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Achtung Lebende Tiere – Was für eine Heuchelei.

Es ist 8.30 Uhr am Sonntagmorgen. Ich habe heute etwas länger geschlafen als sonst, aber nun bin ich auf dem Weg zu meinen Schafen. Die Hunde, hinten im Auto, sind voller Tatendrang und ich gehe im Kopf schon mal den Plan für den Tag durch. Im Radio läuft gerade ein Titel von Michael Jackson, als vor mir ein großer Lastzug auftaucht. Ich komme näher und erkenne einen Schriftzug:

Achtung, lebende Tiere.

Ich lebe auf dem Land und solche Transporter habe ich schon oft gesehen, aber heute Morgen durchfährt mich dabei ein Schock und ein Gedanke trifft mich wie ein Blitz: „Wie mögen sich die Tiere wohl  fühlen?“ Dann kommt mir sofort ein zweiter Gedanke und ich stelle mir die Frage:  „Was ist denn heute anders?“ An diesem Sonntagmorgen irritieren mich meine eigenen Fragen. In meinem Kopf muss über Nacht ein Schalter umgelegt worden sein, denn die zur Schlachtung transportierten Tiere bereiten mir fast Schmerzen. Ich habe das Gefühl, als könne ich ihre Verzweiflung spüren.

„Verzweifelte Tiere“? Das würde ja bedeuten, dass diese vierbeinigen Tiergefährten viel mehr wahrnehmen und erfassen, als ich mir jemals gedacht habe. Ehrlich gesagt, kann ich die Gedanken und Gefühle für mich in diesem Moment nicht einordnen. Natürlich bin ich sehr naturverbunden und selbstverständlich spielen Tiere in meinem Leben eine sehr große Rolle, aber ein so überwältigendes Gefühl beim Anblick eines Tiertransporters?! Ich bin verwirrt.

Tiertransporter zum Schlachthof - Nach der Massentierhaltung fast eine „Erlösung“

Tiertransporter zum Schlachthof – Nach der Massentierhaltung fast eine „Erlösung“

Fast wie ein Blitz durchzucken mich Bilder von üblen Massentierhaltungen und diese Bilder machen diesen Moment nicht leichter. Ist es tatsächlich möglich, dass viele Menschen dieses Elend nicht im Geringsten kümmert? Hat ein Großteil der Bevölkerung ihre ethischen Werte für Euros verkauft? Lassen sie für Geld wirklich alles zu? Vermutlich lautet die Antwort: „Ja.“

Eine kleine Hoffnung bleibt, damit die Menschheit und die Menschlichkeit nicht völlig im Erfolgs- und Gewinnmaximierungswahn untergehen. Wir müssen unsere Hoffnung in die Träumer und die Idealisten setzen, die uns Rettung bringen können. Sie können das Licht am Ende des Tunnels sein, denn was bleibt schon übrig, wenn bei einem Gewinnmaximierer der Gewinn ausbleibt? Nichts! Den Idealisten bleibt alles, oder sagen wir lieber fast alles. Egal, ob Schafzüchter, wie ich es einer bin, der seine komplette Freizeit investiert, um eine kleine Herde von 120 Scottish Blackface zu halten, oder Jung-Landwirte, die Freiland -Schweine züchten.

Der Lastzug  „Achtung, lebende Tiere“  – er fährt noch immer vor mir.

Soll ich das Fahrzeug stoppen und die Tiere befreien? Ich bin mir sicher, dass das nicht einer meiner besten Einfälle wäre, aber was kann ich sonst tun? Dass wir alle kein Fleisch mehr essen, wäre z. B. eine logische Konsequenz, um Tierleid zu verhindern.

Hilft aber den zu transportierenden Tieren leider nicht wirklich.

Eine von vielen Möglichkeiten, die gar nicht so schwierig ist, wäre: Konsequente, artgerechte Freilandhaltung, bei der es Freude macht, dass treiben zu beobachten.

Konsequente, artgerechte Freilandhaltung

Konsequente, artgerechte Freilandhaltung

Einige kennen solche Bilder gar nicht mehr.

Konsequente, artgerechte Freilandhaltung

Konsequente, artgerechte Freilandhaltung

Als ich vor den Weiden der Freiland-Schweine stand, kam in mir ein Glücksgefühl auf, denn so ausgelassen wirkende Schweine hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Natürlich wird das Fleisch bei einer solchen Haltung teurer. Aber was wäre bei steigender Bevölkerungszahl sonst die Alternative?
Vermutlich noch intensivere „Fleisch-Fabriken“ und das möchte ich nicht.

Achtung, lebende Tiere – Was für eine Heuchelei.

Tiertransporter zum Schlachthof - Nach der Massentierhaltung fast eine „Erlösung“

Tiertransporter zum Schlachthof – Nach der Massentierhaltung fast eine „Erlösung“

 

Können Tiere denken? Teil I

Ohne die Definition näher zu kennen, schütteln viele energisch den Kopf und antworten mit einem: Natürlich NICHT.
Und die andere Fraktion, die zugegeben deutlich kleiner ist, zieht es zumindest in Erwägung. Selbstverständlich sind wir Menschen der felsenfesten Überzeugung, dass Denken nur für uns in Anspruch zu nehmen ist, denn wir sollen ja angeblich die Krönung der Schöpfung sein.

Puhhh…, bei dieser Aussage schüttelt es mich durch und durch. Dabei sollten wir uns zunächst mit der genauen Definition „Denken“ beschäftigen.

Unter „Denken“ werden alle Vorgänge zusammengefasst, die aus einer inneren Beschäftigung (mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen) eine Erkenntnis zu formen versuchen. Hört sich etwas hochtrabend an, aber so lautet eine der offiziellen Umschreibungen. Für Otto Normalverbraucher übersetzt, heißt es: Wenn ein Individuum durch Erfahrungen und Vorstellungen eigenständige Schlüsse zieht, die zu neuem Verhalten führen, so ist dies ein Denkvorgang. Oder noch kürzer: Wenn Gegebenheiten aus der realen Welt im Kopf simuliert und beurteilt werden, wird gedacht. Wobei das Beurteilen für mich der entscheidende Fakt ist, denn daraus werden Konsequenzen im Handeln gezogen. Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, die Definition.

Wenn ich so über diese Definition nachdenke…, komme ich bei einigen Mitmenschen schon arg ins grübeln…

Können auch Tiere denken?

Können auch Tiere denken?                                                                                                             Foto Jasemin B

Ich kann euch helfen, diese Antwort selbst herauszufinden. Mit einem eigenen Experiment.  Dieser Versuch dauert mehrere Wochen, kann aber jeder Hundebesitzer durchführen. Der Hund sollte zwischen 3 – 9 Jahre alt sein, 5 – 8 wäre perfekt, zudem agil, aufmerksam und geistig sehr wendig.

Versuchsaufbau

  1. Wir brauchen 2 große Kisten, eine schwarz ( innen & außen), die andere weiß
  2. Die Kisten sind jeweils an einer Seite offen, der Hund muss bequem hineinlaufen können
  3. Die Kisten werden in entgegengesetzten Richtungen ( in verschiedenen Zimmern des Hauses) aufgestellt
  4. Sie sind vom „Start“ aus nicht zu sehen und nicht auf direktem Weg zu erreichen
  5. Der Hund muss sich also in die eine oder andere Richtung bewegen
  6. In jeder Kiste stellt ihr exakt das gleiche Futter bereit (natürlich lecker)

Versuchsablauf

  1. Die Fütterung erfolgt immer zur gleichen Zeit
  2. Ausgangspunkt ist immer der selbe /z.B. Diele
  3. Der Hund läuft dann in die eine oder andere Richtung
  4. Die Räume mit den Kisten sind gut beleuchtet
  5. Dieser Ablauf wird 2x täglich mindestens 2 Wochen durchgeführt
  6. Nach 2 Wochen erfolgt ein Umbau
  7. Die zwei Kisten werden in einen anderen, bisher noch nicht genutzten Raum gestellt
  8. Jede Kiste in eine andere Ecke des gleichen Raumes (also ein komplett anderer Versuchsaufbau)
  9. Zu den Räumlichkeiten des ersten Versuches hat der Hund jetzt keinen Zugang
  10. Die schwarze Kiste wird innen mit starkem Gebläse versehen, welches durch einen Kontakt beim Betreten des Hundes startet. Zudem wird ungeeignetes Futter angeboten
  11. Die weiße Kiste bleibt neutral und beinhaltet gutes Futter
  12. Dieser Ablauf wird 2x täglich 1 Woche durchgeführt
  13. Nach 1 Wochen erfolgt ein Umbau
  14. Rückbau auf den ersten Versuchsaufbau
  15. Erneute Durchführung des 1. Versuchs- nur 1 x

Ergebnis

Alle Anhänger der These: Tiere folgen nur ihren Trieben oder einer Konditionierung, müssen davon ausgehen, dass der Hund nach dem 2. Versuch und anschließendem Umbau zum 1. Versuchsaufbau, wieder in sein gewohntes Verhalten zurückgeht.

So die weit verbreitete Annahme.

Wurden alle Versuchsbedingungen erfüllt, ist das Ergebnis erstaunlich.
Erstaunlich  anders, anders als die meist verbreitete Meinung uns sagen möchte.
Ihr dürft gespannt sein.

Das überraschende Ergebnis erfahrt ihr in:
Können Tiere Denken  Teil II

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

An alle Schreibtisch-Täter, Traumtänzer und Möchtegern-Abenteurer, die wahren Helden unserer Tage kommen nicht aus den Fitnessstudios oder dem TV, sondern aus dem harten Alltag der Wanderschäfer.

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Wanderschäfer, auch zur Winter-Zeit

Ich weiß was es heißt, sich um seine Tiere im Winter Sorgen zu machen. Man kennt sie ganz genau. Die einen sind zurückhaltend, die anderen frech, manche zutraulich und bei anderen muss man immer ein Auge drauf haben, dass sie genug zu Fressen bekommen und nicht von den anderen abgedrängt werden. Dabei habe ich nur 120 Damen. Was ist das aber für eine riesen Last für 1.000 Tiere, also 1.000 Leben verantwortlich zu sein. Ich stehe immer wieder sprachlos vor der Herde meiner befreundeten Schäfermeister. Wie unglaublich kompromisslos sie sich für ihre Tiere einsetzen. 14 Arbeitsstunden sind dabei keine Besonderheit und am Wochenende braucht ihre Herde die gleiche Aufmerksamkeit.

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Zeiten, die diesen unbeugsamen Individualisten alles abverlangen.  Im Winter

Als ich diese Fotos zum ersten Mal gesehen habe, Christian Peter hatte sie ins Netzt gestellt, war ich so fasziniert, dass es mir kalt den Rücken herunter lief. Was für ein Durchhaltevermögen, welche Willensstärke und Härte gegen sich selbst, einfach unbeschreiblich. Dieser uralte Traditionsberuf vereint so vieles, was uns Zweibeiner ausmacht, denn er ist einer der wenigen verbliebenen Lebensarten, die noch Natur, Tier und Mensch im Einklang vereint. Die letzten verbliebenen Wanderschäfer sind das Paradebeispiel für ein Leben mit der Natur und nicht nur von ihr.

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Wanderschäfer, die letzten Helden unserer Zeit

Ob Sturm, Regen oder wie hier Schnee, er sorgt sich immer um seine 1.000 Tiere

Als ob das alles nicht schon anstrengend genug wäre, besteht das Wetter in Deutschland ja nicht nur aus 24 Grad und einer leichten Sommer-Briese, sondern auch aus Sturm, Regen, Unwetter und vor allem auch aus einem Winter mit Schnee.

Was soll da eigentlich unser Gezeter: z.B. Warum hat der Schneepflug noch nicht geräumt?  Das Internet war gestern Abend auch ausgefallen.

Dabei wollten einige vielleicht gerade gestern Abend nachsehen, wo entlang ihre sensationelle Radtour verlaufen soll, aber allein schon die Hotelauswahl eine Herausforderung darstellt. Nicht dass dies einer missversteht, ich mag Radfahren, aber mit unserem Alltag erschaffen wir nicht gerade die Welt neu, auch wenn wir manchmal meinen, einen Sturm bezwungen zu haben. Doch meist ist es nur ein Sturm im Wasserglas. Schauen wir also aus unseren warmen Stuben voller Bewunderung auf wirkliche Helden unserer Tage, auf Wanderschäfer mit ihren Herden.

Solltet ihr einmal einen Wanderschäfer mit seiner Herde begegnen, so zollt ihm Respekt, denn es sind die letzten Helden unserer Zeit.

 

Schein oder Sein

Wir leben in einer schnellen, hektischen Welt, in der alles jetzt und sofort passieren muss. Dabei schauen wir auch gern mal NICHT hinter die Kulissen, sondern begnügen uns mit dem Schein.

Ein Beispiel: Fragen wir uns ernsthaft, wie es möglich ist, dass uns die bunte Werbung T-Shirts für 3,99 € verspricht? Nur drei Sekunden Gehirn-Aktivität und wir würden bei der Beantwortung dieser Frage in eine mittelschwere Krise stürzen. Da leben wir lieber weiterhin in unserer Schein-Welt. Wir leben in ihr, weil sie doch so wunderbar bequem und einfach ist.

Gruselige Scherzverpackung. Spiele-Wurst

Gruselige Scherzverpackung. Spiele-Wurst

Gruselige Scherzverpackung. Spiele-Wurst

Ich frage mich auch, weshalb es kaum jemanden interessiert, dass hinter den hübschen Bildchen auf der abgepackten Wurst für 79 Cent millionenfaches Elend steckt. Wollen wir diese schrecklichen Bilder aus den Tierfabriken überhaupt sehen? Nein, denn mit einem netten Bildchen auf der Verpackung schmeckt die Wurst besser und lässt sich auch besser verkaufen.

Kürzlich fragte mich jemand:  „Bist du ein Grüner?“ Als ob die Grünen das Tierwohl für sich gepachtet hätten. Und nein, ich bin parteilos. Nur mal nebenbei angemerkt: Hätten die Grünen einen guten Job gemacht, wären wir heute nicht Weltmeister in der Massentierhaltung. Meine Einstellung, die zugegeben nicht immer mit dem aktuellen Zeitgeist konform geht,  habe ich meinem gesunden Menschenverstand zu verdanken.

Kürzlich bestätigte sich beim Besuch einer gut funktionierenden Thüringer Groß-Schäferei, dass respektvoller Umgang mit Tieren keine Theorie sein muss. Selbst die Hundezwinger gefielen mir, obwohl ich kein Anhänger von Außenzwingern bin. In diesem Unternehmen herrschte nicht der Schein oder eine Wunsch-Welt vor, sondern ein respektvoller Pragmatismus, gepaart mit Erfahrung und Begeisterung. Wunderbar.

Auch wenn unsere selbstgebastelte Schein-Welt bequem zu sein erscheint, in den 200.000 Jahren Menschheitsgeschichte hat sie noch nie funktioniert.

 

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Wer hätte es gedacht, dass ich mich einmal mit dem hüten von Enten beschäftige. Prompt bekam ich auch einige Sprüche zu hören. Zum Beispiel:  ich dachte du kennst nur die Peking-Ente beim Chinesen,  Ente gut, alles gut oder das ist die falsche WC-Ente und andere wichtige Lebensweisheiten.

Das kleine Flatter-Vieh ist schon was Besonderes und sie haben auch noch Ansprüche. Was macht man aber nicht alles, damit es dem lieben Vieh gut geht. Es fängt schon mal damit an, dass die Laufenden bei zahlreichen vierbeinigen „Kollegen“ als Beute  willkommene ist und keine Lücke in der Behausung zu klein ist, um in der Nacht einen „Besuch“ abzustatten. Da waren sie auch schon wieder, die Sprüche und hilfreichen Lebensweisheiten: Der Fuchs hat drei Enten geholt?! Die Besten kommen halt zuerst in den Himmel. Heißt das jetzt wenn ich sehr alt werden sollte, wollte mich da oben keiner haben? Und überhaupt, wer soll das entscheiden und wo ist eigentlich da oben?

Fragen über Fragen…

Enten hüten ist so eine ganz spezielle Sache, denn die Fehlerquote unserer Hunde sollte bei null liegen. Warum?  …muss ich das wirklich erläutern? Meine Abby könnte zum Beispiel nicht diesen Job erledigen, weil sie des Öfteren nicht nur ein schwaches Nervenkostüm hat, sondern auch mal deutlich! nach-hilft. Die kleinen Biester sind ja nicht nur niedlich und die Schnecken-Vertilger schlecht hin, sondern auch ganz schön aufwendig  – wenn man sie lange behalten möchte.

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Nix mit einfach über den Hof laufen lassen, oder Freies Land für Freie Gänse. Toller Spruch, aber leider nur für eine kurze Zeit, denn dann sind sie gern gesehene „Gäste“ bei Marder, Fuchs und Kollegen. Also Obacht und Sicherheitsstufe 1.

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Meine Hündin Abby ist an den Enten nicht so gut aufgehoben, aber dafür meine May. Einen richtig guten Job macht Sky von Bianca Jacobi. Da wir des Öfteren gemeinsam unterwegs sind, habe ich Sky genau beobachten können  – sie ist bei der Enten-Arbeit einfach traumhaft.

Wenn ich ganz ehrlich bin, wollte ich „eigentlich“ nie zu meinen Hunden und Schafen auch noch Federvieh, aber nun sind einige dieser possierlichen Wesen bei mir eingezogen und ich bereue nichts. Die Laufis sind toll und lieb gewonnenen Mitbewohner.

 

Herzlich willkommen, schön dass ihr da seid.

Schafschur

Eigentlich waren wir dieses Jahr spät dran, aber beim ersten Versuch hat der Himmel unverhofft alle Schleusen geöffnet und meine Mädels ordentlich eingeweicht. Ich möchte einmal das Gesicht des „Frisörs“ sehen, wenn er  über 100 klatschnasse Damen scheren soll. Nun ging es aber endlich los und der Wettergott hatte glücklicherweise ein Einsehen mit uns.

Der Frisör und ich waren um 7.30 Uhr verabredet. Neugierige hatten sich auch angesagt, denn schottische Damen nackt zu machen ist ein Ereignis. Manche behaupten ja, Blackis haben immer einen Plan. Das vermute ich schon lange, aber bei dem Thema „Wolle ab“ sind wir einer Meinung  – meine Damen und ich.

Rainer, der Schaffrisör, war super pünktlich. Um 07.30 Uhr fuhr er auf den Hof. Gut gelaunt und voller Tatendrang begrüßte er mich und machte gleich seinen ersten Scherz:  „Du, eigentlich habe ich gar keine Lust.“

Da ich aber Rainer kenne, weiß ich, er macht seinen Job mehr als nur gerne  – er liebt ihn geradezu. In der Halle war alles vorbereitet. Strom für die Schermaschine, Scheinwerfer positioniert, Gatter aufgestellt und die angemeldeten Zaungäste wollten für Kaffee und Brötchen sorgen. Das Treffen von netten Menschen und vielen schottischen Damen war arrangiert. Naja, viele Damen ist relativ, denn ich habe ja noch immer eine Hobbyzucht, auch wenn ich die 100er Marke längst überschritten habe   – und dabei meine ich nicht mein Alter.

Rainer schaute sich die vorbereitete Arbeitsstelle an: „Sehr schön, aber hatte ich schon erwähnt, dass ich gar keine Lust habe?“ „Ist ja gut, Rainer, du musst nicht verheimlichen, dass du deinen Job sehr gerne machst“, war meine Antwort.

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Maschine aufbauen und dann geht es den Damen an die „Wäsche“,
Foto Hardi P. Schaarschmidt

Nur noch Messer aufstecken und schon konnte die Aktion „nackte Damen“ beginnen. Gleich bei der ersten Lady hatte Rainer ein Problem. Die Unterwolle löste sich schlecht, so dass der Tag mit richtiger Arbeit begann. Eigentlich hatte ich sechs Stunden mit Pause eingeplant, aber das stand nun auf der Kippe. Doch es lief besser als vermutet. „Der gleiche Herr – die nächste Dame“, nach diesem Motto lief es zügig bis zur ersten Pause.

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Die Chefin beobachtete Rainer ganz genau. Wer ist der Fremde? Was hat er vor?
Foto Hardi P.Schaarschmidt

Pünktlich zur Pause trafen unsere Zaungäste Karin, Tessa und Wilhelm F. ein. Bewaffnet mit Kaffee, Brötchen und guter Laune. Es waren sehr nette, kreative „Schreibtisch-Täter“, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Schafschur live erleben wollten. Wir hatten alle viel Spaß, aber die Schäferromantik hatte ihren Platz mit Arbeit getauscht. Unsere Besucher machten reichlich Fotos und überraschten uns mit liebevoll belegten Brötchen. Zu unserer Verwunderung stand dann plötzlich auch noch ein ganzer Pulk von Menschen vor uns.

„Wow, wo kommt Ihr den aller her?“ „Guten Morgen, wir machen gerade eine Klosterführung und haben gehört, dass hier eine Schafschur stattfindet.“ „Ok, herzlich willkommen.“ Dann prasselten tausend Fragen auf mich ein. Rainer trank in Ruhe seinen Kaffee, unsere Besucher posierten zwischen den Schafen und ich stand Rede und Antwort. Viele schlaue Fragen, aber auch einige, über die man sich schon mal wundern darf.  „Was machen Sie, wenn jetzt plötzlich Wölfe kommen?“
„Ich hole meine Schrotflinte und erschieße alles, was sich meinen Schafen nähert.“ Wenn ich eine Flinte hätte. Eine schlaue Antwort auf eine schlaue Frage.

Nach diesen tiefsinnigen Weisheiten des Lebens war unsere Pause auch schon wieder vorbei und es wartete noch einen Menge Arbeit auf uns. Eine Dame nach der anderen ließ ihre Wolle und, oh Wunder oh Wunder, wir hatten mehr Platz im Stall. Angezogene Frauen nehmen doch schon eine ganze Menge Platz weg. Als ich nebenbei davon erzählte, dass ich nach der Schafschur viel mehr „ausgezogene“ Damen in den Anhänger bekomme, überraschte unsere Besucherin mit der Frage:
„Gilt das auch fürs Bett“?

Rainers Kommentar: „Die Frau überrascht mich positiv.“ und ich bekam einen Lachanfall.

Und wieder ging es zügig voran. Ich reichte die Schafe an, Rainer „zog sie aus“ und unsere Besucher hatten offensichtlich viel Spaß. Ganz besonders erstaunlich war die Wandlung ihrer Tochter Tessa. Als sie bei uns eintraf, hatte sie eine Riesenangst und traute sich nicht an meine Mädels heran. Nach einem Vormittag  – das Foto spricht für sich selbst

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Tessa und Rosemarie, Foto privat

Das war sie also wieder, die Schafschur für dieses Jahr. 100 nackte Damen, ein witziger Schafscherer und die kleine Tessa, die ihre Liebe zu Schafen entdeckt und eine Schaf-Freundin gefunden hat. Die vierbeinige Freundin wurde Rosemarie getauft   – warum, um Himmelswillen, gerade Rosemarie?

Kann eine Schafschur noch besser laufen?
Wohl kaum, denn wir alle hatten eine GUTE Zeit.

…was für ein Tag, Lamm Zeit, Gebärmuttervorfall und andere „Ereignisse“

Ich weiß nicht ob ihr das auch kennt, aber manchmal gibt es Tage, da könnte man immerzu den Kopf schütteln uns sagen: …was für ein Tag?! Hätte es was gebracht, wenn ich einfach im Bett geblieben wäre und dieses Datum am Kalender gestrichen hätte? Mist, mit Hunden und Schafen geht das leider nicht, also ran an den Tag. Dabei wusste ich noch nicht einmal was im Laufe der nächsten Stunden so alles auf mich zu-rollen sollte und das hätte mich bis Sonnenuntergang auch fast über-rollt. Eben der ganz normale Wahnsinn eines Schafhalters.
Immer wenn ich solche „ereignisreichen“ Zeiten habe, fallen mir die zwei befreundeten Berufsschäfer in Leipzig und Holland ein. Dann schäme ich mich fast, dass ich so „wehleidig“ bin. Was diese Zwei jeden Tag leisten, dafür müsste ich mich klonen. (H.P.Schaarschmidt doppelt, ob das einer will?)

Lamm Zeit und Gebärmuttervorfall Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Lamm Zeit und Gebärmuttervorfall Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Lamm Zeit, Gebärmuttervorfall und andere aufregende „Ereignisse“

Angefangen hat dieser Katastrophentag mit einer schlaflosen Nacht. Leider nicht, weil wir die ganze Nacht durchgefeiert hatten, nein, sondern weil der 6 Zylinder des sonst sehr netten Nachbarn mich geweckt hat. Nur dumm, dass mir sogleich ganz viele Themen durch den Kopf „schossen“

…und der Schlaf hatte sich verabschiedet.

Vielleicht lag es auch daran, dass ich am Vortag gemeinsam mit meinem Tierarzt einem Schaf den Scheidenvorfall behoben und genäht hatte. Doch leider stand die Dame schon kurz vor der Geburt, was die „Angelegenheit“ alles andere als einfach machte. „Eigentlich“ wäre noch Zeit gewesen, aber der Eingriff hatte sie wohl so durcheinander gebracht, das die Geburt kurz bevor stand. Scheidenvorfall und kurz vor der Geburt?! Auch das kann einen schon mal um den Schlaf bringen.

Also stand ich auf, es war ja immerhin „schon“ 4 Uhr, mache mir einen Kaffee, lud meine Hunde ein und fuhr zu meinen Schafen. Was sollte man auch sonst 4 Uhr morgens machen? In der Regel bekommen meine Mädels in den Morgen- oder Vormittagsstunden ihre Lämmer, so dass die kleinen Neuankömmlinge bis zur Nacht schon recht stabil und munter sind. Im Stall angekommen, startete gleich das volle „Programm“. Der Nachtfrost hatte alles Wasser gefrieren lassen, so dass die komplette Truppe einen recht unzufriedenen Eindruck machte. Eine Mutter lag auf dem Rücken und hatte sich mit der Wolle so verfangen, dass sie nicht wieder hochkam. Diese „Käferstellung“ und das Kämpfen um das Freikommen hatte sie schon so geschwächt, dass Kreislauf und Kräfte fast am Ende waren. Ihr Lamm stand hilflos daneben. Das Schaf mit dem Scheidenvorfall hatte die Naht gesprengt und vorzeitig zwei Lämmer geboren. Eines war bereits tot und das Zweite extrem unterentwickelt und als ob dies Alles nicht schon schlimm genug war, hatte sie auch noch einen Gebärmuttervorfall. Neben ihr lagen nicht nur zwei Lämmer, sondern auch ihre gesamte Gebärmutter.

Bei diesem Anblick musste ich dann doch erst mal kurz durchatmen, denn liegt sie etwas länger draußen! schwillt sie an und das zurück, ja wie sagt man das am besten …legen („stopfen“ passt besser), wird extrem kompliziert.

Nein, nein, nein …was für ein Tag!

Als Erstes habe ich die geschwächte Mutter aus der „Käferstellung“ befreit. Sie wankte, konnte aber stehen. Das Wasser hatte Zeit, denn der Anblick der angeschwollenen Gebärmutter bereitete mir wirkliche Kopfschmerzen. Mit 4 Horden (Gittern) sperrte ich das Schaf ab und versucht keine Hektik aufkommen zu lassen. Die „angeschlagene“ Dame sollte keine schnellen Bewegungen machen. Sie war schwach und wollte eigentlich nur liegen – dass war ok. Nun holte ich meinen „Medizinkoffer“, große Mülltüten und einen Eimer kaltes Wasser. Die Lämmer legte ich an den Rand und auch da schoss mir der Gedanke durch den Kopf: das Zweite schafft es bestimmt auch nicht. Während ich die Mutter am Boden hielt, schob ich unter die Gebärmutter eine große Plastikfolie. Dann spülte ich das „Ganze“ vorsichtig mit reichlich kaltem Wasser ab, um den Dreck zu entfernen. Wichtig ist dabei, das Wasser muss unbedingt kalt sein, damit sich die Gebärmutter wieder zusammen zieht. Ich habe aber sofort gesehen, „bei dieser angeschwollenen Gebärmutter brauchst du Hilfe“. Also das Telefon ans Ohr, um meinen Tierarzt aus dem Bett zu werfen. Dieser fleißige Mensch war aber auch schon auf Arbeit, ein Notfall im Rinderstall.

„Wenn ich hier fertig bin, komme ich sofort. Es dauert nicht mehr lange“. – sagte er.

In der Zwischenzeit habe ich die zwei Lämmer untersucht, die Mutter beruhigt, die Gebärmutter kalt gespült und dann versucht das Wasser für die restliche Truppe, wieder in Gang zu setzen. Als es mit dem Tierarzt doch länger dauerte, warf ich einen Blick hinter den Stall, zu den anderen Ladys. Wie konnte es an diesem Tag anders sein – auch hier eine Überraschung: Zwei Geburten mit drei Lämmer. Die Zwillinge waren aber von einer Erstgebärenden, die einen leicht verwirrten Eindruck machte. Na toll, „dass passt ja gerade gut“…

Wenn ich sicherstellen will, dass sie ihre zwei Lämmer problemlos annimmt, muss ich sie sofort einfangen und gemeinsam mit ihren Babys in einer Box unterbringen, damit sie eine Bindung entwickeln. Das Wasser eingefroren, die „Käferstellung“ wankt noch immer durch den Stall, ein totes und unterentwickeltes Lamm sowie eine erschöpfte Mutter mit einer daneben liegenden Gebärmutter …und ich „flitzte“ nun über die Weide, um eine verstörte Mutter einzufangen. Zuerst habe ich es mit den Lämmern versucht, doch die Zwillingsmutter war noch so durcheinander, dass sie ihren Babys nicht folgte, also die schweißtreibende Variante.

Noch während ich das Trio in ihrem neuen zu Hause unterbrachte, traf der „Gesundmacher“ ein. Sein sorgenvoller Blick auf die Gebärmutter, trug nicht gerade zu meiner Beruhigung bei. „Das wird schwierig, sie ist stark angeschwollen“, waren seine ersten Worte. (Soweit war ich auch schon)

Lamm Zeit, Gebärmuttervorfall und andere aufregende „Ereignisse“

Lamm Zeit, Gebärmuttervorfall und andere aufregende „Ereignisse“

Der „Gesundmacher“

Handschuhe, Gleitmittel, viel kaltes Wasser und sie muss unbedingt hinten hoch, sonst kriegen wir die Gebärmutter nicht wieder zurück… Also postierten wir das bedauernswerte Tier mit Strohballen und allem was wir zur Verfügung hatten, in eine ungewöhnliche und bestimmt belastende Position, aber die Alternative war der Tod. Ich finde, ein überzeugendes Argument. In dieser Position, den Hintern weit nach oben gestreckt, begannen wir mit dem „Unmöglichen“. Eine viel zu groß gewordene Gebärmutter wieder zurück zu schieben. Ich darf euch versichern, keine schöne „Mission“ und nichts für zartbeseidete Gemüter.

Im ersten Versuch gelang es nicht, also eine Pause, weiter kalt spülen und erneut ans „Werk“. So verging die Zeit und zwischendurch hatte ich schon mal die Befürchtung, dass der Kreislauf von unserem Sorgenkind zusammenbricht. Aber sie hielt durch. Nach gefühlten 10 Stunden hatten wir es geschafft. Nach einigen „Zaubermittelchen“, andere würden Aufbau Präparate sagen und einer nun gut hergerichteten Box, entließen wir die tapfere Dame in die verdiente Ruhe. Sie machte aber einen so geschwächten Eindruck, dass meine Sorgenfalten nicht kleiner wurden.

Als ich am frühen Nachmittag nach all meinen Patienten schaute, war die Mutter mit der „Käferstellung“ etwas stabiler, der Zustand der Mutter mit den zwei neu geborenen Lämmern unverändert verwirrt und die tapfere Dame mit der schwierigen OP war noch immer geschwächt. Ich hatte vorsichtshalber für ihr zweites unterentwickeltes Lamm eine Trinkflasche mitgebracht, doch leider war es nun tot. Die Natur ist ein Kreislauf, hat ihre ganz eigenen Regeln und verdient unseren Respekt, auch wenn uns ihre Wege manchmal nicht gefallen. Denken wir immer daran: wir sind nur kurz zu Gast.

…was für ein Tag!

Nachtrag: Bis auf die zwei unterentwickelten Lämmer, sind heute alle Sorgenkinder, von diesem Tag, wohl auf und freuen sich des Lebens. Doch wo war die Schäfer-Romantik? An diesem Tag hatte sie wohl gerade frei.

Eines meiner Schafe trauert

Schafe habe ich nun schon einige Jahre und mit den „Damen“ auch so manches erlebt. Wenn aber Zwillinge zur Welt kommen und keines überlebt, ist das ein bitteres Erlebnis. Natürlich versuche ich immer alles, um meinen Mädels in Notsituationen zu helfen, von Extrafutter, ärztliche Betreuung vom ‚“Gesundmacher“ oder auch schon mal bis zur nächtlichen Geburtshilfe durch mich. Doch manchmal geht „Mutter Natur“ ihre eigenen Wege, die gelegentlich leider nicht mit meiner Route übereinstimmen.

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Ein Lamm war bereits bei der Geburt tot und das zweite starb in der Nacht.

Meine wolligen Kolleginnen sind ja im Allgemeinen „hart im Nehmen“ und spüren sehr schnell, wie es um ihren Nachwuchs bestellt ist. Haben sie zum Beispiel Zwillinge und eines der kleinen Racker ist extrem unterentwickelt und nur schwer bis gar nicht lebensfähig, lassen sie es achtlos liegen und kümmern sich um das gesunde Lamm. Aus unserer Sicht ziemlich hart, aber für ihr Überleben wichtig und logisch. Meine Scottish Blackface, als auch meine Mixe (wie hier), sind tolle Mütter und kümmern sich aufopferungsvoll um ihre Kleinen. Deshalb ist es in der Lammzeit für meine Hunde immer eine ganz besonders „Abenteuer“ sie zielsicher zu bewegen. Fühlt sich eines der Mütter mit ihrem Nachwuchs bedroht, heißt es Vorsicht für den Hund. In dieser Zeit ist nix mit „liebes Schaf“ und sie greifen im Notfall auch mehrere Hunde an – um ihre Babys zu verteidigen. Tolle Mütter.

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Sie stand die ganze Zeit neben ihrem toten Nachwuchs und hielt Wache.

Stirbt ein Lamm, finden sie sich in der Regel binnen weniger Stunden damit ab und akzeptieren das Unvermeidliche. Noch schneller geht es, wenn sie sich um den zweiten Nachwuchs kümmern müssen. Bei der Haltung versuche ich die Tiere so artgerecht wie möglich zu behandeln und mache vielleicht einiges anders, als man vermuten würde. Zum Beispiel nehme ich die Lämmer nicht vorzeitig von den Müttern weg, um sie mit Kraftfutter zu „mästen“ oder bei dem Tod von Lämmern, entferne ich sie nicht gleich, sondern lasse sie noch einen Tag bei der Mutter liegen.
Mit meinen über hundert Muttertieren bin ich noch immer ein „Hobby-Schafhalter“, doch in einem Schäfereibetrieb sind 1.400 Mutterschafen eine ganz andere „Welt“, aber auch sie versuchen es den Damen so artgerecht wie möglich zu gestalten. Mit einigen habe ich gearbeitet und sie sollten endlich mal eine Auszeichnung bekommen: „Held der Arbeit“ …oder so

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Eines meiner Schafe trauert, oder empfindet etwas Ähnliches.

Bei meinen Damen habe ich festgestellt, sie brauchen einige Zeit, dies zu akzeptieren und ganz besonders, wenn der komplette Nachwuchs stirbt. Noch bis vor wenigen Jahren wurde auf einigen Universitäten (besonders in den USA) gelehrt: Tiere haben generell keinerlei Emotionen und sind ausschließlich triebgesteuert – empfinden also absolut Garnichts. Schaue ich mir unser „Tierschutzgesetz“ an, glauben das auch Einige in unserem Land.
Wieder zurück zu meinem trauernden Schaf. Sterben wie in diesem Fall beide Lämmer, ist das eine Katastrophe. Der komplette Verlust löst anscheinend einiges bei dem Mutter-Schaf aus und nach unseren, menschlichen Maßstäben würden wir es als Trauer bezeichnen. Denke ich in diesem Zusammenhang an die zahlreichen Mastanlagen und Massentierhaltungen, wird mir ganz übel und ich schäme mich für die Betreiber.
Dieses Schaf hat es besonders schwer getroffen, denn zum einen ist sie eine tolle Mutter mit außergewöhnlich guten Muttereigenschaften und zum anderen ist der komplette Nachwuchs tot. Gerade diese brauchen dann einige Zeit, um zu akzeptieren, dass ihre Kleinen nicht mehr leben. Diese Möglichkeit gebe ich ihnen und lasse die Lämmer noch liegen. Die Mutter steht dann neben ihnen und passt auf sie auf. Ein wirklich herzzerreißender Anblick und wenn ich in ihre Augen schaue, sehe ich Trauer. Nun sind die zwei Lämmer nicht mehr im Stall, aber sie steht noch immer ganz apathisch herum und kommt nur langsam wieder in das Herden-Leben zurück. Auch bei meinem Schaf stellt sich nun wieder die Frage: wenn sie „nichts empfindet“, warum sollte sie sich so verhalten?
An alle, die Tiere nur als „Fleischlieferanten“ sehen, ihr seid auf dem „Holzweg“.

Ich für meinen Teil versuche das Gegenteil zu tun, von dem was ihr macht.

Und es gibt Viele von uns…

Graugänse, Löwen und der Zirkus Roncalli

Es ist kein großes Geheimnis, dass  ich beim Thema Zirkus „Magenschmerzen“ bekomme, denn die Tierhaltung, ganz besonders die der Wildtiere, ist in jedem Zirkus meilenweit von artgerechtem Leben entfernt (und das umschreibe ich noch sehr zurückhaltend). Heute stellt sich Roncalli anders dar, doch noch vor einigen Jahren, hatte dieser Wanderzirkus auch Wildtiere in seinem Gefolge. Gefolge ist vielleicht der falsche Ausdruck, denn die Löwen, Bären und Leoparden folgen ja schließlich nicht freiwillig. Wir zwingen diese wundervollen Kreaturen in unsere Welt und stülpen ihnen sogar noch unser Gefühls-Universum über. In unserer Entwicklungsgeschichte haben wir Menschen uns so auf die eigene Spezies fixiert, dass wir diese Sichtweise fast „automatisch“ auch auf andere Lebewesen übertragen. Wäre gar nicht so schlimm, wenn wir dabei nicht den realen Blick auf sie verloren hätten. Ein Beispiel aus dem Zirkus Roncalli verdeutlicht, welche Gedankengänge bei uns durch den Kopf schießen und die sind bei uns allen nahezu gleich oder zumindest ähnlich. Machen wir dazu am besten mal ein Selbstexperiment und beobachten nach den gelesenen Ereignissen genau unsere Gedanken.  …aber ganz ehrlich

Zirkus Roncalli

Zirkus Roncalli

Am 29. Juni 1982 gastierte dieser Zirkus in Hamburg, damals noch mit Raubtieren, was sich nach diesen folgeschweren Ereignissen erledigt hatte.  Der Dompteur Rene Strickler (er nannte sich lieber Tierlehrer) hatte auch wieder- wie fast jeden Tag- eine „spektakuläre“ Wild-Tier-Nummer zu präsentieren und die war nicht ganz ungefährlich. Er „arbeitete“ mit Löwen, Bären, Leoparden und Bernhardinerhunden. Diese Hunde sind in der Regel sehr „geduldig“ und „friedfertig“, doch fühlen sie sich bedroht, stürzen sie sich auch ohne jegliche Scheu auf Löwen oder Leoparden. Zu all dem, herrscht zwischen Löwen und Leoparden in der Manege eine gewisse „Feind- Seligkeit“. Was wirklich dahinter steckt, wissen wir nicht. Vielleicht wegen der Lebensumstände, denn in ihrem natürlichen Lebensraum gehen sie sich ganz einfach aus dem Weg. Diese explosive Mischung wurde von dem „Tierlehrer“ Rene Strickler „vorgeführt“ und alles lief wie immer, ohne größere Probleme

-bis zum Abschlusssprung eines Leoparden über einen der Bernhardinerhunde.

Rene Strickler mit einem „seiner“ Leoparden

Rene Strickler mit einem „seiner“ Leoparden

Beim Sprung fahren Katzen ihre Krallen aus, um beim Aufsetzen Halt zu finden, doch noch im Flug, streifte der Leopard mit seinen Krallen einen der Bernhardinerhunde und es kam wie es kommen musste, er fühlte sich angegriffen und bedroht. Ohne zu zögern, stürzte sich dieser Hund auf den Leoparden, was alle Andern im Ring zu ungeahnten Aggressionen animierte. Im Handumdrehen verwandelte sich die Manege in eine Kampf- Arena, in der es um Leben und Tod ging. Die ausgebrochenen Kämpfe waren nicht mehr zu stoppen und Rene Strickler stand mittendrin.

Der „Tierlehrer“ hatte zu einer seiner ältesten Löwinnen „Pat“ eine ganz besondere Verbindung und die Zeitungen schrieben am nächsten Tag: „Löwin rettet Dompteur das Leben“. Was war passiert? In all dem tödlichen Durcheinander, bei dem übrigens Viele nicht überlebten, stellte sich die Löwin vor den Dompteur und verteidigt ihn unter Einsatz ihres Lebens gegen zahlreiche Angriffe. Ohne diese Löwin hätte Rene Strickler in dieser Kampf Arena nicht überlebt.

An was habt ihr als erstes gedacht?

In der Regel:  „der Löwe hat seinen „Freund“ beschützt“ oder etwas Ähnliches.

Schlimm genug, dass wir dem Tod zahlreicher Tiere keine große Bedeutung schenken, nur an den Dompteur denken und die Löwin fast „automatisch“ in einem ganz anderem, unserem „Licht“ sehen. Der „edle“ und „tapfere“ Löwe schützt seinen Dompteur. Dies ist nicht nur falsch, sondern schreit geradezu vor Dummheit, dass man Ohrenschützer braucht. Dies sind genau jene spektakulären Schlagzeilen, die unser Nicht- Wissen mit Paukenschlag unterstreichen. Nix mit Edelmut oder selbstloser „Heldin“. Die Zwei hatten anscheinend eine derartige Verbindung, dass die Löwin  ihren Dompteur mit in ihr Rudel aufgenommen hatte und das gilt es-  immer zu verteidigen. Was übrigens fast alle hochentwickelten Lebewesen tun. Als Paradebeispiel fallen mir spontan Wölfe ein, die in ihrem Rudel außergewöhnlich fürsorglich agieren, aber in der Verteidigung ihres Lebensraumes und ihres Clans absolut kompromisslos und sehr aggressiv zu Werke gehen. Sie schützen dabei nur ihre „Familie“ und ihr Überleben. An dieser Stelle möchte ich nicht Löwen mit Wölfen vergleichen, aber Wölfe haben ein deutlich ausgeprägteres Sozialverhalten als ihre „Wild- Kollegen“   – und das sage ich als Schafzüchter.

Aber wieder zurück zur Löwin „Pat“. Was sie tatsächlich dazu bewogen hat, unter Einsatz ihres Lebens, Rene Strickler zu verteidigen, wissen wir nicht und werden es auch nie mit Sicherheit ergründen, aber  …

Denn es gibt ein „Aber“, wenn da nicht noch ein meist gescheutes Thema existieren würde: „Freundschaften“! Ganz besonders auffällig ist dabei das Interesse für Babys, auch die der anderen und dies sogar artübergreifend. Der niederländische Verhaltensbiologe Frans de Waal sieht dies nicht als eine Laune der Natur, sondern behauptet als Professor für Psychologie in Atlante, dass Tiere eine moralische Instanz besitzen  – sehr umstritten. Im Gegenzug behaupten Verhaltens- und Primatenforscher, dies sei instinktive Anteilnahme. Welche „Mechanismen“ hier in Gang kommen, kann der Mensch nur vermuten und das bedeutet mal wieder, wir haben keine Ahnung.

Ganz nüchtern betrachtet, sind diese Rasse übergreifenden „Adoptionen“ eine Fehlprägung und doch eine Laune der Natur (hört sich nach Fachchinesisch an, trifft es aber ziemlich gut). Dass dieses Verhalten tatsächlich untypisch ist, zeigt uns das Bild vor Augen, wenn diese „Adoptionen“ Standard wären. ( z. B. Hunde kümmern sich um Lämmer, Pferde versorgen Kälber u.s.w.) Diese Rasse würde aussterben und die Evolution käme vermutlich zu dem Schluss:  „nicht brauchbar“. Dennoch gibt es sie, die „Tierfreundschaften“, oder sagen wir, die besonderen Verbindungen. Ob nun der Dompteur in die Herde der Löwin aufgenommen wurde oder „irgend“ eine andere Verbindung zwischen diesen beiden bestanden hat, niemand kann es sagen, in jedem Fall hat sie ihm das Leben gerettet.

Um uns diese „Mechanismen“, unter der Rubrik „WOW“ noch besser zu verdeutlichen, schauen wir einmal auf die Forschungen von Konrad Lorenz, die Erstaunliches über Gänse zum Vorschein gebracht haben, genauer gesagt von Graugänsen. Dieses schlaue Federvieh hat so einige Tricks auf Lager, doch wo kommen sie her und warum tun sie das?

Graugänse, sensibles Federvieh, mit erstaunlichen Fähigkeiten

Graugänse, sensibles Federvieh, mit erstaunlichen Fähigkeiten

Wo sie herkommen, ist gar nicht so schwer, denn die Evolution hat großen Erfindungsgeist. Doch warum unsere Tiere einige Dinge gerade zu diesem Zeitpunkt tun, ist schon etwas anspruchsvoller. Aber die Frage: „steckt da ein bewusstes handeln dahinter?“, fordert uns geradezu heraus. Das „Innenleben“ der Tiere ist für uns nach wie vor eine unbekannte Welt und sie verfügen über Fähigkeiten, die wir vielleicht sogar erahnen, aber irgendwie nicht wahr haben wollen. Doch es gibt auch Verhaltensweisen, die ganz und gar nicht aus ihrem Sozialverhalten stammen, sondern von der genialen Natur eingerichtet wurden und manchmal so erstaunlich sind, dass man sie kaum glauben mag.

Wie schon Konrad Lorenz herausgefunden hat, kann man Gänse nicht gerade als dumm bezeichnen, im Gegenteil- sie sind sensibel und lernfähig. Bei der Brut zum Beispiel, kümmern sie sich auch sehr aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs, schützen und verteidigen ihn. Die Graugänse bauen ihre Nester ebenerdig oder auf kleinen Hügeln und können ihre Umgebung bestens beobachten, denn ihr Sehvermögen ist sehr gut. Als Beobachter sollte man also erwarten, falls mal ein Ei aus dem Nest rollt, dass sie es sofort erkennen und wieder in das schützende Nest zurückholen  – es beschützen. Genauso war auch der Versuchsaufbau von Herrn Lorenz, selbstverständlich in ihrer natürlichen Umgebung und alles ohne irgendwelchen „Versuchs- Stress“. Die konkrete Frage war: „tun die Graugänse dies aus bewusstem Sozialverhalten heraus und wenn nicht, warum dann“? Das war der Plan. Mit ziemlich viel Aufwand, richteten sie einen Beobachtungsposten an einem natürlichen Brutplatz ein und brachten viel Zeit mit, sehr viel Zeit. Als es dann doch mal passierte, dass ein Ei aus dem Nest rollte, reagierte die Gans sofort. Sie machte einen langen Hals, begutachtete das rollende „Objekt“ und brachte es unter recht großen Anstrengungen und einer erstaunlichen Fertigkeit wieder zurück in das schützende, warme Nest. Alles war wieder GUT. Lorenz rollte einen Tennisball an das Nest und zur allgemeinen Verwunderung, lief ganz genau dasselbe ab, wie mit dem richtigen Ei. Ok, dachten sie, eine Verwechslung, kann schon mal passieren. Nachdem sie das Experiment immer mit demselben Ergebnis wiederholten, rollten sie eine kleine Plastik Trinkflasche an ihr Nest. Das war nun die eigentliche Überraschung, denn auch hier zeigte die „fürsorgliche“ Gans dasselbe Verhalten. Sie rollte die Trinkflasche mit größter Sorgfalt in Ihr Nest. Das hatten sie nun wirklich nicht erwartet. Die Ergebnisse dieser Forschungen brachten folgendes ans „Tageslicht“: Zu den vielen „Talenten“ und Fähigkeiten der Graugänse, gesellt sich 2 Wochen vor und 2-3 Wochen nach der Brutzeit ein erstaunlicher „Reflex“, alle rundlichen Gegenstände am Nest-  „wieder zurück“ zu bringen. Außerhalb der Brutzeit existiert dieses Verhalten nicht. Könnte bei dem Löwen ein ähnlicher Mechanismus in Gang gesetzt worden sein? Nur hier- „beschütze dein Rudel“?

Ich würde sagen:
zu bewundern ist in jedem Fall die Natur und ihre Zwillingsschwester Evolution.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer

Noch vor einigen Jahren sind hier Hundertschaften von Sondereinsatzkommandos eingerückt, Hubschrauber kreisten permanent über den Dörfern und TV-Moderatoren prügelten sich um die letzten Hotelzimmer. Ihr erinnert euch?! Kastor Transporte, Atom-Müll Endlager Gorleben und tägliche Berichterstattung in den Nachrichten  – genau, da war ich. Und es gibt sie noch, die Individualisten, Anti-Atom-„Krieger“ und Wendland Revoluzzer, nur machen sie gerade „Pause“. Einige erinnern sich vielleicht gar nicht mehr daran, aber noch vor wenigen Jahren war das Wendland wegen der Atom-Müll Castoren fast schon ein „Kampf-Gebiet“.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Während ihrer Pause, haben sie ausgestopfte Kameraden an die „Front“ geschickt. Auf solche ausgestopften Biker oder anderen stillen Revoluzzern trifft man an einigen Stellen im Wendland und sollen uns sagen: hey, wir sind noch da.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Das unscheinbare Gelände dahinter, ist in Wirklichkeit ein Hochsicherheitstrakt der Extraklasse.

Aber das Wendland hat ja nicht nur „Gorleben-Kämpfer“ und Atom-Müll zu bieten, sondern auch ganz viel Natur. Viele „Großstadt Abenteurer“ buchen sich oft für mehrere Tage in einem Ferienhof ein, um einfach mal abzuschalten, sowie die „brutale“ Ruhe zu genießen. In der Nachbarschaft kennt man sich und Frau Müller von nebenan, klingelt schon mal, wenn es wie aus Eimern regnet und man das Dachfenster vergessen hat zu schließen. Wenn ich mit meinen Hunden Gassi gegangen bin, konnte ich ohne Bedenken auch der „Hauptstraße“ entlang laufen, denn wir waren die einzigen. Wer das stille Landleben mag, ist hier an der perfekten Stelle.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Auf diesem Hof war ich zu Gast, bei einer sehr guten Freundin. Christel führt diesen Ferienhof und hat neben zwei Border Collies natürlich noch zahlreiches weiteres „Getier“, wie Hühner, Schafe und eine Katze. So toll wie dieser Landstrich auch ist, aber alle Nicht-Tierliebhaber und Ruhe-Verächter, sind hier nicht so ganz an der richtigen Stelle. Doch, sollte es mal wieder Castor-Transporte mit Atommüll geben, versichere ich euch hier, Abenteuer, Spannung und einen Platz in der ersten Reihe.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Ich würde sagen, das Border Collie-Schild ist eher Schmuck, denn die zwei vierbeinigen Kollegen, sind alles andere als beißfreudige Bestien. Objektbewachung durch Border Collies, die Wendländer haben also auch Humor.

Was macht man also in so einer Anti-Atom-Müll-Kampfregion, wenn es gerade mal keinen Kampf gibt? Man züchtet zum Beispiel Schafe. Nicht irgendwelche Schafe, sondern Quessantschafe. Christel hat eine der bekanntesten Zuchtlinien an Quessantschafen und das ist noch nicht genug. Nein – einer ihrer selbst gezogenen Böcke ist der Beste Deutschlands. Wow, dachte ich, das nimmt sie aber verdammt ernst, ihre Quessant Schafzucht. Zu diesem Zuchterfolg konnte sie nun aktuell noch ganz gewaltig eine große Schippe drauflegen, denn sie ist seit 2017 die Begründerin einer eigenen Zuchtlinie. Wie das geht? Gute Frage, aber das Leben geht manchmal so ganz eigene Wege und diese Wege bringen den Samen ihres Super Bocks in die USA. Ihr habt richtig gelesen, amerikanische Züchter kaufen das „Erbmaterial“ dieses Spitzen Bockes und erschaffen damit in den USA eine neue, eigenen Linie. All die künftigen weißen Quessantschafe, stammen dann in Zukunft von diesem kleinen Kerl ab. Ähnlich wie bei unseren Border Collies die „Sache“ mit Old Hamp gelaufen ist, so wird es hier mit Christels Bock ablaufen. Für alle die nix mit dem Namen „Old Hemp“ anfangen können: die meisten der heutigen Border Collies stammen von dem damaligen „Besten aller Besten“ Border Collies ab, Old Hemp. Nur daß Old Hemp ein perfekter Arbeitshund war, aber dieser stattliche kleine Bock manchmal Anflüge von „Größenwahn“ hat.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe /weiß

Diese wolligen Miniaturausgaben sind ganz schön mutig und haben oft keine Probleme sich einem größeren Border Collie entgegen zu stellen, um ihre Lämmer bis zum Äußersten zu verteidigen.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe /schwarz

Bleibt noch die Frage, die nicht nur alle Tierfreunde, sondern sogar erfahrene Schafzüchter beschäftigt: wie zum Teufel sprechen sich die Quessantschafe richtig aus. Viele kennen diese spezielle Rasse, aber ganz Deutschland rätselt über die richtige Aussprache. Ich für meinen Teil, habe es sogar vermieden, diese kleinen Damen als Rasse zu erwähnen, weil ich schlicht und einfach nicht wusste, was ich sagen sollte.

Bitte Christel, lass die Menschen nicht dumm sterben, löse eines der ganz großen Rätzel unserer Zeit auf. Wie spricht sich Quessant wirklich aus? Ihre Antwort war: Kiso(n) wobei die Betonung auf dem „O“ liegt und das (n) nicht ausgesprochen wird. Wow, darauf wäre ich nie gekommen.

Herr Müller /Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Herr Müller /Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Die Hof-Katze: „Herr Müller“ und das eierlegende bunte Fußvolk

Herr Müller ist der Krieger in der Nacht und jagt in der Dunkelheit nicht Castoren voller Atommüll, sondern Mäuse oder was sich sonst noch nachts unerlaubterweise auf den Hof wagt. Irgendwie ist das auch ein Wendland Revoluzzer.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Zum Abschied schaute mir nochmal einer der zwei Border Collies über die Schulter, um zu sehen ob ich auch wirklich abfahre, denn nun gehört ihnen der Hof wieder allein, bis auf den kleinen größenwahnsinnigen Bock, der meint, er sei der Herr der Welt, ach was  – des Universums.

War schön, bei Christel im Wendland.