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Hütevorführung oder Hüte-Vorführung?

„Wie? Sie wollen bei uns eine Hüte-Vorführung präsentieren?“ fragt ein Schlossverwalter, willigte aber im gleichen Moment ein. Er wundert sich nur, dass wir so viel Fläche dafür benötigen. Hüte passen ja wunderbar zu einem Schloss, aber eine gewisse Verwirrung ist dem Hausherren deutlich anzusehen.

Ich trage Gummistiefel und eine Wachsjacke, habe zwei Border Collies dabei und erzähle von meinen Laufenten, aber irgendwie will sich der Nebel in seinem Kopf noch nicht verziehen. Ich überlege kurz: „Gefällt mir diese Verwechselung?“ Die Antwort ist schnell gefunden: „Ja, echt witzig!“ Eigentlich müsste ich diesen Herrn auf den Boden der Tatsachen holen, aber die Wortspiele und das offensichtliche Missverständnis machen mir ziemlich viel Spaß.

Wir reden noch immer über eine Hütevorführung, oder doch eine Hüte-Vorführung?

Die Frage nach Absperrgittern und Strom für die Technik bringen ihn nicht auf andere Gedanken, aber das Thema Heu macht den Freiherrn von ich weiß nicht genau dann doch etwas stutzig.

„Heu? Sie brauchen Heu?“ „Ja, das wäre super, wenn die Wiesen so weit runter gemäht sind, dass sie nicht mehr ergiebig sind.“ „Die Wiesen müssen ergiebig sein?“ „Naja“, antworte ich „unsere schottischen Kolleginnen müssen ja ordentlich versorgt werden“. So langsam werde ich mutig und erwähne noch: „Schließlich bin ich für die vielen hübschen Damen verantwortlich“.

Vor mir steht ein Mann, der ein Schloss von seiner Familie übernommen hat und in seiner ganz eigenen Welt lebt. Ich gebe zu, seine mit Wappen bestickten Hemden und seine Lack-Schühchen finde ich etwas lächerlich, aber jeder mag so leben, wie es ihm beliebt. Über mein Leben mit den Tieren werden sicherlich auch viele Menschen den Kopf schütteln.

Doch dann findet er seine Sprache wieder und stellt die richtige Frage: „Was machen Sie eigentlich genau?“ Nun wird es Zeit, die Situation aufzulösen. Eigentlich schade. „Wir präsentieren den Border Collie Arbeitshund in der Tradition der schottischen Farmer und das mit Hilfe von schottischen Schafen und Laufenten.“ Ich sehe in aufgerissene Augen und wieder folgt Schweigen.

Hütevorführung Border Collie May /Foto: Jasemin B

Hütevorführung Border Collie  /Foto: Jasemin B

Dann aber bricht es aus ihm heraus: „Das ist ja wunderbar und es passt perfekt in diese Umgebung“. Ich mochte den schottischen Landadel schon immer, denn er ist das Paradebeispiel für Pragmatismus und Tradition. „Werter Freiherr von ich weiß nicht genau, bei uns geht es weniger um den schottischen Adel, sondern eher um den Border Collie. Genau gesagt, um den Arbeitshund Border Collie“. Ich kann fast sehen, wie seine grauen Zellen auf Hochtour laufen, er aber versucht, diese Gehirnakrobatik zu verstecken.

„Wieviel Fläche brauchen Sie und kann man diese Präsentation in einem Schloss-Event integrieren?“ „40m x 60m wäre wunderbar, aber wir kommen auch mit etwas weniger zurecht. Es ist aber sehr schön, auch für die Zuschauer, wenn die Hunde genügend Platz haben, um ihren Job zu erledigen. Es sieht einfach besser aus und das Publikum sieht Border Collies, wie sie wirklich agieren. Das ist ziemlich spektakulär. Und was die Einbindung in ein Schlossfest betrifft, so haben wir mit dieser Kombination nur gute Erfahrungen gemacht. Der Veranstalter benutzt unsere Hütevorführung sogar als zusätzliche Werbung für sein Fest.“ „Ok, das kann ich mir alles gut vorstellen“, ist seine spontane Antwort.

Während er betont lässig hinter seinem ehrwürdigen Schreibtisch sitzt, der vermutlich von seinem Ur-Ur-Urgroßvater stammt, beschleicht mich ein komisches Gefühl. So ganz genau kann ich es nicht beschreiben, aber seine übertriebene Lässigkeit passt irgendwie nicht zu ihm. Dieser Freiherr versucht doch tatsächlich, einen auf Kumpel zu machen, aber meine Magengegend rebelliert. Nein, kein Durchfall. Mit dem Mann, der in den Lackschühchen steckt, stimmt etwas nicht.

„Für die Programminhalte geben wir auf unseren Schlossfesten nichts aus, weil unser Event eine tolle Plattform ist, bei der alle dabei sein wollen.“ OK, das erklärt meine Bauchschmerzen. Sie wollen sehr viel für Null. Am besten alles. Die Lackschühchen suchen nur Einnahmequellen, da vermutlich die Unterhaltskosten der Schlossmauern drücken. So habe ich mir eine Zusammenarbeit nicht vorgestellt. Ich wünsche mir eine gewisse Begeisterung und Achtung für und vor uns und unseren Hunden. Ich mag die Geschichte, Burgen und Schlösser auch, aber keine arroganten Fatzke, die den Verfall mit Überheblichkeit verdecken wollen. Bin ich jetzt zu streng oder zu intolerant?  Mir ist es egal.

H.P.Schaarschmidt /Foto: Jasemin B

H.P.Schaarschmidt /Foto: Jasemin B

Auf diesem herrschaftlichen Schlossgelände werden wir dann wohl nicht den Arbeitshund Border Collie vorstellen. Bei der Arbeit mit Schafen und Hunden spielen Ideale mehr als nur eine große Rolle.

Einige „Otto Normalverbraucher“ halten uns Schaf- und Hundeleute sicher für verrückt. Als ich meinen Lektor in Berlin frage, ob da etwas dran sei, fällt seine Antwort so kurz wie simpel aus: „Natürlich sind Sie etwas verrückt, sonst würden Sie das doch alles nicht machen. Schafe, Border Collies, Hütevorführungen, ein Buch schreiben und dabei noch einem Beruf nachgehen ist verrückt. Aber schön, dass Sie es tun.“

 

Bucherscheinung 2017 – Tiergefährten –

Meine täglichen Erlebnisse rauschen wie ein Schnellzug in voller Fahrt an mir vorbei und ich komme gar nicht dazu, all das Erlebte festzuhalten. Das Erleben, das Machen und das Aktiv sein sind ja aber auch nur eine Seite meines Lebens, worum es mir noch geht, nämlich das Schreiben, ist eine ganz andere.

Eigentlich sollte mein Erstlingswerk „Tiergefährten“ bereits im Sommer auf dem Markt sein, aber bei der Abschlussbesprechung in Berlin flogen mir nicht nur die Kritikpunkte meines Lektors um die Ohren, sondern auch die von einer guten Freundin, die der schreibenden Kunst mächtig ist. Das Schreiben und Veröffentlichen eines Buches hatte ich mir bis dahin ganz anders vorgestellt.

Bucherscheinung 2017 - Tiergefährten -

Bucherscheinung 2017 – Tiergefährten –

Aber da jede Krise auch ein produktiver Prozess ist, sollte ich froh sein, dass ich so kompetente Freunde an meiner Seite habe. Deshalb ist des vermeintlich fertige Buch nun wieder für eine neue Überarbeitung freigegeben. Nein, ich bin nicht deprimiert, vielleicht ein bisschen enttäuscht. Mit meinem Erstlingswerk male ich mir natürlich keine Chancen auf den Pulitzer Preis aus, der mir sowieso egal ist, aber ich möchte unbedingt, dass der Schnellzug meines Lebens einen Moment anhält, Ihr eine Strecke mit mir reisen könnt und ich Euch dabei meine Geschichten über die Tiere und Mutter Natur lebendig und fesselnd erzählen kann.

Mutter Natur? Mit diesem Namen sollte ich mich auch mal näher beschäftigen..

Auch wenn ich dachte, wir hätten alle Arbeiten abgeschlossen, haben sich nun alle Beteiligten wieder in die Arbeit gestürzt und aus dem Sommer-Buch wird wohl eher ein Herbst-Buch 2017.

Ganz mit den Worten des genialen Oscar Wilde: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es nicht das Ende“. Ihr dürft also weiter gespannt sein und ich informiere Euch über Neuigkeiten.

 

Herzliche Grüße aus dem schönen Nienburg
H.P.Schaarschmidt

 

Liebe Gemeinde

Es war einmal ein Schafzüchter. Er liebte seine Tiere und verbrachte viel Zeit bei seinen vierbeinigen „Freunden“. Seine Schäfchen lebten ein ruhiges und zufriedenes leben, hatten genügend Grün und pflegten dabei des Gelände eines alten Klosters aus dem Jahre 1148. Im Schaf-Land konnten sie einfach nur Schaf sein und einmal im Jahr in Ruhe ihre Babys groß ziehen.

Die Schafe:
Einmal im Jahr fallen Zweibeiner in unser kleines Reich ein, hören laute Musik, trinken viel Bier und sind außer Rand und Band – am sogenannten „Vatertag“. An diesem Tag müssen wir uns immer verstecken, alle Weiden verlassen und unser Schäfer schlisst uns zur Sicherheit sogar im Stall ein.

Da sind wir alle immer sehr beunruhigt, denn niemand kann sagen, was passiert.

Dieses Jahr war es mal wieder soweit. Die Zweibeiner vielen ein und versetzten unsere ganze Herde in Aufruhr. Sie rissen diesmal sogar Zäune um, brachen nachts den Stall auf und scheuchten uns in die Dunkelheit. Das war für uns kein schönes Erlebnis, denn in der Dunkelheit konnten wir nicht auf unsere Lämmer achten.

Eine kleine Familie Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eine kleine Familie Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Liebe Gemeinde, wir wollen nur in Ruhe den Rasen eures Klosters pflegen und unsere Babys versorgen. Bitte denkt an uns, wenn ihr nächstes Jahr zum „Vatertag“ wieder feiern solltet.

Mit lieben Grüßen
Eure Kloster-Schafherde

…manchmal rede ich mit mir selbst

Nein, ich bin nicht „verrückt“ geworden (auch wenn einige vielleicht etwas anderes behaupten), aber manchmal tobt in meinem „Inneren“ eine „angeregte „Diskussion“.
Man, man, man, was habe ich mir bloß dabei gedacht, als ich vor Jahren mit den Schafen angefangen habe?! Ob das wohl alles so richtig war. Natürlich liebe ich meine Schotten, ich meine Schafe, aber sie halten mich ganz schön auf Trapp. Auf der anderen Seite bringen mir diese „Biester“ auch ganz viel Freude und wenn ich so darüber nachdenke, die viele Arbeit macht mir eigentlich auch gar nix aus. Im Gegenteil, irgendwie stellt sich ein seltsames Gefühl der Zufriedenheit ein und genau dafür machen wir das doch alles. Oder?

Denke ich zurück, so muss ich mich am Anfang ziemlich „dumm“ angestellt haben. Bei den ersten Lämmern bin ich gleich in Panik verfallen uns sofort den Tierarzt angerufen. Na ja, besser so als „andersherum“. Die erfahrenen Berufsschäfer bewundere ich nach wie vor, denn sie besitzen nicht nur unglaubliches Schaf-Wissen, sondern auch eine ganz besondere Berufsehre, gepaart mit Leidenschaft und Fleiß. Wenn ich die von mir sehr geschätzte Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein anschaue, bekomme ich fast ein „schlechtes Gewissen“, denn gegen ihren täglichen Arbeits-Wahnsinn habe ich bei meinen „Mädels“ Dauerurlaub. Es geht mir einfach nicht aus den Kopf, was hat Kerstin dazu getrieben, nach ihrem Biologie Studium den Beruf des Schäfers zu erlernen, ihn natürlich abzuschließen und weil sie ja sonst nix zu tun hat (außer ihren 1.000 Schafen) auch noch ihren Schäfermeister zu machen. Hierzu fällt mir nur „wow“ ein und meine vermeintlichen „stressigen Arbeiten“, an den „Damen“, werden auf einmal ganz klein. Hobby Schafhaltung nennt man das wohl. Ich glaube, ich nehme mich manchmal einfach zu „wichtig“. Mit zwei Border Collies 120 Schafe zu bewegen und die Mädels so artgerecht wie möglich zu züchten, ist ja nun auch kein „Hexenwerk“. Ach, manchmal gehen mir so viele Dinge durch den Kopf, dass er fast „explodiert“. Was macht man da, klar, hinsetzen und erst mal in Ruhe eine „Friedenspfeife“ rauchen – quatsch, höchsten ein Bier trinken.

„Baumausreißtag“

„Baumausreißtag“

„Baumausreißtag“

An manchen Tagen könnte man ganze Bäume ausreißen (mit Wurzel) und an anderen, fallen einem ganz „normale Dinge“ schwer – mir zumindest. Ich weiß ja nicht, wie es euch da draußen allen so geht? Mir macht meine „Schinderei“ ziemlich viel Spaß und ich wollte auch nichts anderes tun.
Denke ich so an die guten und erfahrenen Hundetrainer, schießt es mir geradezu blitzartig in den Kopf: „ du musst dich viel mehr mit der Ausbildung beschäftigen, sonst wird das nie was Vernünftiges“. Ok, leichter gesagt als getan, denn was läuft denn sonst noch so „nebenher“? :
120 Schafe, Artikel für zwei Zeitschriften schreiben, den Blog aktuell halten, mein erstes Buch (na ja, die jetzige Arbeit machen eigentlich andere, denn ich bin mit meiner durch) und Hütevorführungen. …wenn ich also mal ein lockeres Wochenende erleben möchte, so melde ich mich, oder besser gesagt meine Hunde, zu einem Trial an. Aufgeregt bin ich schon, aber das ist doch irgendwie positiver „Stress“ und die frühere „Panik“ am Startpfosten, hat inzwischen auch das Weite gesucht. Meinen ersten Start werde ich nie vergessen, denn bereits am Start schossen mir wirre Gedanken durch den Kopf wie: bin ich eigentlich total verrückt geworden, oder die anderen sind alle viel besser als wir, hoffentlich verletzt mein Hund keines der Schafe. Wenn einem 10 Sekunden vor dem Start solche seltsamen „Blitze“ durch den Kopf schießen, kann die ganze Sache eigentlich gar nicht gut gehen. Vielleicht sollte ich mich bei den Starts nach den Sternen richten. Einige schwören ja darauf. Horoskope, Sternzeichen, Aszendent, vielleicht wissen die Bescheid und haben immer den „Durchblick“ – diese Variante weckt bei mir doch den einen oder anderen Zweifel.

Wobei mir schon mal jemand sagte: „Waage Menschen lieben das Schöne“ und ich bin „Waage“. Nicht die, die bei manchen im Bad auf dem Boden steht, sondern am Himmel prangt. Mich fragte tatsächlich mal jemand: „was bist du für ein Sternzeichen“? Ich sagte „Waage“ und die obligatorische Antwort war: „das habe ich mir gleich gedacht“. So so, man kann also sehen was ich für ein Sternzeichen bin…
Wenn ich also das nächste Mal zu meiner Bank gehe und sie mich noch immer ohne Anwendung von Gewalt einlässt, sollte ich vielleicht mit meinem Sternzeichen etwas schummeln und statt „Waage“ das Thema „Schütze“ ins Gespräch bringen. Ich ändere bei den Damen und Herren ganz einfach mein Geburtsdatum und werde fast automatisch zum hofierten Kunden. Beim Schütze Menschen wirkt angeblich der Jupiter als Geburtsplanet und der verheist Wohlstand. Mist, wegen der „Wage“ habe ich also mit meiner Bank immer diese „Meinungsverschiedenheit“. Meine Bank kennt diese „Probleme“ auch schon lange und ich sollte mal etwas unternehmen, um unsere „Beziehung“ zu verbessern. Eine Variante wäre, bei Vollmond Aktien zu kaufen und sie bei Neumond wieder „auf den Markt zu werfen“. Ein noch „besserer Plan“ ist Aktien eines Unternehmens zu erwerben, nach dem man das Horoskop der Firma erstellt hat. Wo bekomme ich aber ihr Horoskop her? Natürlich von einem „ernsthaften Profi“

„Sternengeld“

„Sternengeld“

Dann gibt es Geld von den Sternen – „Sternengeld“

Wann wurde das Unternehmen gegründet, das wäre das „Geburtsjahr“ und wenn ich nun auch noch die Zeit in Erfahrung bringen könnte, wann die Firmengründung unterschrieben wurde, kann doch garnichts mehr schief gehen.

…ich glaube, darüber denke ich nochmal nach

...besser nicht

…besser nicht

Diese Variante verwerfe ich lieber auch gleich wieder

Ach so, ehe ich es vergesse,
zu all dem habe ich auch noch einen sehr guten Freund verloren. Er hat mit mir Schluss gemacht. Wir hatten tolle Jahre, haben viel gemeinsam erlebt, waren in ganz Deutschland unterwegs und haben uns gegenseitig geholfen. Musste ich dringend irgendwo hin, hat er mich ohne zu fragen gebracht und hat er was benötigt, habe ich es ihm gekauft. Wir waren ein tolles Team und das alles soll nun vorbei sein? Na ja, alles hat seine Zeit und die „Welt bleibt bekanntlich nicht stehen“. Ich werde ihn vermissen, auch wenn er mich manchmal Nerven gekostet hat, oder mal wieder nicht in die Gänge kam. Egal, es war toll mit ihm und ich werde noch lange an ihn denken, schließlich hat er mich tausende von Kilometer durch Old Germany gebracht, mein alter Geländewagen – „Leb wohl“

…wie schon gesagt, manchmal rede ich mit mir selbst.

Eines meiner Schafe trauert

Schafe habe ich nun schon einige Jahre und mit den „Damen“ auch so manches erlebt. Wenn aber Zwillinge zur Welt kommen und keines überlebt, ist das ein bitteres Erlebnis. Natürlich versuche ich immer alles, um meinen Mädels in Notsituationen zu helfen, von Extrafutter, ärztliche Betreuung vom ‚“Gesundmacher“ oder auch schon mal bis zur nächtlichen Geburtshilfe durch mich. Doch manchmal geht „Mutter Natur“ ihre eigenen Wege, die gelegentlich leider nicht mit meiner Route übereinstimmen.

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Ein Lamm war bereits bei der Geburt tot und das zweite starb in der Nacht.

Meine wolligen Kolleginnen sind ja im Allgemeinen „hart im Nehmen“ und spüren sehr schnell, wie es um ihren Nachwuchs bestellt ist. Haben sie zum Beispiel Zwillinge und eines der kleinen Racker ist extrem unterentwickelt und nur schwer bis gar nicht lebensfähig, lassen sie es achtlos liegen und kümmern sich um das gesunde Lamm. Aus unserer Sicht ziemlich hart, aber für ihr Überleben wichtig und logisch. Meine Scottish Blackface, als auch meine Mixe (wie hier), sind tolle Mütter und kümmern sich aufopferungsvoll um ihre Kleinen. Deshalb ist es in der Lammzeit für meine Hunde immer eine ganz besonders „Abenteuer“ sie zielsicher zu bewegen. Fühlt sich eines der Mütter mit ihrem Nachwuchs bedroht, heißt es Vorsicht für den Hund. In dieser Zeit ist nix mit „liebes Schaf“ und sie greifen im Notfall auch mehrere Hunde an – um ihre Babys zu verteidigen. Tolle Mütter.

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Sie stand die ganze Zeit neben ihrem toten Nachwuchs und hielt Wache.

Stirbt ein Lamm, finden sie sich in der Regel binnen weniger Stunden damit ab und akzeptieren das Unvermeidliche. Noch schneller geht es, wenn sie sich um den zweiten Nachwuchs kümmern müssen. Bei der Haltung versuche ich die Tiere so artgerecht wie möglich zu behandeln und mache vielleicht einiges anders, als man vermuten würde. Zum Beispiel nehme ich die Lämmer nicht vorzeitig von den Müttern weg, um sie mit Kraftfutter zu „mästen“ oder bei dem Tod von Lämmern, entferne ich sie nicht gleich, sondern lasse sie noch einen Tag bei der Mutter liegen.
Mit meinen über hundert Muttertieren bin ich noch immer ein „Hobby-Schafhalter“, doch in einem Schäfereibetrieb sind 1.400 Mutterschafen eine ganz andere „Welt“, aber auch sie versuchen es den Damen so artgerecht wie möglich zu gestalten. Mit einigen habe ich gearbeitet und sie sollten endlich mal eine Auszeichnung bekommen: „Held der Arbeit“ …oder so

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert, oder empfindet etwas Ähnliches.

Bei meinen Damen habe ich festgestellt, sie brauchen einige Zeit, dies zu akzeptieren und ganz besonders, wenn der komplette Nachwuchs stirbt. Noch bis vor wenigen Jahren wurde auf einigen Universitäten (besonders in den USA) gelehrt: Tiere haben generell keinerlei Emotionen und sind ausschließlich triebgesteuert – empfinden also absolut Garnichts. Schaue ich mir unser „Tierschutzgesetz“ an, glauben das auch Einige in unserem Land.
Wieder zurück zu meinem trauernden Schaf. Sterben wie in diesem Fall beide Lämmer, ist das eine Katastrophe. Der komplette Verlust löst anscheinend einiges bei dem Mutter-Schaf aus und nach unseren, menschlichen Maßstäben würden wir es als Trauer bezeichnen. Denke ich in diesem Zusammenhang an die zahlreichen Mastanlagen und Massentierhaltungen, wird mir ganz übel und ich schäme mich für die Betreiber.
Dieses Schaf hat es besonders schwer getroffen, denn zum einen ist sie eine tolle Mutter mit außergewöhnlich guten Muttereigenschaften und zum anderen ist der komplette Nachwuchs tot. Gerade diese brauchen dann einige Zeit, um zu akzeptieren, dass ihre Kleinen nicht mehr leben. Diese Möglichkeit gebe ich ihnen und lasse die Lämmer noch liegen. Die Mutter steht dann neben ihnen und passt auf sie auf. Ein wirklich herzzerreißender Anblick und wenn ich in ihre Augen schaue, sehe ich Trauer. Nun sind die zwei Lämmer nicht mehr im Stall, aber sie steht noch immer ganz apathisch herum und kommt nur langsam wieder in das Herden-Leben zurück. Auch bei meinem Schaf stellt sich nun wieder die Frage: wenn sie „nichts empfindet“, warum sollte sie sich so verhalten?
An alle, die Tiere nur als „Fleischlieferanten“ sehen, ihr seid auf dem „Holzweg“.

Ich für meinen Teil versuche das Gegenteil zu tun, von dem was ihr macht.

Und es gibt Viele von uns…

Shaun das Schaf kommt aus Deutschland

Die NEWS des Tages kommen ausnahmsweise mal nicht aus Amerika von Donald,
(Nicht Donald Duck, ich meine Donald Trump …oder ist das ein und derselbe?)
sondern aus Old Germany.

Shaun das Schaf ist keine Erfindung der Engländer, nein, “ Shaun das Schaf“ gibt es tatsächlich und lebt im richtigen Leben in Deutschland, besser gesagt in Niedersachsen bei mir. Die Abenteuer meiner Schafe müssen irgendwie bis nach England gedrungen sein und die Inselbewohner haben daraus gleich eine ganze Trick-Serie produziert. Muss ich jetzt zu einem Anwalt gehen, oder soll ich lieber Co-Regisseur werden? Selbst an meinen alten Geländewagen haben die Briten gedacht. Wieso verfilmen sie auf der Insel „unseren“ Alltag?

Shaun das Schaf Ⓒ Goleszowski

Shaun das Schaf Ⓒ Goleszowski

Der Schein trügt, immer wenn sie so gut gelaunt sind, haben sie einen Plan.

„Die Damen“ machen manchmal sooo komische „Dinge“, dass das Staunen zu jedem Scottish Blackface Züchter dazugehört. In der Regel hat diese Spezies Schafzüchter mindestens 2 Hunde, um das „Ganze“ einigermaßen unter Kontrolle zu behalten, einen alten Geländewagen und viel Idealismus. Kommt euch das nun auch bekannt vor? Genau, „Shaun, das Schaf“, aber worüber ihr alle herzlich lachen könnt, ist bei mir der „ganz normaler Wahnsinn“.
Die Damen wandern nachts durch den Ort, heben in Gemeinschaftsarbeit Bauzäune hoch, oder „öffnen“ ein Tor, damit sie auf die benachbarte Apfelplantage gelangen. (Worüber der Plantagenbesitzer natürlich „hoch erfreut“ war und die 100 flauschigen „Besucher“ aus der „Nachbarschaft“ auch gleich persönlich „begrüßt“ hat) Eigentlich warte ich jeden Tag darauf, dass sie den Stall nach ihren Wünschen umgestalten.

Neben den vielen Abenteuergeschichten, gibt es bei mir auch einen ganz besonderen „Spezialisten“ oder besser gesagt „Spezialistin“. Sie springt über den 1,06m E-Zaun, erkundet die Umgebung und kehrt anschließend wieder zurück, …wo sie dann vermutlich alles berichtet. Ich sollte mal darauf achte, ob sie in der Folgenacht auf „Wanderschaft“ gehen.

Shaun das Schaf Ⓒ Goleszowski

Shaun das Schaf Ⓒ Goleszowski

Schlau und erfindungsreich. Wer? …Shaun und meine Scottish Blackface

Einige erinnern sich vielleicht an die Serie, als Shaun und die ganze Gang den Hof verlassen, um in den nächsten Ort zu gelangen. Genau so war es bei mir  – bei meinen Schafen. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass sie nicht mit dem Bus gefahren sind  (das kommt vielleicht noch).  Als ich dann am Morgen einen Anruf erhielt, stand mir sofort das Wort „Panik“ auf der Stirn geschrieben und war schnell vor Ort. Meine Truppe schauten mich extrem gelassen an, als würden sie mir zurufen: „schön, dass du auch hier bist“.  (Die Damen hatten es sich hinter einer Mercedes Werkstatt gemütlich gemacht)

Shaun das Schaf Ⓒ H.P.Schaarschmidt

Shaun das Schaf Ⓒ H.P.Schaarschmidt

Sie ist das „Original“, Shaun das Schaf.

Da frage ich mich aber allen Ernstes: wie sind die Engländer an meine Tagebuchaufzeichnungen gekommen? Industriespionage, Geheimdienst, Einbruch, Diebstahl? Oder wollten sie ganz einfach die Ideen meiner Schafe stehlen? Immer wenn ich nach meinen Mädels sehe, habe ich den Verdacht, „sie führen wieder etwas im Schilde“. Die von mir sehr geschätzte Ingrid Stottmann, sagte einmal über meine Truppe: „Ich habe auch Blackis gehabt, schöne Schafe, hübsche Lämmer und ganz tolle Muttereigenschaften, aber die kommen mir trotzdem nie wieder ins Haus. Sie sind einfach zu „eigen“ und wahre Ausbruchkünstler. Diese „Bande“ habe ich nicht nur einmal im Dorf zusammengesucht“.

Wenn also mit meinen Schafen und unserem Alltag viel Geld verdient wird, sollte ich doch eigentlich „irgendjemand“ verklagen und zwar auf eine Menge Euros (englische Pfund sind mir auch Recht). Damit könnte ich dann unsere letzten verbliebenen Wanderschäfer unterstützen und allen Blacki Züchtern kostenlose psychologische Betreuung anbieten.   …ich denke darüber nach.

Hier der „Beweis“ für die „Echtheit“.

Shaun das Schaf Ⓒ Goleszowski

Shaun das Schaf Ⓒ Goleszowski

„Fast“ original, meine Schafe und ich.

Die Abenteuer gehen weiter, die Hunde bleiben verzweifelt, ich sprachlos und meine Schafe überlegen bestimmt schon wieder, was sie als nächstes „unternehmen“.

In diesem Sinne, bis bald.

Schächten – was ist das für ein „Scheiß“

Schächten, ein heikles Thema  – wieso eigentlich?
Meine Tiere werden nach bestem Wissen und Gewissen umsorgt. Mit meinen bescheidenen Mitteln versuche ich, ihnen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen und freue mich, wenn meine Damen ruhig und zufrieden auf ihren Weiden stehen.  Da haben sich doch die Mühen im Winter und in der Lammzeit gelohnt. Es macht mich einfach glücklich, wenn meine kleine Herde sich intensiv um die Kürzung der Graslänge kümmert. Ein tolles Bild.

Es vergeht aber keine Woche, in denen nicht Autos gaaanz langsam an meinen Mädels vorbei fahren und sie in Augenschein nehmen. Da fällt mir doch Hänsel und Gretel ein: strecke mal den Finger durch das Gitter, bist du schon fett? Oft biegen sie in die Straße zu meinem Kloster ein und halten neben mir. „Du verkaufen Schafe?“ höre ich dann als nächstes. Eigentlich sollte es mich ja freuen, dass so großes Interesse an  meinen Tieren besteht, aber leider liegt hier die Sache ganz anders. Ich bin grundsätzlich allen Religionen positiv aufgeschlossen und jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden, aber schonender und respektvoller Umgang mit Tieren gehört nun mal zu meiner Lebensphilosophie. Genau diese Lebensphilosophie deckt sich nicht mit den wöchentlichen Fragen:

„Du verkaufen Schaf ? “

Scottish Blackface Lämmer Ⓒ Jasemin Be

Scottish Blackface Lämmer Ⓒ Jasemin Be

Hier geht es aber eigentlich nicht um den Verkauf, sondern um die Art und Weise wie mit meinen Tieren nach dem Verkauf umgegangen wird. Stichwort. Stressfreie und vor allem schmerzlose Tötung und nicht Schächten. Für alle die sich damit noch nicht auseinander gesetzt haben, das ist möglich. Dies Thema kann aber nur zufriedenstellend umgesetzt werden, wenn sich zu Fachkenntnis auch ein grundlegender Respekt gegenüber diesen Tieren dazugesellt. Doch in einigen Kulturen gelten viele Tiere als „unrein“ oder „minderwertig“. Stellt euch doch ganz einfach mal die Frage: „wieso waren dann diese Tiere bereits Millionen Jahre vor uns Menschen da?“ Ich würde sagen, Biologie nicht aufgepasst  – 5 setzen.

Doch die 5 in Biologie nützt mir nix, denn sie stehen vor meinen Tieren. „Schaf verkaufen?“
Den einzigen, den ich meine Schafe lebend verkaufe, ist die Schäferei Rose. Ein alter Familienbetrieb, bei dem der Sohn den Betrieb übernommen hat. Er geht toll mit seinen Tieren um. Respektvoll, fürsorglich und immer auch mit einem Hauch von Bewunderung. Ich möchte nicht andere Kulturen verurteilen, denn beim Thema Massentierhaltung und „Tierfabriken“ sind wir in der Welt Vorreiter, aber meine Tiere lebend in den Kofferraum eines PKWs zu verladen, kommt bei mir so gar nicht in Frage. Was passiert dann zu Hause? Muss ich das wirklich in allen Farben ausmalen? Es geht aber noch schlimmer. Damit das viele Blut nicht hinter dem eigenen Haus verteilt wird, bekam ich doch tatsächlich den Satz zu hören: „Verkaufen Schafe, können hier schlachten“? ( Schächten )

Was ist das für ein „Scheiß“.

Leute, in euren Ländern kann ich das leider nicht verhindern, aber bei uns bitte nicht. Berufsschäfer kümmern sich in einem 14 Stunden Tag liebevoll um ihre Herden und Schafzüchter mit 30, 50 oder 100 Tieren haben meist eine noch engere Bindung zu ihren Schützlingen. Da ist die Frage nach einer Schächtung, auf der eigenen Weide schon üble Beleidigung.

Kauft das Fleisch doch bitte ganz einfach in einer Schlachterei und alle sind zufrieden.

Border Collie bei der Arbeit – oder der ganz normale Wahnsinn

Immer wenn wir glauben, dass geht schnell, wir haben alles im Griff, lauert bereits der „Wahnsinn“ hinter der nächsten Ecke. Border Collies bei der Arbeit heißt meistens, Schafe auf eine andere Weide umtreiben. Das ist ok und diesen Job beherrschen sie wie kein anderer „Kollege“. Die Herde zusammenhalten, nachtreiben, Ausreisser zurückholen oder eine Flanke absichern, so läuft das auch bei mir auf dem Kloster. Doch zuweilen passieren „Dinge“, die uns das Herz in die Hose rutschen lassen und an diesem Tag hatte ich zum ersten Mal wirklich Angst um das Leben meiner Abby.

Schafe umtreiben Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Schafe umtreiben Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Zunächst verlief wieder alles wie geplant, bis zu dem Zeitpunkt, als meine Truppe (90 meiner 120 Schafe) die neu abgesteckte Fläche betraten. 15 unerfahrene Lämmer von „The Next Generation“ liefen etwas seitlicher und blieben nicht wie vermutet bei ihren Müttern. Die große Truppe „donnerte“ also innen und die Kleinen außen am Zaun entlang. Alles natürlich im gesteckten Galopp. Verdammt, dachte ich, so war das jetzt nicht geplant. Diese Weide reicht bis an die Hauptstraße und genau in diese Richtung liefen sie wie von der Tarantel gestochen. 75 innen und 15 außen. „Normaler Weise“ hält Abby die Schafe immer an und bringt sie zurück, aber 15 Lämmer in voller Fahrt von ihren Müttern zu trennen, eine schwierige Mission. Bei all dem hatte ich natürlich auch noch keinen Strom auf dem Zaun und hoffte, dass die Damen wegen ihrer fehlenden Lämmer keinen Unsinn machten. Irgendwie lief alles langsam aus dem Ruder und wer hatte Schuld? Natürlich PAN, der Gott aller Hirten. Dieser stressige Kerl hat mal wieder ganze Arbeit geleistet und aus „nix“ eine große Aktion gemacht.

The Next Generation Ⓒ Jasemin Be

The Next Generation Ⓒ Jasemin Be

90 Schafe wie Raketen in Richtung Hauptstraße unterwegs, mein Hund hinterher und ich im Übergang in einen panischen Zustand. Man soll ja immer Ruhe bewahren, aber dieser Anblick war alles andere als „beruhigend“.

Nicht nur das meine Haupt-Truppe am Zaunende der Bundesstraße ankam, sondern nun auch noch der Absperrung entlang der Straße lief. Dies war ja kein Problem, nur die 15 Lämmer waren außerhalb auf dem schmalen Grünstreifen zwischen Straße und Zaun …inkl. meiner Abby. Falls jemand auf den Gedanken kommen sollte, dass sie den Verkehr blockierten, nein, alle Fahrzeuge fuhren unbeirrt weiter. Nun war es mit meinem Vorsatz, immer Ruhe zu bewahren, endgültig vorbei. Nicht, dass dies alles schon schlimm genug gewesen wäre, versuchte auch noch eines der Lämmer mit aller Macht durch den E-Zaun zu seiner Mutter zu gelangen und hing darin fest. Das Chaos war perfekt. 75 aufgebrachte Tiere innen, ein Lamm im Zaun, 14 panische Lämmer vor dem Zaun auf dem schmalen Grünstreifen und meine Abby zwischen den Lämmern und der Straße. Von den vorbeifahrenden Autos war mein Hund jetzt noch 50 cm entfernt. Falls es den PAN wirklich gibt und er auch hier seine Hände im Spiel hatte, so muss ich ihn jetzt leider verhauen. Pfeif auf Gottheit oder nicht, denn meine Abby schwebte tatsächlich in Lebensgefahr. Bei all dem Durcheinander durfte sie sich keinen Zentimeter bewegen, sondern NUR langsam vorwärts zwischen die wild gewordenen Lämmer gehen. Ich holte tief Luft, und sprach so ruhig es nur irgendwie ging auf meine Abby ein
…und sie vertraute mir.

Danach stellte ich mich mitten auf die Straße, hielt mit quietschenden Bremsen und Verkehrschaos   den kompletten Verkehr an und brachte die Lämmer zurück in die große Gruppe.

Der ganz normale Wahnsinn.

Scottish Blackface, Schafscherer und Otto I.

Die Zeit rast nur so dahin und es war mal wieder so weite, Schurzeit. Blöd nur, dass ich dieses Jahr einen neuen Frisör benötigte. Der „alte“ ist verrückt geworden denn er wollte bei 120 „Kunden“ 6 Euro pro Schaf. 720,-€ für die Schur?!  Ich glaube, er ist tatsächlich verrückt geworden. Er war pünktlich, zuverlässig, manchmal etwas maulig, aber schon immer zu teuer. Mein Frisör lag bisher bei 4,50 Euro, doch für dieses Jahr hatte er spektakuläre 6,- Euro angekündigt. So ein Mist, dachte ich, dass beschert mir Stress und die Suche nach einem neuen „Haarschneider“.

Scottish Blackface Ⓒ Jasemin Be

Scottish Blackface Ⓒ Jasemin Be

Ich weiß gar nicht warum, aber bei dieser Ankündigung fiel mir eine Geschichte ein, die so garnichts mit Schafen zu tun hat, wie Schokolade mit Düngemittel. Schokolade und Düngemittel? Wie komme ich nun wieder auf diesen Vergleich?  …egal, die 6,- Euro haben mich wohl echt verwirrt. 1913 stand das stolze albanische Volk ebenfalls vor einem Problem und zwar bei der Suche nach einem neuen König. Die Albaner hatten sich gegen das damalige Türkenreich erhoben und sich zu einem unabhängigen Königreich erklärt. Danach bescherte ihnen dieser Umstand großen Stress, vor allem die Suche nach einem Monarchen. Nun ist aber König nicht einfach nur ein Job, den man durch eine Stellenausschreibung besetzen kann, also begann eine weltweite König-Suche. Damit begann aber eine Geschichte, die so unglaublich ist, dass man automatisch meint „ das ist erfunden“. Nein, sie hat sich genau so zugetragen  – wie meine (noch immer) ärgerlichen 6,- Euro. Gerade zu jener Zeit der Königsuche war ein deutscher Wanderzirkus in Tirana unterwegs, so dass auch diese „Wandergesleute“ das albanische Problem mitbekamen. Chronische Geldnot und dem Hang zum Abenteuer trieben zwei dieser Zirkusgesellen zu einer folgeschweren Entscheidung. Sie suchen einen König?  …das können wir doch auch. Der Clown Otto Witte und Schwertschlucker Max Hoffmann, planten ihren „neuen Auftritt“. Otto hatte ein erstaunliche Ähnlichkeit mit den gesuchten Monarchen, so dass er sein Haare färbte, sein Albanisch verbesserte und der Regierung mitteilen ließ: nach langem Auslandsaufenthalt kehre nun der gesuchte König nach Albanien zurück. Ihr glaubt noch immer das ist erfunden? Leider nicht. In der albanischen Geschichte nachzulesen, aber aus Peinlichkeit nie an die große Glocke gehängt worden. Am 10. August 1913, war es dann endlich so weit, der König (alias Otto Witte) kehrte in „sein“ Land zurück, stieg volle Würde aus dem Schiff und begrüßte noch im Hafen sein jubelndes Volk. Drei Tage später, am 13. August 1913 war bereits die feierliche Krönungszeremonie, bei der der neue König von Albanien als Otto I. ausgerufen wurde. Sein Begleiter Max wurde königlicher Berater.

Seine erste Amtshandlung war, „man möge ihm alle sich im Schloss befindlichen Finanzen aushändigen“. Danach verbrachten sie die ganze Nacht im Harem des neuen Monarchen. Am 15. August 1013 ging aber eine überraschende Nachricht im Schloss ein: der echte König kündigte seine Ankunft an und Otto I. sei ein Schwindler. Sofort stürmten sämtliche Wachen in die Gemächer des falschen Königs, doch der war bereits mit seinem „Berater“ und einem Großteil des Geldes verschwunden. Dieser Betrug wurde aus Scham & Peinlichkeit nie in die Öffentlichkeit getragen und nie rechtlich verfolgt, so dass Otto und Max für diese „Rolle“ auch niemals bestraft wurden. Wieder zu Hause angekommen, pussierte Otto Witte sogar einige Zeit als Otto der I. vor der Presse.

Kann mir bitte einer sagen, wie ich von meinem Schaf – Frisör zum albanischen Königshaus komme? Besser gesagt, zu einem ihrer spektakulärsten Ausrutscher?

Schafscherer und Otto I. Ⓒ Jasemin Be

Schafscherer und Otto I. Ⓒ Jasemin Be

Wieder zurück, zu meinen Mädels. Ein neuer Barbier musste ausfindig gemacht werden und fand ihn auf einer Regionalversammlung der ABCD (Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland). Ich habe mein 6,- Euro Problem ganz einfach in die erlauchte Runde geworfen und mir wurde geholfen. „Da kenne ich jemanden, hier ist seine Telefonnummer“. Dieser Satz hat mich glücklich gemacht und habe gleich am nächsten Tag angerufen. Netter Kerl, akzeptabler Preis und auch sonst hatte ich bei Rainer ein gutes Gefühl. Wir wurden uns schnell einig und vereinbarten einen Frisörtermin. 25 Tiere am Stall und 95 im Freien auf der PV –  Anlage. Dumm nur, dass gerade in der Nacht zum geplanten Termin, ein kurzer Regenschauer über uns hereinbrach. Nasse Schafe?! Die können wir nicht scheren. Also konnten wir nur die 25 Damen mit einer neuen Frisur erfreuen, die in dieser Nacht glücklicher Weise im Stall waren  – den „Rest“ später. Dank der Frisörhelferin Jasemin Be, ging auch der zweite Termin glatt über die Bühne, so dass die Damen auch dieses Jahr wieder schick gestylt in den Sommer gehen konnten.

Ende gut, alles gut. Hübsche Mädels, gute Laune und ein neuer Frisör. …nur eine Frage bleibt,wie komme ich auf „Otto I.“?

Scottish Blackface, Koppelbau …und gewagte Experimente

Ich liebe es ja wirklich, „mein“ Klostergelände, aber die Landschaftspflege ist zu weilen doch recht abenteuerlich. Besucher fassen an den E-Zaun, obwohl sie direkt vor einem Warnschild stehen, betrunkene Hochzeitsgäste versuchen nachts ab 1,8 Promille meine Schafe mit Bratwürsten zu füttern, oder meine Scottish Blackface heben in Gemeinschaftarbeit einen Bauzaun hoch, um auf die grünere Nachbarwiese zu gelangen. Das sind nur einige Überraschungen aus der Wundertüte, den „Rest“ behalte ich lieber für mich, dass glaubt mir eh keiner.

Ein Schreckmoment ist mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben und schürt noch heute gruselige Gedanken bei mir. „Eigentlich“ stand an diesem Tag nichts Besonderes an, nur die Schafe von einer Weide auf die Nachbarweide umzutreiben. Alles ganz entspannt, nur über die schmale Zufahrtsstraße zum Kloster. Das haben wir schon unzählige Male gemacht. Nachbarweide war abgesteckt, zwei direkt gegenüberliegende Netz-Öffnungen geschaffen und die Herde mit dem Hund „rüberschieben“. Die Straße ist nur 4m breit und mit dem neuen satten Grün vor Augen ist das alles nun wirklich kein Problem. Meine Scottish Blackface wären keine Scottish Blackface, wenn sie nicht immer für Überraschungen sorgen würden, denn es kam anders. An diesem Tag hatte ich 65 Schafe auf dem Kloster stehen, und das Umtreiben sollte „eigentlich“ in 10 Minuten erledigt sein, eigentlich…

Trotz des saftigen Grüns vor Augen, drehten sie mitten auf der schmalen Straße ab und bewegten sich in einem „fliegenden“ Galopp Richtung Bundesstraße. Ich war sprachlos und starrte zunächst fassungslos den Schafen hinterher. Der Feierabendverkehr war auf der Bundesstraße bereits im Gange und ich hätte meine Mädels nie einholen können. Ich hatte nur eine einzige Chance, um eine Katastrophe zu verhindern, meine Abby. Das alles musste aber ziemlich schnell passieren und mein Hund durfte mein „P“ in den Augen nicht lesen können. Also holte ich einmal tief Luft uns sprach ganz leise zu meinem Hund „Come by“. Mein Hund schoss wie ein Blitz den galoppierenden Schafen hinter her, links an ihnen vorbei und stellte sich kurz vor der der Straße den wild gewordenen Damen entgegen. Ich hätte sie nie aufhalten können, aber Abby schaffte es tatsächlich, sich breitbeinig und mit ziemlicher Drohkulisse hinzustellen und ihnen klar zu machen: „an mir kommt ihr nicht vorbei“. Etwas Ähnliches ist einer befreundeten Berufsschäferin Kerstin Doppelstein passiert, nur bei ihr waren es 650 Schafe und die „Notbremse“ bestand aus 3 ausgeflippten und deutlich aggressiveren Schäferhunden   …plus einer ohrenbetäubend schreienden Schäferin.

Ihr seht, beim Koppelbau sollte ich keine großen Fehler machen, da sonst der Stundenplan meiner „Blackis“ ganz anders als meiner aussieht. Weide ich (natürlich meine Mädels) direkt an der Straße, baue ich einen zusätzlichen Schutz aus Bauzäunen auf. Doch dieser Aufwand ist groß und die zusätzlichen Maßnahmen rauben mir Zeit, also ist Erfindergeist gefragt

Sehr gewagt Ⓒ Jasemin Be

Sehr gewagt Ⓒ Jasemin Be

Sieht ziemlich „verwegen“ aus, hat aber super geklappt. So konnten wir viele Wege sparen und meine Damen hatten an der Straße einen doppelten Schutz. Man kann zwar etwas ruhiger schlafen, aber Vorsicht, Scottish Blackface Züchter wissen, wirklich sicher ist bei Blackis Garnichts.
(man beachte die „Spezial-Haltevorrichtung“)

Abenteuer „Leben“ Ⓒ Jasemin Be

Abenteuer „Leben“ Ⓒ Jasemin Be

Wow Ⓒ Jasemin Be

Wow Ⓒ Jasemin Be

Die zusätzliche Absperrung habe ich gemeinsam mit Jasemin Be aufgestellt. Die natürlich nicht widerstehen konnte, den „Blitz Transport“ mit ihrer Kamera fest zu halten. Falls man meint, „schlimmer kann es nicht kommen“, so darf ich euch mitteilen, „da können wir noch toppen“. Auf der Rückfahrt, stand meine abenteuerlustige Fotografin Jasemin Be hinten auf der Stoßstange und hielt sich am Dachkorb fest. (…davon gibt es aber zum Glück kein Foto)