswald Ⓒ Steffen Reuter

Bambus ist ein wichtiger Rohstoff geworden, der in viel mehr Dingen steckt, als wir uns vorstellen können. Doch Bambus kommt nicht aus dem Baumarkt und wurde auch nicht von „Tante Bayer“ oder einem anderen Chemiekonzern erfunden, sondern von fleißigen Bambus-Bauern angebaut. Nun ist aber das Bambuspflänzchen ein ganz besonderes „Ding“, denn es wächst nicht wie jede andere Pflanze nach dem Stecken jedes Jahr neu, nein ganz und gar nicht, sondern es lässt sich Zeit. …somit wären wir bei Geduld. Ohne Geduld und Beharrlichkeit ist diese Pflanze nicht erfolgreich anzubauen. Nach dem Stecken macht sie 4 Jahre nicht die geringsten Anstalten zu wachsen. Man muss den Boden harken, Unkräuter entfernen, gießen und sie 4 Jahre lang liebevoll umsorgen, ohne genau zu wissen, was passiert. Diese Bambus-Bauern halten durch. Ihr „Geheimnis“: Einfach immer weitermachen und nicht verzagen.

Die Früchte der Arbeit nach 4 Jahren Ⓒ Steffen Reuter

Die Früchte der Arbeit nach 4 Jahren Ⓒ Steffen Reuter

Geduld und Zuversicht sind hier die wichtigsten Tugenden. Seid auch hier ehrlich, würden wir das durchstehen? Ich glaube, die meisten von uns würden die Segel streichen. Warum können diese Menschen so geduldig sein und wir nicht? Der Weg ist das Ziel und eine damit verbundene ganz andere Lebensweise. Wollen wir Geduld, müssen wir unseren Alltag umstellen. Die Geduld stellt sich dann „fast“ von selbst ein. Hört sich gut an und lässt sich leicht schreiben, aber in der Praxis eine „Monster-Aufgabe“. Mit diesem Thema stehen wir vor einem echten Dilemma und vernünftige Ratschläge sind rar. Da wir nicht nach Tibet auswandern können, um bei den Mönchen Geduld zu lernen, müssen wir in unserem Leben aktiv werden. Lasst uns bewusster leben, über den Sinn unseres Handelns nachdenken und bei der Arbeit mit unseren Hunden immer daran denken: Diese vierbeinigen Freunde machen nichts falsch, nur wir. Das ist schon mal ein kluger Anfang.

Konzentration & Hingabe Ⓒ Steffen Reuter

Konzentration & Hingabe Ⓒ Steffen Reuter

So funktioniert das mit der Geduld und nicht auf „Knopfdruck“.

Hütetraining bei Hans-Jürgen Werbke

Es ist Sonntagmorgen 5.45 Uhr, eigentlich die richtige Zeit, sich nochmal auf die andere Seite zu drehen, aber da schreit mich plötzlich der Wecker an „Los, aufstehen“. Verdammt, ist die Nacht denn schon vorbei? Nach einem kurzen Moment zünden auch meine „grauen Zellen“: „Ach ja, heute geht es zu Hans Jürgen Werbke“. Mein jüngster Neuzugang May, ist aus seiner Zucht und diese schwarz-weiße kleine Rakete bereichert mein Leben sehr. Sie soll Abby unterstützen, aber später mit mir auch auf Trials gehen. Na ja, lassen wir uns überraschen, denn jeder neuer Tag ist bekanntlich eine Wundertüte.

Wieder zurück zu meinem Wecker. Irgendwie wird er nicht mehr mein liebster Gegenstand, denn er  ist immer so rücksichtslos zu mir. Nachdem seine Stimme verstummt ist, wobei ich etwas „nachgeholfen“ habe, springe ich voller Tatendrang aus dem Bett und kümmere mich um meinen „Lebensretter“, eine Tasse Kaffee. Ich schalte das Radio an und „suche“ mir was zu essen. Glück gehabt, „Futter“ ist vorrätig. Die Hunde habe meine Aktivitäten kurz zur Kenntnis genommen, sich aber wieder hingelegt, denn 5.45 Uhr ist normaler Weise nicht unsere Zeit. Kaffee, wach werden und ab unter die Dusche. Nun melden sich meine Plagegeister auch wieder (keine Flöhe) und lasse sie hinter das Haus. In unserem kleinen Örtchen, muss ich der einzige sein, der zu so einer „unchristlichen“ Zeit seine Hunde pinkeln lässt. Alles erledigt, nun aber auf nach Schleswig Holstein.

Der Empfang war herzlich und zur Begrüßung gab’s erst mal einen Kaffee. Kurze Besprechung, wie der aktuelle Stand seiner/meiner jungen Hündin May ist, wie sie sich bei mir entwickelt hat und was ich bisher gemacht habe. Genau so muss ein Trainingstag beginnen: Ruhig, entspannt, freundschaftlich und nach Vorbereitungen mit einem Plan.

Hans-Jürgen Werke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /So sehen die Schränke von Siegern aus.

Hans-Jürgen Werke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /So sehen die Schränke von Siegern aus.

Es macht einfach Freude, Hans-Jürgen bei der „Arbeit“ zuzusehen. Immer mit Ruhe und viel Geduld, von der ich mir noch einiges „besorgen“ muss.

„Eigentlich“ gibt er ja kein Training mehr, da aber May aus seinem letzten Wurf stammt und er ein großes Interesse daran hat, was aus den kleinen Raketen wird, treffen wir uns von nun an regelmäßig. Klar liebe ich alle meine Tiere, aber May zeigt deutlich mehr Talent als meine Abby. Ich möchte mit Hilfe von Hans-Jürgen Werbke so wenig Fehler wie möglich machen  – bin mir aber ziemlich sicher, dass ich auch diesmal wieder „grobe Schnitzer“ produzieren werde.  Selbstkritik bringt uns immer nach vorn, denn bekanntlich liegt das größte Hindernis nicht bei den Vierbeinern, sondern bei uns Zweibeinern.

Balancearbeit hatte ich bereits als Hausaufgabe, doch nun wollten wir mit May anfangen, etwas konkreter zu arbeiten – natürlich ohne Druck und mit viel Zeit. May bot uns viele Lösungen an, die ich nicht immer auf Anhieb erkennen konnte, doch Hans-Jürgen erklärte sie mir sofort. May macht mir wirklich viel Freude und Hans-Jürgen ist mit seinem vierbeinigen Zauberlehrling offensichtlich auch zufrieden. Da wäre nur noch ein klitzekleines Problem, ich muss sie auch gut anleiten und ausbilden.

Outrun, rechts, links, wegtreiben, dass waren die Hauptthemen. Hans-Jürgen und ich probierten, wie May auf verschiedene Situationen reagiert und er gab mir einige ganz spezielle Übungen als Hausaufgabe mit auf den Weg, die ich mit May erarbeiten soll. Bei erfahrenen Trainern sieht immer alles so ruhig, gelassen und selbstverständlich aus, aber gerade das macht sie wohl aus, unsere Besten. Klar gibt es auch einige „Border-Collie-Künstler“, die sehr „lautstark“ agieren und über das Trialfeld brüllen, als wären alle Hunde auf dieser Welt extrem schwerhörig  – doch es geht eben auch anders.

Auf der Trainings-Weide Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /Hier Hans-Jürgen mit May

Auf der Trainings-Weide Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /Hier Hans-Jürgen mit May

Zwischendurch kam ein kurzer Besuch aus Meggerdorf. Der Landwirt hatte einen jungen Hund an der Leine und wollte um Rat fragen. „Dann lass ihn doch mal laufen, denn ich möchte sehen, wie ihr zusammen arbeitet. Mach alles wie immer“. Gesagt – getan. Der Hund lief, brachte die Schafe und sollte sich kurz vor uns ablegen. Wow, aber was passierte dann, das down Kommando donnerte wie ein Kanonengeschütz, doch der Hund war höchsten 10m von uns entfernt. Das Ergebnis: Der Hund hörte nicht, erst nach einigen lautstarken Wiederholungen.

„Alles anhalten, so können wir nicht arbeiten“.

Jetzt habe ich die erste Aufgabe für dich, rede leise und nett mit deinem Hund.
„Bisher kannte ich das gar nicht anders“, war seine Antwort.

In Meggerdorf mag das ja so üblich sein, dass alle Nachbarn im Umkreis von 300m immer genau wissen, was trainiert wird, aber ganz sicher nicht hier. Dann nahm Hans-Jürgen den Hund, ging auf die Schafe zu, postierte ihn und fing an, leise mit ihm zu reden. Anschließend schickte er ihn auf den Outrun und als die Damen wieder kurz vor ihm waren, ging er im richtigen Moment einen Schritt auf dem Hund zu und gab ein leises down Kommando. Wunder, oh Wunder, völlig stressfrei legte sich der Hund hin. Das war gut, dachte ich und der Hundebesitzer stand sprachlos da. Ehe ich dir zu irgendwelchen anderen Problemen Ratschläge gebe, trainierst du erst mal (mindesten einen Monat) den ruhigen Umgang mit deinem Hund  – dann sehen wir weiter. „Ich gebe ja kein Training, aber für die Nachbarschaft habe ich gern hilfreiche Ratschläge“. Der Besuch war schnell vorbei, doch für die zwei sicher sehr hilfreich.

So Peter und wir besprechen jetzt, was wir heute alles gemacht haben.

Abschlussbesprechung Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Abschlussbesprechung Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Es war bereits Nachmittag und ein Kaffee wäre jetzt auch super. Ab in die Küche, Kaffeeautomat in Gang gesetzt und die Frage: Was haben wir heute alles ausprobiert und gesehen? Einiges ausprobiert und mein kleiner Zauberlehrling hat uns viel gezeigt. Genau das sollte unser Ansatz werden, denn der erfahrene Blick auf May ist von Hans-Jürgen Werbke natürlich ein ganz anderer als von mir. Wir besprachen einige Übungen und wie ich mich zu verhalten habe. Auweia, bei dieser Arbeit geht es  nicht nur um meinen Hund, sondern auch um mich. Ich muss mir einige „Unarten“ abgewöhnen und klarer kommunizieren. Hört sich verdammt schlau und logisch an, aber …es gibt immer ein „aber“, das ist alles andere als eine „lockere“ Übung.

Da waren sie also, meine Hausaufgaben für die nächsten 6 Wochen.

 

Anita Hermes, zwischen Kritik und Erfolg

Jeder, in den einschlägigen Kreisen, verbindet mit dem Namen von Anita Hermes zuerst Mitch und die wirklich unzähligen Siege und guten Platzierungen dieses Teams. Inzwischen ist er 9 Jahre alt und es stellt sich die Frage: Gibt es eigentlich einen „Kronprinzen“?  Es gibt ihn, und sein Name ist Roger.

Es war einmal ein kleiner Welpe, der lebte glücklich und zufrieden mit seiner Familie im Harz. Doch eines Tages kam die Zeit, hinaus in die Welt zu ziehen, um große Abenteuer zu erleben. Wie hat es mit Roger und Anita tatsächlich angefangen, wie hat dieser kleine „Wunderknabe“ seine Lektionen gelernt und wie haben die beiden es geschafft zu so einem gut funktionierenden Team zu werden ? Roger ist erst 4 Jahre jung und hat dennoch kürzlich auf einem Internationalen Hütewettbewerb (trotz strengem Richter) die magischen 100 Punkte erreicht. Das sollte uns alle aufhorchen lassen: „Denn Roger ist los“.

Nach einem kurzen Facebookaustausch, haben wir einige Tage später miteinander telefoniert. Wie konnte es anders sein, sie saß im Auto und war mit ihren vierbeinigen „Kollegen“ unterwegs zu einem Trial.

„Hallo Anita, ich wollte dich eigentlich nach einem Treffen fragen, aber ihr seid ja unterwegs?“ „Hi, ja zur Holstein-Meisterschaft, ich hoffe, ich komme gut durch, denn freitags sind Elbtunnel und die vielen Baustellen ein großes Risiko für eine staufreie Fahrt. „Aber auf dem Rückweg könnte ich bei Dir vorbei kommen“, meinte Anita, „doch am Sonntag war ich leider nicht zu Hause.“ Kurzerhand verabredeten wir uns für den darauffolgenden Donnerstag auf ihrer Trainingswiese. „Schön, ich freu mich drauf“, sagten wir fast gleichzeitig, mussten beide lachen und legten auf.

Anita Hermes Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Anita Hermes Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Noch auf dem Weg zu Anita, es regnete mal wieder wie aus Kannen, dachte ich daran, was Mitch so alles gewonnen hat  – echt atemberaubend. Eigentlich müsste er doch von allen Seiten hochgejubelt werden, aber die allgemeinen Beifallsbekundungen halten sich in Grenzen. Während ich so darüber nachdachte, vielen mir viele Fragen ein, die ich Anita unbedingt mal stellen wollte. Ich war gespannt und wenn ich geahnt hätte, was am Abend alles auf den Tisch kommt, wäre ich wohl vor Ungeduld geplatzt.

Ich halte Anita für eine bemerkenswerte Border-Collie-Trainerin mit viel Wissen und Talenten im Umgang mit ihren vierbeinigen Freunden. Dazu gesellen sich aber auch „Reibungsflächen“, die es einigen – nicht positiv Gesinnten – ziemlich leicht machen, ebenfalls ihre Ansichten und Meinungen kund zu tun. An dieser Stelle fällt mir fast automatisch der Satz ein: „Ganz oben wird die Luft dünn“ und Anita ist mit ihren Hunden „oben“.

Treten wir einmal einen Schritt zurück und betrachten das Ganze aus der Ferne und neutral. Anitas Hunde gehören mit zu den erfolgreichsten unserer Republik und das sollten wir auch so wahrnehmen. Zudem gehört sie zu den wenigen Trainern, die mit Rückenwind eines Sponsors in den „Wettkampf“ ziehen. Bei unserem Treffen haben wir auch über die „alten Zeiten“ gesprochen, in denen alles angefangen hat; (Anita und Freunde waren schließlich die Ersten in Old Germany und haben den Verein für diese „Spezialisten“ gegründet). Wie ist das mit den „alten Weggefährten“? Da standen sie noch gemeinsam auf der Trainings-Weide, was heute, vorsichtig und zurückhaltend ausgedrückt, nicht mehr mit allen möglich ist. Wir sprachen an diesem Abend auch noch über viele andere Themen, über die ich zu einem späteren Zeitpunkt berichten werde.

Na ja, nichts bleibt wie es war, denn die Welt dreht sich bekanntlich immer weiter.

Anita Hermes /Hütetraining Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Anita Hermes /Hütetraining Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Mitch hat uns in den letzten Jahren so manches Mal verblüfft und den Mund vor Staunen offen stehen lassen, auch bei einigen heimlichen und unheimlichen Beobachtern und Kritiker. Aber auch seine Zeit ist nicht unendlich. Wen überrascht es da wirklich, dass es bereits einen Kronprinzen gibt, der schon mit den Pfoten scharrt, um in die Welt hinaus zu ziehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch er uns überraschen wird. Bei Anita klingt das dann in etwa so: „Roger passt super zu mir, denn er ist ein junger, starker Hund mit weichem Bewegungsmuster“. Hört sich zunächst sehr „trocken“ an, aber jeder, der Anita näher kennt, weiß, dass diese vierbeinigen Zauberlehrlinge zu ihrem Leben und ihrer Familie gehören.

Roger, der „Kronprinz“ Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Roger, der „Kronprinz“ Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Falls also jemand auf den abwegigen Gedanken kommt, Anita würde „irgendwann mal“ kürzer treten wollen, dem möchte ich nach meinem Treffen sagen: „Ihr werdet weiterhin mit Anita Hermes und ihren Hunden rechnen müssen, auch in einem Finale der Europameisterschaft.“

Eine Trainerin mit unglaublichen Fähigkeiten, aber auch mit zahlreichen Ecken und Kanten. Es ist schon erstaunlich, wenn jemand ein karges auskommen in Kauf nimmt und sein Leben derart auf die Hunde fokussiert, „nur“ um alle Kraft diesen vierbeinigen Spezialisten widmen zu können. Anita Hermes ist extrem, doch besondere Leistungen fordern meist besonderes Handeln.

Aber hey, freuen wir uns einfach darüber, dass auch solche Talente in unserer Nachbarschaft wohnen,

…dann ist alles Roger!

Hütetraining

Das Training mit Border Collies ist kein Freizeitspass, sondern ein „ernsthaftes Vergnügen“. Ernsthaft, weil man sich auf diesen Hund konzentrieren muss und ein Vergnügen, weil es Spass macht diesen Spezialisten bei der Arbeit zusehen. Jede Hunderasse hat seine besonderen Fähigkeiten und jedes Tier kann etwas besonders gut, wir müssen es nur lassen. Unsere chaotische Welt, mit Google, Facebook und schnellen E-Mails, ist so ganz und gar nicht auf die Bedürfnisse unserer vierbeinigen Mitbewohner ausgelegt  -und damit meine ich nicht nur unsere Hunde. Ihre Welt hat einen andern Lebensrhythmus als unsere.

Diese Woche, auf dem Weg zum Hütetraining, stand ich an einer Ampel. Rot, gelb und grün, ich lege den Gang ein und will losfahren. Noch bevor ich den Gang einlegen konnte, hupte ein wild gewordener Autofahrer hinter mir und hat wohl einen Raketenstart erwartet. Aber sorry, ich fahre einen alten Geländewagen mit 2,5 t Eigengewicht, der beim Anfahren nur „normal“ kann. Mit einem Maserati ginge das sicher schneller, aber wo setze ich da die Anhängerkupplung hin?

…also bleibe ich bei meinem alten Schätzchen.

Es gibt aber Tage, da denkt man sich, man man man, dass kann doch alles nicht euer Ernst sein. Ihr wisst schon, solche Tage, an denen man Dinge erlebt, die alles andere als normal sind. Da stellt sich aber gleich wieder die Frage „was ist schon normal?“. Normal ist relativ. Sorry, lassen wir Albert mal lieber aus dem Spiel, denn er war zwar ein genialer Physiker, aber im Alltag und Familienleben eine „riesen Pleite“. „Normal“ ist das was passiert, während wir etwas anderes planen.

Gibt es eine messbare Normalität? Oder ist Normalität nur Ansichtssache? Ich für meinen Teil habe eine ganz persönliche und vor allem einfache Formel gefunden. „Normal ist Ansichtssache  – solange sie andern nicht schadet“. Na-ja, ich gebe zu, ziemlich einfach, aber irgendwie muss man sich ja in dieser Welt zurechtfinden. Die Herren Wissenschaftler beschäftigen sich natürlich auch mit diesem Begriff und wollen alles ganz genau berechnen, doch da helfen weder schlaue Formeln noch kluge Sprüche. Ein Ansatz ist die These: „Normal ist was wir gewohnt sind“. Zumindest leuchtet diese ein und reicht für uns Otto Normalverbraucher. Eine zweite These besagt: „Alles Natürliche ist normal“. Nun wird es schon komplizierter, denn diese Aussage stellt so ziemlich alles in unserem Leben in Frage. Warum? Weil wir nicht „natürlich“ leben, sondern in einer selbst gebastelten „Blase“. In einer eigenen Welt, von uns geschaffen.

Ich vermute aber, meine Abby interessiert das weniger, denn sie hat nur die Schafe vor ihrer Nase im Kopf und wann sie endlich diese Damen bewegen darf. Sie folgt ihren ganz natürlichen Veranlagungen, wobei wir nach der zweiten These, bei der absoluten Normalität angelangt wären.

…somit ist mein Hund normal und ich unnormal?
Wow, was für eine Erkenntnis, meine Ex-Frau hätte also recht.

Abby Ⓒ Jasemin Be

Abby Ⓒ Jasemin Be

Damit meine Hunde auch fremde Weide Flächen als „normalen“ Arbeitsplatz ansehen, fahre ich regelmäßig zu befreundeten Schafhaltern, natürlich mit meinen Border Collies. Da stehen wir also, irgendwo im Nirgendwo, am Rande einer abgelegenen Weide, mit 10 Border Collies, wovon 5 trainiert werden sollen.  Meine Hündin Abby ist gerade läufig und ich will ausprobieren, ob ihre Hormone sie so durcheinander gebracht haben, dass sie auf fremden Weideflächen nur eingeschränkt arbeiten kann. Ja es ist schon ein Drama, „Hormone bei der Arbeit“. Das geht den Hunden wie den Menschen und ich habe den Verdacht, dass diese kleinen Hormon-Männchen oder auch Frauen, einen heimlichen Hauptschalter für das Gehirn besitzen, den sie bei Bedarf betätigen. So schalten sie ihre Kongruenz im Gehirn einfach ab.

Ich war erstaunt, trotz dieses inneren hormonellen Kleinkrieges, gelang es mit Abby ganz gut zu arbeiten. Nur ihre Nerven waren nicht auf der Höhe und einige Handling-Fehler meinerseits taten das Übrige. Ich bin trotzdem gespannt, ob nächste Woche auf dem Trial in Kühsen Abbys Hormone unter Kontrolle zu bringen sind, denn in der Läufigkeit ist es eher ein Glücksspiel, als stabile Leistungen.

Bei all dem sollte ich auch noch „fotogen“ aussehen, denn Jasemin schoss während des Trainings eine Fotoserie. Unter uns gesagt, auf Fotos finde ich mich immer „ziemlich blöd“  – ich meine natürlich nicht gut getroffen. Abby & May sind da deutlich fotogener.

Nachtrag:
Das darauffolgende Trial in Kühsen, haben wir komplett „versemmelt“. Was ist nun die Weisheit aus dieser Geschicht?  „Wenn Abby läufig ist – starte nicht“.

 

Panik oder Konzentration

Das Wort Panik kennen wir alle und haben es fürchten gelernt, aber wo kommt dieser Begriff eigentlich her? Er stammt von den Griechen, oder besser gesagt aus ihrer Sagenwelt. Der griechische Hirten Gott „PAN“, soll ein ziemlich frecher Typ gewesen sein. In der größten Mittagshitze, schrie er so ohrenbetäubend, dass Schafherde und Menschen in einer plötzlichen Massenflucht davon preschten. In der griechischen Götter Welt war PAN eine imposante „Erscheinung“. Nicht nur das er frech und immer für eine Überraschung gut gewesen ist, sondern auch halb Mensch, halb Ziege war. Schon im „normalen“ Leben, bereiten uns diese klugen Tiere gelegentliche Kopfschmerzen, aber als „Überflieger“, als Gott und noch dazu halb Mensch, halb Tier, für die Hirten eine echte Zumutung.  Aus dem frechen PAN wurde Panik und überfällt uns noch heute in den unmöglichsten Situationen. Nur diesmal flüchten nicht die Schafe, sondern unser Verstand. Kommt dieser wilde „PAN“ über uns, können wir nicht mehr klar denken und die Logik verabschiedet sich komplett.

Ob im Studium, bei der Arbeit oder beim Blick auf unsere Kontoauszüge: stehen wichtige Termine an, haben wir fast alle ein Problem. Da geht es mir nicht anders, als dem Rest der Menschheit. Man will etwas besonders gut machen und setzt sich dadurch unter zusätzlichen Druck. Nur blöd, dass man dies nicht so ohne weiteres abstellen kann.  …nicht ohne weiteres, aber man kann.

Genau dieses berühmte „P“ in den Augen, ging mir  gewaltig auf den „Keks“. Aber auch solche Verhaltensweisen haben eine Geschichte. Jeder macht an einem ganz bestimmten Punkt mit diesem unangenehmen „Gast“ Bekanntschaft. Die einen vor der Klausur, andere vor der Meisterprüfung und viele wenn es in Richtung Fahrprüfung geht.

Hardi P.Schaarschmidt Ⓒ Jasemin Be

Hardi P.Schaarschmidt Ⓒ Jasemin Be

Bei mir hatte sich dieser Eindringling breit gemacht, als ich mit einem Thema konfrontiert wurde, dass man gar nicht zu 100% unter „Kontrolle“ bringen kann. Wettkämpfe mit Hütehunden. Bei dieser komplexen Aufgabe, treffen 4 unwegsame Faktoren aufeinander: Natur, Schafe, Hunde und ich als der Kapitän des ganzen. Habe ich Wind, reagieren alle Tiere anders, die Schafe machen was ihre Tagesform sagt, der Hund hat gute oder nicht so gute Tage und ich „sollte“ bei alle dem Chaos besonders ruhig sein, um Sicherheit auszustrahlen. Sicherheit und Ruhe, um meinem Hund das Signal zugeben: “Alles OK“.

Dumm nur, dass auch ich am Anfang Hilfe nötig gehabt hätte, denn ich war alles andere als ruhig, konzentriert und gelassen. Ich hatte ein „Doppel – P“ in den Augen und dies bedeutete nicht „ Prima Pause“, sondern „Pure Panik“. Wie sollte ich da meinem Hund helfen? Ich hatte sogar manchmal den leisen Verdacht, dass mein Hund mir geholfen hat, um nicht ganz den Faden zu verlieren. Wir standen also in einem Minenfeld ohne Spürgerät und Schutzweste, das konnte nicht gut gehen, also musste schnell etwas passieren.

Die vielen nett gemeinten Ratschläge helfen da nicht wirklich, jeder muss selbst aktiv werden. Ob man in einer Prüfung sitzt, oder ich mit meinem Hund an einem Startpfosten stehe, jeder hat seinen eigenen Weg runter zu kommen, um konzentriert seinen Job zu erledigen. Ich habe sehr lange gebraucht, um den einzig nützlichen Rat zu verstehen.

„Leere deinen Kopf, wäge nichts ab, lass alles fließen und folge deinem Bauch“

Ich weiß, das ist auch wieder so ein Ratschlag, aber dafür der einzig mögliche. Beschäftigt Euch mit ihm und ihr werdet sehen, nur so geht es. Welchen Weg ihr allerdings wählt, um den Kopf zu leeren, dass kann euch keiner sagen, dass müsst ihr selbst herausfinden.  Dein Verstand muss glauben können, dass es möglich ist. An dieser Stelle ist „fast alles“ erlaubt (was hilft), nur vom Teufel Alkohol ist dringendst abzuraten. Dieser fiese, kleine Troll ist schlau, denn er meldet sich bereits einen Tag vorher und will uns am Abend ins Ohr flüstern: „Trink 2-3 Gläser Wein, dann schläfst du besser und bist morgen ausgeschlafen und ruhig“. Dieser kleine Schelm verrät aber nicht, dass diese Vorabend-Partys meist viel zu lange dauern und seine Überredungskünste oft für mehr als 3 Gläser Wein gut sind. Also, traut ihm nicht und schlagt einen anderen Weg ein  – auch wenn er protestiert.

Machst du, was du immer getan hast, bekommst du auch, was du immer bekommen hast. Willst du etwas ändern, so verlasse deinen eingefahrenen Weg. Begib dich auf neue, vielleicht auch unbequeme Wege, denn nur diese bringen dich zu neuen Zielen.  Mach einfach ganz andere Dinge.

Was mich betrifft, so bin ich am Start nun ruhig und konzentriert, was aber nicht heißen soll, dass keine Baustellen mehr vorhanden sind  -im Gegenteil. Erst jetzt ist es möglich, auch an diesen „Schlaglöchern“ zu arbeiten, doch diese Arbeit wird aufreibend, hart und lang   …wie jedes Ziel.

Da ich aber in Sachen Hütetraining einen ganzen „Baustellen-Katalog“ vor mir liegen haben,
würde ich sagen:  Frisch ans Werk, denn der PAN ist tot.