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…manchmal rede ich mit mir selbst

Nein, ich bin nicht „verrückt“ geworden (auch wenn einige vielleicht etwas anderes behaupten), aber manchmal tobt in meinem „Inneren“ eine „angeregte „Diskussion“.
Man, man, man, was habe ich mir bloß dabei gedacht, als ich vor Jahren mit den Schafen angefangen habe?! Ob das wohl alles so richtig war. Natürlich liebe ich meine Schotten, ich meine Schafe, aber sie halten mich ganz schön auf Trapp. Auf der anderen Seite bringen mir diese „Biester“ auch ganz viel Freude und wenn ich so darüber nachdenke, die viele Arbeit macht mir eigentlich auch gar nix aus. Im Gegenteil, irgendwie stellt sich ein seltsames Gefühl der Zufriedenheit ein und genau dafür machen wir das doch alles. Oder?

Denke ich zurück, so muss ich mich am Anfang ziemlich „dumm“ angestellt haben. Bei den ersten Lämmern bin ich gleich in Panik verfallen uns sofort den Tierarzt angerufen. Na ja, besser so als „andersherum“. Die erfahrenen Berufsschäfer bewundere ich nach wie vor, denn sie besitzen nicht nur unglaubliches Schaf-Wissen, sondern auch eine ganz besondere Berufsehre, gepaart mit Leidenschaft und Fleiß. Wenn ich die von mir sehr geschätzte Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein anschaue, bekomme ich fast ein „schlechtes Gewissen“, denn gegen ihren täglichen Arbeits-Wahnsinn habe ich bei meinen „Mädels“ Dauerurlaub. Es geht mir einfach nicht aus den Kopf, was hat Kerstin dazu getrieben, nach ihrem Biologie Studium den Beruf des Schäfers zu erlernen, ihn natürlich abzuschließen und weil sie ja sonst nix zu tun hat (außer ihren 1.000 Schafen) auch noch ihren Schäfermeister zu machen. Hierzu fällt mir nur „wow“ ein und meine vermeintlichen „stressigen Arbeiten“, an den „Damen“, werden auf einmal ganz klein. Hobby Schafhaltung nennt man das wohl. Ich glaube, ich nehme mich manchmal einfach zu „wichtig“. Mit zwei Border Collies 120 Schafe zu bewegen und die Mädels so artgerecht wie möglich zu züchten, ist ja nun auch kein „Hexenwerk“. Ach, manchmal gehen mir so viele Dinge durch den Kopf, dass er fast „explodiert“. Was macht man da, klar, hinsetzen und erst mal in Ruhe eine „Friedenspfeife“ rauchen – quatsch, höchsten ein Bier trinken.

„Baumausreißtag“

„Baumausreißtag“

„Baumausreißtag“

An manchen Tagen könnte man ganze Bäume ausreißen (mit Wurzel) und an anderen, fallen einem ganz „normale Dinge“ schwer – mir zumindest. Ich weiß ja nicht, wie es euch da draußen allen so geht? Mir macht meine „Schinderei“ ziemlich viel Spaß und ich wollte auch nichts anderes tun.
Denke ich so an die guten und erfahrenen Hundetrainer, schießt es mir geradezu blitzartig in den Kopf: „ du musst dich viel mehr mit der Ausbildung beschäftigen, sonst wird das nie was Vernünftiges“. Ok, leichter gesagt als getan, denn was läuft denn sonst noch so „nebenher“? :
120 Schafe, Artikel für zwei Zeitschriften schreiben, den Blog aktuell halten, mein erstes Buch (na ja, die jetzige Arbeit machen eigentlich andere, denn ich bin mit meiner durch) und Hütevorführungen. …wenn ich also mal ein lockeres Wochenende erleben möchte, so melde ich mich, oder besser gesagt meine Hunde, zu einem Trial an. Aufgeregt bin ich schon, aber das ist doch irgendwie positiver „Stress“ und die frühere „Panik“ am Startpfosten, hat inzwischen auch das Weite gesucht. Meinen ersten Start werde ich nie vergessen, denn bereits am Start schossen mir wirre Gedanken durch den Kopf wie: bin ich eigentlich total verrückt geworden, oder die anderen sind alle viel besser als wir, hoffentlich verletzt mein Hund keines der Schafe. Wenn einem 10 Sekunden vor dem Start solche seltsamen „Blitze“ durch den Kopf schießen, kann die ganze Sache eigentlich gar nicht gut gehen. Vielleicht sollte ich mich bei den Starts nach den Sternen richten. Einige schwören ja darauf. Horoskope, Sternzeichen, Aszendent, vielleicht wissen die Bescheid und haben immer den „Durchblick“ – diese Variante weckt bei mir doch den einen oder anderen Zweifel.

Wobei mir schon mal jemand sagte: „Waage Menschen lieben das Schöne“ und ich bin „Waage“. Nicht die, die bei manchen im Bad auf dem Boden steht, sondern am Himmel prangt. Mich fragte tatsächlich mal jemand: „was bist du für ein Sternzeichen“? Ich sagte „Waage“ und die obligatorische Antwort war: „das habe ich mir gleich gedacht“. So so, man kann also sehen was ich für ein Sternzeichen bin…
Wenn ich also das nächste Mal zu meiner Bank gehe und sie mich noch immer ohne Anwendung von Gewalt einlässt, sollte ich vielleicht mit meinem Sternzeichen etwas schummeln und statt „Waage“ das Thema „Schütze“ ins Gespräch bringen. Ich ändere bei den Damen und Herren ganz einfach mein Geburtsdatum und werde fast automatisch zum hofierten Kunden. Beim Schütze Menschen wirkt angeblich der Jupiter als Geburtsplanet und der verheist Wohlstand. Mist, wegen der „Wage“ habe ich also mit meiner Bank immer diese „Meinungsverschiedenheit“. Meine Bank kennt diese „Probleme“ auch schon lange und ich sollte mal etwas unternehmen, um unsere „Beziehung“ zu verbessern. Eine Variante wäre, bei Vollmond Aktien zu kaufen und sie bei Neumond wieder „auf den Markt zu werfen“. Ein noch „besserer Plan“ ist Aktien eines Unternehmens zu erwerben, nach dem man das Horoskop der Firma erstellt hat. Wo bekomme ich aber ihr Horoskop her? Natürlich von einem „ernsthaften Profi“

„Sternengeld“

„Sternengeld“

Dann gibt es Geld von den Sternen – „Sternengeld“

Wann wurde das Unternehmen gegründet, das wäre das „Geburtsjahr“ und wenn ich nun auch noch die Zeit in Erfahrung bringen könnte, wann die Firmengründung unterschrieben wurde, kann doch garnichts mehr schief gehen.

…ich glaube, darüber denke ich nochmal nach

...besser nicht

…besser nicht

Diese Variante verwerfe ich lieber auch gleich wieder

Ach so, ehe ich es vergesse,
zu all dem habe ich auch noch einen sehr guten Freund verloren. Er hat mit mir Schluss gemacht. Wir hatten tolle Jahre, haben viel gemeinsam erlebt, waren in ganz Deutschland unterwegs und haben uns gegenseitig geholfen. Musste ich dringend irgendwo hin, hat er mich ohne zu fragen gebracht und hat er was benötigt, habe ich es ihm gekauft. Wir waren ein tolles Team und das alles soll nun vorbei sein? Na ja, alles hat seine Zeit und die „Welt bleibt bekanntlich nicht stehen“. Ich werde ihn vermissen, auch wenn er mich manchmal Nerven gekostet hat, oder mal wieder nicht in die Gänge kam. Egal, es war toll mit ihm und ich werde noch lange an ihn denken, schließlich hat er mich tausende von Kilometer durch Old Germany gebracht, mein alter Geländewagen – „Leb wohl“

…wie schon gesagt, manchmal rede ich mit mir selbst.

Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein unter Tränen

Das macht mich so richtig sauer und geht alle Schafhalter an. Ganz besonders geht es aber auch stellvertretend allen Berufsschäfern an den „Kragen“. Wenn schon solche hoch qualifizierten und umtriebigen Schäfereien sterben, ist es für die letzten verbliebenen Betriebe auch nur noch eine Frage der Zeit.

Kerstin Doppelstein, die letzte Schäferin

Kerstin Doppelstein, die letzte Schäferin

Gestern erhielt ich eine E-Mail, mit der ganzen Wahrheit über die Arbeit und dem Desaster der von mir so sehr geschätzten Schäfermeisterin und studiertem Biologin Kerstin Doppelstein: Vor drei Tagen sprach Kerstin vor Hunderten von Zuhörern an einem ganz besonderen Ort in Großenhain, wo sie selbst zur Schäfermeisterin ausgebildet wurde  – ihrem Traumberuf. Neben Kollegen saßen auch hochrangige Persönlichkeiten aus der Politik und der Staatssekretär im Publikum. Als sie am Rednerpult das Wort ergriff, war es beängstigend still und nachdem die gestandene Schäfermeisterin ihre Tränen nicht mehr zurückhalten konnte, begann ein tosender Beifall. Das war vor vier Tagen.

Begonnen hat Kerstin Doppelstein mit 28 Tieren und 1,5 Hektar. Sie baute ihren Betrieb in den vergangenen Jahren auf über 600 Muttertieren und  300 Hektar Landschaftspflege aus. Als ich das letzte mal mit ihr gearbeitet habe, hatten wir über 1.000 Tiere zu betreuen und die Arbeit schien kein Ende zu nehmen. Obwohl sie häufig nur vier Stunden schläft, ständig arbeitet, zehrten einige zusätzliche Probleme ganz besonders an ihrer Substanz. So ist ihr unverständlich, weshalb eine EU-Förderrichtlinie zu Weideland und Dauergrün so ausgelegt wird, dass sie die dazugehörige Betriebsprämie nur für einen Teil ihrer Flächen erhält. Obwohl sie alle auf die gleiche Art und Weise mit Schafen beweidet.

Kerstin Doppelstein, die letzte Schäferin

Kerstin Doppelstein, die letzte Schäferin

Zu all dem nehmen die Behörden zu viel Rücksicht auf Beschwerden von Personen, die alles habe, nur leider kein Schaf-Wissen. Etliche irrwitzige Gespräche mit dem  verantwortlichen Amt haben deshalb schon Unmengen an Zeit verschlungen. Zum Beispiel klang das so: „Frau Doppelstein, ein aufmerksamer Bürger ist der Meinung, er kann spüren, dass es Ihren Schafen nicht gut geht. Er erkennt es daran, dass sie so traurig gucken. Ich halte davon auch nicht viel, aber wir müssen dem nachgehen. Könnten Sie bitte irgendetwas tun, damit Ihre Schafe fröhlicher gucken?“

Wortwörtlich und tatsächlich genau so passiert.

Was sich wie ein Witz anhört, behindere die Arbeit immer massiver. 2013 erhielt Kerstin den Umweltpreis für ihr Projekt „Hutewald am Cospudener See“. Durch den Einsatz ihrer Bio-„Rasenmäher“ – darunter 20 Yaks – entsteht auf früherem Tagebaugebiet eine Landschaft, in der bereits wieder der Kuckuck oder der sehr seltene Wendehals ihren Nachwuchs aufziehen.

Weitere „aufmerksamer Bürger“ haben beim Landwirtschaftsministerium angezeigt, dass für 300 Coburger Fuchsschafe, die den letzten Winter nahe des BMW-Werks verbringen sollten, ein Witterungsschutz fehle. Die Behörden-Maschine setzte sich in Gang. Eine Kontrolle vor Ort ergab: Nichts zu bemängeln, alles in Ordnung. Dennoch wurde der Schäferin geraten, bei der nächsten Anzeige mit den Tieren besser in einen Stall zu wechseln. Kerstin wollte die Herde daher vorsichtshalber auf Weideflächen im Stöhnaer Becken umsetzen. Dort verlangte das zuständige Amt des Landkreises einen ganzjährigen Witterungsschutz. Dabei würde der Bau solcher Anlagen in dem Naturschutzgebiet, wo Kraniche brüten, vom Umweltamt niemals erlaubt. Und wäre nach ihrer Überzeugung auch für die Tiere nicht gut.

Soviel zum Thema Unterstützung und realitätsferner Auflagen.

Diese fast film-reifen Erlebnisse mit den Behörden brachten irgendwann selbst eine Kerstin Doppelstein an ihre Grenzen und macht mich so richtig sauer, denn wenn eine „hart gesottene „ Schäfermeisterin vor Hunderten Zuhörern in Tränen ausbricht, ist das nicht hinzunehmen.

Wenn ihr Kerstin Doppelstein unterstützen möchtet, so sendet bitte ein Mail an die Stadtverwaltung Leipzig und bekundet eure Unterstützung für die letzte Leipziger Schäfermeisterin, Kerstin Doppelstein.

 

„Sei stets bereit für das Unerwartete“.

Von Anne Krüger, über Hans-Jürgen Werbke, bis hin zu Birgit Bethmann, alle hatten einmal Schockmomente.

Kontrolle, dass muss wohl unser aller heimlicher oder unheimlicher Wunsch sein. Dumm nur, dass dies immer ein frommer Wunsch bleiben wird. Warum? Ganz einfach, weil das Leben nach seinen eigenen Regeln spielt. Wir können zwar in manchen Bereichen die Regeln etwas verändern, aber den tatsächlichen Stundenplan kennen wir nicht und es passieren Dinge, über die man im günstigsten Fall einfach nur den Kopf schütteln kann. Ich bezeichne jeden Tag gern als eine Wundertüte, denn ganz besonders bei der Arbeit mit Tieren, sind Überraschungen das eigentliche Programm. Es soll aber jeder gern an seiner Illusion festhalten, er habe alles unter Kontrolle. Meine Erkenntnis sieht da ganz anders aus. „Sei stets bereit für das Unerwartete“.

Diejenigen, die „versuchen“ ihr ganzes Leben bis in jede Einzelheit zu planen und „immer“ perfekt unter Kontrolle haben wollen, sind entweder Bürokraten, die keinen Spaß am Leben haben oder ganz einfach weltfremd. Klar sollten wir eine gewisse Ordnung halten und selbstverständlich sollten wir vorausschauend handeln, aber hey, das Leben ist kein Taschenrechner  – digital und immer korrekt. Es ist schön und lebenswert, aber auch mies und unfair.

Hier einige wundersame Überraschungen, die uns den Kopf schütteln lassen.

Anne Krüger

Anne Krüger Ⓒ noz

Anne Krüger Ⓒ noz

Anne und ihr Mann trieben ihre 600 Scottish-Blackface-Schafe entlang einer Nebenstraße um. Alles ist geplant, jeder weiß genau, was zu tun ist und alles wurde auch schon viele Male durchgeführt. Nie ist etwas passiert, doch an einem Tag trauten sie ihren Augen nicht. Dessen ungeachtet die Straße vollkommen von Schafen ausgefüllt war und die Herde vorn wie hinten Begleiter hat, fährt ein wild gewordener Autofahrer mitten hinein, um sich seinen Weg zu erzwingen. Er hatte es eilig. Voller Entsetzen und natürlich wütend, schlug Annes Mann mit dem Hütestock auf seine Motohaube, bis er mitten in der Herde zum Stehen kam. Ihr seht, nicht nur unser Erfindungsreichtum kennt keine Grenzen, sondern auch unsere Dummheit.

Hans-Jürgen Werbke

Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Anja Winar

Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Anja Winar

Der Border-Collie-Trainier und Wettkämpfer, Hans-Jürgen Werbke, kaufte sich eine Hündin, die nur wenige für so hoffnungsvoll angesehen hatten, dass sie mit ihrem Talent Siege erringen könnten. Doch er sah diese Hündin „Jill“ anders. Arbeitetet, trainierte und kommunizierte mit ihr und schon nach kurzer Zeit wurde dieses Team Deutscher Meister. Nach der Freude, über das erfolgreiche Trainingsprogramm, der Schock, sie hatte einen bösartigen Tumor. Jill musste eingeschläfert werden.  Unfassbar!

Trial in Kulmbach

Auf einem Trial in Kulmbach welcher mir ziemlich viel Spaß gemacht hat (Viele Grüße nach „Oberfranken “), stand ein Team voller Zuversicht am Startpfosten, doch der Handler wusste nur noch nicht, dass er sich in 30 Sekunden vor Staunen die Augen reiben wird. Die Schafe wurden gestellt, standen zur „Abholung“ bereit und der Handler gab das Kommando zum Outrun. Wow, lief der Hund schnell los, doch leider nicht zu den Schafen, sondern direkt und auf schnellstem Weg in den Wald -…und da blieb er auch. Mit aufgerissenen Augen stand der Handler noch immer regungslos am Startpfosten und war sprachlos. Der Hund hatte wohl andere Pläne.

Kerstin Doppelstein

Schäfermeisterin und studierte Biologin Ⓒ Kerstin Doppelstein

Schäfermeisterin und studierte Biologin Ⓒ Kerstin Doppelstein

Eine große Überraschung erlebte auch Berufsschäferin Kerstin Doppelstein. Die von mir sehr geschätzte Idealistin trieb ihre Hauptherde von 650 Tieren um und alles lief wie immer, ohne Hektik, Stress oder sonstigen Überraschungen. Alles war „unter Kontrolle“.
Plötzlich schreckten die Schafe zusammen, ohne jegliche Vorwarnung oder Ankündigung und sofort setzten sich 650 Damen in Bewegung. Nur das die Mädels nicht nur ins Laufen kamen, sondern schneller und immer schneller wurden, bis sie in einem Katapultstart alle in Endgeschwindigkeit unterwegs waren. Das alles war schon schlimm genug,  aber die ganze Herde bewegte sich in beängstigender Geschwindigkeit auf eine stark befahrene Bundesstraße zu. Kerstin war geschockt und musste sich erst mal sammeln, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. Ihr blieb aber nicht viel Zeit, um eine Katastrophe abwenden zu können. Glücklicherweise hatte sie an diesem Tag mehr Hunde mit dabei als üblich und nur einen Gedanken „Die müssen die Herde stoppen“. Sie machte blitzschnell alle Hunde los und gab ihnen das Kommando, die wild gewordene Truppe aufzuhalten. Alle Schäferhunde „donnerten“ los. Wobei man wissen muss, bei über 650 Schafen müssen die Hunde von Kerstin anders arbeiten, als wir es von unseren Border Collies gewohnt sind. Von ihren 10 Hunden sind einige, sagen wir mal vorsichtig, „nicht nett“ und für Außenstehende recht gewöhnungsbedürftig, aber in diesem Fall die „Rettung“.

Doch wieder zurück  zur „Schaf-Lawine“, die in Endgeschwindigkeit auf die stark befahrene Bundesstraße zu galoppierte. Die losgelassenen Hunde preschten wie von der Tarantel gestochen in Richtung Herdenspitze und wurden von Kerstins panischem Gebrüll angetrieben. Sie erreichten tatsächlich die ersten Schafe bevor sie die Bundesstraße überqueren konnten und stellten sich mit wirklich beängstigender Aggressivität vor die Herde. Diese Hunde müssen auf die Schafe derart schockierend gewirkt haben, dass sie abrupt stoppten und die Katastrophe ausblieb. Es glich einem Wunder, denn die Hunde haben geschafft, was eigentlich nicht zu schaffen war. Ein „Schockerlebnis“, an das Kerstin Doppelstein noch lange denken wird.

Birgit Bethmann

Birgit Bethmann /Connor Ⓒ Birgit Bethmann

Birgit Bethmann /Connor Ⓒ Birgit Bethmann

Die Agility-Sportlerin, Birgit Bethmann, aus Liebenau in Niedersachsen, befand sich am 19. Oktober 1996 mit ihrem Hund Connor auf einem Turnier in den Dortmunder Messehallen. Sie versuchte gerade abzuschalten, was bei solchen Events alles andere als leicht ist. Da schallte durch den riesigen Komplex eine Durchsage: „Die Starterin Birgit Bethmann melde sie sich bitte umgehend in der Zentrale. Starterin Birgit Bethmann bitte in die Zentrale“. Solche öffentlichen Nachrichten haben noch niemanden beruhigt und bedeuten in der Regel unangenehme Überraschungen und Stress. Vollkommen aufgeregt, bei der an Konzentration und professionelles „Abschalten“ nicht mehr zu denken war, stand sie in Windeseile vor der Tür der Veranstaltungsleitung und trat ein. Was sie dann zu hören bekam, möchte keiner von uns erleben. „Frau Bethmann, wir haben eben einen Anruf erhalten, ihr Haus brennt“.

Bei diesem Brand entstand ein Schaden in Höhe von 120.000,-€. Nach langer Suche wurde der Übeltäter auch gefunden. Es war ein Kabel in der Zwischendecke.

Frederik Chance

Diese „wundersamen Dinge“ passieren aber nicht nur bei der Arbeit mit unseren Tieren, sondern im ganzen Leben. Wie sollt man sonst einen Vorfall aus dem Jahre 1974 in Worcester bezeichnen, bei dem sich etwas ereignete, was mit normaler Logik nicht mehr zu erklären ist. Es war Ende Oktober 1974. Das Wetter war wie immer zu dieser Zeit ungemütlich und in den frühen Abendstunden hatten es zwei Männer ganz besonders eilig. Der eine wollte seine Frau abholen und war bereits viel zu spät und der andere kam von der Arbeit und wollte so schnell wie möglich nach Hause. Beide waren mit ihren Gedanken ganz wo anders. Die zwei Fahrer kannten sich nicht, doch in 5 Minuten sollten sie sich gegenüberstehen und mit großen Augen anschauen.

Die beiden Herren waren im Süden von Worcester unterwegs und in den Straßen war wenig Verkehr. Nur der leichte Regen forderte das Glück der viel zu schnellen Autos heraus.  Nicht nur Pfützen und Matsch waren Schicksalsboten, sondern auch der gelegentliche Rollsplitt. An einer Straßengabelung rasten die zwei „Fremden“ unaufhaltsam aufeinander zu und in wenigen Sekunden kreuzten sich ihre Schicksale. Zwei Leben werden aufeinander treffen, die danach für immer verbunden sein werden. Quietschen, krachen und metallische Geräusche, dann ist es still. Aus einem der Wagen hört man lautes fluchen, in dem anderen ist es still  – doch dann öffnen sich beide Autotüren und zwei Herren schleppen sich auf die Straße. Als sie sich gegenüberstehen, verfallen sich schlagartig in eine Schock Starre, denn sie sahen sich so ähnlich, wie ein „Ei“ dem anderen. Nachdem sie sich wieder gesammelt hatten, holten sie ihre Papiere heraus und staunten noch mehr, denn sie hießen beide Frederik Chance. Sie waren früh getrennte eineiige Zwillinge. Dieser Unfall wurde am 26. Oktober 1974 von der Polizei in Worcester aufgenommen.

Solche oder andere „wundersamen Überraschungen“ stehen bei jedem von uns einmal vor der Tür und wirbeln alle sorgfältigen Planungen komplett durcheinander.

Sei stets bereit für das Unerwartete,
denn jeder Tag ist eine Wundertüte.