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Hunde reden und Freunde posten auf Finnisch

Stellen wir uns vor, Silvester,  genau um Mitternacht, also zu Anfang des neuen Jahres, verändert sich plötzlich unsere Welt. Silvester-Raketen steigen in den Himmel, aber kein Geräusch ist zu hören, kein Knall. Unsere Nachbarn stehen verwundert auf der Straße und schauen ratlos zu uns herüber. Der leichte Schneefall ist wunderbar, das leise Schnee-Knirschen unter unseren Schuhen verbreitet ein wohliges Gefühl und eine merkwürdige Stille breitet sich aus.

Noch während wir uns überrascht ansehen und die ersten Vermutungen die Runde machen, bemerke ich so ganz neben bei, aus dem Augenwinkel, dass alle Hunde aus der Straße nun ebenfalls draußen sind. Zunächst habe ich mir nichts dabei gedacht, aber als sie alle dicht beieinander standen, wurde ich neugierig. Von weitem sieht es so aus, als würden sie miteinander sprechen, was ja nicht sein kann, aber irgendwie scheint mir heute Alles anders als sonst. Ich unterbreche meine Diskussionsrunde und laufe zu den Hunden. Während ich näher komme, beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl, denn aus der Runde der Vierbeiner dringen Stimmen zu mir. Stimmen die ich noch nie gehört habe.

Mit aufgerissenen Augen stelle ich fest, was eigentlich nicht sein kann: Die Hunde reden miteinander.

Hunde reden und Freunde posten auf Finnisch

Hunde reden und Freunde posten auf Finnisch

Ich bleibe kurz stehen und überlege, was ich alles getrunken habe, bin ich verrückt geworden?
Wahrscheinlich, denn das Reden höre ich nun laut und deutlich. Plötzlich schaut mich Mex,  der Mischling von gegenüber, an und begrüßt mich mit einem freundlichen Hallo Peter.

Nun bin ich mir sicher, ich bin verrückt geworden.

Sogleich schauen alle zu mir und rufen Frohes Neues Jahr. Ich kann sie verstehen, ich kann mit Hunden reden, oder ist das doch nur ein Traum? Ich weiß es nicht. Vielleicht wache ich ja gleich auf und hatte nur zu viel getrunken. Meine May kommt mir entgegen und begrüßt mich überschwänglich, aber nicht nur mit Schwanzwedeln, sondern mit aufgeregten Worten. Toll, schön dass du da bist, ich hab dich lieb. Jetzt kommt auch Abby mir entgegen und ruft schon von Weitem: Wollen wir zu den Schafe?  Und im Handumdrehen stehen die beiden vor mir und erzählen wie ein Wasserfall. Meine Hunde reden mit mir?!

Nachdem ich mich wieder gefasst habe und noch immer der Meinung bin, in einem Traum zu sein, beuge ich mich zu meinen Hunden und nehme sie zur Begrüßung in den Arm. Sie erzählen was sie alles gesehen haben und dass das Huhn Erna, von schräg gegenüber wieder über die Garage geflogen ist. Im gleichen Moment blafft Abby den Nachbarhund an, er soll lieber nicht zu nahe kommen. Warum machst du das frage ich Abby. Ich habe Angst, dass er dich mir wegnimmt, weil ich in der Zeit vor dir nicht immer Schönes erlebt und vieles immer wieder verloren habe.

Nun bringt mich das doch alles aus dem Gleichgewicht, oder sollte ich besser sagen um den Verstand?! Ich laufe eilig ins Haus, starte hastig den Computer und sehe als erstes meine zuletzt geöffnete Seite  -Facebook. Ok, das sieht ja alles ganz normal aus. Doch bei genauerem Hinsehen, posten alle meine 5.000 Kontakte in Finnisch. Ich reibe mir wieder die Augen.

Finnisch?

Warum um Himmels Willen schreiben alle in Deutschland auf Finnisch? 99,99% von denen sind doch Deutsche und mailen auch mit Freunden aus Old Germany. Sind nun alle verwirrt oder im Geltungs-Modus? Was ist das für ein Silvester, Hunde können plötzlich reden, Silvesterraketen machen keine Geräusche und auf Facebook schreibt man in Deutschland nun auf Finnisch. Ich schreibe einem Border Collie Freund, ob bei Ihm alles in Ordnung ist und bekomme auch schnell eine Antwort  – auf Finnisch:

Rakas Peter, toivotan teille kaikkea uutta uutta vuotta  

Warum auf Finnisch, schreibe ich zurück. Die erneute finnische Antwort: Es könnte ja eventuell auch jemand in Finnland lesen.  Zu diesem ganzen finnischen Schreib-Quatsch muss ich gleich mal die Hunde befragen, was sie davon halten.

Hunde reden und Freunde posten auf Finnisch

Hunde reden und Freunde posten auf Finnisch

Gerade als ich zu meinen Hunden gehe, um mit ihnen über die finnischen Posts zu diskutieren, zucke ich zusammen. Laute Explosionen und Lichtblitze erschüttern meine Gedanken. Ich schrecke hoch und…  öffne die Augen. Ich war auf dem Sofa eingeschlafen und hatte einen Traum. Es ist gerade Null Uhr Silvester. Der Computer vor mir ist noch an und 1000 Glückwünsche rauschen durch das Netz. Ich wünsche meinen Freunden ein gutes Neues Jahr und erhalte das Gleiche  -von einigen auf Englisch. Warum um Himmels Willen auf Englisch?

Meine Hunde sitzen vor mir und schauen mich an, als würden sie jedes Wort verstehen. Ich verspreche ihnen, (auf Deutsch) wir bleiben für immer zusammen.

 

Meine Tiergefährten

Als ich anfing, meinen wundersamen Alltag auf zu schreiben, dachte ich eher an ein Tagebuch für meinen Sohn, oder an einen Blog, merkte aber schnell, dass da eine gewaltige Lawine auf mich zu rollte und ich hatte große Mühen, meine täglichen Ereignisse aufzuschreiben. Mein Alltag glich einem Schnellzug, der mit Höchstgeschwindigkeit über die Schienen rast, spannend, aufregend und immer Hände schüttelnd mit neuen interessanten Menschen…

Nun könnten einige behaupten: Was soll der ganze Stress. Auf dem Sofa liegen ist doch viel besser.

Aber was soll man machen, wenn einem das Faulenzen nicht so recht in die Wiege gelegt wurde? Natürlich etwas unternehmen und das auch noch möglichst mit Tieren. So kam es, wie es kommen musste, meine Welt wurde bunt. In dieser rasanten, bunten Welt regierten von nun an viele Farben, jedoch nicht rosarot. Es gibt auch Endtäuschungen, Rückschläge und Niederlagen, aber hinfallen ist nicht das Problem, sondern das liegen bleiben. Es war nie meine Sache liegen zu bleiben, denn das Geheimnis unseres Alltags liegt im:  immer wieder Aufstehen. Es ist nicht wichtig, was du bist, sondern was du daraus machst.

H.P.Schaarschmidt /Autor: Tiergefährten

H.P.Schaarschmidt /Autor: Tiergefährten

Denke ich zurück,  – was alles in den letzten 10 Jahren passiert ist, wüsste ich gar nicht, wo ich anfangen sollte, all diese 1000 Geschichten aus dem Wunderland zu erzählen. Manchmal kam ich mit tatsächlich wie Alice im Wunderland vor, die immer tiefer in den Kaninchenbau vordrang. Ich lernte nicht nur viel über die Schafzucht, sondern dass auch jedes Tier eine wirkliche Persönlichkeit ist, dass Tiere, wenn man sie lässt, ihren eigenen Regeln folgen und manchmal Dinge tun, die wie ein ausgetüftelter Plan erscheinen. Also habe ich angefangen, das tägliche Staunen im Wunderland aufzuschreiben und musste mir nach einigen Monaten selbst verwundert darüber, wie mein Alltag aussieht. Aufregend, bunt, anstrengend, aber wunderbar. Zumindest wunderbar für einen Zweibeiner wie mich, der in diesem Kaninchenbau von Alice seine Heimat gefunden hat.

Zu den wundersamen monatlichen Aufzeichnungen über meine Tiere, gesellten sich die Erlebnisse mit den vielen Individualisten, die im Kaninchenbau nebenan wohnen. Viele dieser Bewohner sind so besonders, dass sie vom Otto Normalverbraucher so weit entfernt sind, wie eine Weinbergschnecke vom Marathonlauf. Dennoch finden viele der Nicht-Kaninchenbau-Bewohner gerade diese Individualisten spannend, denn sie leben ein Leben, dass der eine oder andere sehr gern selbst leben möchte. Zumindest projektieren einige ihre Wünsche in sie hinein, wie es doch wäre, wen man auch so leben würde. Ich darf euch aber versichern, dass die viel beschriebene Schäfer-Romantik nur an eure Tür klopft, wenn ihr euch harte Arbeit, sterbende Tiere, Trauer und auch Kummer gefallen lasst. Dann, aber auch nur dann, habt ihr eine realistische Chance auf tolle Momente.

Mein Buch Tiergefährten Autor H.P.Schaarschmidt

Mein Buch Tiergefährten Autor H.P.Schaarschmidt

Mein Buch Tiergefährten  Autor H.P.Schaarschmidt

Ich habe diese Momente und viel mehr, aber auch eine ganze Menge Schufterei, die mir zugegeben ziemlich viel Spaß macht. In Tiergefährten berichte ich über diese Momente und über die Weggefährten im Kaninchenbau nebenan, die mein Leben ebenfalls bereichert haben.Man muss nicht unbedingt mit Border Collies arbeiten oder schottische Schafe züchten, um sich in die Erlebnisse von Tiergefährten hinein ziehen zu lassen, denn das Natur- und Tierwohl sollte bei uns allen auf dem Merkzettel stehen. Ob humorvoll, kritisch oder spannend, die wichtigste Botschaft in meinem Buch lautet:  Begegne den Tieren mit Respekt.

Tiergefährten
von Hunden, Schafen und Individualisten

Viel Spaß beim lesen

Hunde, Schafe, Tiergefährten

 

Baywatch

Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Sie sind gerne am Strand, genießen die Freiheit und machen eine ziemlich gute Figur, zumindest die Hunde…und vielleicht auch Pamela Anderson. Kaum sind wir an dem fast menschenleeren Küstenabschnitt angelangt, laufen auch schon die Kollegen von David und Pamela im chilligen Schritt an uns vorbei, aber weder im engem Badeanzug noch in extrem körperbetonter Kleidung, sondern in dicken Jacken. Haben die denn nie Baywatch gesehen? Mit Baywatch ist es so wie mit der Bildzeitung. keiner will sie gelesen haben, aber wieso ist sie dann mit Abstand die meistverkaufte Zeitung in Good Old Germany?

Da steht der Schaf-Peter, der eher Berge gewohnt ist, am Strand, schaut auf die winzige Linie am Horizont und ist mächtig beeindruckt, was ihn hinter dieser Linie erwarten würde. Wie haben, verdammt noch mal, die alten Seefahrer vor 500 Jahren neue Welten entdeckt? Waren sie alle Helden oder einfach nur rund um die Uhr betrunken? Vielleicht beides.

Baywatch Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Baywatch  Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Für das Foto haben sie schnell ihre Winterjacken ausgezogen.

Nachdem ich das Foto geschossen habe, will ich die Damen eigentlich noch fragen, ob sie für mich in zu engen Badeanzügen und in Zeitlupe über den Strand laufen würden, aber aus irgendeinem Grund traue ich mich das dann doch nicht. Vermutlich hätte mich meine bessere Hälfte mit dem Schlag einer Boje hart auf den Boden der Realität zurückgeholt. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt: Ich will ja nur realistische Fotos wie aus dem Film machen.

Was fasziniert uns eigentlich an einer Wasserfläche, die bis zum Horizont reicht? Der Anschein von Unendlichkeit, eine unbezwingbare Naturgewalt oder einfach nur Fernweh? Obwohl wir bequeme Langzeiturlauber geworden sind, steckt in uns allen ein neugieriger Kämpfer und Entdecker. Wir leben in Deutschland wie auf einer kleinen Insel der Glückseeligen und bemühen uns nach besten Kräften, die böse Welt um uns herum zu ignorieren. Werte Damen und Herren, Sie können gern alle Fenster Ihres trauten Heimes schließen, aber trotzdem atmen wir alle immer noch die gleiche Luft und leben alle gemeinsam auf einem kleinen Planeten. Zahlreiche Wissenschaftler beschäftigen sich inzwischen mit der Frage, wie das „Leben“ der Pflanzen wirklich ist und ob sie untereinander kommunizieren können. Einige Forscher wollen bereits bewiesen haben, dass sich Pflanzen gegenseitig vor Gefahren warnen. Was für eine Wunderwelt sich da wohl in Zukunft noch offenbaren wird? Aber das ist eine andere Wundertüte, die wir an dieser Stelle nicht öffnen wollen.

Ich stehe noch immer am Strand und starre auf die kleine Linie am Horizont, genau wie meine bessere Hälfte, die ihr Foto-Verhinderungs-Schlaggerät inzwischen beiseite gelegt hat. Das wird wohl nichts mit Baywatch-Fotos.

Baywatch Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Traumhafter Ausblick und die Quelle der Sehnsucht.

Durch die schmale Linie da hinten kommt das Schiff nie durch.

Heute wissen wir, dass die Erde rund ist und man nach dieser Linie am Horizont nicht von der Erde herunter fällt. Damals wie heute begründen wir das plausibel und mit größter Gewissheit: „So ist es.“ Was wäre also, wenn wir eines Tages doch herausfinden, dass Pflanzen miteinander reden und Steine ein Gedächtnis haben? Das hört sich ziemlich verrückt an, aber genau das hat man von Nikolaus Kopernikus auch behauptet. Nicht die Erde, sondern die Sonne sollte nach seiner Ansicht im Zentrum stehen. Seine Gegner hielten seine Überlegungen für ein wirres Hirngespinst, denn wenn das wahr wäre, müsse man ja durch die Bewegung um die Sonne einen Fahrtwind spüren. Heute lachen wir darüber, weil wir es besser wissen, aber damals…

Was könnte also noch dahinter stecken, dass wir diese kleine Linie am Horizont faszinierend finden?

Die Antwort ist mal wieder ziemlich simpel:  Weil wir noch immer Entdecker sind, die nach neuen, besseren Lebensräumen suchen.  Wie schon vor 100.000 Jahren. Leider ignorieren wir vieles von dem, was uns in tausenden von Jahren geprägt hat. Die Erde ist unser Zuhause und die Tiere sind unsere Mitbewohner. Wir alle sind aber auch nur Teil eines Kreislaufes. Unsere tapferen Vorfahren waren ganz einfach gezwungen,  neue Lebensräume zu entdecken und das steckt noch immer in uns.

Baywatch Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Das Tor zur Welt

Das Tor zur Welt – und ein Hilfsmittel für die schmale Linie am Horizont

Es ist schon faszinierend, was sich unbewusst in unserem Inneren abspielt. Ob nun die Gedanken über die schmale Linie am Horizont, durch die sowieso niemand durchkommt, oder der Drang, Tiere zu halten: Wir sind fast immer Opfer unseres 90%-igen Ichs, dem Unterbewusstsein, das auf 200.000 Jahre Entwicklungsgeschichte zurückgreift. Ihr schüttelt den Kopf? Nun gut, kein Problem, das stören die 90% nicht. Wenn Ihr also in Zukunft mal wieder tiefsinnig nachdenkt „warum-wieso-weshalb“: Genießt einfach den Moment.

Wir tun, was wir tun müssen. Ich für meinen Teil lebe mit Hunden und Schafen, weil ich meine, es machen zu müssen.

PS.: Vielleicht schau ich mir auch irgendwann mal die schmale Linie am Horizont an, doch wichtiger ist das HIER und JETZT.

Hütevorführung oder Hüte-Vorführung?

„Wie? Sie wollen bei uns eine Hüte-Vorführung präsentieren?“ fragt ein Schlossverwalter, willigte aber im gleichen Moment ein. Er wundert sich nur, dass wir so viel Fläche dafür benötigen. Hüte passen ja wunderbar zu einem Schloss, aber eine gewisse Verwirrung ist dem Hausherren deutlich anzusehen.

Ich trage Gummistiefel und eine Wachsjacke, habe zwei Border Collies dabei und erzähle von meinen Laufenten, aber irgendwie will sich der Nebel in seinem Kopf noch nicht verziehen. Ich überlege kurz: „Gefällt mir diese Verwechselung?“ Die Antwort ist schnell gefunden: „Ja, echt witzig!“ Eigentlich müsste ich diesen Herrn auf den Boden der Tatsachen holen, aber die Wortspiele und das offensichtliche Missverständnis machen mir ziemlich viel Spaß.

Wir reden noch immer über eine Hütevorführung, oder doch eine Hüte-Vorführung?

Die Frage nach Absperrgittern und Strom für die Technik bringen ihn nicht auf andere Gedanken, aber das Thema Heu macht den Freiherrn von ich weiß nicht genau dann doch etwas stutzig.

„Heu? Sie brauchen Heu?“ „Ja, das wäre super, wenn die Wiesen so weit runter gemäht sind, dass sie nicht mehr ergiebig sind.“ „Die Wiesen müssen ergiebig sein?“ „Naja“, antworte ich „unsere schottischen Kolleginnen müssen ja ordentlich versorgt werden“. So langsam werde ich mutig und erwähne noch: „Schließlich bin ich für die vielen hübschen Damen verantwortlich“.

Vor mir steht ein Mann, der ein Schloss von seiner Familie übernommen hat und in seiner ganz eigenen Welt lebt. Ich gebe zu, seine mit Wappen bestickten Hemden und seine Lack-Schühchen finde ich etwas lächerlich, aber jeder mag so leben, wie es ihm beliebt. Über mein Leben mit den Tieren werden sicherlich auch viele Menschen den Kopf schütteln.

Doch dann findet er seine Sprache wieder und stellt die richtige Frage: „Was machen Sie eigentlich genau?“ Nun wird es Zeit, die Situation aufzulösen. Eigentlich schade. „Wir präsentieren den Border Collie Arbeitshund in der Tradition der schottischen Farmer und das mit Hilfe von schottischen Schafen und Laufenten.“ Ich sehe in aufgerissene Augen und wieder folgt Schweigen.

Hütevorführung Border Collie May /Foto: Jasemin B

Hütevorführung Border Collie  /Foto: Jasemin B

Dann aber bricht es aus ihm heraus: „Das ist ja wunderbar und es passt perfekt in diese Umgebung“. Ich mochte den schottischen Landadel schon immer, denn er ist das Paradebeispiel für Pragmatismus und Tradition. „Werter Freiherr von ich weiß nicht genau, bei uns geht es weniger um den schottischen Adel, sondern eher um den Border Collie. Genau gesagt, um den Arbeitshund Border Collie“. Ich kann fast sehen, wie seine grauen Zellen auf Hochtour laufen, er aber versucht, diese Gehirnakrobatik zu verstecken.

„Wieviel Fläche brauchen Sie und kann man diese Präsentation in einem Schloss-Event integrieren?“ „40m x 60m wäre wunderbar, aber wir kommen auch mit etwas weniger zurecht. Es ist aber sehr schön, auch für die Zuschauer, wenn die Hunde genügend Platz haben, um ihren Job zu erledigen. Es sieht einfach besser aus und das Publikum sieht Border Collies, wie sie wirklich agieren. Das ist ziemlich spektakulär. Und was die Einbindung in ein Schlossfest betrifft, so haben wir mit dieser Kombination nur gute Erfahrungen gemacht. Der Veranstalter benutzt unsere Hütevorführung sogar als zusätzliche Werbung für sein Fest.“ „Ok, das kann ich mir alles gut vorstellen“, ist seine spontane Antwort.

Während er betont lässig hinter seinem ehrwürdigen Schreibtisch sitzt, der vermutlich von seinem Ur-Ur-Urgroßvater stammt, beschleicht mich ein komisches Gefühl. So ganz genau kann ich es nicht beschreiben, aber seine übertriebene Lässigkeit passt irgendwie nicht zu ihm. Dieser Freiherr versucht doch tatsächlich, einen auf Kumpel zu machen, aber meine Magengegend rebelliert. Nein, kein Durchfall. Mit dem Mann, der in den Lackschühchen steckt, stimmt etwas nicht.

„Für die Programminhalte geben wir auf unseren Schlossfesten nichts aus, weil unser Event eine tolle Plattform ist, bei der alle dabei sein wollen.“ OK, das erklärt meine Bauchschmerzen. Sie wollen sehr viel für Null. Am besten alles. Die Lackschühchen suchen nur Einnahmequellen, da vermutlich die Unterhaltskosten der Schlossmauern drücken. So habe ich mir eine Zusammenarbeit nicht vorgestellt. Ich wünsche mir eine gewisse Begeisterung und Achtung für und vor uns und unseren Hunden. Ich mag die Geschichte, Burgen und Schlösser auch, aber keine arroganten Fatzke, die den Verfall mit Überheblichkeit verdecken wollen. Bin ich jetzt zu streng oder zu intolerant?  Mir ist es egal.

H.P.Schaarschmidt /Foto: Jasemin B

H.P.Schaarschmidt /Foto: Jasemin B

Auf diesem herrschaftlichen Schlossgelände werden wir dann wohl nicht den Arbeitshund Border Collie vorstellen. Bei der Arbeit mit Schafen und Hunden spielen Ideale mehr als nur eine große Rolle.

Einige „Otto Normalverbraucher“ halten uns Schaf- und Hundeleute sicher für verrückt. Als ich meinen Lektor in Berlin frage, ob da etwas dran sei, fällt seine Antwort so kurz wie simpel aus: „Natürlich sind Sie etwas verrückt, sonst würden Sie das doch alles nicht machen. Schafe, Border Collies, Hütevorführungen, ein Buch schreiben und dabei noch einem Beruf nachgehen ist verrückt. Aber schön, dass Sie es tun.“

 

Der Schweinehund

Der „innere Schweinehund“ hat ziemlich viele Tricks auf Lager und ist zudem ein begnadeter Überzeugungskünstler. Ihr kennt ihn auch und habt ihn regelmäßig zu Besuch? Dann wisst ihr ja wovon ich rede und überlegt: wie werde ich diesen lästigen Kerl los?! Mediation, Wut oder der pure Wille, nix hat geholfen, vielleicht Gewalt? Keine schlaue Idee, ich kann mich ja nicht selbst verhauen (auch wenn ich das manchmal verdient hätte).

Die Wissenschaft sagt zu diesem Dauermieter Willensschwäche. Sie kommt aus dem Unterbewusstsein und diesem Wunderding namens Gehirn. Also haben wir schon mal eine Adresse. Ich stelle mir einen fiesen kleinen Kerl vor, der schmutzig und fett ist, den ganzen Tag nur faulenzt, aber immer flotte Sprüche auf Lager hat. Hat der innere Schweinehund eine Adresse und Aussehen, so muss natürlich auch „Der Gute“ in Erscheinung treten. Er macht uns bei weniger guten Aktionen das schlechte Gewissen, oder treibt uns an, etwas Wichtiges doch zu erledigen   – was der Schweinehund gerne auf übermorgen verschiebt.

Der Schweinehund

Der Schweinehund

Historische Darstellung  „Schweinehund“

Ursprünglich stammt diese Wortkreation aus der Wildschwein-Jagt. Hunde wurden zur Schweinehetze eingesetzt, bis  zur Ermüdung der Gejagten Vierbeiner. Genau diesen Job erledigte der Sauhund, aus dem wir später den Schweine-Hund gemacht haben. Manche Dinge sind doch ziemlich simpel. Nur seltsam, dass aus dem Jagdhund ein Schimpfwort geworden ist. Wir verwenden die Wort-Kreationen ganz einfach, oder habt ihr euch schon mal Gedanken über Tohuwabohu, Mumpitz oder WC gemacht?  Und über Engelsgeduld, Zeitgeist oder Weltenschmerz könnte man ganze Bücher füllen.

Aber wieder zurück zu unserem Schweinehund, oder sollte ich lieber Willensschwäche sagen? Willensschwäche klingt so wissenschaftlich, ich bleibe lieber bei Schweinehund und meinem kleinen  faulen Mann. Warum eigentlich Mann? Egal!  Der Kopf sagt uns des Öfteren, dass wir unseren Hintern bewegen sollen und redet uns ziemlich oft ein schlechtes Gewissen ein, aber der kleine fette Mann liefert uns prompt gute Argumente. Ein Leben lang machen wir uns Gedanken: wie trixen wir diesen kleinen Fiesling aus?

Der Schweinehund

Der Schweinehund

Verschiebe nichts bequem auf morgen, wenn du`s heute kannst besorgen. Das ist ALLES.

WOW, also nichts einfacher als das. Dumm nur, dass diese ganzen Sprüche und Weisheiten reine Theorien sind und die Praxis mal wieder auf einem ganz anderen Planeten zu Hause ist. Es gibt aber ein Geheim-Rezept: Was wir gerne machen, erledigen wir sofort und nur die unangenehmen Dinge lassen wir warten. Versuchen wir also mehr Schönes in unser Leben zu lassen, dann klappt’s auch mit dem Schweinehund.

Wir müssen unser Leben umkrempeln,
anstatt an einzelnen Aufgaben herum zu doktern.

 

Schafschur

Eigentlich waren wir dieses Jahr spät dran, aber beim ersten Versuch hat der Himmel unverhofft alle Schleusen geöffnet und meine Mädels ordentlich eingeweicht. Ich möchte einmal das Gesicht des „Frisörs“ sehen, wenn er  über 100 klatschnasse Damen scheren soll. Nun ging es aber endlich los und der Wettergott hatte glücklicherweise ein Einsehen mit uns.

Der Frisör und ich waren um 7.30 Uhr verabredet. Neugierige hatten sich auch angesagt, denn schottische Damen nackt zu machen ist ein Ereignis. Manche behaupten ja, Blackis haben immer einen Plan. Das vermute ich schon lange, aber bei dem Thema „Wolle ab“ sind wir einer Meinung  – meine Damen und ich.

Rainer, der Schaffrisör, war super pünktlich. Um 07.30 Uhr fuhr er auf den Hof. Gut gelaunt und voller Tatendrang begrüßte er mich und machte gleich seinen ersten Scherz:  „Du, eigentlich habe ich gar keine Lust.“

Da ich aber Rainer kenne, weiß ich, er macht seinen Job mehr als nur gerne  – er liebt ihn geradezu. In der Halle war alles vorbereitet. Strom für die Schermaschine, Scheinwerfer positioniert, Gatter aufgestellt und die angemeldeten Zaungäste wollten für Kaffee und Brötchen sorgen. Das Treffen von netten Menschen und vielen schottischen Damen war arrangiert. Naja, viele Damen ist relativ, denn ich habe ja noch immer eine Hobbyzucht, auch wenn ich die 100er Marke längst überschritten habe   – und dabei meine ich nicht mein Alter.

Rainer schaute sich die vorbereitete Arbeitsstelle an: „Sehr schön, aber hatte ich schon erwähnt, dass ich gar keine Lust habe?“ „Ist ja gut, Rainer, du musst nicht verheimlichen, dass du deinen Job sehr gerne machst“, war meine Antwort.

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Maschine aufbauen und dann geht es den Damen an die „Wäsche“,
Foto Hardi P. Schaarschmidt

Nur noch Messer aufstecken und schon konnte die Aktion „nackte Damen“ beginnen. Gleich bei der ersten Lady hatte Rainer ein Problem. Die Unterwolle löste sich schlecht, so dass der Tag mit richtiger Arbeit begann. Eigentlich hatte ich sechs Stunden mit Pause eingeplant, aber das stand nun auf der Kippe. Doch es lief besser als vermutet. „Der gleiche Herr – die nächste Dame“, nach diesem Motto lief es zügig bis zur ersten Pause.

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Die Chefin beobachtete Rainer ganz genau. Wer ist der Fremde? Was hat er vor?
Foto Hardi P.Schaarschmidt

Pünktlich zur Pause trafen unsere Zaungäste Karin, Tessa und Wilhelm F. ein. Bewaffnet mit Kaffee, Brötchen und guter Laune. Es waren sehr nette, kreative „Schreibtisch-Täter“, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Schafschur live erleben wollten. Wir hatten alle viel Spaß, aber die Schäferromantik hatte ihren Platz mit Arbeit getauscht. Unsere Besucher machten reichlich Fotos und überraschten uns mit liebevoll belegten Brötchen. Zu unserer Verwunderung stand dann plötzlich auch noch ein ganzer Pulk von Menschen vor uns.

„Wow, wo kommt Ihr den aller her?“ „Guten Morgen, wir machen gerade eine Klosterführung und haben gehört, dass hier eine Schafschur stattfindet.“ „Ok, herzlich willkommen.“ Dann prasselten tausend Fragen auf mich ein. Rainer trank in Ruhe seinen Kaffee, unsere Besucher posierten zwischen den Schafen und ich stand Rede und Antwort. Viele schlaue Fragen, aber auch einige, über die man sich schon mal wundern darf.  „Was machen Sie, wenn jetzt plötzlich Wölfe kommen?“
„Ich hole meine Schrotflinte und erschieße alles, was sich meinen Schafen nähert.“ Wenn ich eine Flinte hätte. Eine schlaue Antwort auf eine schlaue Frage.

Nach diesen tiefsinnigen Weisheiten des Lebens war unsere Pause auch schon wieder vorbei und es wartete noch einen Menge Arbeit auf uns. Eine Dame nach der anderen ließ ihre Wolle und, oh Wunder oh Wunder, wir hatten mehr Platz im Stall. Angezogene Frauen nehmen doch schon eine ganze Menge Platz weg. Als ich nebenbei davon erzählte, dass ich nach der Schafschur viel mehr „ausgezogene“ Damen in den Anhänger bekomme, überraschte unsere Besucherin mit der Frage:
„Gilt das auch fürs Bett“?

Rainers Kommentar: „Die Frau überrascht mich positiv.“ und ich bekam einen Lachanfall.

Und wieder ging es zügig voran. Ich reichte die Schafe an, Rainer „zog sie aus“ und unsere Besucher hatten offensichtlich viel Spaß. Ganz besonders erstaunlich war die Wandlung ihrer Tochter Tessa. Als sie bei uns eintraf, hatte sie eine Riesenangst und traute sich nicht an meine Mädels heran. Nach einem Vormittag  – das Foto spricht für sich selbst

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Tessa und Rosemarie, Foto privat

Das war sie also wieder, die Schafschur für dieses Jahr. 100 nackte Damen, ein witziger Schafscherer und die kleine Tessa, die ihre Liebe zu Schafen entdeckt und eine Schaf-Freundin gefunden hat. Die vierbeinige Freundin wurde Rosemarie getauft   – warum, um Himmelswillen, gerade Rosemarie?

Kann eine Schafschur noch besser laufen?
Wohl kaum, denn wir alle hatten eine GUTE Zeit.

Sommerfest mit Freunden

Ja, ich habe auch richtige Freunde und nicht nur meine Hunde und die auf Facebook. Was kann es da Besseres geben, als an einem sonnigen Wochenende mit Freunden zu feiern? Natürlich auf einem Bauernhof, mit Weiden, eigenem Wald, vielen Tiere und großrahmigen, langhaarigen Damen.
(ich meine Schafe)
Dabei fing der Tag recht satirisch an. Noch unterwegs zur Party, musste ich bei den Wegelagerern und Raubrittern Halt machen, an einer Tankstelle. Das Allererste, was mir an diesem Tag entgegen sprang, war Donald Duck, von einigen auch Trump genannt.

Donald Duck Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Donald Duck Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Donald Duck soll die Welt zerstören? Mal ganz ehrlich, kann „DER“ echt sein? Ich für meinen Teil, bin der festen Überzeugung, dass Donald im Weißen Haus eine Marketing Idee von Coca Cola ist und wir bald die Wahrheit erfahren.

Wir hatten zwei Tage eingeplant, Samstag und Sonntag, doch als wir ankamen, war die „unendliche“ Feier schon lange in Gang. Einige reisten bereits Freitag an und blieben bis Montag. Wow- dachte ich und das macht diese Truppe nun schon seit 15 Jahren. Klasse!
Sara & Ralf laden jedes Jahr zu dieser Land-Party ein und sie hat tatsächlich was Besonderes.

Ohne Stress Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Ohne Stress Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Alles ganz ohne Stress, mit Freunden chillen.

Ob lachen, spiele, grillen oder eine Ausfahrt mit der Pferdekutsche, wenn jemand meint, er müsste sich ein paar Stunden auf das „berühmte“ Ohr legen und später wieder dazu kommen – wunderbar.

Haflinger Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Haflinger Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Haflinger/Kutschfahrt Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Haflinger/Kutschfahrt Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Klar wird am Abend auch ordentlich gefeiert. Laut Musik gehört und dem Alkohol „abgeschworen“, doch vorher musste er „vernichtet“ werden. Übernachtungsmöglichkeiten gab es viele. Sofa, Wohnwagen, Zelt, Strohballen oder wie wir im Pferdeanhänger. Unser Schlafplatz hört sich vielleicht komisch an, war aber echt toll. Eine wilde Truppe mit viel Spaß, Lebensfreude und vor allem ganz viel Herz.
Neben Kutschfahrten, Mini- Helikopter und einem beeindruckenden Sportbogen, standen auch diverse „eigenartige“ Spiele auf dem Programm. Ich darf euch sagen, Spaß in Reinkultur. Blödsinn, lustige Freunde und super Wetter – eine explosive Mischung.
Hier eine Auswahl:

Sommerspiele Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Sommerspiele Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Nicht die Olympischen Spiele, aber dafür hatten wir deutlich mehr Spaß. Die größte Herausforderung war hierbei das Kopf-Pingpong, das wahrscheinlich nur zu gewinnen war, wenn man eine Spezialausbildung bei einem Sondereinsatzkommando – SEK durchlaufen hat.

So ein ganz kleines Stück „Heile Welt“, die man irgendwie mit einem Schuss Wehmut verlässt, da nun wieder der ganz normale Wahnsinn wartet. Toll war`s und alle freuen sich jetzt schon auf das nächste Jahr, wenn es dann wieder heißt:

Sommerfest bei Sara & Ralf.
PS.: Ob es wohl nächstes Jahr noch „Donald Duck“ im Weißen Haus gibt?

…manchmal rede ich mit mir selbst

Nein, ich bin nicht „verrückt“ geworden (auch wenn einige vielleicht etwas anderes behaupten), aber manchmal tobt in meinem „Inneren“ eine „angeregte „Diskussion“.
Man, man, man, was habe ich mir bloß dabei gedacht, als ich vor Jahren mit den Schafen angefangen habe?! Ob das wohl alles so richtig war. Natürlich liebe ich meine Schotten, ich meine Schafe, aber sie halten mich ganz schön auf Trapp. Auf der anderen Seite bringen mir diese „Biester“ auch ganz viel Freude und wenn ich so darüber nachdenke, die viele Arbeit macht mir eigentlich auch gar nix aus. Im Gegenteil, irgendwie stellt sich ein seltsames Gefühl der Zufriedenheit ein und genau dafür machen wir das doch alles. Oder?

Denke ich zurück, so muss ich mich am Anfang ziemlich „dumm“ angestellt haben. Bei den ersten Lämmern bin ich gleich in Panik verfallen uns sofort den Tierarzt angerufen. Na ja, besser so als „andersherum“. Die erfahrenen Berufsschäfer bewundere ich nach wie vor, denn sie besitzen nicht nur unglaubliches Schaf-Wissen, sondern auch eine ganz besondere Berufsehre, gepaart mit Leidenschaft und Fleiß. Wenn ich die von mir sehr geschätzte Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein anschaue, bekomme ich fast ein „schlechtes Gewissen“, denn gegen ihren täglichen Arbeits-Wahnsinn habe ich bei meinen „Mädels“ Dauerurlaub. Es geht mir einfach nicht aus den Kopf, was hat Kerstin dazu getrieben, nach ihrem Biologie Studium den Beruf des Schäfers zu erlernen, ihn natürlich abzuschließen und weil sie ja sonst nix zu tun hat (außer ihren 1.000 Schafen) auch noch ihren Schäfermeister zu machen. Hierzu fällt mir nur „wow“ ein und meine vermeintlichen „stressigen Arbeiten“, an den „Damen“, werden auf einmal ganz klein. Hobby Schafhaltung nennt man das wohl. Ich glaube, ich nehme mich manchmal einfach zu „wichtig“. Mit zwei Border Collies 120 Schafe zu bewegen und die Mädels so artgerecht wie möglich zu züchten, ist ja nun auch kein „Hexenwerk“. Ach, manchmal gehen mir so viele Dinge durch den Kopf, dass er fast „explodiert“. Was macht man da, klar, hinsetzen und erst mal in Ruhe eine „Friedenspfeife“ rauchen – quatsch, höchsten ein Bier trinken.

„Baumausreißtag“

„Baumausreißtag“

„Baumausreißtag“

An manchen Tagen könnte man ganze Bäume ausreißen (mit Wurzel) und an anderen, fallen einem ganz „normale Dinge“ schwer – mir zumindest. Ich weiß ja nicht, wie es euch da draußen allen so geht? Mir macht meine „Schinderei“ ziemlich viel Spaß und ich wollte auch nichts anderes tun.
Denke ich so an die guten und erfahrenen Hundetrainer, schießt es mir geradezu blitzartig in den Kopf: „ du musst dich viel mehr mit der Ausbildung beschäftigen, sonst wird das nie was Vernünftiges“. Ok, leichter gesagt als getan, denn was läuft denn sonst noch so „nebenher“? :
120 Schafe, Artikel für zwei Zeitschriften schreiben, den Blog aktuell halten, mein erstes Buch (na ja, die jetzige Arbeit machen eigentlich andere, denn ich bin mit meiner durch) und Hütevorführungen. …wenn ich also mal ein lockeres Wochenende erleben möchte, so melde ich mich, oder besser gesagt meine Hunde, zu einem Trial an. Aufgeregt bin ich schon, aber das ist doch irgendwie positiver „Stress“ und die frühere „Panik“ am Startpfosten, hat inzwischen auch das Weite gesucht. Meinen ersten Start werde ich nie vergessen, denn bereits am Start schossen mir wirre Gedanken durch den Kopf wie: bin ich eigentlich total verrückt geworden, oder die anderen sind alle viel besser als wir, hoffentlich verletzt mein Hund keines der Schafe. Wenn einem 10 Sekunden vor dem Start solche seltsamen „Blitze“ durch den Kopf schießen, kann die ganze Sache eigentlich gar nicht gut gehen. Vielleicht sollte ich mich bei den Starts nach den Sternen richten. Einige schwören ja darauf. Horoskope, Sternzeichen, Aszendent, vielleicht wissen die Bescheid und haben immer den „Durchblick“ – diese Variante weckt bei mir doch den einen oder anderen Zweifel.

Wobei mir schon mal jemand sagte: „Waage Menschen lieben das Schöne“ und ich bin „Waage“. Nicht die, die bei manchen im Bad auf dem Boden steht, sondern am Himmel prangt. Mich fragte tatsächlich mal jemand: „was bist du für ein Sternzeichen“? Ich sagte „Waage“ und die obligatorische Antwort war: „das habe ich mir gleich gedacht“. So so, man kann also sehen was ich für ein Sternzeichen bin…
Wenn ich also das nächste Mal zu meiner Bank gehe und sie mich noch immer ohne Anwendung von Gewalt einlässt, sollte ich vielleicht mit meinem Sternzeichen etwas schummeln und statt „Waage“ das Thema „Schütze“ ins Gespräch bringen. Ich ändere bei den Damen und Herren ganz einfach mein Geburtsdatum und werde fast automatisch zum hofierten Kunden. Beim Schütze Menschen wirkt angeblich der Jupiter als Geburtsplanet und der verheist Wohlstand. Mist, wegen der „Wage“ habe ich also mit meiner Bank immer diese „Meinungsverschiedenheit“. Meine Bank kennt diese „Probleme“ auch schon lange und ich sollte mal etwas unternehmen, um unsere „Beziehung“ zu verbessern. Eine Variante wäre, bei Vollmond Aktien zu kaufen und sie bei Neumond wieder „auf den Markt zu werfen“. Ein noch „besserer Plan“ ist Aktien eines Unternehmens zu erwerben, nach dem man das Horoskop der Firma erstellt hat. Wo bekomme ich aber ihr Horoskop her? Natürlich von einem „ernsthaften Profi“

„Sternengeld“

„Sternengeld“

Dann gibt es Geld von den Sternen – „Sternengeld“

Wann wurde das Unternehmen gegründet, das wäre das „Geburtsjahr“ und wenn ich nun auch noch die Zeit in Erfahrung bringen könnte, wann die Firmengründung unterschrieben wurde, kann doch garnichts mehr schief gehen.

…ich glaube, darüber denke ich nochmal nach

...besser nicht

…besser nicht

Diese Variante verwerfe ich lieber auch gleich wieder

Ach so, ehe ich es vergesse,
zu all dem habe ich auch noch einen sehr guten Freund verloren. Er hat mit mir Schluss gemacht. Wir hatten tolle Jahre, haben viel gemeinsam erlebt, waren in ganz Deutschland unterwegs und haben uns gegenseitig geholfen. Musste ich dringend irgendwo hin, hat er mich ohne zu fragen gebracht und hat er was benötigt, habe ich es ihm gekauft. Wir waren ein tolles Team und das alles soll nun vorbei sein? Na ja, alles hat seine Zeit und die „Welt bleibt bekanntlich nicht stehen“. Ich werde ihn vermissen, auch wenn er mich manchmal Nerven gekostet hat, oder mal wieder nicht in die Gänge kam. Egal, es war toll mit ihm und ich werde noch lange an ihn denken, schließlich hat er mich tausende von Kilometer durch Old Germany gebracht, mein alter Geländewagen – „Leb wohl“

…wie schon gesagt, manchmal rede ich mit mir selbst.

Guten Tag Vergangenheit

Was gibt es doch für tolle Erinnerungen, wenn ich an meine Schulzeit denke. Klar, einige Lehrer waren „Kriegsgegner“, aber einige schätze und kontaktiere ich noch heute. Da ist zum Beispiel meine Deutschlehrerin Frau Schwalbe. Nicht nur das sie einen „fröhlichen“ Namen hat, sondern auch sonst mir im Gedächtnis fest hängen geblieben ist, nicht so wie der Schuldirektor „Sklaventreiber“, ich meine Dr. Förster. Meine Lieblingslehrerin (ja das gibt es) habe ich sogar vor einigen Wochen besucht, so ganz privat. Wir waren herzlich im Umgang, haben uns sofort geduzt und auch sonst, war es ein tolles Aufeinandertreffen. Nur dass die „Schwalbe“ nun im Ruhestand und wie wir alle auch älter geworden ist. Sorry „reifer“

Meine Schule Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Meine Schule Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Nein, das ist nicht das „Weiße Haus“ in den USA, sondern meine Schule.

Manchmal kamen mir die Lehrer damals zwar so vor, als wollten sie die „Weltherrschaft“ übernehmen, was natürlich Quatsch war, aber als Kind erscheint einem die Welt eh in einem ganz anderen Licht. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Denn wir Erwachsenen haben den Schlüssel zu dieser wundervollen, kindlichen Zauberwelt verlegt und werden ihn vermutlich auch nie wieder finden.

Meine Schule Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Meine Schule Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Nach so vielen Jahren wieder durch diese Tür zu gehen…, ein eigenartiges Gefühl.

Dabei kommen einem 1000 Dinge in den Sinn. Selbst der Geruch in der Eingangshalle ist mir plötzlich vertraut, als ginge ich morgens zum Unterricht. Das ist wirklich überraschend und neben dem ganzen „Blödsinn“, den wir damals verzapft haben, erinnere ich mich an ganz viele tolle Bilder. Wow, so überwältigend hätte ich mir das nie vorgestellt. Es ist schon komisch, da läuft man durch seine eigene Vergangenheit und 1000 Erinnerungen, sogar Gefühle kommen zum Vorschein. Ich „sehe“ doch tatsächlich, wie „klein Peter“ durch die Eingangstür läuft und ich war sogar in meinem Klassenzimmer.

Mein Pausenhof Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Mein Pausenhof Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Hier auf dem Pausenhof, haben wir meist unsere „wichtigen“ Pläne für den Nachmittag geschmiedet.

Der „Feind“ Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Der „Feind“ Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Die „Feindliche Leitstelle“

Aus heutiger Sicht würde ich eher sagen: sie haben einen ganz guten Job gemacht. Nicht dass nun jemand auf den Gedanken kommt, diese Einsicht sei „Weisheit“, ich würde eher sagen: es ist das Alter.

Meine Schwester Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Meine Schwester Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Meine Schwester Heike

Und zum Schluss meiner „Yesterday Tour“, der krönende Abschluss. Meine Schwester kommt mir auf dem Flur entgegen. Denn nun arbeitet sie auch in einer dieser ehrwürdigen Hallen und versucht ebenso wie „meine Lieblings Schwalbe“, jugendlichen „Rebellen“, Sinnvolles mit auf den Weg zu geben. Ich könnte sie ja mal fragen, ob es aktuell auch solche „abenteuerlustigen“ Freunde wie uns in diesen „Kathedralen des Wissens“ gibt?!

…ich vermute, JA

Wir waren wild… Teil 3

Erinnerung an eine wunderbare Zeit

Toll, heute ist Samstag! Den an diesem Samstagabend lassen wir es mal wieder so richtig krachen. In den letzten Wochen lang immer irgendwie was an. Ausbildung, Prüfungen, eigenen Disco-Veranstaltungen oder das völlig zerlegte Motorrad wieder zusammenschrauben. Aber am Wochenende lassen wir alles sausen und gehen einem „wilden“ Party-Vergnügungen nach. Quatsch, wir lassen es „krachen“, dass passt besser.
Angefangen hat dieser Samstagmorgen mit der Polizei. Ich wohnte noch bei meinen Eltern und „die Damen und Herren (in „schmucken“ Uniformen) wollen was fragen“, sagte meine überraschte Mutter. Natürlich fielen mir sofort einige kleine „Sünden“ ein, aber gleich die Polizei, das ist schon komisch.

So schlimm kam es dann doch nicht für mich.

So schlimm kam es dann doch nicht für mich.

So schlimm kam es dann doch nicht für mich.

In der Nachbarschaft wurde in zahlreichen Autos eingebrochen und nun gingen sie von Tür zu Tür um nach Hinweisen zu fragen. „Da kann ich leider nicht weiterhelfen“, lautete meine kurze Antwort, denn meine Augen waren „eigentlich“ noch im „Schlaf-Modus“. So zogen die Damen und Herren weiter. Na toll, jetzt bin ich wach. Beim schreiben dieser Erinnerungen fällt mir ein „Vorfall“ ein, der noch gar nicht so lange her ist. Ein befreundetes Ehepaar, lag schon seit längerer Zeit in Scheidung und wie es in einigen Fällen nun mal leider so ist, stritten sie heftig ums Geld. Sie wollte das Haus allein, aber ihn nicht auszahlen. Die Dame des Hauses war schon immer recht resolut aber was sich Sandra da geleistet hat – wow. Die beiden lebten bereits getrennt, er im Haus und sie im Haus ihrer Eltern.
Nach einigen Wochen hörten wir wieder von den Zweien, aber von einem Ereignis, auf dass sicher jeder von uns gern verzichtet hätte. Was war passiert: In den frühen Morgenstunden, donnerte die Tür auf, vermummte und bewaffnete Beamte stürmten das Haus und überraschten Andreas schlafend im Bett. Was für ein Schock! Sandra hatte ihn aus Wut über den Scheidungsverlauf, wegen angeblichem Waffen-Handel angezeigt, was natürlich nicht stimmte, aber auf Grund dieser Anzeige hat ein Sondereinsatzkommando nachts seine Behausung gestürmt und die sehen tatsächlich so aus, wie auf dem Foto. Die „sportlichen“ Beamten haben nur ihren Job gemacht. Welche Spezialeinheit tatsächlich vor Ort war, weiß ich nicht. In jedem Fall haben sie sein halbes Haus zerlegt und er erlebte einen Horrorfilm live. Soviel wie ich weiß, musste seine nun Ex-Frau ziemlich viel Geld für diesen Einsatz zahlen. Denn die Spezialeinheit rückte mit dem vollen „Programm“ an – so wie im Film. Wilde Geschichte, leider war.

Nun wieder zurück zu meinem Party-Samstag. Nach dem Frühstück habe ich mich erst mal meinen weißen Mäusen gewidmet. Nein ich bin nicht „verwirrt“ (glaube ich). In meinem Zimmer wohnten tatsächlich viele weiße Mäuse. Und was soll ich zu diesen niedlichen Nagern sagen? Sie vermehrten sich, zum Ärger meiner Mutter, prächtig. Diese kleinen pfiffigen Kletterkünstler, hatten sogar herausgefunden, wie sie unbemerkt ihre Behausung verlassen können, um die Umgebung zu erkunden – der Alptraum aller Eltern.

Eine wilde Party-Nacht

Eine wilde Party-Nacht

Eine wilde Party-Nacht

Dann ging es aber los, mit den Vorbereitungen für die „Nacht der Nächte“. Die coolste Jeans, das beste T-Shirt, Turnschuhe und natürlich meine alte Lederjacke. Meine Mäuse waren versorgt und es stand ein Abenteuer bevor – „Samstagnacht“.
Wo übernachtet man mit einer „lustigen Truppe“ nach einer Party-Nacht? Natürlich bei demjenigen, dessen Eltern gerade im Urlaub sind. Also ging es in den frühen Morgenstunden zu Andrea`s Elternhaus und im Schlepptau hatten wir etwa 14 mehr als nur gut gelaunte Freunde. Ich glaube es waren 14, aber so genau weiß ich das nicht mehr… Angekommen, wurde zunächst die Küche in Beschlag genommen. So eine Nacht macht hungrig. Anschließend fütterten wir Fische und den Hamster (Olaf die Fische mit zwei Äpfeln). Warum? Dass konnte er auch nicht genau sagen, aber wir hatten viel Spaß und um Spaß geht es ja schließlich. Ich bin der festen Überzeugung: hat man in der Jugend keinen Spaß oder gar eine bedauernswerte Jugend, ist der Start für das Leben eine „Fehlzündung“. Eine tolle Jugend ist halt nun mal ein solides Fundament, für das Abenteuer was wir Leben nennen.
Erinnerungen an eine wunderbare Zeit. Je mehr ich darüber schreibe, desto mehr wundersame Ereignisse öffnen kleine Türchen in meinem Kopf. Die Reise, in eine ereignisreiche Vergangenheit, hat wohl erst begonnen und somit werde ich wohl noch viele wunderbare Geschichten aus meiner Jugend aufschreiben…

Wir waren wild.