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Erfolg

Überdenken, prüfen und planen, alles gut, aber manchmal kommen wir einfach nicht dazu „es“ zu tun. Was? Das, was man schon immer machen wollte. Seien wir mal ehrlich zu uns selbst, die meisten „Ausreden“ sind doch für das eigene Innenleben. Dieser kleine Wichtigtuer, tief in uns drin, hält uns vom Tun ab   – auch wieder so eine Ausrede.

Was ist es dann also, das uns von Erfolgen abhält?

Wenn wir das ganz genau wüssten, wären wir nicht nur allwissend, sondern auch die bekanntesten Menschen unseres blauen Planeten. Talent und den Willen zum Erfolg haben viele, doch nur ein ganz kleiner Teil der „Willigen“, werden zur Speerspitze und damit zu den Besten ihres Fachs.

Eigentlich ist der Unterschied zwischen denen die es wollen und den anderen die es schaffen gar nicht so groß, denn sie trennt meist nur ein winzig kleiner „Funke“. Das Geheimnis liegt anscheinend in der Aktion, „wenn du eine Sache erledigen willst, dann erledige sie“. Das soll alles sein? Ja, so sieht es aus und soll hinter den meisten erfolgreichen Menschen stecken. Sie töten in ihrem inneren alle widerspenstigen Stimmen, setzen Scheuklappen auf und marschieren auf ihr Ziel los. Oft ohne Rücksicht auf Verluste, bei sich und manchmal auch bei anderen. Sie tun es einfach. Wissenschaftler versuchen mit Hochdruck herauszufinden, was bei denjenigen der genaue Antrieb ist, aber wie es bei vielen Themen so ist, haben wir bisher nicht die geringste Ahnung  – zumindest nicht, was in den Grauen-Zellen vor sich geht.

Eines scheint aber fest zu stehen, es hat nicht mit unseren körperlichen Fähigkeiten zu tun. Ok, will man weltbester Schwimmer werden, sollt man schwimmen können und das auch ziemlich gut, aber der wirkliche Unterschied liegt ganz wo anders. Viele nennen es „Der Wille“, andere „Durchsetzung“, dabei liegt der Schlüssel vermutlich an einer ganz anderen Stelle, im „Geist“. Hey, was ist das nun wieder? Zur allgemeinen Beruhigung, es hat nichts mit der sogenannten Intelligenz zu tun, sondern wie diese „Grauen Zellen“ das „Inneren Ich“ arbeitet. Nun wird es etwas wissenschaftlich, aber dennoch spannend. Unsere Schaltzentrale ist bekanntlich das Gehirn, dazu kommen noch anderen „Entscheider“,  aber auf das wirklich „ICH“ haben wir leider keinen direkten Zugang. Wir die „Normalos“ sagen dazu auch „Das Unterbewusstsein“. Dieser unsichtbare Zwilling steuert also nicht nur das eigentliche „ICH“, sondern auch alles das, was wir tun   – oder auch nicht.

Einer der spektakulärsten Auswirkungen sind bei dem Thema Erfolg, nicht nur die Einstellung zum Training also der Wiederholung, sondern vor allem der Fokus. Was ist das nun wieder?

Überraschung  -Das ist der „Schlüssel zum Schloss“!

Ehe wir uns in 1000 wissenschaftlichen Analysen und Fakten verlieren, hier ein Beispiel aus dem ganz normalen Alltag. Möchte man einen sehr gut ausgebildeten Hund haben, muss man „Am Ball“ bleiben, denn die Ausbildung macht sich nicht von allein und schon gar nicht das richtige-schlaue Training. Vor noch gar nicht so langer Zeit, traf ich regelmäßig zum Beispiel Stefan (Ostholt) auf den Klasse 1 Trials. Wir waren mit unseren Hunden gut dabei und überlegten bald in die K2 zu wechseln. Stefan schätze ich sehr, denn er geht super mit seinen Tieren um und ist auch sonst ein toller Kollege. Heute, über ein Jahr später, gehe ich weniger auf Trials, bin in der Ausbildung kaum weitergekommen, doch Stefan hat mit seinen Hunden einen Rießen Sprung nach vorn gemacht und dies auch noch mit dem richtigen Augenmaß, Geduld und nicht mit zu viel Druck. Ich freue mich immer sehr, Stefan zu treffen und drücken ihm auch weiter hin die Daumen.

Stefan Ostholt /ganz links Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Stefan Ostholt /ganz links Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Stefan Ostholt /ganz links. Herzlichen Glückwunsch und Beifall

Was ist passiert? Stefan ist mit seinem Hunden kontinuierlich und vor allem mit einem Fokus (was Trials betrifft) an das Training herangegangen und bei mir sind in dieser Zeit andere Schwerpunkte ins Leben „getreten“. Mein aktueller Fokus liegt zurzeit bei anderen Dingen, so dass ich auch dieses Jahr nicht so intensiv trainiere, wie ich mir das am Anfang meiner Reise in das Border Collie Wunderland gedacht habe. Alles hat eben seine Zeit, doch setz man neben der Wiederholung nicht einen Fokus, darf man auch keine Wunder erwarten. Zu Hause klappt die Arbeit meiner vierbeinigen Kollegen sehr gut und sind dabei auch ganz happy, aber für gute Trials reicht es eben noch nicht.

Ob nun erfolgreiche Sportler, Musiker oder Hundetrainer, alle diese Spezialisten haben uns mindestens drei Dinge voraus:  Erfahrung  –  Wiederholung  –  Fokus   …und wie kommen wir nun an diese drei „Wunder-Zutaten“?

Erfolg hat drei Buchstaben

Erfolg hat drei Buchstaben TUN

Wobei nicht der Erfolg   – sonder TUN das Wichtigste ist.

Zunächst definieren wir einmal genau den Begriff „Erfolg“. Nun wird es kompliziert, denn die Herren Wissenschaftler wollten es natürlich wieder ganz genau wissen und haben versucht, Erfolg „wissenschaftlich“ zu erklären. Erfolg wird als das Erreichen eines definierten Ziels verstanden. So wird als Erfolgreicher Mensch nicht der Wohlhabende angesehen, der aufgrund äußerer Umstände (Erbschaft, Lottogewinn) Luxusautos, Villen oder gesellschaftliches Ansehen erkaufen kann, sondern.  Erfolgreich ist, wer Erfolg hat, in Geschäft, Politik oder privaten Beziehungen. Prinzipiell kann Erfolg als ein Beitrag zur Steigerung der Überlebensfähigkeit angenommen werden. (Na-ja, so ganz stimmt das ja wohl in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr)

Auweia, dass hört sich alles ziemlich nüchtern an, dabei explodieren wir innerlich geradezu, wenn wir mit dem Erfolg Bekanntschaft machen. Bei aller Erfolgs Hysterie muss man doch auch mal fragen: Stellen wir inzwischen den allgemein, anerkannten „Erfolg“ über alle anderen Bereiche des Lebens?

Erfolg ist etwas tolles, aber nicht das Wichtigste.

Darüber sollten wir mal nachdenken…

 

Ruhm, Ehre und Geld

Anne Krüger, Eckhard Sievers, oder Serge van der Zweep sind Border Collie „Dirigenten“, was ist aber an diesen „Dirigenten“ so anders? Sind sie genial? Quatsch, natürlich nicht. Wobei Serge van der Zweep schon in einer ganz besonderen Liga spielt. Aber Vorsicht, bei manchen Supertalenten gilt meine „Albert Einstein-Regel“. In dieser einen Sache sind sie außergewöhnlich, fantastisch und unglaublich, aber im normalen Leben manchmal recht gewöhnungsbedürftig. Albert Einstein war in seinem Fach ein Genie, als Mensch und Familienvater „gewöhnungsbedürftig“ bis mangelhaft.

Ich will damit sagen, diese “Border Collie Einsteins“ kochen im normalen Leben auch nur mit H²O und  nur in dieser speziellen „Disziplin“ laufen sie übers Wasser. Wenn aber respektvolle Wertevorstellungen, Erfahrung und dieses außergewöhnliches Talent aufeinandertreffen, ist das schon etwas Besonderes und formt außergewöhnliche Menschen. Leider treffen diese drei Umstände nur sehr selten aufeinander, sondern gehen sich meist wie Erzfeinde aus dem Weg. Auf Beispiele möchte ich an dieser Stelle besser verzichten, sonst ernte ich zahlreiche „Unmutsbekundungen“. Das zu unterlassen hat mir eine leise Stimme ins Ohr geflüstert  …die aber nichts mit Kobolden zu tun hat, sondern hinter einem Schreibtisch mit vielen Aktenbergen sitzt.

…na, ihr wisst schon.

Jeder lehne sich einmal auf seinem Stuhl zurück und denke an sein Umfeld. Betrachtet ganz neutral das Leben der kennengelernten Border Collie Spezialisten, denn nur das ganze Bild verkörpert sein handeln. Egal was dabei herauskommt  (Überraschung inklusive), ihre besondere Art mit diesen vierbeinigen Kollegen umzugehen bleibt bestehen.

Border Collie bei der Arbeit Ⓒ Jasemin Be

Border Collie bei der Arbeit Ⓒ Jasemin Be

Jubeln wir also nicht blind, sondern freuen uns, dass wir auch solche Border Collie Dirigenten unter uns haben. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, aber halten wir es doch wie mit der Ausbildung unserer Hunde: stärke die Stärken. Meine drei Beispiele machen da keine Ausnahme. Anne ist eine begnadete Tiertrainerin, Eckhart hat den uneingeschränkten Leistungswillen und Serge hat ein außergewöhnliches Gefühl für diese außergewöhnlichen Hunde. Es gibt aber auch Hundeführer, die lassen für Wettkampf Punkte wirklich alles sausen, Familie, Ausbildung oder Beruf, manche sogar alle drei. Wofür? Für Ruhm, Ehre und Geld? Was den Ruhm betrifft, so zeigt uns die Statistik eine ernüchternde Zahl. Für die Trial-Ergebnisse interessieren sich ca. 0,00001 % unserer Bevölkerung. Dabei war ich schon sehr „großzügig“ und habe allen ABCD Mitgliedern (Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland) „unterstellt“, stets wissbegierig nach den neusten Trial-Ergebnissen zu fragen. Ich denke, Ruhm sieht anders aus. Die Ehre ist so eine ganz persönliche Angelegenheit und Wettkämpfe waren schon immer ein Schaufenster für die eigenen Ansprüche. Und Geld, was ist mit Geld verdienen? Trials kosten eigentlich nur Geld, aber ist man erfolgreich, könnten die eigenen Welpen besser verkauft werden oder man wird zu einem Seminar eingeladen. Ich staune immer wieder, wo jedes Jahr die vielen Welpen hingehen. Angeblich alle in beste Verhältnisse mit Arbeit am Vieh.

Irgendwie ein Wunder.

Ich sollte mal in Rom beim Vatikan nachfragen, die kennen sich ja mit Wunder gut aus. Haben wir da etwa bestätigte Wunder? Dann kann für Border Collie Züchter die Heiligsprechung beantragt werden.

Anne Krüger und Serge van der Zweep kämpfen mit einem ganz besonderem Phänomen, dass man sich „eigentlich“ erst hart erarbeiten muss: Übertriebene Kritik. Diese zwei „Überflieger“ haben es doch tatsächlich geschafft, von ihrem Talent gut leben zu können und dem zollen wir Respekt. Nun ist aber aus der begnadeten Tiertrainerin, unserer Anne, eine Geschäftsfrau geworden, die auf Trials leider nur noch sehr selten zu sehen ist. Das ist schade. Serge hingegen, hat seinen Kurs beibehalten und segelt als Kapitän auf seiner Erfolgswelle, soweit sie ihn trägt. Dieser Kurs hat ihm schon mehrfach den Titel „bester Handler“ eingebracht und hat mit seinen Hunden so ziemlich alles gewonnen, was man auf unseren blauen Planeten gewinnen kann.

Serge mit seiner Frau Ⓒ Serge van der Zweep

Serge mit seiner Frau Ⓒ Serge van der Zweep

Serge bildet nicht nur aus, sondern handelt auch mit Border Collies und  das lehne ich selbstverständlich reflexartig ab. Man sollte aber immer Fairness walten lassen und seine „Arbeit“ ganz neutral betrachten. Serge ist in der glücklichen Lage, sein großes Talent und seine Leidenschaft zu seinem Beruf machen zu können, wer möchte das nicht. Dieser „Wunderknabe“ muss also damit seinen Lebensunterhalt bestreiten. Das ist doch eine ganz andere Sache, als „nur“ seinen Idealen zu folgen. Die besten Trialisten in unserem Land sprechen voller Hochachtung von ihm und hoffen (im geheimen) irgendwann auch mal so gut wie Serge zu werden. Na-ja, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Dabei hat doch jeder seinen eigenen Weg und seine eigene Art mit diesen vierbeinigen Raketen umzugehen.

In dieser Szene gibt es viele Individualisten, mit denen der Umgang nicht immer ganz so einfach ist. Hierzu  habe ich von Anita Hermes eine wunderbare Umschreibung gehört  – obwohl Anita mit Sicherheit auch zu diesen Individualisten gehört. „Unsere Arbeit ist so speziell, dass sie nur von Individualisten bewältigt werden kann und solche Individualisten passen nun mal nicht mit jedem zusammen“.   (Anita Hermes)

Ok, diese Erklärung leuchtet uns ein, aber ich habe auch Weltklasse Trainer kennen gelernt, die alles andere als exzentrisch oder schwierig waren, im Gegenteil, sympathisch, unkompliziert und sehr bescheiden. Das erinnert mich irgendwie an die Welt der erfolgreichen Schauspieler. Warum? Da gibt es auch die „lieben und schwierigen“ oder die Tom Hanks und Klaus Kinskis  …das lässt mich dann doch wieder nachdenklich werden.

Wir stehen morgens auf und gehen abends ins Bett, dazwischen leben wir unser Leben. Wir erledigen kleine oder große Dinge und hin und wieder verhindern wir sogar Katastrophen. Kein Tag ist wie der andere, aber das ist gut so  – auch wenn wir mal falsche Entscheidungen treffen.

 

 

Anita Hermes, zwischen Kritik und Erfolg

Jeder, in den einschlägigen Kreisen, verbindet mit dem Namen von Anita Hermes zuerst Mitch und die wirklich unzähligen Siege und guten Platzierungen dieses Teams. Inzwischen ist er 9 Jahre alt und es stellt sich die Frage: Gibt es eigentlich einen „Kronprinzen“?  Es gibt ihn, und sein Name ist Roger.

Es war einmal ein kleiner Welpe, der lebte glücklich und zufrieden mit seiner Familie im Harz. Doch eines Tages kam die Zeit, hinaus in die Welt zu ziehen, um große Abenteuer zu erleben. Wie hat es mit Roger und Anita tatsächlich angefangen, wie hat dieser kleine „Wunderknabe“ seine Lektionen gelernt und wie haben die beiden es geschafft zu so einem gut funktionierenden Team zu werden ? Roger ist erst 4 Jahre jung und hat dennoch kürzlich auf einem Internationalen Hütewettbewerb (trotz strengem Richter) die magischen 100 Punkte erreicht. Das sollte uns alle aufhorchen lassen: „Denn Roger ist los“.

Nach einem kurzen Facebookaustausch, haben wir einige Tage später miteinander telefoniert. Wie konnte es anders sein, sie saß im Auto und war mit ihren vierbeinigen „Kollegen“ unterwegs zu einem Trial.

„Hallo Anita, ich wollte dich eigentlich nach einem Treffen fragen, aber ihr seid ja unterwegs?“ „Hi, ja zur Holstein-Meisterschaft, ich hoffe, ich komme gut durch, denn freitags sind Elbtunnel und die vielen Baustellen ein großes Risiko für eine staufreie Fahrt. „Aber auf dem Rückweg könnte ich bei Dir vorbei kommen“, meinte Anita, „doch am Sonntag war ich leider nicht zu Hause.“ Kurzerhand verabredeten wir uns für den darauffolgenden Donnerstag auf ihrer Trainingswiese. „Schön, ich freu mich drauf“, sagten wir fast gleichzeitig, mussten beide lachen und legten auf.

Anita Hermes Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Anita Hermes Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Noch auf dem Weg zu Anita, es regnete mal wieder wie aus Kannen, dachte ich daran, was Mitch so alles gewonnen hat  – echt atemberaubend. Eigentlich müsste er doch von allen Seiten hochgejubelt werden, aber die allgemeinen Beifallsbekundungen halten sich in Grenzen. Während ich so darüber nachdachte, vielen mir viele Fragen ein, die ich Anita unbedingt mal stellen wollte. Ich war gespannt und wenn ich geahnt hätte, was am Abend alles auf den Tisch kommt, wäre ich wohl vor Ungeduld geplatzt.

Ich halte Anita für eine bemerkenswerte Border-Collie-Trainerin mit viel Wissen und Talenten im Umgang mit ihren vierbeinigen Freunden. Dazu gesellen sich aber auch „Reibungsflächen“, die es einigen – nicht positiv Gesinnten – ziemlich leicht machen, ebenfalls ihre Ansichten und Meinungen kund zu tun. An dieser Stelle fällt mir fast automatisch der Satz ein: „Ganz oben wird die Luft dünn“ und Anita ist mit ihren Hunden „oben“.

Treten wir einmal einen Schritt zurück und betrachten das Ganze aus der Ferne und neutral. Anitas Hunde gehören mit zu den erfolgreichsten unserer Republik und das sollten wir auch so wahrnehmen. Zudem gehört sie zu den wenigen Trainern, die mit Rückenwind eines Sponsors in den „Wettkampf“ ziehen. Bei unserem Treffen haben wir auch über die „alten Zeiten“ gesprochen, in denen alles angefangen hat; (Anita und Freunde waren schließlich die Ersten in Old Germany und haben den Verein für diese „Spezialisten“ gegründet). Wie ist das mit den „alten Weggefährten“? Da standen sie noch gemeinsam auf der Trainings-Weide, was heute, vorsichtig und zurückhaltend ausgedrückt, nicht mehr mit allen möglich ist. Wir sprachen an diesem Abend auch noch über viele andere Themen, über die ich zu einem späteren Zeitpunkt berichten werde.

Na ja, nichts bleibt wie es war, denn die Welt dreht sich bekanntlich immer weiter.

Anita Hermes /Hütetraining Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Anita Hermes /Hütetraining Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Mitch hat uns in den letzten Jahren so manches Mal verblüfft und den Mund vor Staunen offen stehen lassen, auch bei einigen heimlichen und unheimlichen Beobachtern und Kritiker. Aber auch seine Zeit ist nicht unendlich. Wen überrascht es da wirklich, dass es bereits einen Kronprinzen gibt, der schon mit den Pfoten scharrt, um in die Welt hinaus zu ziehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch er uns überraschen wird. Bei Anita klingt das dann in etwa so: „Roger passt super zu mir, denn er ist ein junger, starker Hund mit weichem Bewegungsmuster“. Hört sich zunächst sehr „trocken“ an, aber jeder, der Anita näher kennt, weiß, dass diese vierbeinigen Zauberlehrlinge zu ihrem Leben und ihrer Familie gehören.

Roger, der „Kronprinz“ Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Roger, der „Kronprinz“ Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Falls also jemand auf den abwegigen Gedanken kommt, Anita würde „irgendwann mal“ kürzer treten wollen, dem möchte ich nach meinem Treffen sagen: „Ihr werdet weiterhin mit Anita Hermes und ihren Hunden rechnen müssen, auch in einem Finale der Europameisterschaft.“

Eine Trainerin mit unglaublichen Fähigkeiten, aber auch mit zahlreichen Ecken und Kanten. Es ist schon erstaunlich, wenn jemand ein karges auskommen in Kauf nimmt und sein Leben derart auf die Hunde fokussiert, „nur“ um alle Kraft diesen vierbeinigen Spezialisten widmen zu können. Anita Hermes ist extrem, doch besondere Leistungen fordern meist besonderes Handeln.

Aber hey, freuen wir uns einfach darüber, dass auch solche Talente in unserer Nachbarschaft wohnen,

…dann ist alles Roger!

Hütewettbewerb in Kulmbach – südwärts

Was? Wo willst du hin? Kulmbach? Du bist ganz schön „verrückt“, das sind doch bestimmt 400 Km. Na- ja, was sollte ich dazu sagen, die Trial-Gemeinde in unserem „Ländle“ ist sehr überschaubar und im Süden habe ich noch nie am Startpfosten gestanden. Falls also nichts mit meinen Tieren anliegt und sich der Autobahn-Krieg in Grenzen hält – so war der Plan – sollte es südwärts gehen. Kurz vor der Abreise habe ich nochmal meinen Beraterstab zusammengeholt und das waren: Der Autobahndirektor, der Wetter Gott, der Motivationstrainer und der Kassenwart. Was waren ihre Aussagen? Auf der Autobahn findet eine Völkerwanderung statt, das Wetter ist wechselhaft, gute Motivation – sofort losfahren und der Kassenwart: Die Reise ist gestrichen. Das war alles nicht wirklich hilfreich, aber zumindest einen Überblick zum aktuellen Stand. Den Miesmacher Kassenwart ignoriere ich ganz einfach, verbünde mich mit dem Motivationstrainer und packe meine Sachen. Die A7 ist in der Regel so gefährlich, wie ein Minenfeld, doch an diesem Freitagnachmittag hatten sich alle 80 Millionen Bundesbürger am Autobahnkreuz Kassel verabredet. Ich war einer davon und das Ganze glich tatsächlich einer Völkerwanderung  – wenn ich es recht überlege, eher den „Kreuzzügen“, wegen der Aggressionen und so…  Es ging aber besser als gedacht und ich konnte „unbeschadet“ zum angekündigten Vorabendessen erscheinen. Die Wirtschaft war schnell gefunden, denn es gab in diesem Örtchen nur eine. Das allererste was ich gelernt habe, „wir sind nicht in Bayern, sondern in Oberfranken“. Wichtig!  Als ich in die Runde fragte, was man hier so trinkt, erhielt ich von Claudia Gebelein (ganz liebe Grüße) die Antwort: „Radler mit Eigen-Urin“. Ok dachte ich, die „Oberfranken“ sind witzig, deftig und gerade heraus  – das passt.

Blick aus meinem Fenster Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Blick aus meinem Fenster Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

So, der erste Tag ist vorbei. Nette Veranstalter, familiäre Atmosphäre, steiles aber tolles Feld, eine faire Richterin Jeanny und super Schafe. Ich aber, habe eine Lehrstunde zum Thema Hundeausbildung, Geduld, Selbstbeherrschung und Durchhaltevermögen erhalten. Meine Abby war außer Kontrolle und ich danach zum ersten Mal deprimiert. Klar weiß ich, dass dies falsch ist und so gar nichts bringt, aber hallo, man ist auch nur ein Mensch. Nachdem am Nachmittag netter Weise alle noch einen Trainingslauf erhielten und wir (Abby und ich) auch diesen Durchgang wieder „versemmelt“ hatten, war es mit meiner guten Laune endgültig vorbei. „Verdammt“ dachte ich „was läuft denn da ab?“ Das können wir doch viel besser. Ich gebe es zu, mein Zustand bewegte sich nun zwischen Enttäuschung und Ärger  …auch wieder falsch. Was waren aber an diesem Tag die Fehler? Ich habe falsch reagiert und konnte Abby nicht die nötige Ruhe geben. „Eigentlich“ wollte ich nach weiteren vernünftigen Läufen mit ihr in die Klasse 2 wechseln, aber nach diesem Desaster, ist das erst mal „gestorben“.

ABCD Trial Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

ABCD Trial Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

An alle da draußen, die das Gefühl haben, mit ihren Hunden bei der Ausbildung auf der Stelle zu stehen: „Ihr seid nicht allein“. Was ist aber das „Geheimnis“? Sich Unterstützung holen und weitermachen. Wow, das ist ja gar nicht so schwer, sondern fordert „nur“ unser Durchhaltevermögen. Braust man dann schon mal 400 Km südwärts zu einem Trial und fährt alles vor die Wand, so jubelt man natürlich nicht wie nach einem Lottogewinn, aber auch das ist eine wichtige Erfahrung. Hört sich ziemlich schlau an, aber in Kulmbach habe ich genau zu diesem Thema eine Bruchlandung hingelegt. Warum? Nicht weil wir am Samstag keinen guten Job abgeliefert hatten, nein, sondern weil ich hinterher enttäuscht gewesen bin.

Das war der tatsächliche Fehler  – mein Fehler.

Trial in Kulmbach Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Trial in Kulmbach Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Sonntag: Neuer Tag, neues Glück. Noch im Frühstücksraum der Pension Grampp in Kulmbach, die im Übrigen fantastisch ist, habe ich das Trialfeld vor Augen und überlegt, was ich beim Handling ändern könnte. Vielleicht sollten Abby und ich auch mal ein ernstes Wort miteinander sprechen, wobei ich ihr erkläre, dass diese 5 Damen vorsichtiger zu bewegen sind. Wie schon gesagt: Neuer Tag, neues Glück.
Dieser Sonntag brachte uns zwar den 3. Platz, war aber alles andere als eine Sternstunde deutscher Trial Geschichte. Sehen wir es positiv, dieses Wochenende hat lehrreiche Spuren hinterlassen und das ist ja auch schon mal was. Zwei der ganz wichtigen Aufgaben, die ich mit nach Hause nehmen konnte waren: An mir zu arbeiten um stets neutral zu bleiben und die Kommandos konsequenter durchsetzen.  …das nennt man wohl Hausaufgaben.

Luxus Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Luxus Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Schön war`s, mit einem Hauch von Luxus, den direkt an der Weide einen Kaffeeautomaten zu haben, der alle Wünsche erfüllt, ist schon was Besonderes. WOW sage ich da nur, aber das bekommt man wahrscheinlich, wenn man südwärts fährt.

Hütehunde / 7. Meißendorfer Schnuckenderby bei Ulrike Galler

Endlich war es soweit, dass Schnuckenderby bei Ulrike stand wieder vor der Tür und sie hatte auch dieses Jahr wieder viele Border Collie „Verrückte“ aus ganz Deutschland eingeladen. Verrückt hört sich vielleicht zu hart an, nennen wir es Begeisterung. Diesmal wollte ich mich schon Freitagmittag auf den Weg machen, um gaaanz entspannt dieses Wochenende anzugehen. Dumm nur, das bei der morgendlichen Schaf Kontrolle, ich zwei Patienten entdeckt habe. Verdammt dachte ich, dass mit dem entspannten Freitag wird wohl wieder nix. Ein Bocklamm hatte zwar nur eine kleine Verletzung am Schwanz, aber es waren bereits die ersten Fliegenlarven zu sehen und der zweite Kandidat hatte quasi über Nacht Durchfall vom „feinsten“ bekommen. Die Larven bekomme ich leider nicht mit Hausmittelchen weg, also auf zu meinem Doc und holen was „Tante Bayer“ zu bieten hat. Der Durchfallpatient war schnell verarztet, aber die kleinen Eindringlinge sind da schon hartnäckiger. Sud anrühren, freischneiden, abtupfen, abwaschen und zum Schluss noch eine Spritze setzen. …und wieder ist unsere ungeliebte Tante zum Einsatz gekommen. Keiner will sie, aber alle laden sie regelmäßig ein.

Zur Klarstellung: meine Tante Ursula ist auch ohne Chemie immer herzlich willkommen.

Nun bin ich aber auf dem Weg, zwar etwas später als gedacht, aber für meine Verhältnisse noch immer früh, denn mein Navi flüsterte: Ankunft in 25 Minuten und das war 17.30 Uhr. Weil ich den „Bürgerkrieg“ auf deutschen Autobahnen umfahren habe, hatte alles super geklappt  – das mit der Fahrt meine ich. Ulrike läuft sicher bereits zur „Hochform“ auf und ist vermutlich kurz vor einem „Herzinfarkt“.  Ulrike, halte durch! Die Welt ist eine Nussschale. Warum? Ich trete Samstagmorgen gegen 07.00 Uhr aus der Tür meiner Pension. Im Umland vom Derby gibt es hunderte von Übernachtungen, was sehe ich aber als erstes, einen VW Bulli dessen Nummer ich kannte. In dieser kleinen, bescheidenen Behausung hatten auch Hans-Jürgen und Marlis (Werbke) Quartier bezogen. Wow, die Welt ist eine Nussschale.

Der erste Tag des 7. Meißendorfer Schnuckenderbys begann um 08.30 Uhr mit einem Briefing der Klasse 3. Das Schnuckendeby ist auch einer der wenigen Trials in Old Germany, auf denen alle 3 Klassen am Start stehen. Ganz besonders gespannt war ich auf die Teams: Sonja Müller, Hans-Jürgen Werbke und Viola Hebeler in der Klasse 3, aber auch auf Stefan Ostholt,  Sarah Suer und Hauke Thomsen, der mit Moss zum zweiten Mal in der Klasse 2 gestartet ist und natürlich auch auf die Klasse 1.

Team Sonja Müller am Startpfosten Ⓒ Jasemin Be

Team Sonja Müller am Startpfosten Ⓒ Jasemin Be

Nach einer kurzen Begrüßung eröffnete Sonja Müller mit ihrer Look das Schnuckenderby 2016. Look lief und lief und lief, fand aber keine Schafe. Als er dann doch in Richtung Schafe kam, bogen die Damen aus dem Stand links ab und galoppierten in Endgeschwindigkeit Richtung Ruhepferch. Der Lauf war vorbei und alle fragten sich „was zum Teufel war das jetzt“? Ok, im hinteren Teil war das Gras vielleicht etwas höher als sonst, aber die Schafe im gestreckten Galopp sofort Richtung Ruhepferch? Das konnte sich keiner erklären, denn Sonja und ihre Hunde machten sonst einen guten Job. Dem folgten 3 erfahrene Teams. Tina Eichler mit Nuts, Hans-Jürgen Werbke mit Juli und Viola Hebeler mit Gismo. Wow, war das aufregend. Aber auch hier wurde alles auf den Kopf gestellt. Keines der Teams konnte seinen Lauf an diesem Tag zufriedenstellend beenden. Am Nachmittag wurden die Mädels langsam ruhiger, aber wir befanden uns noch immer auf einem „Minenfeld“, denn die Schafe hatten irgendwie einen ganz anderen Stundenplan.

Das Schnuckenderby ist für eine nette Atmosphäre und gut gängige Damen bekannt. (Mit gut gängigen „Damen“ meine ich natürlich die Schafe) Atmosphäre und Stimmung war super, doch was sind das für Läufe? Am Abend beim gemeinsamen Grillen, lerne ich zum ersten Mal auch einen Verein, meinen Verein ABCD (Arbeitsgemeinschaft für Border Collies in Deutschland) kennen, der am Lagerfeuer nicht nur Geselligkeit, sondern auch Zusammenhalt repräsentierte. Der Tag wurde besprochen, Scherze gemacht und Tina Eichler hatte für eine gemeinsame Moderation mit mir ganz „besondere Vorschläge“  …die ich hier im Einzelnen nicht wiederholen möchte. Nur so viel, es hat mit tanzen und einem Schafskostüm zutun. Viola Hebeler stand der Veranstalterin Ulrike Galler am Nachmittag bei einem sehr schweren Gang zur Seite. Ihr allererster Border Collie musste mit 16 Jahren eingeschläfert werden. Sie verbrachte viele Stunden bei den beiden und tat alles, was nur irgendwie möglich war. Am Lagerfeuer hörte ich einen wunderbaren Satz: „Das Wochenende ist so schön, das lasse ich mir doch nicht von einem 10 minütigen schlechten Lauf versauen“. Wie schon gesagt, einfach wunderbar. Was den Lauf von Abby und mir betrifft, so hat sie alles richtig gemacht. Super Outrun, gute Annahme, Tor getroffen (was an diesem Tag nicht so ganz selbstverständlich war) und lies sich zu meiner großen Freude auch auf großen Entfernungen gut steuern. Nach meiner Umrundung brachen die Damen kurz aus und meine Abby stoppte sie mit einer Schein Attacke, um sie weiter in Richtung Quertreibtor zu bringen. Ich war ganz happy, dass sie nicht härter in die Mädels gegangen ist, sondern nur angedeutet hat  – aber dies empfand der Richter bereits als unangebracht, so dass wir dafür ein Dis bekamen. Ich war so überrascht, dass ich beim Richter nachfragte, aber ich erhielt erneut ein „ Thank You“. Der Richter (James P. McGee) hat halt immer recht. Ähnliches Unverständnis viel mir bei den Punkten in der Klasse 3 auf. Sorry, vielleicht bin ich einfach noch zu unerfahren und kann das ganze Wunderland noch nicht so richtig beurteilen, aber wundern im „Wunderland“ kann man sich doch schon. Wie auch immer, an diesem Tag (nicht nur am abendlichen Lagerfeuer) habe ich eine ABCD, kennen gelernt, die mir gut gefallen hat.

Neuer Tag neues Glück und so war es dann auch. Der zweite Tag begann toll. Klasse Läufe, entspannte Schafe und gute Stimmung  -die ohnehin fantastisch war. Karin Ahnemann hatte als Course Director den Laden im Griff und machte einen guten Job. Was den Richter und Ex Weltmeister betrifft, so hat er ohne Zweifel tolles geleistet und außergewöhnliche Fähigkeiten, aber seine Punktevergabe führten sehr oft zu Diskussionen. Sein eigener Demonstrationslauf war sensationell und zeigte die ganze Klasse eines Weltmeisters und vielen Zuschauern war sicher gar nicht bewusst, was sie für eine Besonderheit auf dem Schnuckenderby 2016 zu sehen bekommen haben. Aber, ja genau es gibt ein aber, denn den Sieger Lauf von Dr. Hans-Jürgen Werbke mit seiner Ebby, fanden einige besser, weil der Ablauf noch flüssiger war. Ich weiß, dass ist etwas anmaßend, aber sorry, das sind nur Meinungen und was die Punktebewertung von James P. McGee für diesen Siegerlauf betrifft (76_Punkte), lasst mich kurz nachdenken, fand ich  …sagen wir neutral „sehr überraschend“.

Hans-Jürgen Werbke /Konzentration Ⓒ Jasemin Be

Hans-Jürgen Werbke /Konzentration Ⓒ Jasemin Be

Die zweiten „Superstars an diesem Tag waren für mich Viola Hebeler und Gismo, ein traumhaftes Team.  Noch größer war meine Verwunderung, als ich von Viola erfahren habe, das dieser  „Überflieger“ Gismo erst 3 Jahre jung ist. Ihr könnt sicher sein, da kommt noch was „Großes“ auf uns zu. Große Freude kam bei mir aber auch auf, als ich Hansi Lehmann am Startpfosten gesehen habe. Leider lief an diesem Tag nicht alles so, wie wir es von diesem Team gewohnt sind. Was soll`s, ein Tag ist nicht wie der andere und beim nächsten Trial bringen sie uns sicher wieder zum Staunen. Eine wahre Freude war an diesem Tag auch Marcus Fiske und Cap, in der Klasse 1. Herzlichen Glückwunsch. Abby und ich schafften es auf Platz 4.

Hardi P.Schaarschmidt mit Abby am Startpfosten Ⓒ Jasemin Be

Hardi P.Schaarschmidt mit Abby am Startpfosten Ⓒ Jasemin Be

Ein tolles Trial, mit leichten Anlaufschwierigkeiten am Samstagvormittag, doch danach und vor allem am Sonntag hat uns eine traumhafte Zeit beschert hat. Wir bedanken uns bei Ulrike Galler, den Schafstellern , aber auch bei den Teams Viola Hebeler mit Gismo, Hans-Jürgen Werbke mit Ebby & Juli und allen anderen Teams, die ihr Können gezeigt haben und uns vor Begeisterung Beifall klatschen ließen.

Vielen Dank, ihr habt uns tolle Momente beschert.

 

Hüte-Trial in Ellerdorf bei Susan Mester

Mein Trial in Ellerdorf begann nicht am Startpfosten, sondern gemeinsam mit Elke Lackmann und ihrer Familie auf einer Bockauktion. Ich bin einen Tag früher in den „Echten Norden“ gefahren, um einen wunderbaren Nachmittag auf einer regionalen Auktion zu verbringen  – hat Spaß gemacht. Am Abend ging es wieder auf die Straße, zu einer weiteren Border Collie Freundin, Regine Frerichs. Um es vorweg zu nehmen, wir haben uns so gut verstanden, dass ich gleich bis Montag geblieben bin.

Bockauktion @ Hardi Schaarschmidt

Bockauktion @ Hardi Schaarschmidt

Am nächsten Tag stehe ich vor dem Ortseingangsschild von Wacken, doch ich möchte nicht zum größten Heavy Metall Festival der Welt (das bekanntlich jedes Jahr in Wacken stattfindet), sondern zum Festival der Individualisten. Ich bin unterwegs zum Ellerdorfer Hüte-Trial bei Susan Mester. Die Sonne „brütet“ gefühlt wie in Afrika und in ca. 2 Stunden stehe ich mit Abby am Startpfosten. Also die kurze Pause in Wacken beenden und auf zum Trial.

Festiwal der Individualisten @ Hardi Schaarschmidt

Festival der Individualisten @ Hardi Schaarschmidt

Viele halten die Wacken-Besucher für „verrückt“ oder zumindest für seltsam  – denn tagelang im Regen campen, um Bands zu sehen, will nicht jedem einleuchten. Was ist aber mit uns Border Collie Leuten? Wir sind Samstag und Sonntag jeweils nur 10 Minuten auf dem Trialfeld, fahren quer durch die Republik und sind das ganze Wochenende unterwegs. Ist das etwa „vernünftiger“? Natürlich nicht, das ist Leidenschaft und Leidenschaft fragt in der Regel selten nach Vernunft. Noch unterwegs musste ich einige Trial Kollegen anrufen, da mein Navi die Straße am Trialfeld nicht finden konnte. Bis mir Hauke am Telefon von Ellerdorf aus die ungefähre Richtung der „Arbeitsfläche“ angeben konnte. Auweia dachte ich, was soll das bloß werden, es ist jetzt schon so warm und meine Uhr zeigt erst 08.50 Uhr. Die Begrüßung ist jedes Mal toll, denn man trifft Mitstreiter, mit denen man die Wettkampf-Zeit sehr gern verbringt. Ob nun Nele, Elke, Sonja, Katja, Ulrike, Stefan, Hauke oder auch der Richter Hans-Jürgen Werbke, „Es ist schön, dass auch ihr da ward“. Die Parcoursbegehung wurde schnell erledigt, denn die Veranstalterin Susan Mester hatte alles gut organisiert, nur das Gras fand ich etwas zu hoch und musste gleich an Elkes kleine Hündin Dita denken, die an manchen Stellen vom „Grün“ sicher ganz „verschluckt“ würde.

Na ja, was muss das muss.

Trotz 32° im Schatten, lieferten wir gute Leistungen ab. Die Teams waren konzentriert, die Schafe uns gnädig und so präsentierten sich am ersten Tag auch die Ergebnisse. Ich war mächtig stolz auf meine Abby, dass wir bei den vielen guten Leistungen mit 81 Punkten den 2. Platz erringen konnten. Nachmittags stellten Abby und ich die Schafe für die Klasse 2 und ich muss sagen, dieser Job was 10-mal härter als unser Lauf am Vormittag. Nach 2 Stunden Schafe stellen, waren wir so geschafft, dass ich schon überlegt habe, uns ablösen zu lassen. Die Sonne hat uns derart heftig „durchgebraten“, dass ich mir wie ein Steak in der Pfanne vorkam und Abby fing an, meine Kommandos zu ignorieren. Deshalb an dieser Stelle: Respekt vor allen Schafstellern, die zwar diese Aufgabe gern erledigen, aber meist (nicht immer) zu wenig Beachtung finden. Darauf werden wir in Zukunft mehr achten, denn es ist einer der wichtigsten Jobs auf jedem Trial.

90 Damen @ Hardi Schaarschmidt

90 Damen @ Hardi Schaarschmidt

Als Schafsteller finde ich es besonders spannend, wie der Hund eines jeden Teams die Schafe annimmt. Einige mussten ganz dicht an die Mädels heran, um sie in Bewegung zu setzen und bei anderen konnte ich sie im hohen Gras noch nicht einmal sehen und die Schafe marschierten bereits los. Unsere vierbeinigen Kollegen sind eben auch echte Individualisten.

Samstag war ein anstrengender, aber guter Trial Tag.

Samstag ist Samstag und Sontag? Was war am Sontag?  Der Sontag war „wild“. Die Ergebnisliste spricht Bände. Kaum gute Läufe, viele „Dis“ und wenige Punkte. Die Hundeführer namens recht unterschiedlich auf. Die einen waren ärgerlich (was verständlich ist, aber natürlich so garnix bringt), die anderen waren gelassen (Beifall) und die nächsten wurden still. Ein solcher Tag bringt auch für den Richter wenig Freude und wir hatten die Vermutung, dass er bei jedem „Dis“-Signal (mit seiner Autohupe) aus „Verzweiflung“ schon mit seinem Kopf aufs Lenkrad und Hupe schlägt. Aber Hans-Jürgen Werbke schlug sich wacker und gab uns viele Tipps mit auf den Weg. So ist das aber manchmal, wir arbeiten mit Lebewesen, da müssen wir es uns einfach abgewöhnen, immer alles unter Kontrolle haben zu wollen.

Auf Grund der Autobahnsperrung bin ich bei Regine bis Montagmorgen geblieben, was kein ärgerlicher Umstand war, sondern im Gegenteil, einen Riesenspaß gemacht hat. Regine, „du bist nicht nur eine Individualistin in Reinkultur, sondern auch sehr gastfreundlich und ich freue mich auf meinen nächsten Besuch bei Dir“.

Die Teilnehmer / Trial in Ellerdorf @ Hardi Schaarschmidt

Die Teilnehmer / Trial in Ellerdorf @ Hardi Schaarschmidt

Einige haben sich am Sonntag schon früher auf den Weg gemacht und waren zum Abschlussfoto bereits auf dem Heimweg, denn die A7 wurde komplett gesperrt und das lies nix GUTES erahnen. Vielen Dank an die Veranstalterin Susan Mester  …auch für den tollen Grill-Abend.

So war es, das Trial in Ellerdorf bei Susan Mester und
wir kommen nächstes Jahr sehr gern wieder.

 

Hütewettbewerb Schnuckenderby oder Versteckte Kamera

Ich habe es immer gewusst, meine „Schaffreundin“ Ulrike Galler hat anscheinend einen geheimen Vertrag mit RTL und ihr Mann, Dr. Galler, fährt Montagmorgen nicht in seine Firma, sondern zu einem Fernsehsender. Ich gehe fast jede Wette ein, dass es sich beim Schnuckendarby um eine Neuauflage der Sendung  „Versteckte Kamera“ handelt.

Für alle Nichteingeweihten, das Schnuckenderby ist in Nord-Deutschland eines der beliebtesten Hütewettbewerbe für Border Collies und Ulrike ist die Veranstalterin. Was hat aber nun die Neuauflage der „Versteckten Kamera“ mit diesem Wettkampf zu tun? Berechtigte Frage!
…dann solltet ihr mal miterleben, was sich am Anmeldetag abspielt, um einen der begehrten Startplätze zu „erkämpfen“. Anja legt bei der Arbeit eine Sonderpause ein, um sich per Firmen-PC anzumelden, Stefan nimmt sein Laptop mit auf eine Familienfeier und erklärt, dass er 21,45 Uhr sich erstmal um einen Startplatz kümmern muss. Kann das nicht noch warten? war die Reaktion. „Warten? Beim „Schnuckenderby“? In einigen Minuten ist alles gelaufen“ war Stefan`s Antwort.
Hunderte sitzen in Old Germany zur Anmeldezeit  vor ihren Bildschirmen und das ist der erste Wettkampf bei diesem Trial.

Ulrike Galler @ Hardi Schaarschmidt

Ulrike Galler @ Hardi Schaarschmidt

Wer ist „schuld“? Natürlich Ulrike. Meine Vermutung ist: dieser Anmelde-Wettkampf ist immer spannender geworden, so dass manche Szenen zu Hause filmreif sind. Da manche Fernsehsender so ziemlich alles auf die Bildschirme bringen, könnten die „millionenfachen“ Anmeldedramen ein lohnendes Sendeprofil sein, denn nicht nur Anja und Stefan wollen bei diesem Derby starten, sondern auch viele andere

…und natürlich auch ich.

Schnuckenderby – Anmeldung /Donnerstag 22.00 Uhr @ Hardi Schaarschmidt

Schnuckenderby – Anmeldung /Donnerstag 22.00 Uhr @ Hardi Schaarschmidt

Was stellt man nicht alles an, um auf diesem Trial am Startpfosten zu stehen. Ich zum Beispiel, habe mich gemeinsam mit Jasi am Anmeldetag 21.30 Uhr startbereit gemacht. Der Wettstreit beginnt ja beim Schnuckenderby nicht auf dem Trialfeld, sondern bekanntlich am Anmeldetag. Hast du hier eine schlechte „Platzierung“, sieht der Rest auch nicht rosig aus. Was benötigt man für diese erste „Leistungsprüfung“?

–              Weingläser
–              Rotwein
–              2 Laptops
–              Zuversicht
–              und eine große Portion Glück

Nach diesen „gewissenhaften“ Vorbereitungen gingen wir ans Werk. Der Plan war: Jasi kümmert sich um die Anmeldung am Samstag und ich um Sonntag. Ab 22.00 Uhr war die Anmeldung freigegeben und genau in diesen Minuten, im ganzen Land, saßen Hunderte von Startern voller Spannung vor ihren Monitoren. „WOW ist das aufregend“, sagt Jasi, „sowas habe ich auch noch nicht erlebt“.

…3-2-1 meins

Startplatz @ Hardi Schaarschmidt

Startplatz @ Hardi Schaarschmidt

Jubel, Korken knallen, anstoßen, wir haben es tatsächlich geschafft. Startplätze für Samstag und Sonntag. Zwei Tage später habe ich mich mit Stefan (der sich beim Anmeldewettkampf ebenfalls gut platzieren konnte) unterhalten. Ich war der Meinung, dass Schnuckenderby sei nach ca. 10 Sekunden voll gewesen, aber Stefan hatte dies noch genauer beobachtet, und  kam auf 6 Sekunden. Nochmal in Worten: sechs Sekunden. Damit waren aber auch gleichzeitig ca. 100 Warteplätze gemeint. Was meine Vermutung zur Sendung „Versteckte Kamera“ angeht, so durchsuche doch jeder einmal sein Büro, ob er nicht vielleicht eine Cam mit dem Logo eines Fernsehsenders findet.

Wenn diese Startplätze immer begehrter werden und irgendwann in Demos, Kundgebungen oder gar Aufständen enden, kommt vielleicht der eine oder andere auf den Gedanken: ich versteigere meinen Startplatz bei eBay  – für sehr viel Geld. Ich dachte da so an 10.000,- und würde dann eventuell meinen Startplatz gegen einen gebrauchten Geländewagen umtauschen. Ein fairer Tausch.

Wer ist „schuld“?, natürlich die Veranstalterin Ulrike Galler.
Was organisiert sie ach so ein tolles Event.

Nachtrag:
Für Außenstehende und Nicht – Border Collie Besitzer hört sich das Anmelde Chaos ziemlich wirr an, aber sprecht einmal selbst mit Wettkampfteilnehmern  …oder einem, der es versucht hat.