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Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer

Noch vor einigen Jahren sind hier Hundertschaften von Sondereinsatzkommandos eingerückt, Hubschrauber kreisten permanent über den Dörfern und TV-Moderatoren prügelten sich um die letzten Hotelzimmer. Ihr erinnert euch?! Kastor Transporte, Atom-Müll Endlager Gorleben und tägliche Berichterstattung in den Nachrichten  – genau, da war ich. Und es gibt sie noch, die Individualisten, Anti-Atom-„Krieger“ und Wendland Revoluzzer, nur machen sie gerade „Pause“. Einige erinnern sich vielleicht gar nicht mehr daran, aber noch vor wenigen Jahren war das Wendland wegen der Atom-Müll Castoren fast schon ein „Kampf-Gebiet“.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Während ihrer Pause, haben sie ausgestopfte Kameraden an die „Front“ geschickt. Auf solche ausgestopften Biker oder anderen stillen Revoluzzern trifft man an einigen Stellen im Wendland und sollen uns sagen: hey, wir sind noch da.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Das unscheinbare Gelände dahinter, ist in Wirklichkeit ein Hochsicherheitstrakt der Extraklasse.

Aber das Wendland hat ja nicht nur „Gorleben-Kämpfer“ und Atom-Müll zu bieten, sondern auch ganz viel Natur. Viele „Großstadt Abenteurer“ buchen sich oft für mehrere Tage in einem Ferienhof ein, um einfach mal abzuschalten, sowie die „brutale“ Ruhe zu genießen. In der Nachbarschaft kennt man sich und Frau Müller von nebenan, klingelt schon mal, wenn es wie aus Eimern regnet und man das Dachfenster vergessen hat zu schließen. Wenn ich mit meinen Hunden Gassi gegangen bin, konnte ich ohne Bedenken auch der „Hauptstraße“ entlang laufen, denn wir waren die einzigen. Wer das stille Landleben mag, ist hier an der perfekten Stelle.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Auf diesem Hof war ich zu Gast, bei einer sehr guten Freundin. Christel führt diesen Ferienhof und hat neben zwei Border Collies natürlich noch zahlreiches weiteres „Getier“, wie Hühner, Schafe und eine Katze. So toll wie dieser Landstrich auch ist, aber alle Nicht-Tierliebhaber und Ruhe-Verächter, sind hier nicht so ganz an der richtigen Stelle. Doch, sollte es mal wieder Castor-Transporte mit Atommüll geben, versichere ich euch hier, Abenteuer, Spannung und einen Platz in der ersten Reihe.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Ich würde sagen, das Border Collie-Schild ist eher Schmuck, denn die zwei vierbeinigen Kollegen, sind alles andere als beißfreudige Bestien. Objektbewachung durch Border Collies, die Wendländer haben also auch Humor.

Was macht man also in so einer Anti-Atom-Müll-Kampfregion, wenn es gerade mal keinen Kampf gibt? Man züchtet zum Beispiel Schafe. Nicht irgendwelche Schafe, sondern Quessantschafe. Christel hat eine der bekanntesten Zuchtlinien an Quessantschafen und das ist noch nicht genug. Nein – einer ihrer selbst gezogenen Böcke ist der Beste Deutschlands. Wow, dachte ich, das nimmt sie aber verdammt ernst, ihre Quessant Schafzucht. Zu diesem Zuchterfolg konnte sie nun aktuell noch ganz gewaltig eine große Schippe drauflegen, denn sie ist seit 2017 die Begründerin einer eigenen Zuchtlinie. Wie das geht? Gute Frage, aber das Leben geht manchmal so ganz eigene Wege und diese Wege bringen den Samen ihres Super Bocks in die USA. Ihr habt richtig gelesen, amerikanische Züchter kaufen das „Erbmaterial“ dieses Spitzen Bockes und erschaffen damit in den USA eine neue, eigenen Linie. All die künftigen weißen Quessantschafe, stammen dann in Zukunft von diesem kleinen Kerl ab. Ähnlich wie bei unseren Border Collies die „Sache“ mit Old Hamp gelaufen ist, so wird es hier mit Christels Bock ablaufen. Für alle die nix mit dem Namen „Old Hemp“ anfangen können: die meisten der heutigen Border Collies stammen von dem damaligen „Besten aller Besten“ Border Collies ab, Old Hemp. Nur daß Old Hemp ein perfekter Arbeitshund war, aber dieser stattliche kleine Bock manchmal Anflüge von „Größenwahn“ hat.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe /weiß

Diese wolligen Miniaturausgaben sind ganz schön mutig und haben oft keine Probleme sich einem größeren Border Collie entgegen zu stellen, um ihre Lämmer bis zum Äußersten zu verteidigen.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe /schwarz

Bleibt noch die Frage, die nicht nur alle Tierfreunde, sondern sogar erfahrene Schafzüchter beschäftigt: wie zum Teufel sprechen sich die Quessantschafe richtig aus. Viele kennen diese spezielle Rasse, aber ganz Deutschland rätselt über die richtige Aussprache. Ich für meinen Teil, habe es sogar vermieden, diese kleinen Damen als Rasse zu erwähnen, weil ich schlicht und einfach nicht wusste, was ich sagen sollte.

Bitte Christel, lass die Menschen nicht dumm sterben, löse eines der ganz großen Rätzel unserer Zeit auf. Wie spricht sich Quessant wirklich aus? Ihre Antwort war: Kiso(n) wobei die Betonung auf dem „O“ liegt und das (n) nicht ausgesprochen wird. Wow, darauf wäre ich nie gekommen.

Herr Müller /Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Herr Müller /Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Die Hof-Katze: „Herr Müller“ und das eierlegende bunte Fußvolk

Herr Müller ist der Krieger in der Nacht und jagt in der Dunkelheit nicht Castoren voller Atommüll, sondern Mäuse oder was sich sonst noch nachts unerlaubterweise auf den Hof wagt. Irgendwie ist das auch ein Wendland Revoluzzer.

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Quessantschafe, Border Collies und Wendland Revoluzzer Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Zum Abschied schaute mir nochmal einer der zwei Border Collies über die Schulter, um zu sehen ob ich auch wirklich abfahre, denn nun gehört ihnen der Hof wieder allein, bis auf den kleinen größenwahnsinnigen Bock, der meint, er sei der Herr der Welt, ach was  – des Universums.

War schön, bei Christel im Wendland.

Ruhm, Ehre und Geld

Anne Krüger, Eckhard Sievers, oder Serge van der Zweep sind Border Collie „Dirigenten“, was ist aber an diesen „Dirigenten“ so anders? Sind sie genial? Quatsch, natürlich nicht. Wobei Serge van der Zweep schon in einer ganz besonderen Liga spielt. Aber Vorsicht, bei manchen Supertalenten gilt meine „Albert Einstein-Regel“. In dieser einen Sache sind sie außergewöhnlich, fantastisch und unglaublich, aber im normalen Leben manchmal recht gewöhnungsbedürftig. Albert Einstein war in seinem Fach ein Genie, als Mensch und Familienvater „gewöhnungsbedürftig“ bis mangelhaft.

Ich will damit sagen, diese “Border Collie Einsteins“ kochen im normalen Leben auch nur mit H²O und  nur in dieser speziellen „Disziplin“ laufen sie übers Wasser. Wenn aber respektvolle Wertevorstellungen, Erfahrung und dieses außergewöhnliches Talent aufeinandertreffen, ist das schon etwas Besonderes und formt außergewöhnliche Menschen. Leider treffen diese drei Umstände nur sehr selten aufeinander, sondern gehen sich meist wie Erzfeinde aus dem Weg. Auf Beispiele möchte ich an dieser Stelle besser verzichten, sonst ernte ich zahlreiche „Unmutsbekundungen“. Das zu unterlassen hat mir eine leise Stimme ins Ohr geflüstert  …die aber nichts mit Kobolden zu tun hat, sondern hinter einem Schreibtisch mit vielen Aktenbergen sitzt.

…na, ihr wisst schon.

Jeder lehne sich einmal auf seinem Stuhl zurück und denke an sein Umfeld. Betrachtet ganz neutral das Leben der kennengelernten Border Collie Spezialisten, denn nur das ganze Bild verkörpert sein handeln. Egal was dabei herauskommt  (Überraschung inklusive), ihre besondere Art mit diesen vierbeinigen Kollegen umzugehen bleibt bestehen.

Border Collie bei der Arbeit Ⓒ Jasemin Be

Border Collie bei der Arbeit Ⓒ Jasemin Be

Jubeln wir also nicht blind, sondern freuen uns, dass wir auch solche Border Collie Dirigenten unter uns haben. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, aber halten wir es doch wie mit der Ausbildung unserer Hunde: stärke die Stärken. Meine drei Beispiele machen da keine Ausnahme. Anne ist eine begnadete Tiertrainerin, Eckhart hat den uneingeschränkten Leistungswillen und Serge hat ein außergewöhnliches Gefühl für diese außergewöhnlichen Hunde. Es gibt aber auch Hundeführer, die lassen für Wettkampf Punkte wirklich alles sausen, Familie, Ausbildung oder Beruf, manche sogar alle drei. Wofür? Für Ruhm, Ehre und Geld? Was den Ruhm betrifft, so zeigt uns die Statistik eine ernüchternde Zahl. Für die Trial-Ergebnisse interessieren sich ca. 0,00001 % unserer Bevölkerung. Dabei war ich schon sehr „großzügig“ und habe allen ABCD Mitgliedern (Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland) „unterstellt“, stets wissbegierig nach den neusten Trial-Ergebnissen zu fragen. Ich denke, Ruhm sieht anders aus. Die Ehre ist so eine ganz persönliche Angelegenheit und Wettkämpfe waren schon immer ein Schaufenster für die eigenen Ansprüche. Und Geld, was ist mit Geld verdienen? Trials kosten eigentlich nur Geld, aber ist man erfolgreich, könnten die eigenen Welpen besser verkauft werden oder man wird zu einem Seminar eingeladen. Ich staune immer wieder, wo jedes Jahr die vielen Welpen hingehen. Angeblich alle in beste Verhältnisse mit Arbeit am Vieh.

Irgendwie ein Wunder.

Ich sollte mal in Rom beim Vatikan nachfragen, die kennen sich ja mit Wunder gut aus. Haben wir da etwa bestätigte Wunder? Dann kann für Border Collie Züchter die Heiligsprechung beantragt werden.

Anne Krüger und Serge van der Zweep kämpfen mit einem ganz besonderem Phänomen, dass man sich „eigentlich“ erst hart erarbeiten muss: Übertriebene Kritik. Diese zwei „Überflieger“ haben es doch tatsächlich geschafft, von ihrem Talent gut leben zu können und dem zollen wir Respekt. Nun ist aber aus der begnadeten Tiertrainerin, unserer Anne, eine Geschäftsfrau geworden, die auf Trials leider nur noch sehr selten zu sehen ist. Das ist schade. Serge hingegen, hat seinen Kurs beibehalten und segelt als Kapitän auf seiner Erfolgswelle, soweit sie ihn trägt. Dieser Kurs hat ihm schon mehrfach den Titel „bester Handler“ eingebracht und hat mit seinen Hunden so ziemlich alles gewonnen, was man auf unseren blauen Planeten gewinnen kann.

Serge mit seiner Frau Ⓒ Serge van der Zweep

Serge mit seiner Frau Ⓒ Serge van der Zweep

Serge bildet nicht nur aus, sondern handelt auch mit Border Collies und  das lehne ich selbstverständlich reflexartig ab. Man sollte aber immer Fairness walten lassen und seine „Arbeit“ ganz neutral betrachten. Serge ist in der glücklichen Lage, sein großes Talent und seine Leidenschaft zu seinem Beruf machen zu können, wer möchte das nicht. Dieser „Wunderknabe“ muss also damit seinen Lebensunterhalt bestreiten. Das ist doch eine ganz andere Sache, als „nur“ seinen Idealen zu folgen. Die besten Trialisten in unserem Land sprechen voller Hochachtung von ihm und hoffen (im geheimen) irgendwann auch mal so gut wie Serge zu werden. Na-ja, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Dabei hat doch jeder seinen eigenen Weg und seine eigene Art mit diesen vierbeinigen Raketen umzugehen.

In dieser Szene gibt es viele Individualisten, mit denen der Umgang nicht immer ganz so einfach ist. Hierzu  habe ich von Anita Hermes eine wunderbare Umschreibung gehört  – obwohl Anita mit Sicherheit auch zu diesen Individualisten gehört. „Unsere Arbeit ist so speziell, dass sie nur von Individualisten bewältigt werden kann und solche Individualisten passen nun mal nicht mit jedem zusammen“.   (Anita Hermes)

Ok, diese Erklärung leuchtet uns ein, aber ich habe auch Weltklasse Trainer kennen gelernt, die alles andere als exzentrisch oder schwierig waren, im Gegenteil, sympathisch, unkompliziert und sehr bescheiden. Das erinnert mich irgendwie an die Welt der erfolgreichen Schauspieler. Warum? Da gibt es auch die „lieben und schwierigen“ oder die Tom Hanks und Klaus Kinskis  …das lässt mich dann doch wieder nachdenklich werden.

Wir stehen morgens auf und gehen abends ins Bett, dazwischen leben wir unser Leben. Wir erledigen kleine oder große Dinge und hin und wieder verhindern wir sogar Katastrophen. Kein Tag ist wie der andere, aber das ist gut so  – auch wenn wir mal falsche Entscheidungen treffen.

 

 

Geduld, Border Collies und Bambus Bauern

Bambus Bauern? Wieso Bambus Bauern?
Man man man, nun regnet es schon den dritten Tag und ich kann so Garnichts von all den Dingen erledigen, die erledigt werden müssten. Bei diesem Vorgeschmack auf die Sintflut, heißt es nur: Geduld.
Habt ihr Geduld? Ich nicht und muss sogar jeden Tag darum kämpfen, sie nicht zu verlieren. Eigentlich möchte ich viel mehr davon, am besten jetzt gleich und sofort. Mist, so funktioniert das nicht mit der Geduld, also sollte ich mir anderweitig mehr davon „besorgen“. Sich mehr Geduld beschaffen, ist ein wirklich harter Job, denn wir müssen an der schwersten Aufgabe von allen arbeiten, an uns selbst. Dumm ist nur, nicht allein der Wille ist entscheidend, sondern die innere Einsicht.

…und woher bekomme ich jetzt „schnell“ diese innere Einsicht?

„Eigentlich“ haben wir in unserer durchorganisierten, auf Optimierung getrimmten Welt ziemlich schlechte Chancen, diesen Weg zu finden. Das klingt jetzt vielleicht etwas hart, aber die „Masse“ läuft doch täglich wie „aufgescheuchte Hühner“ durch den Alltag und ist von innerer Ruhe so weit entfernt, wie eine Mücke vom Elefant. Es ist aber nicht unmöglich, aus einer Mücke einen Elefant zu machen  …und das meine ich diesmal nicht im bekannten negativen Sinne, nein, ganz und gar nicht, sondern diesmal positiv, der Weg zur inneren „Mitte“. Dumm nur, dass man diese innere Mitte schlecht beschreiben kann und sie eigentlich selbst erleben muss, um sie zu begreifen. Ohne Training, nur aufgrund von Umständen, durfte ich dieses Gefühl bisher zweimal erleben. Das erste Mal war vor 20 Jahren in einem dreiwöchigen Urlaub auf Sri Lanka (bis 1972 Ceylon). Wir haben weder Teeplantagen noch Tempel angesehen, sondern ausschließlich am Traumstrand im Schatten der Palmen gelegen. Nach reichlichen zwei Wochen stellte sich eine erstaunliche innere Ruhe ein. Nach drei Wochen war mein Innenleben so sortiert, dass ich ein ganz anderes Körpergefühl hatte. Wie schon gesagt, dies kann man eigentlich nicht beschreiben, sondern nur selbst erleben. Der zweite Moment ist erst ein Jahr her und „überfiel“ mich auf einem Hüte-Trial im Harz. Trotz Zuschauer und vieler Wettkampfteams, war ich mit meinem Hund ganz allein und war bei ihm – auch in 150 Meter Entfernung. Unvergesslich!

Geduld ist eigentlich „nur“ das Endergebnis, das Ende der Reise. Wer „nur“ das Ziel vor Auge hat, ist bereits von der „Hauptstraße“ abgekommen. Wir sind dann aber nicht nur von der „Hauptstraße“ abgekommen, sondern laufen zudem auch noch den falschen Zielen hinterher. Wir hetzen, machen und tun, ohne wirklich Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können. Bringt etwas in der heutigen Zeit keine schnellen Ergebnisse, ist es „untauglich“. Hat man Geduld, so ist es eine Tugend, die wertvoller ist als Gold. Ich gebe zu, ein für uns alle schwer zu verstehender Satz, denn wir haben andere Lebensvorstellungen mit auf den Weg bekommen.

Ein wunderbares Beispiel ist nicht nur die Arbeit mit unseren Border Collies, sondern Bambus-Bauern. Bambus-Bauern? Was haben Bambus-Bauern mit Geduld zu tun? …Und überhaupt, was machen diese Leute? Ich darf euch versichern, sie sind das Paradebeispiel und Aushängeschild für Geduld.

Bambuswald Ⓒ Steffen Reuter

Bambuswald Ⓒ Steffen Reuter

Bambus ist ein wichtiger Rohstoff geworden, der in viel mehr Dingen steckt, als wir uns vorstellen können. Doch Bambus kommt nicht aus dem Baumarkt und wurde auch nicht von „Tante Bayer“ oder einem anderen Chemiekonzern erfunden, sondern von fleißigen Bambus-Bauern angebaut. Nun ist aber das Bambuspflänzchen ein ganz besonderes „Ding“, denn es wächst nicht wie jede andere Pflanze nach dem Stecken jedes Jahr neu, nein ganz und gar nicht, sondern es lässt sich Zeit. …somit wären wir bei Geduld. Ohne Geduld und Beharrlichkeit ist diese Pflanze nicht erfolgreich anzubauen. Nach dem Stecken macht sie 4 Jahre nicht die geringsten Anstalten zu wachsen. Man muss den Boden harken, Unkräuter entfernen, gießen und sie 4 Jahre lang liebevoll umsorgen, ohne genau zu wissen, was passiert. Diese Bambus-Bauern halten durch. Ihr „Geheimnis“: Einfach immer weitermachen und nicht verzagen.

Die Früchte der Arbeit nach 4 Jahren Ⓒ Steffen Reuter

Die Früchte der Arbeit nach 4 Jahren Ⓒ Steffen Reuter

Geduld und Zuversicht sind hier die wichtigsten Tugenden. Seid auch hier ehrlich, würden wir das durchstehen? Ich glaube, die meisten von uns würden die Segel streichen. Warum können diese Menschen so geduldig sein und wir nicht? Der Weg ist das Ziel und eine damit verbundene ganz andere Lebensweise. Wollen wir Geduld, müssen wir unseren Alltag umstellen. Die Geduld stellt sich dann „fast“ von selbst ein. Hört sich gut an und lässt sich leicht schreiben, aber in der Praxis eine „Monster-Aufgabe“. Mit diesem Thema stehen wir vor einem echten Dilemma und vernünftige Ratschläge sind rar. Da wir nicht nach Tibet auswandern können, um bei den Mönchen Geduld zu lernen, müssen wir in unserem Leben aktiv werden. Lasst uns bewusster leben, über den Sinn unseres Handelns nachdenken und bei der Arbeit mit unseren Hunden immer daran denken: Diese vierbeinigen Freunde machen nichts falsch, nur wir. Das ist schon mal ein kluger Anfang.

Konzentration & Hingabe Ⓒ Steffen Reuter

Konzentration & Hingabe Ⓒ Steffen Reuter

So funktioniert das mit der Geduld und nicht auf „Knopfdruck“.

Hütetraining bei Hans-Jürgen Werbke

Es ist Sonntagmorgen 5.45 Uhr, eigentlich die richtige Zeit, sich nochmal auf die andere Seite zu drehen, aber da schreit mich plötzlich der Wecker an „Los, aufstehen“. Verdammt, ist die Nacht denn schon vorbei? Nach einem kurzen Moment zünden auch meine „grauen Zellen“: „Ach ja, heute geht es zu Hans Jürgen Werbke“. Mein jüngster Neuzugang May, ist aus seiner Zucht und diese schwarz-weiße kleine Rakete bereichert mein Leben sehr. Sie soll Abby unterstützen, aber später mit mir auch auf Trials gehen. Na ja, lassen wir uns überraschen, denn jeder neuer Tag ist bekanntlich eine Wundertüte.

Wieder zurück zu meinem Wecker. Irgendwie wird er nicht mehr mein liebster Gegenstand, denn er  ist immer so rücksichtslos zu mir. Nachdem seine Stimme verstummt ist, wobei ich etwas „nachgeholfen“ habe, springe ich voller Tatendrang aus dem Bett und kümmere mich um meinen „Lebensretter“, eine Tasse Kaffee. Ich schalte das Radio an und „suche“ mir was zu essen. Glück gehabt, „Futter“ ist vorrätig. Die Hunde habe meine Aktivitäten kurz zur Kenntnis genommen, sich aber wieder hingelegt, denn 5.45 Uhr ist normaler Weise nicht unsere Zeit. Kaffee, wach werden und ab unter die Dusche. Nun melden sich meine Plagegeister auch wieder (keine Flöhe) und lasse sie hinter das Haus. In unserem kleinen Örtchen, muss ich der einzige sein, der zu so einer „unchristlichen“ Zeit seine Hunde pinkeln lässt. Alles erledigt, nun aber auf nach Schleswig Holstein.

Der Empfang war herzlich und zur Begrüßung gab’s erst mal einen Kaffee. Kurze Besprechung, wie der aktuelle Stand seiner/meiner jungen Hündin May ist, wie sie sich bei mir entwickelt hat und was ich bisher gemacht habe. Genau so muss ein Trainingstag beginnen: Ruhig, entspannt, freundschaftlich und nach Vorbereitungen mit einem Plan.

Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /So sehen die Schränke von Siegern aus.

Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /So sehen die Schränke von Siegern aus.

Es macht einfach Freude, Hans-Jürgen bei der „Arbeit“ zuzusehen. Immer mit Ruhe und viel Geduld, von der ich mir noch einiges „besorgen“ muss.

„Eigentlich“ gibt er ja kein Training mehr, da aber May aus seinem letzten Wurf stammt und er ein großes Interesse daran hat, was aus den kleinen Raketen wird, treffen wir uns von nun an regelmäßig. Klar liebe ich alle meine Tiere, aber May zeigt deutlich mehr Talent als meine Abby. Ich möchte mit Hilfe von Hans-Jürgen Werbke so wenig Fehler wie möglich machen  – bin mir aber ziemlich sicher, dass ich auch diesmal wieder „grobe Schnitzer“ produzieren werde.  Selbstkritik bringt uns immer nach vorn, denn bekanntlich liegt das größte Hindernis nicht bei den Vierbeinern, sondern bei uns Zweibeinern.

Balancearbeit hatte ich bereits als Hausaufgabe, doch nun wollten wir mit May anfangen, etwas konkreter zu arbeiten – natürlich ohne Druck und mit viel Zeit. May bot uns viele Lösungen an, die ich nicht immer auf Anhieb erkennen konnte, doch Hans-Jürgen erklärte sie mir sofort. May macht mir wirklich viel Freude und Hans-Jürgen ist mit seinem vierbeinigen Zauberlehrling offensichtlich auch zufrieden. Da wäre nur noch ein klitzekleines Problem, ich muss sie auch gut anleiten und ausbilden.

Outrun, rechts, links, wegtreiben, dass waren die Hauptthemen. Hans-Jürgen und ich probierten, wie May auf verschiedene Situationen reagiert und er gab mir einige ganz spezielle Übungen als Hausaufgabe mit auf den Weg, die ich mit May erarbeiten soll. Bei erfahrenen Trainern sieht immer alles so ruhig, gelassen und selbstverständlich aus, aber gerade das macht sie wohl aus, unsere Besten. Klar gibt es auch einige „Border-Collie-Künstler“, die sehr „lautstark“ agieren und über das Trialfeld brüllen, als wären alle Hunde auf dieser Welt extrem schwerhörig  – doch es geht eben auch anders.

Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /Hier Hans-Jürgen werbke mit May

Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /Hier Hans-Jürgen Werbke mit May

Zwischendurch kam ein kurzer Besuch aus Meggerdorf. Der Landwirt hatte einen jungen Hund an der Leine und wollte um Rat fragen. „Dann lass ihn doch mal laufen, denn ich möchte sehen, wie ihr zusammen arbeitet. Mach alles wie immer“. Gesagt – getan. Der Hund lief, brachte die Schafe und sollte sich kurz vor uns ablegen. Wow, aber was passierte dann, das down Kommando donnerte wie ein Kanonengeschütz, doch der Hund war höchsten 10m von uns entfernt. Das Ergebnis: Der Hund hörte nicht, erst nach einigen lautstarken Wiederholungen.

„Alles anhalten, so können wir nicht arbeiten“.

Jetzt habe ich die erste Aufgabe für dich, rede leise und nett mit deinem Hund.
„Bisher kannte ich das gar nicht anders“, war seine Antwort.

In Meggerdorf mag das ja so üblich sein, dass alle Nachbarn im Umkreis von 300m immer genau wissen, was trainiert wird, aber ganz sicher nicht hier. Dann nahm Hans-Jürgen den Hund, ging auf die Schafe zu, postierte ihn und fing an, leise mit ihm zu reden. Anschließend schickte er ihn auf den Outrun und als die Damen wieder kurz vor ihm waren, ging er im richtigen Moment einen Schritt auf dem Hund zu und gab ein leises down Kommando. Wunder, oh Wunder, völlig stressfrei legte sich der Hund hin. Das war gut, dachte ich und der Hundebesitzer stand sprachlos da. Ehe ich dir zu irgendwelchen anderen Problemen Ratschläge gebe, trainierst du erst mal (mindesten einen Monat) den ruhigen Umgang mit deinem Hund  – dann sehen wir weiter. „Ich gebe ja kein Training, aber für die Nachbarschaft habe ich gern hilfreiche Ratschläge“. Der Besuch war schnell vorbei, doch für die zwei sicher sehr hilfreich.

So Peter und wir besprechen jetzt, was wir heute alles gemacht haben.

Abschlussbesprechung /Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen WerbkeⒸ Hardi P.Schaarschmidt

Abschlussbesprechung /Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Es war bereits Nachmittag und ein Kaffee wäre jetzt auch super. Ab in die Küche, Kaffeeautomat in Gang gesetzt und die Frage: Was haben wir heute alles ausprobiert und gesehen? Einiges ausprobiert und mein kleiner Zauberlehrling hat uns viel gezeigt. Genau das sollte unser Ansatz werden, denn der erfahrene Blick auf May ist von Hans-Jürgen Werbke natürlich ein ganz anderer als von mir. Wir besprachen einige Übungen und wie ich mich zu verhalten habe. Auweia, bei dieser Arbeit geht es  nicht nur um meinen Hund, sondern auch um mich. Ich muss mir einige „Unarten“ abgewöhnen und klarer kommunizieren. Hört sich verdammt schlau und logisch an, aber …es gibt immer ein „aber“, das ist alles andere als eine „lockere“ Übung.

Da waren sie also, meine Hausaufgaben für die nächsten 6 Wochen.

 

Der „Border Collie Wahnsinn“

Nein, es ist keine neu entdeckte Krankheit bei den Border Collies. Sie befällt auch keine Hunde. Dieser ansteckende Virus befällt nur „Zweibeiner“, uns Menschen. Anstatt mit meiner „besseren Hälfte“ ein schönes Wochenende zu erleben, verbringe ich mit der Trial Richterin Sandra Bremicker zwei Tage in einem kleinen Auto (ich als Schreiber). Zugegeben, wir hatten sehr viel Spaß, aber so ganz „normal“ ist das doch auch nicht. Da stellen sich einige von uns Samstagmorgen um 5 Uhr den Wecker, fahren 3 oder gar 4 Stunden über die Autobahn, „nur“ um den eigenen Hund 5 Schafe holen zu lassen. Was auch schon mal nach 30 Sekunden vorbei sein kann (starten, stoppen, schade), weil gerade an diesem Tag so gar nichts funktioniert.

„Das hat mein Hund ja noch nie gemacht“.

Abby Ⓒ Jasemin Be

Abby Ⓒ Jasemin Be

In diesen zwei Tagen mit Sandra habe ich eine ganze Mange gelernt, denn bis dahin wusste ich noch nicht mal genau, wann und wo wie viel Punkte im Trial abgezogen werden  – jetzt schon! Meine zwei Trainingsläufe waren zwar unter aller „Kanone“, aber zumindest hatte ich einige Unterrichtsstunden zur Bewertungen auf Wettkämpfen. Was mache ich aber nun mit meinem Wissen? Voller Entsetzen dachte ich an unseren zweiten Lauf: „gruselig“. Na-ja, was soll‘s, es ist gerade Halloween.

Noch Sonntagabend habe ich über unsere „unterirdische“ Leistung nachgedacht und mich heimlich darüber geärgert. Ich weiß nicht wie es euch allen so geht, aber mich beschäftigt das schon. Doch das ganze wird mir echt zu viel, wenn ich nachts wegen einem lauten Auto kurz aufwache, aber mir dann sofort unser „Grusel-Lauf“ einfällt und ich nicht wieder einschlafen kann. Was soll man gegen diesen „Virus“ machen? Da lag ich doch tatsächlich wach und dachte an die Arbeit mit meinen Hunden. Die Arbeit zu Hause mit meinen über 100 Schafen funktioniert hervorragend, aber auf dem Trial treten wir irgendwie auf der Stelle und teilweise habe ich das Gefühl wieder „rückwärts“ zu gehen. Hilfe muss her. Nochmal zur Erinnerung: All diese „Erkenntnisse“ kamen mir nachts im Bett, neben meiner „besseren Hälfte“ und da sage noch einer: „Der Border Collie Wahnsinn“ sei nicht schlimm“.

Jasi fährt einen großen Mondeo Kombi mit viel Platz und ich einen alten, auch nicht kleinen Geländewagen, doch wenn wir gemeinsam mit unseren 4 Border Collies wegfahren wollen, brauchen wir tatsächlich ein noch größeres Auto. Verdammt, der Virus hat uns voll erwischt.

Was hängen bei euch zu Hause für Bilder an der Wand? Kinder, Landschaften oder Malereien? Bei uns sind es Border Collies. Border Collie auf der Weide, Border Collie auf einem Trial, Border Collie als Welpe oder auch auf einem Border Collie Kalender. Um ein gewisses „Gleichgewicht“ herzustellen, habe ich Fotos von meinen Schafen dazu gehängt, doch ich vermute, für „gesunde, nicht infizierte“, macht das die Sache auch nicht besser.

May Ⓒ Jasemin Be /Ein wunderbares Foto

May Ⓒ Jasemin Be /Ein wunderbares Foto

Bei einem Trainingsbesuch (die Adresse verrate ich lieber nicht), habe ich kürzlich eine Familie vorgefunden, die dieser Virus voll im Griff hatte. Haus-Nr.: ein großer Border Collie mit Zahl, Gartentor: Border Collie Schild, Türklopfer:  Border Collie mit Schaf, Fußmatte: natürlich mit Border Collie Motiv, Border Collie Tassen und auf allen Autos reichlich Border Collie Aufkleber. Ach so, ehe ich es vergesse, ihr 2 Jahre alter Sohn hatte selbstverständlich auch ein Border Collie T-Shirt an
…so, und nun kommt ihr.

Was übrigens diesen „Virus“ selbst betrifft, so meint mein Hausarzt: „Da gibt es kein Gegenmittel“   Ein „Teufelskreis“.

Aber mal ehrlich, schon jeder Tierliebhaber bekommt bei solchen Fotos (z.B. May) einen höheren Pulsschlag. Wie ergeht es dann erst den Border Collie Besitzern selbst? Sie sind quasi hilflos diesen Tieren ausgeliefert und können sich ihrer Faszination nicht entziehen. Dabei gib es von diesen „Wunder Hunden“ zwei große Richtungen: Die ursprüngliche Arbeitslinie und die später entstandene sogenannte Show-Linie. Beide begeistern Millionen Hundebesitzer in der ganzen Welt, aber eins bleibt immer gleich: Jeder Hund braucht seiner Veranlagung entsprechende Arbeit und Beschäftigung.

May Ⓒ Jasemin Be

May Ⓒ Jasemin Be

Die Arbeitslinie muss ein Arbeitsleben führen und alle anderen Border Collies sollten intensiven Sport betreiben. Dabei meine ich aber nicht Spaziergänge, wo man sich mit der Nachbarin zu einem Plausch trifft, sondern Agility, Obidience oder andere anspruchsvolle Sportarten. Dazu kann ich euch versichern, dass auch die Agilityleute ihre Leidenschaft ziemlich intensiv betreiben, denn wen trifft man am Wochenende auf den Autobahnen unserer Republik? Hunde- und Pferdeleute.

Anscheinend geht nicht nur der „Border Collie Wahnsinn“ um.

Anita Hermes, zwischen Kritik und Erfolg

Jeder, in den einschlägigen Kreisen, verbindet mit dem Namen von Anita Hermes zuerst Mitch und die wirklich unzähligen Siege und guten Platzierungen dieses Teams. Inzwischen ist er 9 Jahre alt und es stellt sich die Frage: Gibt es eigentlich einen „Kronprinzen“?  Es gibt ihn, und sein Name ist Roger.

Es war einmal ein kleiner Welpe, der lebte glücklich und zufrieden mit seiner Familie im Harz. Doch eines Tages kam die Zeit, hinaus in die Welt zu ziehen, um große Abenteuer zu erleben. Wie hat es mit Roger und Anita tatsächlich angefangen, wie hat dieser kleine „Wunderknabe“ seine Lektionen gelernt und wie haben die beiden es geschafft zu so einem gut funktionierenden Team zu werden ? Roger ist erst 4 Jahre jung und hat dennoch kürzlich auf einem Internationalen Hütewettbewerb (trotz strengem Richter) die magischen 100 Punkte erreicht. Das sollte uns alle aufhorchen lassen: „Denn Roger ist los“.

Nach einem kurzen Facebookaustausch, haben wir einige Tage später miteinander telefoniert. Wie konnte es anders sein, sie saß im Auto und war mit ihren vierbeinigen „Kollegen“ unterwegs zu einem Trial.

„Hallo Anita, ich wollte dich eigentlich nach einem Treffen fragen, aber ihr seid ja unterwegs?“ „Hi, ja zur Holstein-Meisterschaft, ich hoffe, ich komme gut durch, denn freitags sind Elbtunnel und die vielen Baustellen ein großes Risiko für eine staufreie Fahrt. „Aber auf dem Rückweg könnte ich bei Dir vorbei kommen“, meinte Anita, „doch am Sonntag war ich leider nicht zu Hause.“ Kurzerhand verabredeten wir uns für den darauffolgenden Donnerstag auf ihrer Trainingswiese. „Schön, ich freu mich drauf“, sagten wir fast gleichzeitig, mussten beide lachen und legten auf.

Anita Hermes Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Anita Hermes Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Noch auf dem Weg zu Anita, es regnete mal wieder wie aus Kannen, dachte ich daran, was Mitch so alles gewonnen hat  – echt atemberaubend. Eigentlich müsste er doch von allen Seiten hochgejubelt werden, aber die allgemeinen Beifallsbekundungen halten sich in Grenzen. Während ich so darüber nachdachte, vielen mir viele Fragen ein, die ich Anita unbedingt mal stellen wollte. Ich war gespannt und wenn ich geahnt hätte, was am Abend alles auf den Tisch kommt, wäre ich wohl vor Ungeduld geplatzt.

Ich halte Anita für eine bemerkenswerte Border-Collie-Trainerin mit viel Wissen und Talenten im Umgang mit ihren vierbeinigen Freunden. Dazu gesellen sich aber auch „Reibungsflächen“, die es einigen – nicht positiv Gesinnten – ziemlich leicht machen, ebenfalls ihre Ansichten und Meinungen kund zu tun. An dieser Stelle fällt mir fast automatisch der Satz ein: „Ganz oben wird die Luft dünn“ und Anita ist mit ihren Hunden „oben“.

Treten wir einmal einen Schritt zurück und betrachten das Ganze aus der Ferne und neutral. Anitas Hunde gehören mit zu den erfolgreichsten unserer Republik und das sollten wir auch so wahrnehmen. Zudem gehört sie zu den wenigen Trainern, die mit Rückenwind eines Sponsors in den „Wettkampf“ ziehen. Bei unserem Treffen haben wir auch über die „alten Zeiten“ gesprochen, in denen alles angefangen hat; (Anita und Freunde waren schließlich die Ersten in Old Germany und haben den Verein für diese „Spezialisten“ gegründet). Wie ist das mit den „alten Weggefährten“? Da standen sie noch gemeinsam auf der Trainings-Weide, was heute, vorsichtig und zurückhaltend ausgedrückt, nicht mehr mit allen möglich ist. Wir sprachen an diesem Abend auch noch über viele andere Themen, über die ich zu einem späteren Zeitpunkt berichten werde.

Na ja, nichts bleibt wie es war, denn die Welt dreht sich bekanntlich immer weiter.

Anita Hermes /Hütetraining Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Anita Hermes /Hütetraining Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Mitch hat uns in den letzten Jahren so manches Mal verblüfft und den Mund vor Staunen offen stehen lassen, auch bei einigen heimlichen und unheimlichen Beobachtern und Kritiker. Aber auch seine Zeit ist nicht unendlich. Wen überrascht es da wirklich, dass es bereits einen Kronprinzen gibt, der schon mit den Pfoten scharrt, um in die Welt hinaus zu ziehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch er uns überraschen wird. Bei Anita klingt das dann in etwa so: „Roger passt super zu mir, denn er ist ein junger, starker Hund mit weichem Bewegungsmuster“. Hört sich zunächst sehr „trocken“ an, aber jeder, der Anita näher kennt, weiß, dass diese vierbeinigen Zauberlehrlinge zu ihrem Leben und ihrer Familie gehören.

Roger, der „Kronprinz“ Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Roger, der „Kronprinz“ Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Falls also jemand auf den abwegigen Gedanken kommt, Anita würde „irgendwann mal“ kürzer treten wollen, dem möchte ich nach meinem Treffen sagen: „Ihr werdet weiterhin mit Anita Hermes und ihren Hunden rechnen müssen, auch in einem Finale der Europameisterschaft.“

Eine Trainerin mit unglaublichen Fähigkeiten, aber auch mit zahlreichen Ecken und Kanten. Es ist schon erstaunlich, wenn jemand ein karges auskommen in Kauf nimmt und sein Leben derart auf die Hunde fokussiert, „nur“ um alle Kraft diesen vierbeinigen Spezialisten widmen zu können. Anita Hermes ist extrem, doch besondere Leistungen fordern meist besonderes Handeln.

Aber hey, freuen wir uns einfach darüber, dass auch solche Talente in unserer Nachbarschaft wohnen,

…dann ist alles Roger!

Hütehunde / 7. Meißendorfer Schnuckenderby bei Ulrike Galler

Endlich war es soweit, dass Schnuckenderby bei Ulrike stand wieder vor der Tür und sie hatte auch dieses Jahr wieder viele Border Collie „Verrückte“ aus ganz Deutschland eingeladen. Verrückt hört sich vielleicht zu hart an, nennen wir es Begeisterung. Diesmal wollte ich mich schon Freitagmittag auf den Weg machen, um gaaanz entspannt dieses Wochenende anzugehen. Dumm nur, das bei der morgendlichen Schaf Kontrolle, ich zwei Patienten entdeckt habe. Verdammt dachte ich, dass mit dem entspannten Freitag wird wohl wieder nix. Ein Bocklamm hatte zwar nur eine kleine Verletzung am Schwanz, aber es waren bereits die ersten Fliegenlarven zu sehen und der zweite Kandidat hatte quasi über Nacht Durchfall vom „feinsten“ bekommen. Die Larven bekomme ich leider nicht mit Hausmittelchen weg, also auf zu meinem Doc und holen was „Tante Bayer“ zu bieten hat. Der Durchfallpatient war schnell verarztet, aber die kleinen Eindringlinge sind da schon hartnäckiger. Sud anrühren, freischneiden, abtupfen, abwaschen und zum Schluss noch eine Spritze setzen. …und wieder ist unsere ungeliebte Tante zum Einsatz gekommen. Keiner will sie, aber alle laden sie regelmäßig ein.

Zur Klarstellung: meine Tante Ursula ist auch ohne Chemie immer herzlich willkommen.

Nun bin ich aber auf dem Weg, zwar etwas später als gedacht, aber für meine Verhältnisse noch immer früh, denn mein Navi flüsterte: Ankunft in 25 Minuten und das war 17.30 Uhr. Weil ich den „Bürgerkrieg“ auf deutschen Autobahnen umfahren habe, hatte alles super geklappt  – das mit der Fahrt meine ich. Ulrike läuft sicher bereits zur „Hochform“ auf und ist vermutlich kurz vor einem „Herzinfarkt“.  Ulrike, halte durch! Die Welt ist eine Nussschale. Warum? Ich trete Samstagmorgen gegen 07.00 Uhr aus der Tür meiner Pension. Im Umland vom Derby gibt es hunderte von Übernachtungen, was sehe ich aber als erstes, einen VW Bulli dessen Nummer ich kannte. In dieser kleinen, bescheidenen Behausung hatten auch Hans-Jürgen und Marlis (Werbke) Quartier bezogen. Wow, die Welt ist eine Nussschale.

Der erste Tag des 7. Meißendorfer Schnuckenderbys begann um 08.30 Uhr mit einem Briefing der Klasse 3. Das Schnuckendeby ist auch einer der wenigen Trials in Old Germany, auf denen alle 3 Klassen am Start stehen. Ganz besonders gespannt war ich auf die Teams: Sonja Müller, Hans-Jürgen Werbke und Viola Hebeler in der Klasse 3, aber auch auf Stefan Ostholt,  Sarah Suer und Hauke Thomsen, der mit Moss zum zweiten Mal in der Klasse 2 gestartet ist und natürlich auch auf die Klasse 1.

Team Sonja Müller am Startpfosten Ⓒ Jasemin Be

Team Sonja Müller am Startpfosten Ⓒ Jasemin Be

Nach einer kurzen Begrüßung eröffnete Sonja Müller mit ihrer Look das Schnuckenderby 2016. Look lief und lief und lief, fand aber keine Schafe. Als er dann doch in Richtung Schafe kam, bogen die Damen aus dem Stand links ab und galoppierten in Endgeschwindigkeit Richtung Ruhepferch. Der Lauf war vorbei und alle fragten sich „was zum Teufel war das jetzt“? Ok, im hinteren Teil war das Gras vielleicht etwas höher als sonst, aber die Schafe im gestreckten Galopp sofort Richtung Ruhepferch? Das konnte sich keiner erklären, denn Sonja und ihre Hunde machten sonst einen guten Job. Dem folgten 3 erfahrene Teams. Tina Eichler mit Nuts, Hans-Jürgen Werbke mit Juli und Viola Hebeler mit Gismo. Wow, war das aufregend. Aber auch hier wurde alles auf den Kopf gestellt. Keines der Teams konnte seinen Lauf an diesem Tag zufriedenstellend beenden. Am Nachmittag wurden die Mädels langsam ruhiger, aber wir befanden uns noch immer auf einem „Minenfeld“, denn die Schafe hatten irgendwie einen ganz anderen Stundenplan.

Das Schnuckenderby ist für eine nette Atmosphäre und gut gängige Damen bekannt. (Mit gut gängigen „Damen“ meine ich natürlich die Schafe) Atmosphäre und Stimmung war super, doch was sind das für Läufe? Am Abend beim gemeinsamen Grillen, lerne ich zum ersten Mal auch einen Verein, meinen Verein ABCD (Arbeitsgemeinschaft für Border Collies in Deutschland) kennen, der am Lagerfeuer nicht nur Geselligkeit, sondern auch Zusammenhalt repräsentierte. Der Tag wurde besprochen, Scherze gemacht und Tina Eichler hatte für eine gemeinsame Moderation mit mir ganz „besondere Vorschläge“  …die ich hier im Einzelnen nicht wiederholen möchte. Nur so viel, es hat mit tanzen und einem Schafskostüm zutun. Viola Hebeler stand der Veranstalterin Ulrike Galler am Nachmittag bei einem sehr schweren Gang zur Seite. Ihr allererster Border Collie musste mit 16 Jahren eingeschläfert werden. Sie verbrachte viele Stunden bei den beiden und tat alles, was nur irgendwie möglich war. Am Lagerfeuer hörte ich einen wunderbaren Satz: „Das Wochenende ist so schön, das lasse ich mir doch nicht von einem 10 minütigen schlechten Lauf versauen“. Wie schon gesagt, einfach wunderbar. Was den Lauf von Abby und mir betrifft, so hat sie alles richtig gemacht. Super Outrun, gute Annahme, Tor getroffen (was an diesem Tag nicht so ganz selbstverständlich war) und lies sich zu meiner großen Freude auch auf großen Entfernungen gut steuern. Nach meiner Umrundung brachen die Damen kurz aus und meine Abby stoppte sie mit einer Schein Attacke, um sie weiter in Richtung Quertreibtor zu bringen. Ich war ganz happy, dass sie nicht härter in die Mädels gegangen ist, sondern nur angedeutet hat  – aber dies empfand der Richter bereits als unangebracht, so dass wir dafür ein Dis bekamen. Ich war so überrascht, dass ich beim Richter nachfragte, aber ich erhielt erneut ein „ Thank You“. Der Richter (James P. McGee) hat halt immer recht. Ähnliches Unverständnis viel mir bei den Punkten in der Klasse 3 auf. Sorry, vielleicht bin ich einfach noch zu unerfahren und kann das ganze Wunderland noch nicht so richtig beurteilen, aber wundern im „Wunderland“ kann man sich doch schon. Wie auch immer, an diesem Tag (nicht nur am abendlichen Lagerfeuer) habe ich eine ABCD, kennen gelernt, die mir gut gefallen hat.

Neuer Tag neues Glück und so war es dann auch. Der zweite Tag begann toll. Klasse Läufe, entspannte Schafe und gute Stimmung  -die ohnehin fantastisch war. Karin Ahnemann hatte als Course Director den Laden im Griff und machte einen guten Job. Was den Richter und Ex Weltmeister betrifft, so hat er ohne Zweifel tolles geleistet und außergewöhnliche Fähigkeiten, aber seine Punktevergabe führten sehr oft zu Diskussionen. Sein eigener Demonstrationslauf war sensationell und zeigte die ganze Klasse eines Weltmeisters und vielen Zuschauern war sicher gar nicht bewusst, was sie für eine Besonderheit auf dem Schnuckenderby 2016 zu sehen bekommen haben. Aber, ja genau es gibt ein aber, denn den Sieger Lauf von Dr. Hans-Jürgen Werbke mit seiner Ebby, fanden einige besser, weil der Ablauf noch flüssiger war. Ich weiß, dass ist etwas anmaßend, aber sorry, das sind nur Meinungen und was die Punktebewertung von James P. McGee für diesen Siegerlauf betrifft (76_Punkte), lasst mich kurz nachdenken, fand ich  …sagen wir neutral „sehr überraschend“.

Hans-Jürgen Werbke /Konzentration Ⓒ Jasemin Be

Hans-Jürgen Werbke /Konzentration Ⓒ Jasemin Be

Die zweiten „Superstars an diesem Tag waren für mich Viola Hebeler und Gismo, ein traumhaftes Team.  Noch größer war meine Verwunderung, als ich von Viola erfahren habe, das dieser  „Überflieger“ Gismo erst 3 Jahre jung ist. Ihr könnt sicher sein, da kommt noch was „Großes“ auf uns zu. Große Freude kam bei mir aber auch auf, als ich Hansi Lehmann am Startpfosten gesehen habe. Leider lief an diesem Tag nicht alles so, wie wir es von diesem Team gewohnt sind. Was soll`s, ein Tag ist nicht wie der andere und beim nächsten Trial bringen sie uns sicher wieder zum Staunen. Eine wahre Freude war an diesem Tag auch Marcus Fiske und Cap, in der Klasse 1. Herzlichen Glückwunsch. Abby und ich schafften es auf Platz 4.

Hardi P.Schaarschmidt mit Abby am Startpfosten Ⓒ Jasemin Be

Hardi P.Schaarschmidt mit Abby am Startpfosten Ⓒ Jasemin Be

Ein tolles Trial, mit leichten Anlaufschwierigkeiten am Samstagvormittag, doch danach und vor allem am Sonntag hat uns eine traumhafte Zeit beschert hat. Wir bedanken uns bei Ulrike Galler, den Schafstellern , aber auch bei den Teams Viola Hebeler mit Gismo, Hans-Jürgen Werbke mit Ebby & Juli und allen anderen Teams, die ihr Können gezeigt haben und uns vor Begeisterung Beifall klatschen ließen.

Vielen Dank, ihr habt uns tolle Momente beschert.

 

Hüte-Trial in Ellerdorf bei Susan Mester

Mein Trial in Ellerdorf begann nicht am Startpfosten, sondern gemeinsam mit Elke Lackmann und ihrer Familie auf einer Bockauktion. Ich bin einen Tag früher in den „Echten Norden“ gefahren, um einen wunderbaren Nachmittag auf einer regionalen Auktion zu verbringen  – hat Spaß gemacht. Am Abend ging es wieder auf die Straße, zu einer weiteren Border Collie Freundin, Regine Frerichs. Um es vorweg zu nehmen, wir haben uns so gut verstanden, dass ich gleich bis Montag geblieben bin.

Bockauktion @ Hardi Schaarschmidt

Bockauktion @ Hardi Schaarschmidt

Am nächsten Tag stehe ich vor dem Ortseingangsschild von Wacken, doch ich möchte nicht zum größten Heavy Metall Festival der Welt (das bekanntlich jedes Jahr in Wacken stattfindet), sondern zum Festival der Individualisten. Ich bin unterwegs zum Ellerdorfer Hüte-Trial bei Susan Mester. Die Sonne „brütet“ gefühlt wie in Afrika und in ca. 2 Stunden stehe ich mit Abby am Startpfosten. Also die kurze Pause in Wacken beenden und auf zum Trial.

Festiwal der Individualisten @ Hardi Schaarschmidt

Festival der Individualisten @ Hardi Schaarschmidt

Viele halten die Wacken-Besucher für „verrückt“ oder zumindest für seltsam  – denn tagelang im Regen campen, um Bands zu sehen, will nicht jedem einleuchten. Was ist aber mit uns Border Collie Leuten? Wir sind Samstag und Sonntag jeweils nur 10 Minuten auf dem Trialfeld, fahren quer durch die Republik und sind das ganze Wochenende unterwegs. Ist das etwa „vernünftiger“? Natürlich nicht, das ist Leidenschaft und Leidenschaft fragt in der Regel selten nach Vernunft. Noch unterwegs musste ich einige Trial Kollegen anrufen, da mein Navi die Straße am Trialfeld nicht finden konnte. Bis mir Hauke am Telefon von Ellerdorf aus die ungefähre Richtung der „Arbeitsfläche“ angeben konnte. Auweia dachte ich, was soll das bloß werden, es ist jetzt schon so warm und meine Uhr zeigt erst 08.50 Uhr. Die Begrüßung ist jedes Mal toll, denn man trifft Mitstreiter, mit denen man die Wettkampf-Zeit sehr gern verbringt. Ob nun Nele, Elke, Sonja, Katja, Ulrike, Stefan, Hauke oder auch der Richter Hans-Jürgen Werbke, „Es ist schön, dass auch ihr da ward“. Die Parcoursbegehung wurde schnell erledigt, denn die Veranstalterin Susan Mester hatte alles gut organisiert, nur das Gras fand ich etwas zu hoch und musste gleich an Elkes kleine Hündin Dita denken, die an manchen Stellen vom „Grün“ sicher ganz „verschluckt“ würde.

Na ja, was muss das muss.

Trotz 32° im Schatten, lieferten wir gute Leistungen ab. Die Teams waren konzentriert, die Schafe uns gnädig und so präsentierten sich am ersten Tag auch die Ergebnisse. Ich war mächtig stolz auf meine Abby, dass wir bei den vielen guten Leistungen mit 81 Punkten den 2. Platz erringen konnten. Nachmittags stellten Abby und ich die Schafe für die Klasse 2 und ich muss sagen, dieser Job was 10-mal härter als unser Lauf am Vormittag. Nach 2 Stunden Schafe stellen, waren wir so geschafft, dass ich schon überlegt habe, uns ablösen zu lassen. Die Sonne hat uns derart heftig „durchgebraten“, dass ich mir wie ein Steak in der Pfanne vorkam und Abby fing an, meine Kommandos zu ignorieren. Deshalb an dieser Stelle: Respekt vor allen Schafstellern, die zwar diese Aufgabe gern erledigen, aber meist (nicht immer) zu wenig Beachtung finden. Darauf werden wir in Zukunft mehr achten, denn es ist einer der wichtigsten Jobs auf jedem Trial.

90 Damen @ Hardi Schaarschmidt

90 Damen @ Hardi Schaarschmidt

Als Schafsteller finde ich es besonders spannend, wie der Hund eines jeden Teams die Schafe annimmt. Einige mussten ganz dicht an die Mädels heran, um sie in Bewegung zu setzen und bei anderen konnte ich sie im hohen Gras noch nicht einmal sehen und die Schafe marschierten bereits los. Unsere vierbeinigen Kollegen sind eben auch echte Individualisten.

Samstag war ein anstrengender, aber guter Trial Tag.

Samstag ist Samstag und Sontag? Was war am Sontag?  Der Sontag war „wild“. Die Ergebnisliste spricht Bände. Kaum gute Läufe, viele „Dis“ und wenige Punkte. Die Hundeführer namens recht unterschiedlich auf. Die einen waren ärgerlich (was verständlich ist, aber natürlich so garnix bringt), die anderen waren gelassen (Beifall) und die nächsten wurden still. Ein solcher Tag bringt auch für den Richter wenig Freude und wir hatten die Vermutung, dass er bei jedem „Dis“-Signal (mit seiner Autohupe) aus „Verzweiflung“ schon mit seinem Kopf aufs Lenkrad und Hupe schlägt. Aber Hans-Jürgen Werbke schlug sich wacker und gab uns viele Tipps mit auf den Weg. So ist das aber manchmal, wir arbeiten mit Lebewesen, da müssen wir es uns einfach abgewöhnen, immer alles unter Kontrolle haben zu wollen.

Auf Grund der Autobahnsperrung bin ich bei Regine bis Montagmorgen geblieben, was kein ärgerlicher Umstand war, sondern im Gegenteil, einen Riesenspaß gemacht hat. Regine, „du bist nicht nur eine Individualistin in Reinkultur, sondern auch sehr gastfreundlich und ich freue mich auf meinen nächsten Besuch bei Dir“.

Die Teilnehmer / Trial in Ellerdorf @ Hardi Schaarschmidt

Die Teilnehmer / Trial in Ellerdorf @ Hardi Schaarschmidt

Einige haben sich am Sonntag schon früher auf den Weg gemacht und waren zum Abschlussfoto bereits auf dem Heimweg, denn die A7 wurde komplett gesperrt und das lies nix GUTES erahnen. Vielen Dank an die Veranstalterin Susan Mester  …auch für den tollen Grill-Abend.

So war es, das Trial in Ellerdorf bei Susan Mester und
wir kommen nächstes Jahr sehr gern wieder.

 

Hütewettbewerb Schnuckenderby oder Versteckte Kamera

Ich habe es immer gewusst, meine „Schaffreundin“ Ulrike Galler hat anscheinend einen geheimen Vertrag mit RTL und ihr Mann, Dr. Galler, fährt Montagmorgen nicht in seine Firma, sondern zu einem Fernsehsender. Ich gehe fast jede Wette ein, dass es sich beim Schnuckendarby um eine Neuauflage der Sendung  „Versteckte Kamera“ handelt.

Für alle Nichteingeweihten, das Schnuckenderby ist in Nord-Deutschland eines der beliebtesten Hütewettbewerbe für Border Collies und Ulrike ist die Veranstalterin. Was hat aber nun die Neuauflage der „Versteckten Kamera“ mit diesem Wettkampf zu tun? Berechtigte Frage!
…dann solltet ihr mal miterleben, was sich am Anmeldetag abspielt, um einen der begehrten Startplätze zu „erkämpfen“. Anja legt bei der Arbeit eine Sonderpause ein, um sich per Firmen-PC anzumelden, Stefan nimmt sein Laptop mit auf eine Familienfeier und erklärt, dass er 21,45 Uhr sich erstmal um einen Startplatz kümmern muss. Kann das nicht noch warten? war die Reaktion. „Warten? Beim „Schnuckenderby“? In einigen Minuten ist alles gelaufen“ war Stefan`s Antwort.
Hunderte sitzen in Old Germany zur Anmeldezeit  vor ihren Bildschirmen und das ist der erste Wettkampf bei diesem Trial.

Ulrike Galler @ Hardi Schaarschmidt

Ulrike Galler @ Hardi Schaarschmidt

Wer ist „schuld“? Natürlich Ulrike. Meine Vermutung ist: dieser Anmelde-Wettkampf ist immer spannender geworden, so dass manche Szenen zu Hause filmreif sind. Da manche Fernsehsender so ziemlich alles auf die Bildschirme bringen, könnten die „millionenfachen“ Anmeldedramen ein lohnendes Sendeprofil sein, denn nicht nur Anja und Stefan wollen bei diesem Derby starten, sondern auch viele andere

…und natürlich auch ich.

Schnuckenderby – Anmeldung /Donnerstag 22.00 Uhr @ Hardi Schaarschmidt

Schnuckenderby – Anmeldung /Donnerstag 22.00 Uhr @ Hardi Schaarschmidt

Was stellt man nicht alles an, um auf diesem Trial am Startpfosten zu stehen. Ich zum Beispiel, habe mich gemeinsam mit Jasi am Anmeldetag 21.30 Uhr startbereit gemacht. Der Wettstreit beginnt ja beim Schnuckenderby nicht auf dem Trialfeld, sondern bekanntlich am Anmeldetag. Hast du hier eine schlechte „Platzierung“, sieht der Rest auch nicht rosig aus. Was benötigt man für diese erste „Leistungsprüfung“?

–              Weingläser
–              Rotwein
–              2 Laptops
–              Zuversicht
–              und eine große Portion Glück

Nach diesen „gewissenhaften“ Vorbereitungen gingen wir ans Werk. Der Plan war: Jasi kümmert sich um die Anmeldung am Samstag und ich um Sonntag. Ab 22.00 Uhr war die Anmeldung freigegeben und genau in diesen Minuten, im ganzen Land, saßen Hunderte von Startern voller Spannung vor ihren Monitoren. „WOW ist das aufregend“, sagt Jasi, „sowas habe ich auch noch nicht erlebt“.

…3-2-1 meins

Startplatz @ Hardi Schaarschmidt

Startplatz @ Hardi Schaarschmidt

Jubel, Korken knallen, anstoßen, wir haben es tatsächlich geschafft. Startplätze für Samstag und Sonntag. Zwei Tage später habe ich mich mit Stefan (der sich beim Anmeldewettkampf ebenfalls gut platzieren konnte) unterhalten. Ich war der Meinung, dass Schnuckenderby sei nach ca. 10 Sekunden voll gewesen, aber Stefan hatte dies noch genauer beobachtet, und  kam auf 6 Sekunden. Nochmal in Worten: sechs Sekunden. Damit waren aber auch gleichzeitig ca. 100 Warteplätze gemeint. Was meine Vermutung zur Sendung „Versteckte Kamera“ angeht, so durchsuche doch jeder einmal sein Büro, ob er nicht vielleicht eine Cam mit dem Logo eines Fernsehsenders findet.

Wenn diese Startplätze immer begehrter werden und irgendwann in Demos, Kundgebungen oder gar Aufständen enden, kommt vielleicht der eine oder andere auf den Gedanken: ich versteigere meinen Startplatz bei eBay  – für sehr viel Geld. Ich dachte da so an 10.000,- und würde dann eventuell meinen Startplatz gegen einen gebrauchten Geländewagen umtauschen. Ein fairer Tausch.

Wer ist „schuld“?, natürlich die Veranstalterin Ulrike Galler.
Was organisiert sie ach so ein tolles Event.

Nachtrag:
Für Außenstehende und Nicht – Border Collie Besitzer hört sich das Anmelde Chaos ziemlich wirr an, aber sprecht einmal selbst mit Wettkampfteilnehmern  …oder einem, der es versucht hat.

Border Collie bei der Arbeit – oder der ganz normale Wahnsinn

Immer wenn wir glauben, dass geht schnell, wir haben alles im Griff, lauert bereits der „Wahnsinn“ hinter der nächsten Ecke. Border Collies bei der Arbeit heißt meistens, Schafe auf eine andere Weide umtreiben. Das ist ok und diesen Job beherrschen sie wie kein anderer „Kollege“. Die Herde zusammenhalten, nachtreiben, Ausreisser zurückholen oder eine Flanke absichern, so läuft das auch bei mir auf dem Kloster. Doch zuweilen passieren „Dinge“, die uns das Herz in die Hose rutschen lassen und an diesem Tag hatte ich zum ersten Mal wirklich Angst um das Leben meiner Abby.

Schafe umtreiben Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Schafe umtreiben Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Zunächst verlief wieder alles wie geplant, bis zu dem Zeitpunkt, als meine Truppe (90 meiner 120 Schafe) die neu abgesteckte Fläche betraten. 15 unerfahrene Lämmer von „The Next Generation“ liefen etwas seitlicher und blieben nicht wie vermutet bei ihren Müttern. Die große Truppe „donnerte“ also innen und die Kleinen außen am Zaun entlang. Alles natürlich im gesteckten Galopp. Verdammt, dachte ich, so war das jetzt nicht geplant. Diese Weide reicht bis an die Hauptstraße und genau in diese Richtung liefen sie wie von der Tarantel gestochen. 75 innen und 15 außen. „Normaler Weise“ hält Abby die Schafe immer an und bringt sie zurück, aber 15 Lämmer in voller Fahrt von ihren Müttern zu trennen, eine schwierige Mission. Bei all dem hatte ich natürlich auch noch keinen Strom auf dem Zaun und hoffte, dass die Damen wegen ihrer fehlenden Lämmer keinen Unsinn machten. Irgendwie lief alles langsam aus dem Ruder und wer hatte Schuld? Natürlich PAN, der Gott aller Hirten. Dieser stressige Kerl hat mal wieder ganze Arbeit geleistet und aus „nix“ eine große Aktion gemacht.

The Next Generation Ⓒ Jasemin Be

The Next Generation Ⓒ Jasemin Be

90 Schafe wie Raketen in Richtung Hauptstraße unterwegs, mein Hund hinterher und ich im Übergang in einen panischen Zustand. Man soll ja immer Ruhe bewahren, aber dieser Anblick war alles andere als „beruhigend“.

Nicht nur das meine Haupt-Truppe am Zaunende der Bundesstraße ankam, sondern nun auch noch der Absperrung entlang der Straße lief. Dies war ja kein Problem, nur die 15 Lämmer waren außerhalb auf dem schmalen Grünstreifen zwischen Straße und Zaun …inkl. meiner Abby. Falls jemand auf den Gedanken kommen sollte, dass sie den Verkehr blockierten, nein, alle Fahrzeuge fuhren unbeirrt weiter. Nun war es mit meinem Vorsatz, immer Ruhe zu bewahren, endgültig vorbei. Nicht, dass dies alles schon schlimm genug gewesen wäre, versuchte auch noch eines der Lämmer mit aller Macht durch den E-Zaun zu seiner Mutter zu gelangen und hing darin fest. Das Chaos war perfekt. 75 aufgebrachte Tiere innen, ein Lamm im Zaun, 14 panische Lämmer vor dem Zaun auf dem schmalen Grünstreifen und meine Abby zwischen den Lämmern und der Straße. Von den vorbeifahrenden Autos war mein Hund jetzt noch 50 cm entfernt. Falls es den PAN wirklich gibt und er auch hier seine Hände im Spiel hatte, so muss ich ihn jetzt leider verhauen. Pfeif auf Gottheit oder nicht, denn meine Abby schwebte tatsächlich in Lebensgefahr. Bei all dem Durcheinander durfte sie sich keinen Zentimeter bewegen, sondern NUR langsam vorwärts zwischen die wild gewordenen Lämmer gehen. Ich holte tief Luft, und sprach so ruhig es nur irgendwie ging auf meine Abby ein
…und sie vertraute mir.

Danach stellte ich mich mitten auf die Straße, hielt mit quietschenden Bremsen und Verkehrschaos   den kompletten Verkehr an und brachte die Lämmer zurück in die große Gruppe.

Der ganz normale Wahnsinn.