Kategorie-Archiv: Hunde

Schlimmer geht’s immer

Es ist 22 Uhr,  im Fernsehen läuft so ganz nebenbei Dr. House und vor mir steht mein aufgeklappter Laptop. Während ich über das vergangene Wochenende nachdenke, das mal wieder mit einem Feuerwerk der Ereignisse gespickt war, fallen mir 1000 Dinge ein. Eigentlich grenzt es fast schon an ein Wunder, dass sich alles doch noch wie ein verrücktes Puzzle zusammengefügt hat. Drei Tage Border Collie Show mit Bianca, auf einer Burg in Thüringen. Hört sich doch eigentlich ganz entspannt an, dachte ich.

Mittwoch
Dieses Abenteuerwochenende fing schon jetzt an. Der Meister aller Überraschungskünste PAN, stand an diesem Tag sicher schon hinter einem Baum und beobachtete mich mit einem fiesen Grinsen im Gesicht. Zunächst stand Anhängerladen auf dem Programm, neues Stroh für die Schafe, Weidegerät, Pferch und die Tontechnik. Dann setzte sich eine Kette von Ereignissen in Gang, an die ich mich noch lange erinnern werde. Auch wenn der Beginn der wundersamen Erlebnisse als keine so große Sache daher kam, so war er dennoch der Auftakt zu Dingen, die keiner haben will- außer man liebt böse Überraschungen.

Nachdem die ersten Erlebnis-Reiseartikel verstaut waren, setzte ich kurz den Anhänger um, denn das frische Stroh war am anderen Ende meines Stalls. Dumm nur, dass sich die 50 Meter Geflügelnetz am Anhänger verfingen und ich es beim Überfahren völlig verknotete. Falls jemand schon mal versucht hat, ein hartnäckig verknotetes Netz zu entwirren, der kann erahnen, was ich da nun auf die Schnelle wieder sortieren wollte. Unmöglich. Nach dem Schreck drehte ich am Zündschlüssel, um das Netz wieder frei zu bekommen, aber… nichts. Mein Auto gibt keinen einzigen Ton von sich, es hat sich in den Ruhestand verabschiedet- zumindest in den vorzeitigen Feierabend. Hey mein Freund, wir haben schon so viel zusammen erlebt. Ich habe dich versorgt und du hast mir steht’s treu zur Seite gestanden, aber heute magst du einfach nicht mehr. Wie kann ich dir helfen?

Als erstes habe ich den Auto-Ganz-Macher angerufen, einen Freund aus der Autowerkstatt. In der Zwischenzeit stand das verknotete 50 Meter Netz auf meinem Programm. Wenn ich mich dazu entschließe, ein so übel zugerichtetes Netz nicht weg-zu-werfen, sondern zu entwirren, arbeite ich nicht mit dem Messer, sondern möchte es im Stück erhalten. Ich sage nur, nichts für schwache Nerven und der berühmte Geduldsfaden muss eigentliche ein armdickes Stahlseil sein.

Nach einer aufregenden Stunde und tausend Kämpfen mit dem Netz, aber vor allem mit mir, bog der Wagen des Auto-Profis um die Ecke. Kurze Begrüßung und Lagebesprechung, dann die schnelle Diagnose: Deine Batterie ist leer, aber die eigentliche Frage ist warum? Ich vermute es liegt an der Lichtmaschine. Nach kurzem Durchmessen stand es fest, meine Lichtmaschine hatte Fehlfunktionen und Aussetzer. Ein Profi hat natürlich immer eine Ersatzbatterie zur Hand, die er sofort einbaute, mir aber auch den eindringlichen Rat gab: Jetzt kannst du erst mal weiter arbeiten, die Lichtmaschine kann jederzeit komplett ausfallen, am besten du kommst morgen früh in meine Werkstatt. Schnelle Hilfe, guter Ratschlag, nur schlecht, dass mein Arbeitsplan am nächsten Tag bereits bedenklich voll war und im wahrsten Sinne des Wortes aus allen Temin-Nähten platzte.

Steffen Krop verabschiedete sich, natürlich nicht ohne den nochmaligen dringlichen Hinweis: Bis morgen. Ich sehe mal, wie ich es schaffe, war meine Antwort und machte mich mit flinken Fingern sogleich wieder daran, das verunglückte Netz zu ordnen, um anschließend nochmals alle Schafe abfahren zu können. Eigentlich wollte ich doch nur in Ruhe den Anhänger vorbereiten und dann ist ein Wettlauf gegen die Zeit daraus geworden. Die Sonne bereitete sich um diese Uhrzeit bereits auf den Feierabend vor. Es war spät geworden, als ich zu Hause eintraf. Eine Aufgabe war noch nicht erledigt, die Vorbereitung auf die Pressekonferenz am nächsten Morgen in Oldenburg. Dies war der Mittwoch und ich war froh, doch noch alles unter den berühmten Hut bekommen zu haben, obwohl sich ein seltsames Gefühl einschlich, dass ich nicht genau definieren konnte, aber es war da. Weg mit den trüben Gedanken, was sollte schon passieren. Zu einer Pressekonferenz eingeladen zu werden, bei der auch mir viele Pressevertreter zuhören, ist doch was Positives und macht Spaß. Das seltsame Gefühl hatte sich aber fest eingenistet und begleitete mich ganz heimlich bis in den Schlaf.

Donnerstag
Neuer Tag, neues Glück. Schon beim ersten Augenaufschlag lachte die Sonne durch das Fenster und ich sprang voller Tatendrang aus den Federn. An diesem Tag hatte ich viel vor. Nachdem Hunde und Enten versorgt waren, galt es, mich ansehnlich herzurichten, was an sich schon eine Herausforderung darstellte. Sämtliche Pressevertreter des westlichen Niedersachsens sollten anwesend sein. Da möchte man doch nicht wie ein schräger Waldkautz daherkommen. Trotz größter Bemühungen- war mein Erscheinungsbild nur mäßig gelungen. Bei einem schnellen Kaffee ging ich, natürlich voll konzentriert, den Tagesplan in Gedanken durch:

  • 09 Uhr Abfahrt Oldenburg
  • 11 Uhr Pressekonferenz
  • 13 Uhr Rückfahrt nach Nienburg
  • 14 Uhr Tiere laden Hunde /Schafe /Enten
  • 15 Uhr Abfahrt nach Thüringen
  • 15 Uhr- 19 Uhr /Autobahn
  • 19 Uhr Tiere unterbringen
  • 20 Uhr Aufbau
  • 21 Uhr Hotel

Leben ist das, was passiert, während man etwas anderes plant.

Bis zur Pressekonferenz verlief alles nach Plan. Sie war sogar besser, als ich erhofft hatte. Freundliche Begrüßung, netter Gastgeber, tolles Büffet, viele Pressevertreter und ich konnte ausführlich von meiner Arbeit und unserer Border- Collie- Show berichten. Die Stimmung war gut, Fragen kamen zur bevorstehenden Veranstaltung reichlich und die eingeplante Zeit war an diesem Tag für niemanden interessant, außer für mich. Nicht dass dies einer falsch versteht. Es machte mir großen Spaß und es war eine Ehre, eingeladen worden zu sein, aber ich musste noch zu einem Schloss in Thüringen. Nach der Pressekonferenz kam das Fotoshooting. Alle bitte nach draußen und Aufstellung nehmen. Dann folgten die Anweisungen der Profis: sie bitte weiter nach vorn, sie bitte weiter in die Mitte, alle etwas mehr zusammen, sie bitte…

Zwei Fronten standen sich freundschaftlich gegenüber, auf der einen Seite die komplette Truppe des Veranstalters mit mir und den Hunden, auf der anderen Seite- das Heer der Fotografen. Heer ist vielleicht doch etwas übertrieben, aber verdeutlicht eine gefühlte Übermacht.

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Alle Bilder waren geschossen und die letzte Hand geschüttelt, dass hieß für mich, Tiere laden und ab nach Hause. Mein Zeitplan war etwas durcheinander, aber passte noch. Die Enten in ein extra abgetrenntes Abteil im Anhänger packen, die Schafe bringen die Hunde in ihr Mobilhome und zum Schluss kommen die Hunde mit ins Auto. Klappt fast immer perfekt, denn wir sind ja ein eingespieltes Team. Unsere Aufstellung sah wie folgt aus:  May schickte ich hinter die Schafe, Abby stand auf der einen Seite des Anhängers und ich auf der anderen. Hilfsmittel wie Gatter oder andere Absperrungen brauchten wir nicht. Netze auf und los. Die Hunde May und Abby haben alles richtig gemacht, nur ich habe mich zu früh von meinem Posten wegbewegt, so dass die schlauen Damen schnell eine Lücke zwischen Anhänger und mir erkannten, um auf das dahinterliegende prächtige Grün zu gelangen. Erkannt und getan, sie galoppierten vorbei. Das ist jetzt nicht euer Ernst, war mein Gedanke. Also alles wieder auf Anfang und diesmal verhielt ich mich nicht wieder voreilig, sondern habe meinen Posten standhaft verteidigt. Alle Tiere waren verladen, der Tank bis zum Rand gefüllt, also konnte es endlich losgehen. Auf nach Thüringen.

Nun hatte ich vier Stunden Autobahnfahrt vor mir. Vielleicht etwas langweilig, aber in solchen Situationen denke ich über all meine Aktivitäten gern auch mal tiefgründiger nach und manchmal ist das gemächliche Dahinrollen sogar entspannend. Die elektronische Fahrtenhelferin zeigte nur zwei unproblematische Baustellen an, keinen Stau, so dass mein Tagesplan, trotz Verspätung, doch noch klappen könnte.

Nach vierzig Minuten Landstraße fuhr ich in Hannover auf die Autobahn. Der Verkehr wurde zwar dichter, aber kein Problem  …dachte ich. Der Verkehr wurde immer langsamer, bis wir ganz zum Stehen kamen. Da berichteten sie im Radio auch schon: Stau auf der A2 nach einem Unfall in  der Baustelle bei Herrenhausen. Da fahre ich gerade mal eine halbe Stunde und stehe auch schon im Stau. Das passt ja heute besonders gut und meine Ruhe vom gemächlichen Dahinrollen war schlagartig verflogen. Unglaublich, da bin ich gerade mal dreißig Minuten unterwegs, fahre auf die Autobahn und stehe sofort im Stau. Vollgepackt bis unters Dach mit Netzen, Zubehör, Tontechnik, Hunden, Schafen und Enten, auf dem Weg nach Thüringen, aber wir stehen gleich am Anfang im Stau. Bereits gestern dachte ich, was kann noch Schlimmeres kommen, doch:
Schlimmer geht`s immer.

Falls nun jemand meint, was für ein Pech, der hat Recht. Dies war aber nur ein laues Lüftchen, zu dem was da noch kommen sollte. Ein Tornado war im Anflug. Nach fünfundvierzig Minuten löste sich der Stau langsam auf, zumindest ging es Stück für Stück weiter, bis unser Tross allmählich wieder Fahrt aufnehmen konnte. Na prima, wieder eine Stunde verloren. Jetzt werde ich nicht mehr im Hellen mit den Arbeiten fertig, sondern muss mit dem Mond als Beleuchtung Vorlieb nehmen. Nur im schwachen Scheinwerferlicht die Damen bewegen, ohne dass man die Hunde sehen kann, das grenzt schon fast an ein Kunststück. Nein, das ist ein Kunststück. War ich glücklich, dass die Reise weitergehen konnte und begann mit Überlegungen, wie ich das ganze Geschehen im dunklen organisieren wollte. Die Tiere waren ruhig, ich gelassen und der Wagen schnurrte über die Autobahn. Genau so sollte es sein.

Dieses Glücksgefühl dauerte ganze zwanzig Minuten. Dann leuchtete im Armaturenbrett etwas auf, das- was keiner von uns gern auf langer Fahrt sehen möchte, die Motor-Stör-Leuchte. Gleich danach blinkte die Batterie-Warn-Leuchte auf und der Motor verlor im selben Moment an Leistung, gefolgt von Aussetzern in der Zündung. Panik kroch in mir hoch.

Die Zündung hatte ein Einsehen und fing sich wieder, aber der Leistungsverlust machte mir mehr als nur Kopfzerbrechen, denn wir waren vollgepackt bis in die letzte Ecke. Eine dunkle Vision folgte, sollte sich die Lichtmaschine verabschiedet haben, so dass auch die Batterie leer ist und nun alle Steuerelemente ausfallen? Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf, aber dann war es auch schon so weit, der Motor kollabierte und gab kein Lebenszeichen mehr von sich.

Ich befand mich gerade kurz vor einer Tankstelle und rollte noch mit letztem Schwung auf deren Freifläche.  Endstation.

Ich stieg aus.

Denk nach, was machst du als erstes.

Natürlich nach den Tieren sehen und dann?  …und dann fiel mir der Rat meines Mechanikers ein, komme in die Werkstatt, deine Lichtmaschine kann jederzeit komplett ausfallen. Herzlichen Glückwunsch, ist passiert. Da stand ich also wieder, vollgepackt und natürlich auch wieder mit Hunden, Schafen und Enten. Niemand baut mir heute Nacht eine neue Lichtmaschine ein und überhaupt, was mache ich mit meinen Tieren? Glück im Unglück, ich bin im ADAC. Nach meinem ersten Panikanfall, beruhigte ich mich, holte einen Klappstuhl aus dem Anhänger, ich bin ja immer voll ausgerüstet, mache es mir bequem und suchte die Nummer der Gelben Engel.

Obwohl es mit riesen Schritten dem Abend zuging, war es noch immer heiß. Ich stand mit meinem Gefährt am Rande der Tankstelle, hatte durch Zufall einen Schattenplatz erwischt und richtete mich schon auf eine lange Nacht ein. Nur noch mal zur Erinnerung, ich bin keine hundert Kilometer weit gekommen, aber bereits einige Stunden unterwegs, bin mit Mann und Maus gestrandet und stehe am Rand einer Autobahntankstelle. Der Veranstalter, zu dem ich unterwegs war, hatte für seine drei Tagesveranstaltung kräftig Werbung gemacht, natürlich auch für uns und die Hotelzimmer wurden lange im Voraus gebucht. In den letzten Jahren ist dies bereits die dritte Autobahn Katastrophe. Vor drei Jahren nachts auf der Autobahn Richtung Sauerland, dieses Jahr in Österreich und jetzt wieder auf dem Weg nach Thüringen. In allen drei Fällen, genau wie heute, vollgepackt bis unter das Dach und immer mit Hunden, Schafen und natürlich auch Enten. Ich sollte also langsam Erfahrung und eine gewisse Routine darin haben. Über das Autobahn Chaos im Sauerland, habe ich ja schon in meinem Buch Tiergefährten geschrieben, das Drama Österreich steht in meinem Buch Beste Freunde (was demnächst erscheint und unglaubliche Kurzgeschichten enthält). Dieses Desaster belasse ich in meinem Blog, sonst könnte ich irgendwann einmal  nur etwas über Dramen auf der Autobahn schreiben. Titel: Autobahn –willkommen im Chaos.

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Guten Tag, meine Name ist Peter Schaarschmidt, ich möchte eine Autopanne melden. Einen Moment bitte. Guten Tag, wo stehen Sie? Ich stehe auf der A7 bei Hildesheim in Richtung Göttingen, der Tankstelle Hildesheimer Börde.  Herr Schaarschmidt, ich habe ihre Nummer und ihren Standort notiert, wir rufen sie gleich zurück. Bei den ersten beiden Autobahn-Abenteuern hatte ich immer mit der Aussage des ADAC`s  zu kämpfen: Wir kümmern uns darum, aber Tiere transportieren wir nicht. Dies ist doch genau der Satz, den man nachts auf der Autobahn, mit einem Gefährt voller Tiere, hören möchte. Nun wartete ich also. Auf was?  Auf eine kleine Portion Glücksgefühle und den Anruf des ADAC. Nach meinen einschlägigen Autobahn-Erfahrungen, machte ich mich daran den Stellplatz in mein Heim zu verwandeln, denn es waren Geduld, gute Nerven und vermutlich eine lange Nacht angesagt. Natürlich schoss mir auch hier wieder eine Frage durch den Kopf: Passieren eigentlich immer nur mir solche Katastrophen? Nach langer Überlegung kam ich dann zu dem beruhigenden Schluss, ich reise mit meiner Karawane wirklich extrem viel umher …nur auf dem Sofa passieren keine Überraschungen. Vom schlechten Fernsehprogramm mal abgesehen, dass überraschend immer noch schlechter werden kann. Da meine Situation nun mal so war wie sie war, richtete ich mich ein.

Nun begann die erzwungene Reise-Pause und den Vorbeifahrenden stand die Verwunderung deutlich ins Gesicht geschrieben. Ich habe sogar darüber nachgedacht, Netze zu stecke um meine Damen weiden zu lasse. Nachdem ich es mir bequem gemacht hatte, startete meine Telefonitis. Freunde waren entsetzt, meine Freundin schockiert und der Veranstalter alles andere als begeistert. So plätscherte der Tankstellen-Aufenthalt dahin. Der Abend hatte Einzug gehalten, der Tankstellenbetreiber brachte mir Getränke, ich versorgte die Tiere und erste Gäste trafen ein.

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Ihr habt richtig gelesen, Gäste! Mein Autobahn-Desaster hatte sich schnell herumgesprochen und da ich noch nicht weit gekommen war (bei Hildesheim auf der A7), trafen Freunde und Bekannte ein. Wäre der Anlass nicht so ernst gewesen, hätte man viel Spaß haben können. Aber nein, die Weltverschwörung hatte beschlossen, mir nicht nur den Tag, sondern gleich das ganze Wochenende zu vermiesen. Also kam es wie es kommen musste, mein Auto stand mal wieder auf einem Abschlepper und mein Pferdeanhänger hinten dran. Beim Aufladen hatte ich so ganz nebenbei erfahren, dass die beiden rettenden Gelben Engel erst 2 Tage beim ADAC arbeiteten, was wohl auch ihre ratlosen Augen erklärte, als sie versuchten die Auflade-Technik in Gang zu setzen.

Ich habe kurzzeitig darüber nachgedacht, für den Abschlepper einen Abschlepper zu holen, denn sie waren offensichtliche Anfänger, ohne die Last von lästigem Wissen. Schlimmer geht’s halt immer.

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Während die fast Profis mit der Technik kämpften, stellte sich aber die Frage: Was nun? Tiere bis unters Dach und der Veranstalter wartete auch auf meine Anreise. Dann kam einem der zahlreichen Besucher die zündende Idee: Ich arbeite unweit von hier in einer KFZ Werkstatt, du könntest mit unserem Firmenwagen weiterfahren. Gesagt getan. Wir fuhren vorweg und die tapferen Gelben Engel hinterher. Dann ging alles sehr schnell. Auto abstellen, umladen und schon konnte es weitergehen. Da es bereits dunkel war, ich aber noch viele Kilometer zu fahren hatte, lief mir ein leichter Schauer über den Rücken, denn die Ankunftszeit bewegte sich Richtung  2 Uhr (natürlich nachts). Nachts im Schlosspark abladen, aufbauen und Tiere im Dunkeln umsetzen, das wird der krönende Abschluss einer abenteuerlichen Anreise.

So kam es dann auch. Nur dass ich nicht 2 Uhr im Schloss ankam, sondern wegen einer
Autobahn-Nacht-Baustelle erst 3 Uhr.

Schlimmer geht`s immer.

 

Weihnachtsgrüße an alle Border Collie Besitzer, Hunde Liebhaber und Natur-Freunde

Weihnachtsgrüße an alle Border Collie Besitzer, Hunde Liebhaber und Natur-Freunde.

Weihnachtsgrüße an alle Border Collie Besitzer, Hunde Liebhaber und alle Natur-Freunde

Weihnachtsgrüße an alle Border Collie Besitzer, Hunde Liebhaber und Natur-Freunde

Die Besten der Besten – Border Collies – Deutsche Meisterschaft 2018

Es ist Dienstagnachmittag, der Wettergott ist mir freundlich gestimmt. Nur der Diesel in meinem Auto bereitet mir Kopfschmerzen. Irgendjemand scheint ihn regelmäßig abzulassen, denn mein Tank ist ständig leer. Ich fahre gerade alle meine Schafe auf den Weiden ab, stelle zusätzlich Heuballen und Wasser zu den Damen, damit alle gut versorgt sind. Morgen Früh fahre ich zur Deutschen Meisterschaft der Border Collies, nicht als Zuschauer, nein- sondern als Organisator der Veranstaltung. In einem kleinen Anflug von Überheblichkeit dachte ich: Das machst du doch mit links. Die Ereignisse haben mich später eines Besseren belehrt.

Die Besten der Besten - Border Collies - Deutsche Meisterschaft 2018

Die Besten der Besten – Border Collies – Deutsche Meisterschaft 2018

Mittwochmorgen  4:15 Uhr- der Wecker schreit mich erbarmungslos an und dabei wird dieser freche Kerl auch noch immer lauter. Ich kündige ihm die Freundschaft und drücke auf aus. Meine Jasi neben mir steht nun auch auf. Ein früher, müder Start in den neuen Tag, aber heute geht es Richtung Thüringen, auf die fast unendlichen Flächen der Thüringeti. Kaffee, duschen, Koffer verstauen, Hunde einladen und los, so war der Plan. Doch wofür werde Pläne gemacht? Damit sie von Gevatter Zufall über den Haufen geworfen werden.  Aus irgendeiner Eingebung heraus, wollte ich (noch in der Dunkelheit) nach meinen Schafen sehen. Auf der Weide angekommen, traute ich meinen Augen nicht. Die Damen hatten alle Wasserkübel umgeworfen.

Nun kam der entspannende Teil der Anreise, vier Stunden Autobahn- nicht schön, aber ruhig. Bei langen Reisen auf diesen Beton Adern der Wirtschaft habe ich immer genügend Zeit, über alle mir wichtigen Themen nachzudenken, auch über das bevorstehende Treffen Der Besten. Manche sagen auch Deutsche Meisterschaft dazu. Nach viereinhalb Stunden fuhr ich auf den Hof der Thüringeti und mir blieb fast das Herz stehen. Pferde- auf der geplanten Wettkampffläche stehen Pferde.

Pferde? Warum stehen da Pferde?

Der Farmbesitzer relaxt ganz entspannt vor seinem Haus, trinkt genüsslich ein Mittagsbier und beobachtet meine Ankunft. Kein Hallo oder sonstige Begrüßung, sondern: Wir müssen als Erstes einen Plan machen. Hallo Heinz, war meine Begrüßung, auf der Trial Fläche stehen Pferde!? Für euch hat sich doch nichts geändert, war seine Antwort. Aber dieses Mal geht es um die Deutsche Meisterschaft und dafür brauchen unsere Teams viel mehr Platz, als bei unserem letzten Trial. Wir sind doch alles abgegangen und haben den Ablauf besprochen?!

Setz dich und trinke erst mal einen Kaffee, meint Heinz. Bevor ich hier einen ganzen Haufen unzufriedener Border Collie Leute habe, schauen wir uns dann endlich doch noch ein Paar andere Flächen an. Also ab in die unendlichen Weiten der Thüringeti. Eigentlich habe ich es immer für ein Gerücht gehalten, dass es in Thüringen eine Mega Farm gibt, zumindest für deutsche Verhältnisse, mit 700 Pferden, 600 Rindern und zahlreichem anderen Getier. Alle vergnügen sich ganzjährig im Freien- irgendwie ein Stück Wunderwelt oder gar Paradies. Weiß das der Papst?

Schnell in die edle Stahl Karosse eingestiegen und die 200 Pferdestärken in Bewegung gesetzt. Das Land ist weit und unsere Wege lang. So brausen wir von einem Highland  zu Highland, von einer grandiosen Fläche zur anderen. Dann aber kamen wir an eine leichte Anhöhe und der Anblick war weitaus mehr als nur toll! Er war überwältigend! Mitten in Thüringen stand ich vor den sanften Hügeln in Wales. Unfassbar! Eine Wettkampffläche bei der man sich nicht nur über Größe und Weite freut, sondern sich am Startpfosten auch noch vom Anblick des Paradieses tragen lassen kann.

Mit anderen Worten: That`s it.

Die Besten der Besten - Border Collies - Deutsche Meisterschaft 2018

That`s it

Noch während ich mit meinen Glückshormonen kämpfe, kommen ganz nüchterne Themen auf den Tisch: Sortieranlage, Startpfosten, Ruhepferch, wo soll der Richterwagen hin und tausend andere Dinge. Ich muss aufpassen, dass ich einen klaren Kopf behalte, denn neben den vielen Gedanken, die gerade auf mich einströmen, bin ich noch immer von dem grandiosen Ausblick überwältigt. Ein Gedankenfunke bringt mich aber schlagartig wieder zurück auf den harten Boden der Realität. Schafe! Für die bevorstehende Deutsche Meisterschaft stehen von einer benachbarten Schäferei 300 Merino Land Schafe bereit und diese prächtigen Tiere sind alles andere als kooperativ oder leicht von den Border Collies zu bewegen.

Aber hey, das ist die Deutsche Meisterschaft und keiner hat versprochen, dass dieser Titel einfach zu bekommen ist. Schließlich treten die Besten der Besten an, unsere hoffnungsvollsten Teams, die sich mit Fleiß, Ausdauer und vielen Starts bis zu diesem Punkt vorgekämpft haben. Auch wenn man sich zum Anschieben dieser bewollten Zwerg-Elefanten sorry Merino Schafe zwei Rottweiler wünschen würde, so ist es doch ein realistischer Ausschnitt aus der täglichen Arbeit.

Da bekommt der Begriff Elefanten-Rennen doch gleich eine ganz andere Bedeutung.

Die fleißigen Mitarbeiter der Thüringeti Farm sind ein Segen, denn wo hat man sonst schon so professionelle Helfer, die mit allen schweren Gerätschaften ausgestattet sind? Der Wunschzettel für diesen Moment: Wir brauchen zwei Wasserwagen, Richterwagen, Stromgerät mit großem Erdspieß, unsere Netze (angeblich Wolf sicher) und bitte die neu gekaufte Sortieranlage auf die ausgesuchte Traumfläche. Prompt setzte sich ALLES in Bewegung. Die Helfer-Profis der Farm schnappten sich ihre Gerätschaften und karrten alles heran was der Wunschzettel verkündete und wir machten uns mit den 300 korpulenten Damen auf den Weg, trieben sie auf die Wettkampffläche.

Die Besten der Besten - Border Collies - Deutsche Meisterschaft 2018

300 Schafe Richtung Wettkampffläche  (Man beachte am Ende der Herde die Größenverhältnisse Schaf / Hund)

Noch während wir im Schweiße unseres Angesichts das Puzzle der Sortieranlage zu lösen versuchten, sahen wir am anderen Ende der Fläche, in ca. 1.000 Meter Entfernung, die ersten neugierigen Starter aufs Feld fahren. Was macht man als erstes, wenn man zur Deutschen Meisterschaft fährt? Nein nicht ins Hotel oder erst mal einen Kaffee trinken, sondern sofort und ohne Umweg auf die Kampf-Fläche, klein Wales fahren. Die Begeisterung war bei allen riesengroß, bis sie die Herausforderung erkannten, Elefanten schieben.

Von nun an  fielen nach und nach die Starter mit Hunderten von Border Collies in Thüringen ein.

Kurz für Nichteingeweihte und Trial-Muffel, schwer-gängige Schafe zu bewegen ist eine ganz besondere Herausforderung. Denn in der Regel werden die sogenannten Trial-Hunde /Wettkampf-Hunde so trainiert, dass sie die Kommandos ihrer Ausbilder auch in großen Entfernungen exakt umsetzen, aber eigenverantwortliches Handeln meist vernachlässigt wird oder teilweise sogar unerwünscht ist. Dann kann es also vorkommen, dass unser vierbeiniger Kollege in 600 Meter Entfernung auf bewollte Zwerg-Elefanten trifft, die den sonst sehr gerühmten Border Collie Blick ignorieren und ihnen auf der Stirn geschrieben steht:

Was willst du Hündchen von mir? Komm doch her, wenn du dich traust.

Was macht dann unser vierbeiniger Kollege? Er weiß nicht so recht weiter und ist in einer solchen Situation alles andere als selbstbewusst. Haben wir keinen selbstständig agierende, mitdenkende Hund gefördert, endet ein Lauf meist im Fiasko, denn der vierbeinige Kollege steht dann vor einer für ihn unlösbaren Aufgabe. Zudem ist  der Hundeführer meist enttäuscht, obwohl er es hätte besser wissen müssen. Einer unserer erfolgreichsten Wettkämpfer, ein Polizist aus Schleswig Holstein, sagte einmal die unglücklichen Worte: Man kann sie wie Joysticks steuern und bewegen.

Brrr…  gruseliger Satz.

Wir bauen noch immer die Sortieranlage auf und die Anreisewelle mit kurzer Besichtigung der Kampfarena läuft ebenfalls. Sie bereiten sich bereits seelisch auf ihre Aufgabe vor, die alles andere als einfach werden wird. Natürlich ist uns bewusst, dass der eine oder andere am Abend den Kopf mehr als nur nachdenklich auf sein Kopfkissen legt, aber hey, es sind die Besten der Besten die wir in Deutschland haben. Sorry, dass ich euch nicht einfache Woll-Mädels, leichte Aufgaben und viele Punkte garantieren kann  -aber einfach wollte ich es ja auch nicht..

Eines muss ich aber an dieser Stelle vorwegnehmen, bei einigen Kämpfern war ich schwer beeindruckt, wie sie als Team zusammen arbeiten und hart um ihre beste Leistung ringen.

Ich habe Respekt und das ist nicht nur eine Floskel,
sondern wirklich größte Hochachtung.

Deutsche Meister Schaft 2018, Tag eins und der erste Start ist schon früh angesetzt. So früh, dass wir den Hotel Chef bitten mussten, um 5:00 Uhr extra für uns Kaffee zu kochen. Er präsentierte uns aber nicht nur den Wachmacher, sondern auch ein ausgiebiges Frühstück. Das war die Rettung! Denn die Nacht war kurz, die Augen noch klein, die Bewegungen langsam, aber nach der zweiten Tasse Kaffee kam auch zu dieser frühen Morgenstunde gute Stimmung auf. Unser Hotel war von Border Collie Menschen belagert, einige nahmen ihre vierbeinigen Kollegen sogar mit aufs Zimmer. Doch nun hieß es:  Wettkampfmodus, dass wird nicht leicht.

Mit am Tisch saß der Richter, ein hochgewachsener blonder Mann, um die 60 Jahre, still, bescheiden aber vollgepackt mit Border Collie Wissen. Arthur Roberts  kommt aus dem Mutterland unserer vierbeinigen Raketen, aus England oder genauer gesagt aus Wales. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass es die Engländer /sorry Waliser- mit der Sprache genau wie die Franzosen halten, ein tolles, stolzes Volk, sprechen aber egal wo sie sind, ausschließlich ihre eigenen Sprachen.
Hätte ich doch in der Schule im Englisch Unterricht besser aufgepasst…  Vor der Hoteltür schlug mir die erste Überraschung des Tages entgegen, Nebel. Auf dem Wettkampffeld begann die Morgendämmerung, alle waren anwesend, nur den Nebel hatte wohl Arthur Roberts versehentlich aus Wales mitgebracht, so dass wir keine 50 Meter sehen konnten. Was macht man aber auf der Deutsche Meisterschaft bei Nebel? Nichts! Warten auf bessere Zeiten. Der Richter fühlt sich bei diesen Verhältnissen sofort heimisch und war entspannt, die Starter nicht.

Die Besten der Besten - Border Collies - Deutsche Meisterschaft 2018

Nebel des Grauens

Nach drei Stunden Ewigkeit, lichten sich die britischen Verhältnisse. Die Sonne hat endlich den Kampf gegen den Nebel des Grauens gewonnen. Schlagartig steigt die Spannung, alle nehmen ihre Plätze ein, die Schafgruppe steht bereit und das erste Team meldet sich beim Richter. Der Wettstreit um das beste Team Deutschlands kann beginnen.

Nun könnte ich alle 59 Starter beschreiben, was ich natürlich nicht mache, nur so viel: Es gab Überraschungen, grandiose Leistungen, Enttäuschungen und bei einem, meine ich fast Tränen gesehen zu haben. Elefanten-Schieben– kein leichter Job.

Nach einem aufreibenden ersten Tag, nun die Belohnung für Zweibeiner, Thüringer Rostbratwurst, Bier und Spaß. Was man in einer geselligen Runde doch so alles erfährt. Einige der Teams kamen direkt von der Europameisterschaft und die Gerüchteküche ist die einzige, die den ganzen Tag geöffnet hat. Bei aller Anstrengung und Kampfgeist, soll es auf einer Party zu ungeahnten Überraschungen gekommen sein. Eine Starterin, aus einem der internationalen Teams hat die Gastfreundschaft ganz besonders in Anspruch genommen und nicht nur neue Freundschaften geschlossen, sondern auch mit dem einheimischen Alkohol Bekanntschaft gemacht. Schlaf im Wechsel mit ausgeflippten Tanzeinlagen im Gastraum war die erste Phase, mit kurzem Zusammenbruch und unerklärlichem Verschwinden startete die zweite Phase. Daraufhin folgte die dritte Phase, die Teamkollegen aus ihrer Landesdelegation machten sich auf die Suche, aber wo? Zunächst in anderen Kneipen, danach mit panischem Gesichtsausdruck in Krankenhäusern und Notaufnahmen. Phase vier: Es half nichts, das Verschwinden konnte nicht-mehr geheim gehalten werden, sie mussten zur Polizei. Die Beamten sahen es aber mit großer Gelassenheit, denn das Aufstöbern von voll-trunkenen Partyschrecks war am Wochenende eine ihrer Hauptaufgaben.

Gehen Sie zurück ins Hotel, wir kümmern uns darum, war die Antwort.

So kam es dann auch. Die kurz vor der Bewusstlosigkeit betrunkene Starterin, landete auf wundersamen Wegen wie von selbst bei der Polizei und wurde nach ärztlicher Untersuchung wieder zu ihrem Team zurückgebracht. Solche Abwege haben wir auf der Deutschen Meisterschaft noch nicht erlebt, aber wer weiß schon, was da noch alles kommen mag?!

Tag zwei der Deutschen Meisterschaft 2018. Traumhaftes Wetter, die Kampfarena ist wieder eröffnet. Ralph Aßmann eröffnet den Tag mit seinem Hund Spot. Irgendwie läuft an diesem Tag alles besser, vermutlich haben sich die Starter nun auf die bewollten Elefanten eingestellt. Die Arbeit in der Sortieranlage war dank der umsichtigen und einsatzfreudigen Helfer nahezu perfekt und mit einer maximalen Motivation gesegnet.

Die Besten der Besten - Border Collies - Deutsche Meisterschaft 2018

Neben der Arbeit in der Sortieranlage, übte sich das Team in Schatten-Kunst

Trotz der eigenwilligen 100 Kilo Damen fiel kein lautes Wort und die Hunde kamen innerhalb der Anlage natürlich auch nicht zum Einsatz. Mit Ruhe und Umsicht wurden die Elefanten Babys sortiert und zusammengestellt. War am Schaf-Stellpfosten, bei der Annahme aber ein Hund zu schwach oder konnte in diesem Moment nicht genügend Präsens zeigen, hoben die Damen ab-und-zu den bösen Mittelfinger und bewegten sich wieder Richtung Sortieranlage, zu ihren Freundinnen. An diesem Tag habe ich mit meiner Abby dem Schafsteller eine Zeit lang die Schafe nachgetrieben und abgesichert, so dass ich beim Lift /der Annahme in der ersten Reihe sitzen konnte. Was man am Startpfosten in 600 Meter nur erahnen konnte, spielte sich direkt vor meinen Füßen ab
und es war spannend.

Die Besten der Besten - Border Collies - Deutsche Meisterschaft 2018

Meine Abby war zu diesem Zeitpunkt die zweite Sicherheit für den Schafsteller

So verging wieder Stunde um Stunde. Begeisterung und Beifall lösten Niederlagen und Endtäuschungen ab, aber so ist das nun mal. Bei der Deutschen Meisterschaft bekommt keiner was geschenkt und wo es Gewinner gibt, leiden auch Verlierer.

Lassen wir aber mal die Kirche im Dorf,
es ist Klagen auf hohem Niveau.

Natürlich wollen ALLE in das Finale, obwohl der eine oder andere kurioser Weise genau ahnt, dass sie als Team bei der Aufgabe Look back (schau zurück und hole die zweite Schafgruppe) scheitern werden. Egal, Finale ist Finale, denn allein schon die Teilnahme ist grandios. Nur bei einem Team war ich überrascht dass sie es wegen eines Patzers nicht bis in das Finale geschafft haben, Viola Hebeler mit Gismo. Für mich zählt dieses Team mit zu den Besten der Besten und nach Gismos Verletzung konnten sie sich tatsächlich wieder bis an die Spitze kämpfen. Nur heute nicht.

Die Besten der Besten - Border Collies - Deutsche Meisterschaft 2018

Dr. Viola Hebeler und Gismo

Alle Teams haben zwei Tage gekämpft, gebangt, gejubelt und über die schweren Aufgaben gezetert, aber am Ende der zwei Qualifikationstage kann es nur 12 geben, eben die Besten der Besten.

Das sind sie 2018:

Die Besten der Besten - Border Collies - Deutsche Meisterschaft 2018

Original Starterliste /Deutsche Meisterschaft 2018 Finale

Wir haben das Rad in diesen Tagen nicht neu erfunden, aber Beachtliches war schon dabei. Ich konnte auch, als es in Richtung erster Final-Starter ging, eine ganz besondere Stimmung spüren…
So richtig erklären kann ich es nicht, aber da war ETWAS. Natürlich gaben sich alle gelassen, aber ich konnte auch den Satz hören: Das ist ja nicht irgendein Trial, das ist die Deutsche Meisterschaft.

Ich für meinen Teil- habe die Vorbereitungen für den ersten Finale Starter von der Sortieranlage aus beobachtet. Der Lift war bei diesem Wettkampf, oder besser gesagt bei diesen Woll-Elefanten ganz entscheidend und aus dieser Position war jede Regung des Hundes zu beobachten, die noch nicht einmal der Starter vom Startpfosten aus sehen konnte. Das erste Team hieß Hendrik Kinker mit Hund Win. Grandioser Lauf unter erschwerten Bedingungen, das muss erst mal einer überbieten. So folgte nun Schlag auf Schlag. Alle gaben ihr Bestes. Einige hatten ganz einfach Pech und an diesem Tag leider nicht das Glück der Fleißigen und andere brachten uns zum Staunen. Das Problem Loock back, (Schau zurück und hole die anderen Schafe) muss an diesem Tag ein ansteckender Virus gewesen sein, denn viele waren davon befallen. Aber Finale ist Finale und keiner hat diesen Startplatz geschenkt bekommen.

Nur allein schon für die Teilnahme  – Herzlichen Glückwunsch!

Da am Finale Tag auch zahlreiche Besucher aus der Region angereist waren, um einmal die Besten der Besten aus der Nähe und in Aktion zu sehen, trat ich kurzer Hand nach dem letzten Team vor das Publikum, stellte mich als Mitorganisator vor und lud alle in 30 Minuten auf dem Hof Thüringeti zur Siegerehrung ein. Gerade als ich mich Richtung Hof in Bewegung setzen wollte, standen mir vier Schäfer gegenüber, die gerade angeregt diskutierten. Hallo, war meine Begrüßung, was sagt ihr dazu? Einer der vier Schäfer brachte tatsächlich Lob hervor und die anderen fanden kein so richtiges Gegenargument. Ich kenne diese vier Jungs, aber auch unsere Gespräche Monate vor dieser Veranstaltung. Das hörte sich in etwa so an: Niemals könnt ihr 5 Schafe aus der Herde abtrennen und mit einem Hund per Pfeifkommando bewegen. Sie brechen immer aus und laufen zur Herde zurück, schon gar nicht mit Border Collies. Meine Antwort: Ihr habt aber gesehen, dass es ging und was machen denn die Schotten? Ohne ihre Border Collies wäre die Schafhaltung in Schottland gar nicht möglich! Alle lachten verlegen. Vielleicht haben sie es ja noch nie ernsthaft mit gut ausgebildeten Border Collies probiert?

Nun aber schnell Richtung Hof. Die Siegerehrung für die Deutsche Meisterschaft 2018 steht an. Frauke, Bianca und ich bereiten schon mal die Medaillen und den Tisch für die Präsente vor, bis Eckhard Sievers eintrifft und noch Werbebotschaften seines Sponsors mit ins rechte Licht rücken möchte. Wir schieben also Tische und Bänke zusammen, so das Eckhard seine Banner und Futtersäcke für Fotos präsentieren kann- schon sind alle glücklich.

Die Urkunden sind geschrieben und Sieger 2018 stehen fest:

  1. Win mit Hendrik Kienker
  2. Cap mit Eckhard Sievers 
  3. Dan mit Anita Heserm
Die Besten der Besten - Border Collies - Deutsche Meisterschaft 2018

Cap mit Eckhard Sievers         Win mit Hendrik Kienker         Dan mit Anita Hermes

Die Medaillen sind verteilt, alle Kämpfe ausgefochten und die Besten der Besten 2018 gefunden. Win, Cap und Dan waren grandios, aber- alle, die sich drei Tage lang mit großen Herausforderungen herumgeschlagen haben, waren sehenswert!

Vielen Dank, dass wir euch beim Wettstreit beobachten durften.

 

Veranstalter:      ABCD e.V. /Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland
Organisator:       Bianca Jacobi und H.P.Schaarschmidt  von www.schaf-land.de

Die Hunde der Obdachlosen

Schon von weitem fallen sie auf, Obdachlose mit ihren vollgepackten Fahrrädern. Einige von Ihnen haben einen Hund dabei. Mit den Abenteurern der Landstraße möchten die Meisten nichts zu tun haben, aber die vierbeinigen Begleiter tun uns leid. Ihnen geht es ja sooo schlecht.

An der Supermarktkasse steht manchmal einer hinter uns. Verwegene Frisur, abgetragene Kleidung, umgeben von einem muffigen Geruch,… und wir? Wir halten dezent Abstand. Auch ich stehe gerade an der Kasse und der Mann hinter Mir, ist vermutlich ein Obdachloser. Nachdem ich diese dramatische Begegnung überstanden habe, begebe ich mich erst mal ins Bistro, denn so eine Konsumschlacht strengt ganz schön an. Während ich einen frisch gebrühten Kaffee genieße und mich über die reichlich belegten Brötchen hermache, kommt mir dieser Obdachlose wieder in den Sinn.

Was hat der eigentlich gekauft?  Bestimmt Schnaps.

Kaffee und Brötchen für nur 2,99 €, lecker. Ach was soll’s, ich nehme das Gleiche noch mal. Also bestelle ich bei der freundlichen aber unterbezahlten Bedienung noch einmal die gleiche Runde. Zur Unterhaltung, während der unendlichen 4 Minuten Wartezeit, greife ich mir eine Zeitung. Man, dass dauert heute wieder. Die paar Brötchen können doch nicht so schwierig sein und den Kaffee macht auch ein Automat. Irgendwie scheint sie ihren Job nicht so recht im Griff zu haben. Ok, sie ist allein am Stand… Die Dame muss Kaffee ausgeben, Brötchen belegen, Auslagen auffüllen, Salate anrichten, servieren, abrechnen und immer lächeln, natürlich auch Arbeitsfläche, Tresen und Tische sauber halten. Ganz schön viel, aber egal, ich möchte jetzt meinen zweiten Kaffee und die Brötchen.

So ein zweites Frühstück hat schon was Besonderes. Irgendwie ein Stück Luxus und die Zeit hält auch kurz an. Beim zweiten Teil meiner Pause, wird mir warm. Dieser Laden hat aber auch wirklich Garnichts im Griff- viel zu warm hier.

Irgendwann endet jede Auszeit. Ich ziehe meine dicke Jacke an, setze die Strickmütze auf und mache mich wieder auf den Weg in Richtung Ausgang, dass Tor zur frostigen Außenwelt. Heute Nacht waren es  -8° und im Moment sind es -2°C draußen. Ich schwitze noch immer. Im Bistro war es einfach zu warm. Während ich noch darüber nachdenke, ob ich meine Jacke offen lasse oder nicht, laufe ich die bunte Fassade entlang. Unweit des Eingangs, schauen mich plötzlich zwei Hundeaugen an. Auf einer dicken ISO- Matte und zusätzlich in eine Wolldecke eingepackt,  liegt ein Hund. Daneben sitzt der Obdachlose von eben. Seine Augenringe sind nicht zu übersehen und auch sonst ist er offensichtlich in einem schlechteren Zustand als sein vierbeiniger Freund. Der Hund hat einen neuen Kauknochen zwischen den Zähnen, denn die Verpackung liegt noch neben ihm. Der Obdachlose an der Kasse hinter mir, hatte kein Feuerwasser, sondern einen Zahnpflege- Knochen für seinen vierbeinigen Begleiter gekauft.

Überrascht und wieder in Gedanken versunken, gehe ich weiter zu meinem Auto. Das Bild von dem frierenden Mann und seinem warm eingepackten Hund geht mir nicht aus dem Kopf. Am Auto werde ich von meinen Hunden begrüßt, aber nun müssen wir zu den Schafen. Da wartet eine Menge Arbeit auf uns. Auf dem Weg zu meiner Heu fressenden Hundertschaft, sah ich noch immer die zwei Abenteurer in der Kälte sitzen. Was ist das bloß für ein Leben?! Für Abenteuer bin ich ja recht aufgeschlossen, aber das Leben auf der Straße ist doch wohl ein ganz anderes Universum. Im Sommer könnte man ja noch damit umgehen, aber im Winter ist Schluss mit lustig. Ich fahre rechts ran, warte auf eine Lücke, wende und bewege mich wieder Richtung Supermarkt

Die Hunde der Obdachlosen

Die Hunde der Obdachlosen

Hallo, darf ich Ihnen einen Kaffee ausgeben? – war meine Begrüßung. Klar, Kaffee ist super, kam als Antwort. Ich geh also los, kaufe Kaffee und für den Hund eine Packung Kauknochen. Bitteschön. Darf ich ihrem Hund einen Kauknochen geben? Danke, er hatte gerade einen, aber später gebe ich im den gern.

Schlafen sie jetzt auch draußen?

Die Antwort viel etwas länger aus. Ja klar, aber wenn es richtig kalt wird, versuche ich eine Unterkunft zu finden, in der ich auch mein Hund mit rein darf. Die meisten Unterkünfte dulden keine Tiere, aber ohne meinen Freund gehe ich nirgend wo hin. Wir zwei sind erst seit einem Jahr zusammen. Jack habe ich im Straßengraben gefunden. Er war schwach, unterernährt und wurde vermutlich von einem Auto angefahren. Hätte ich ihn nicht gefunden, wäre er garantiert gestorben. Also habe ich ihn in die nächste Stadt, bis nach Hamburg getragen und zu einem Tierarzt gebracht. Glücklicher Weise war nichts gebrochen, aber sein Allgemeinzustand war wirklich schlimm. Da ich aber die Folgebehandlungen nicht bezahlen konnte, hat mir der Tierarzt in Hamburg eine Adresse vermittelt, bei der die Hunde von Obdachlosen von einer Tierärztin kostenlos behandelt werden.

Kostenlose Hunde Behandlung? Freie Medikamente und eine Tierärztin die umsonst arbeitet?

Um es an dieser Stelle vorweg zu nehmen, diese Hamburger Tierärztin habe ich später angerufen und am Telefon eine bemerkenswerte Frau kennengelernt. Leider möchte sie ungenannt bleiben, aber genau das macht sie als Persönlichkeit noch wertvoller. Aus dem Gespräch ist mir ein Satz ganz besonders im Gedächtnis haften geblieben:

Falls ich als Tier wieder auf die Welt kommen sollte, möchte ich als Hund eines Obdachlosen leben. 24 Stunden bei meinem Herrchen, immer draußen und eine so liebevolle Umsorgung, die nur selten wo anders zu finden ist. Er würde nie seine letzten 5 Euro für Essen oder Schnaps ausgeben, sondern immer für seinen Hund.

Diese Frau hat mich beeindruckt!

Ich stehe noch immer bei den zwei Abenteurern vor dem Supermarkt. Leichter Schneefall setzt ein. Habt ihr jetzt bei dem Frost eine Unterkunft? Ja, nicht weit von hier ist eine Obdachlosen Herberge, in der im Winter auch Hunde mit rein dürfen. In den Unterkünften bin ich aber nicht so gerne. Es gibt Betrunkene und man muss ständig aufpassen, dass einem keiner beklaut. Aber 8 Uhr morgens wird die Herberge geschlossen. Danach haben wir uns heute hierher gesetzt. Ich lege 10 Euro in seinem Becher vor ihm, verabschiede mich und frage: Sind sie morgen wieder hier? Nein, morgen ziehen wir weiter nach Verden, ich treffe mich mit einem Freund.

Diese Begegnung hat mich nachhaltig beschäftigt. Eigentlich braucht man gar nicht so viel um glücklich und zufrieden zu sein. Es muss ja nicht gleich das Leben als Abenteurer auf der Straße sein, aber Weniger ist doch manchmal Mehr…!

Die Hunde der Obdachlosen

Die Hunde der Obdachlosen

Wir alle hängen an Gewohnheiten und Dinge, die doch eigentlich überflüssig sind und uns nur belasten. Oder kann mir bitte einer sage, weshalb die Welt z.B. Zahnpasta mit Lakritz- oder Saure Gurken Geschmack braucht? Ich glaube, wir haben in unserem Blickwinkel auf die Dinge die Schieflage nicht erkannt. Zahlreiche Normalos verachten Obdachlose, von denen einige vielleicht nicht immer vorzeigbar sind, aber viel von ihnen haben, was uns verloren gegangen ist:  Bescheidenheit und ein Leben mit der Natur.

Zudem habe ich auch von den zwei Weltenbummlern vor dem Supermarkt erfahren, wie man auf der Straße landen kann. Er war verheiratet, sie bekamen zwei Kinder und ein Haus von den verstorbenen Schwiegereltern. Natürlich zog auch ein Hund mit in das Haus ein. Die Welt war in Ordnung, bis, ja bis sie in eine Ehekriese gerieten. Diese endete mit Frau weg, Kinder weg, Haus weg. Nicht einmal der Hund ist ihm geblieben. Danach fing er an zu trinken und wieder setzte sich eine ganze Ereigniskette in Bewegung und endete mit Führerschein weg, Job weg, Wohnung weg. So landete er auf der Straße. Sein vierbeiniger Freund Jack ist jetzt seine Familie. Er hört zu, leistet ihm Gesellschaft, achtet weder auf Schönheit oder Geld sondern teilt mit ihm jede Minute seines Lebens.

Ein treuer Freund, ohne Kompromisse.

Nun könnten aber einige pfiffige Köpfe auf den Gedanken kommen: Wir arbeiten mit Hunden, das ist artgerecht, aber die Haltung der Obdachlosen ist nicht tiergerecht. Ich habe auch Arbeitshunde und liebe sie dennoch als Familienmitglieder. Die Hunde der Obdachlosen würde ich ganz nüchtern betrachtet als Begleithunde bezeichnen. Falls jemand möchte, so kann er diesen Begriff gern genauer ergründen. Er wird aber feststellen, dass die Hund der Abenteurer, einen idealen Platz gefunden haben und erinnert uns an die Aussagen der bemerkenswerten Tierärztin aus Hamburg.

Nach diesen Erlebnissen habe ich viel mehr auf diese Wanderer geachtet und festgestellt, dass ich sie früher einfach übersehen habe. Sie sind keine Aussätzigen, sondern Persönlichkeiten und jeder einzelne Mensch bemerkenswert. Was aber die Verbindung zu Tieren betrifft, sind sie uns Normalos meilenweit voraus.

Die Hunde der Obdachlosen

Die Hunde der Obdachlosen

Solltet Ihr also in Zukunft einem Obdachlosen mit seinem Hund begegnen,
schenkt ihm eine Spende und nette Worte.

Die Hunde der Obdachlosen

Die Hunde der Obdachlosen

Der überfahrene Hund …oder Automaten kennen keinen Tierschutz

Für alle Tierfreunde ist dieser Satz schon allein sehr bedrückend, wenn dann aber noch menschliche Dummheit dahintersteckt, könnte man bei dieser Geschichte doch schon gewisse „Hass-Gefühle“ entwickeln. Falls ihr der Meinung seid, ich würde dies zu drastisch ausdrücken, dann lest selbst und wir werden sehen…

An meiner Weidefläche am Kloster führt eine Straße vorbei. Nicht stündlich verstopft, aber zur Feierabendzeit ist da schon etwas mehr los. Tagsüber hält sich der Verkehr in Grenzen und übersteigt nicht den ganz normalen Wahnsinn auf deutschen Straßen. Vor einigen Monaten war ich auf dem Weg zu meinen Damen, um einen Kontrollblick über die „Kloster-Truppe“ zu werfen. Es war vormittags und ich eigentlich auf dem Weg nach Minden. Auf dem Weg lag die Klosterfläche, ein kurzer Kontrollgang  – dass passt. Etwa 800m vor dem Abzweig sah ich schon von weitem einen Auflauf. Lkw, Pkw und Polizei, meist bedeutet das nichts Gutes. So war es dann leider auch. Im Straßengraben lag ein Hund und die Personen diskutierten ganz aufgeregt mit der Polizei. „Verdammt“, war mein erster Gedanke, da hat es diesen Hund aber schlimm erwischt. Bestimmt haben die Besitzer nicht aufgepasst und er ist in ein Auto gelaufen. Das war vor einigen Monaten.

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Der Straßenabschnitt ist schnurgerade und sehr übersichtlich, umso entsetzlicher sind die Ereignisse.

Nun habe ich aber bei einem Bier mich mit dem Kloster-Hausmeister Frank unterhalten und wir kamen auf den Unfall mit dem Hund zu sprechen. Was ich da aber hörte, lies mich mehr als nur zusammenzucken, ich war geschockt. Er kannte einen der Polizisten (Polizeistation Stolzenau), der den Unfall mit aufgenommen hat und es war ganz anders, als ich gedacht hatte.  Der Hund, der überfahren wurde, war schon alt, aber sonst noch ganz fit. Er sah nur nichtmehr so gut und war inzwischen etwas langsamer in seinen Bewegungen  – was halt das Alter so mit sich bringt, aber er kam zurecht. (…nein, ich dachte nicht auch an mich) Doch dieser Senior hatte es nicht nur mit der Unwegsamkeit des Alters zu tun, sondern mit den Automaten des Erdölzeitalters  – mit uns Autofahrern. Jeder sitzt in seiner „fahrenden Burg“, starrt auf die weißen Linien der Straße und macht das, was er gelernt hat. Genau so wie es sich für einen „Automaten“ im Erdölzeitalter gehört. Sind wir denn alle wirklich schon Automaten geworden? Und wie steht es um unser Seelenleben, oder sind wir inzwischen alle schon „programmierbar“? Gibt es in unserem „Speicher“ noch Platz für Verantwortung, Mitgefühl und Nächstenliebe?

An jenem Tag war der „Speicher des Automaten“ mit anderen Dingen beschäftigt, nur nicht mit Sensibilität, Mitgefühl oder Tierliebe. Er handelte tatsächlich wie ein Automat. Was war passiert? Am späten Vormittag, die Straße war nur schwach befahren, steuerte ein Mann mittleren Alters seine fahrende Burg auf der Landstraße an meinem Kloster vorbei. Er machte alles so, wie er es gelernt hatte. Dieser „Automat“ fuhr nicht zu schnell, vorausschauend und behielt auch immer den Rückspiegel im Auge. Die Straße vor ihm war frei und in größerem Abstand folge ihm ein Lkw. Alles war perfekt, denn es passte in sein Schema, in seinen Plan, korrekt von A nach B zu gelangen. Bis dahin können wir diesem wunderlichen Mensch noch folgen, doch dann änderte das Leben die Umstände und er musste eine blitzschnelle Entscheidung treffen. Auf dieser unbefahrenen Straße tauchte weit vor ihm ein Hund auf. Er saß mitten auf der Fahrbahn und war offensichtlich orientierungslos. Der Hund war noch weit weg und man konnte sehen, dass ein weit vorrausfahrendes Fahrzeug, dem Hund langsam auswich. Nun liefen seine grauen Zellen auf Hochtouren, denn er musste neu planen, denn daran hatte er nicht gedacht.  Vor ihm ein Hund, hinter ihm ein Lkw und was würde die Versicherung sagen…  Er fuhr sein Auto nicht schnell und es dauert auch noch einige Zeit bis zu dem alten Hund (der noch immer mitten auf der Straße saß) und traf folgende Entscheidung:

Falls mich der Lkw übersieht, könnte er an meinem Auto eventuell einen Schaden verursachen und die Versicherung würde mir den Schaden nicht bezahlen  …somit fuhr er langsam aber zielstrebig direkt auf den Hund zu.

Er überfuhr den alten Hund in Schrittgeschwindigkeit. Unfassbar!

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Alte Hunde haben besonderen Respekt verdient, denn sie waren ihr ganzes Leben treue Begleiter.

Der Lkw Fahrer hat später bei der Polizei ausgesagt: Schon als ich den Hund aus der Ferne gesehen habe, hielt ich meinen Lkw an und konnte es kaum fassen, dass der Pkw der weit vor fuhr, direkt auf den Hund zu rollte. Ich war entsetzt und stand schon lange, bevor er ihn überfuhr“. Nicht nur die Polizei schüttelte den Kopf, sondern jeder, der vom Treiben dieses „Automaten“ gehört hat.

Schaden am Pkw, 16,90 €

PS.: Nein ich will ihn nicht hassen, nein ich will ihn nicht hassen, …aber man ist ja auch nur ein schwacher Mensch.

Ruhm, Ehre und Geld

Anne Krüger, Eckhard Sievers, oder Serge van der Zweep sind Border Collie „Dirigenten“, was ist aber an diesen „Dirigenten“ so anders? Sind sie genial? Quatsch, natürlich nicht. Wobei Serge van der Zweep schon in einer ganz besonderen Liga spielt. Aber Vorsicht, bei manchen Supertalenten gilt meine „Albert Einstein-Regel“. In dieser einen Sache sind sie außergewöhnlich, fantastisch und unglaublich, aber im normalen Leben manchmal recht gewöhnungsbedürftig. Albert Einstein war in seinem Fach ein Genie, als Mensch und Familienvater „gewöhnungsbedürftig“ bis mangelhaft.

Ich will damit sagen, diese “Border Collie Einsteins“ kochen im normalen Leben auch nur mit H²O und  nur in dieser speziellen „Disziplin“ laufen sie übers Wasser. Wenn aber respektvolle Wertvorstellungen, Erfahrung und dieses außergewöhnliches Talent aufeinander treffen, ist das schon etwas Besonderes und formt außergewöhnliche Menschen. Leider treffen diese drei Umstände nur sehr selten aufeinander, sondern gehen sich meist wie Erzfeinde aus dem Weg. Auf Beispiele möchte ich an dieser Stelle besser verzichten, sonst ernte ich zahlreiche „Unmutsbekundungen“. Das zu unterlassen hat mir eine leise Stimme ins Ohr geflüstert  …die aber nichts mit Kobolden zu tun hat, sondern hinter einem Schreibtisch mit vielen Aktenbergen sitzt.

…na, ihr wisst schon.

Jeder lehne sich einmal auf seinem Stuhl zurück und denke an sein Umfeld. Betrachtet ganz neutral das Leben der kennengelernten Border Collie Spezialisten, denn nur das ganze Bild verkörpert sein handeln. Egal was dabei herauskommt  (Überraschung inklusive), ihre besondere Art mit diesen vierbeinigen Kollegen umzugehen bleibt bestehen.

Border Collie bei der Arbeit   www.schaf-land.de

Border Collie bei der Arbeit www.schaf-land.de

Jubeln wir also nicht blind, sondern freuen uns, dass wir auch solche Border Collie Dirigenten unter uns haben. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, aber halten wir es doch wie mit der Ausbildung unserer Hunde: stärke die Stärken. Meine drei Beispiele machen da keine Ausnahme. Anne ist eine begnadete Tiertrainerin, Eckhart hat den uneingeschränkten Leistungswillen und Serge hat ein außergewöhnliches Gefühl für diese außergewöhnlichen Hunde. Es gibt aber auch Hundeführer, die lassen für Wettkampf Punkte wirklich alles sausen, Familie, Ausbildung oder Beruf, manche sogar alle drei. Wofür? Für Ruhm, Ehre und Geld? Was den Ruhm betrifft, so zeigt uns die Statistik eine ernüchternde Zahl. Für die Trial-Ergebnisse interessieren sich ca. 0,00001 % unserer Bevölkerung. Dabei war ich schon sehr „großzügig“ und habe allen ABCD Mitgliedern (Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland) „unterstellt“, stets wissbegierig nach den neusten Trial-Ergebnissen zu fragen. Ich denke, Ruhm sieht anders aus. Die Ehre ist so eine ganz persönliche Angelegenheit und Wettkämpfe waren schon immer ein Schaufenster für die eigenen Ansprüche. Und Geld, was ist mit Geld verdienen? Trials kosten eigentlich nur Geld, aber ist man erfolgreich, könnten die eigenen Welpen besser verkauft werden oder man wird zu einem Seminar eingeladen. Ich staune immer wieder, wo jedes Jahr die vielen Welpen hingehen. Angeblich alle in beste Verhältnisse mit Arbeit am Vieh.

Irgendwie ein Wunder.

Ich sollte mal in Rom beim Vatikan nachfragen, die kennen sich ja mit Wunder gut aus. Haben wir da etwa bestätigte Wunder? Dann kann für Border Collie Züchter die Heiligsprechung beantragt werden.

Anne Krüger und Serge van der Zweep kämpfen mit einem ganz besonderem Phänomen, dass man sich „eigentlich“ erst hart erarbeiten muss: Übertriebene Kritik. Diese zwei „Überflieger“ haben es doch tatsächlich geschafft, von ihrem Talent gut leben zu können und dem zollen wir Respekt. Nun ist aber aus der begnadeten Tiertrainerin, unserer Anne, eine Geschäftsfrau geworden, die auf Trials leider nur noch sehr selten zu sehen ist. Das ist schade. Serge hingegen, hat seinen Kurs beibehalten und segelt als Kapitän auf seiner Erfolgswelle, soweit sie ihn trägt. Dieser Kurs hat ihm schon mehrfach den Titel „bester Handler“ eingebracht und hat mit seinen Hunden so ziemlich alles gewonnen, was man auf unseren blauen Planeten gewinnen kann.

Serge mit seiner Frau Ⓒ Serge van der Zweep

Serge mit seiner Frau Ⓒ Serge van der Zweep

Serge bildet nicht nur aus, sondern handelt auch mit Border Collies und  das lehne ich selbstverständlich reflexartig ab. Man sollte aber immer Fairness walten lassen und seine „Arbeit“ ganz neutral betrachten. Serge ist in der glücklichen Lage, sein großes Talent und seine Leidenschaft zu seinem Beruf machen zu können, wer möchte das nicht. Dieser „Wunderknabe“ muss also damit seinen Lebensunterhalt bestreiten. Das ist doch eine ganz andere Sache, als „nur“ seinen Idealen zu folgen. Die besten Trialisten in unserem Land sprechen voller Hochachtung von ihm und hoffen (im geheimen) irgendwann auch mal so gut wie Serge zu werden. Na-ja, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Dabei hat doch jeder seinen eigenen Weg und seine eigene Art mit diesen vierbeinigen Raketen umzugehen.

In dieser Szene gibt es viele Individualisten, mit denen der Umgang nicht immer ganz so einfach ist. Hierzu  habe ich von Anita Hermes eine wunderbare Umschreibung gehört  – obwohl Anita mit Sicherheit auch zu diesen Individualisten gehört. „Unsere Arbeit ist so speziell, dass sie nur von Individualisten bewältigt werden kann und solche Individualisten passen nun mal nicht mit jedem zusammen“.   (Anita Hermes)

Ok, diese Erklärung leuchtet uns ein, aber ich habe auch Weltklasse Trainer kennen gelernt, die alles andere als exzentrisch oder schwierig waren, im Gegenteil, sympathisch, unkompliziert und sehr bescheiden. Das erinnert mich irgendwie an die Welt der erfolgreichen Schauspieler. Warum? Da gibt es auch die „lieben und schwierigen“ oder die Tom Hanks und Klaus Kinskis  …das lässt mich dann doch wieder nachdenklich werden.

Wir stehen morgens auf und gehen abends ins Bett, dazwischen leben wir unser Leben. Wir erledigen kleine oder große Dinge und hin und wieder verhindern wir sogar Katastrophen. Kein Tag ist wie der andere, aber das ist gut so  – auch wenn wir mal falsche Entscheidungen treffen.

 

 

Hütetraining bei Hans-Jürgen Werbke

Es ist Sonntagmorgen 5.45 Uhr, eigentlich die richtige Zeit, sich nochmal auf die andere Seite zu drehen, aber da schreit mich plötzlich der Wecker an „Los, aufstehen“. Verdammt, ist die Nacht denn schon vorbei? Nach einem kurzen Moment zünden auch meine „grauen Zellen“: „Ach ja, heute geht es zu Hans Jürgen Werbke“. Mein jüngster Neuzugang May, ist aus seiner Zucht und diese schwarz-weiße kleine Rakete bereichert mein Leben sehr. Sie soll Abby unterstützen, aber später mit mir auch auf Trials gehen. Na ja, lassen wir uns überraschen, denn jeder neuer Tag ist bekanntlich eine Wundertüte.

Wieder zurück zu meinem Wecker. Irgendwie wird er nicht mehr mein liebster Gegenstand, denn er  ist immer so rücksichtslos zu mir. Nachdem seine Stimme verstummt ist, wobei ich etwas „nachgeholfen“ habe, springe ich voller Tatendrang aus dem Bett und kümmere mich um meinen „Lebensretter“, eine Tasse Kaffee. Ich schalte das Radio an und „suche“ mir was zu essen. Glück gehabt, „Futter“ ist vorrätig. Die Hunde habe meine Aktivitäten kurz zur Kenntnis genommen, sich aber wieder hingelegt, denn 5.45 Uhr ist normaler Weise nicht unsere Zeit. Kaffee, wach werden und ab unter die Dusche. Nun melden sich meine Plagegeister auch wieder (keine Flöhe) und lasse sie hinter das Haus. In unserem kleinen Örtchen, muss ich der einzige sein, der zu so einer „unchristlichen“ Zeit seine Hunde pinkeln lässt. Alles erledigt, nun aber auf nach Schleswig Holstein.

Der Empfang war herzlich und zur Begrüßung gab’s erst mal einen Kaffee. Kurze Besprechung, wie der aktuelle Stand seiner/meiner jungen Hündin May ist, wie sie sich bei mir entwickelt hat und was ich bisher gemacht habe. Genau so muss ein Trainingstag beginnen: Ruhig, entspannt, freundschaftlich und nach Vorbereitungen mit einem Plan.

Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /So sehen die Schränke von Siegern aus.

Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /So sehen die Schränke von Siegern aus. www.schaf-land.de

Es macht einfach Freude, Hans-Jürgen bei der „Arbeit“ zuzusehen. Immer mit Ruhe und viel Geduld, von der ich mir noch einiges „besorgen“ muss.

„Eigentlich“ gibt er ja kein Training mehr, da aber May aus seinem letzten Wurf stammt und er ein großes Interesse daran hat, was aus den kleinen Raketen wird, treffen wir uns von nun an regelmäßig. Klar liebe ich alle meine Tiere, aber May zeigt deutlich mehr Talent als meine Abby. Ich möchte mit Hilfe von Hans-Jürgen Werbke so wenig Fehler wie möglich machen  – bin mir aber ziemlich sicher, dass ich auch diesmal wieder „grobe Schnitzer“ produzieren werde.  Selbstkritik bringt uns immer nach vorn, denn bekanntlich liegt das größte Hindernis nicht bei den Vierbeinern, sondern bei uns Zweibeinern.

Balancearbeit hatte ich bereits als Hausaufgabe, doch nun wollten wir mit May anfangen, etwas konkreter zu arbeiten – natürlich ohne Druck und mit viel Zeit. May bot uns viele Lösungen an, die ich nicht immer auf Anhieb erkennen konnte, doch Hans-Jürgen erklärte sie mir sofort. May macht mir wirklich viel Freude und Hans-Jürgen ist mit seinem vierbeinigen Zauberlehrling offensichtlich auch zufrieden. Da wäre nur noch ein klitzekleines Problem, ich muss sie auch gut anleiten und ausbilden.

Outrun, rechts, links, wegtreiben, dass waren die Hauptthemen. Hans-Jürgen und ich probierten, wie May auf verschiedene Situationen reagiert und er gab mir einige ganz spezielle Übungen als Hausaufgabe mit auf den Weg, die ich mit May erarbeiten soll. Bei erfahrenen Trainern sieht immer alles so ruhig, gelassen und selbstverständlich aus, aber gerade das macht sie wohl aus, unsere Besten. Klar gibt es auch einige „Border-Collie-Künstler“, die sehr „lautstark“ agieren und über das Trialfeld brüllen, als wären alle Hunde auf dieser Welt extrem schwerhörig  – doch es geht eben auch anders.

Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /Hier Hans-Jürgen werbke mit May

Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt /Hier Hans-Jürgen Werbke mit May

Zwischendurch kam ein kurzer Besuch aus Meggerdorf. Der Landwirt hatte einen jungen Hund an der Leine und wollte um Rat fragen. „Dann lass ihn doch mal laufen, denn ich möchte sehen, wie ihr zusammen arbeitet. Mach alles wie immer“. Gesagt – getan. Der Hund lief, brachte die Schafe und sollte sich kurz vor uns ablegen. Wow, aber was passierte dann, das down Kommando donnerte wie ein Kanonengeschütz, doch der Hund war höchsten 10m von uns entfernt. Das Ergebnis: Der Hund hörte nicht, erst nach einigen lautstarken Wiederholungen.

„Alles anhalten, so können wir nicht arbeiten“.

Jetzt habe ich die erste Aufgabe für dich, rede leise und nett mit deinem Hund.
„Bisher kannte ich das gar nicht anders“, war seine Antwort.

In Meggerdorf mag das ja so üblich sein, dass alle Nachbarn im Umkreis von 300m immer genau wissen, was trainiert wird, aber ganz sicher nicht hier. Dann nahm Hans-Jürgen den Hund, ging auf die Schafe zu, postierte ihn und fing an, leise mit ihm zu reden. Anschließend schickte er ihn auf den Outrun und als die Damen wieder kurz vor ihm waren, ging er im richtigen Moment einen Schritt auf dem Hund zu und gab ein leises down Kommando. Wunder, oh Wunder, völlig stressfrei legte sich der Hund hin. Das war gut, dachte ich und der Hundebesitzer stand sprachlos da. Ehe ich dir zu irgendwelchen anderen Problemen Ratschläge gebe, trainierst du erst mal (mindesten einen Monat) den ruhigen Umgang mit deinem Hund  – dann sehen wir weiter. „Ich gebe ja kein Training, aber für die Nachbarschaft habe ich gern hilfreiche Ratschläge“. Der Besuch war schnell vorbei, doch für die zwei sicher sehr hilfreich.

So Peter und wir besprechen jetzt, was wir heute alles gemacht haben.

Abschlussbesprechung /Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen WerbkeⒸ Hardi P.Schaarschmidt

Abschlussbesprechung /Trainingsmethode Dr. Hans-Jürgen Werbke Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Es war bereits Nachmittag und ein Kaffee wäre jetzt auch super. Ab in die Küche, Kaffeeautomat in Gang gesetzt und die Frage: Was haben wir heute alles ausprobiert und gesehen? Einiges ausprobiert und mein kleiner Zauberlehrling hat uns viel gezeigt. Genau das sollte unser Ansatz werden, denn der erfahrene Blick auf May ist von Hans-Jürgen Werbke natürlich ein ganz anderer als von mir. Wir besprachen einige Übungen und wie ich mich zu verhalten habe. Auweia, bei dieser Arbeit geht es  nicht nur um meinen Hund, sondern auch um mich. Ich muss mir einige „Unarten“ abgewöhnen und klarer kommunizieren. Hört sich verdammt schlau und logisch an, aber …es gibt immer ein „aber“, das ist alles andere als eine „lockere“ Übung.

Da waren sie also, meine Hausaufgaben für die nächsten 6 Wochen.