Kategorie-Archiv: Hütevorführung

Schlimmer geht’s immer

Es ist 22 Uhr,  im Fernsehen läuft so ganz nebenbei Dr. House und vor mir steht mein aufgeklappter Laptop. Während ich über das vergangene Wochenende nachdenke, das mal wieder mit einem Feuerwerk der Ereignisse gespickt war, fallen mir 1000 Dinge ein. Eigentlich grenzt es fast schon an ein Wunder, dass sich alles doch noch wie ein verrücktes Puzzle zusammengefügt hat. Drei Tage Border Collie Show mit Bianca, auf einer Burg in Thüringen. Hört sich doch eigentlich ganz entspannt an, dachte ich.

Mittwoch
Dieses Abenteuerwochenende fing schon jetzt an. Der Meister aller Überraschungskünste PAN, stand an diesem Tag sicher schon hinter einem Baum und beobachtete mich mit einem fiesen Grinsen im Gesicht. Zunächst stand Anhängerladen auf dem Programm, neues Stroh für die Schafe, Weidegerät, Pferch und die Tontechnik. Dann setzte sich eine Kette von Ereignissen in Gang, an die ich mich noch lange erinnern werde. Auch wenn der Beginn der wundersamen Erlebnisse als keine so große Sache daher kam, so war er dennoch der Auftakt zu Dingen, die keiner haben will- außer man liebt böse Überraschungen.

Nachdem die ersten Erlebnis-Reiseartikel verstaut waren, setzte ich kurz den Anhänger um, denn das frische Stroh war am anderen Ende meines Stalls. Dumm nur, dass sich die 50 Meter Geflügelnetz am Anhänger verfingen und ich es beim Überfahren völlig verknotete. Falls jemand schon mal versucht hat, ein hartnäckig verknotetes Netz zu entwirren, der kann erahnen, was ich da nun auf die Schnelle wieder sortieren wollte. Unmöglich. Nach dem Schreck drehte ich am Zündschlüssel, um das Netz wieder frei zu bekommen, aber… nichts. Mein Auto gibt keinen einzigen Ton von sich, es hat sich in den Ruhestand verabschiedet- zumindest in den vorzeitigen Feierabend. Hey mein Freund, wir haben schon so viel zusammen erlebt. Ich habe dich versorgt und du hast mir steht’s treu zur Seite gestanden, aber heute magst du einfach nicht mehr. Wie kann ich dir helfen?

Als erstes habe ich den Auto-Ganz-Macher angerufen, einen Freund aus der Autowerkstatt. In der Zwischenzeit stand das verknotete 50 Meter Netz auf meinem Programm. Wenn ich mich dazu entschließe, ein so übel zugerichtetes Netz nicht weg-zu-werfen, sondern zu entwirren, arbeite ich nicht mit dem Messer, sondern möchte es im Stück erhalten. Ich sage nur, nichts für schwache Nerven und der berühmte Geduldsfaden muss eigentliche ein armdickes Stahlseil sein.

Nach einer aufregenden Stunde und tausend Kämpfen mit dem Netz, aber vor allem mit mir, bog der Wagen des Auto-Profis um die Ecke. Kurze Begrüßung und Lagebesprechung, dann die schnelle Diagnose: Deine Batterie ist leer, aber die eigentliche Frage ist warum? Ich vermute es liegt an der Lichtmaschine. Nach kurzem Durchmessen stand es fest, meine Lichtmaschine hatte Fehlfunktionen und Aussetzer. Ein Profi hat natürlich immer eine Ersatzbatterie zur Hand, die er sofort einbaute, mir aber auch den eindringlichen Rat gab: Jetzt kannst du erst mal weiter arbeiten, die Lichtmaschine kann jederzeit komplett ausfallen, am besten du kommst morgen früh in meine Werkstatt. Schnelle Hilfe, guter Ratschlag, nur schlecht, dass mein Arbeitsplan am nächsten Tag bereits bedenklich voll war und im wahrsten Sinne des Wortes aus allen Temin-Nähten platzte.

Steffen Krop verabschiedete sich, natürlich nicht ohne den nochmaligen dringlichen Hinweis: Bis morgen. Ich sehe mal, wie ich es schaffe, war meine Antwort und machte mich mit flinken Fingern sogleich wieder daran, das verunglückte Netz zu ordnen, um anschließend nochmals alle Schafe abfahren zu können. Eigentlich wollte ich doch nur in Ruhe den Anhänger vorbereiten und dann ist ein Wettlauf gegen die Zeit daraus geworden. Die Sonne bereitete sich um diese Uhrzeit bereits auf den Feierabend vor. Es war spät geworden, als ich zu Hause eintraf. Eine Aufgabe war noch nicht erledigt, die Vorbereitung auf die Pressekonferenz am nächsten Morgen in Oldenburg. Dies war der Mittwoch und ich war froh, doch noch alles unter den berühmten Hut bekommen zu haben, obwohl sich ein seltsames Gefühl einschlich, dass ich nicht genau definieren konnte, aber es war da. Weg mit den trüben Gedanken, was sollte schon passieren. Zu einer Pressekonferenz eingeladen zu werden, bei der auch mir viele Pressevertreter zuhören, ist doch was Positives und macht Spaß. Das seltsame Gefühl hatte sich aber fest eingenistet und begleitete mich ganz heimlich bis in den Schlaf.

Donnerstag
Neuer Tag, neues Glück. Schon beim ersten Augenaufschlag lachte die Sonne durch das Fenster und ich sprang voller Tatendrang aus den Federn. An diesem Tag hatte ich viel vor. Nachdem Hunde und Enten versorgt waren, galt es, mich ansehnlich herzurichten, was an sich schon eine Herausforderung darstellte. Sämtliche Pressevertreter des westlichen Niedersachsens sollten anwesend sein. Da möchte man doch nicht wie ein schräger Waldkautz daherkommen. Trotz größter Bemühungen- war mein Erscheinungsbild nur mäßig gelungen. Bei einem schnellen Kaffee ging ich, natürlich voll konzentriert, den Tagesplan in Gedanken durch:

  • 09 Uhr Abfahrt Oldenburg
  • 11 Uhr Pressekonferenz
  • 13 Uhr Rückfahrt nach Nienburg
  • 14 Uhr Tiere laden Hunde /Schafe /Enten
  • 15 Uhr Abfahrt nach Thüringen
  • 15 Uhr- 19 Uhr /Autobahn
  • 19 Uhr Tiere unterbringen
  • 20 Uhr Aufbau
  • 21 Uhr Hotel

Leben ist das, was passiert, während man etwas anderes plant.

Bis zur Pressekonferenz verlief alles nach Plan. Sie war sogar besser, als ich erhofft hatte. Freundliche Begrüßung, netter Gastgeber, tolles Büffet, viele Pressevertreter und ich konnte ausführlich von meiner Arbeit und unserer Border- Collie- Show berichten. Die Stimmung war gut, Fragen kamen zur bevorstehenden Veranstaltung reichlich und die eingeplante Zeit war an diesem Tag für niemanden interessant, außer für mich. Nicht dass dies einer falsch versteht. Es machte mir großen Spaß und es war eine Ehre, eingeladen worden zu sein, aber ich musste noch zu einem Schloss in Thüringen. Nach der Pressekonferenz kam das Fotoshooting. Alle bitte nach draußen und Aufstellung nehmen. Dann folgten die Anweisungen der Profis: sie bitte weiter nach vorn, sie bitte weiter in die Mitte, alle etwas mehr zusammen, sie bitte…

Zwei Fronten standen sich freundschaftlich gegenüber, auf der einen Seite die komplette Truppe des Veranstalters mit mir und den Hunden, auf der anderen Seite- das Heer der Fotografen. Heer ist vielleicht doch etwas übertrieben, aber verdeutlicht eine gefühlte Übermacht.

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Alle Bilder waren geschossen und die letzte Hand geschüttelt, dass hieß für mich, Tiere laden und ab nach Hause. Mein Zeitplan war etwas durcheinander, aber passte noch. Die Enten in ein extra abgetrenntes Abteil im Anhänger packen, die Schafe bringen die Hunde in ihr Mobilhome und zum Schluss kommen die Hunde mit ins Auto. Klappt fast immer perfekt, denn wir sind ja ein eingespieltes Team. Unsere Aufstellung sah wie folgt aus:  May schickte ich hinter die Schafe, Abby stand auf der einen Seite des Anhängers und ich auf der anderen. Hilfsmittel wie Gatter oder andere Absperrungen brauchten wir nicht. Netze auf und los. Die Hunde May und Abby haben alles richtig gemacht, nur ich habe mich zu früh von meinem Posten wegbewegt, so dass die schlauen Damen schnell eine Lücke zwischen Anhänger und mir erkannten, um auf das dahinterliegende prächtige Grün zu gelangen. Erkannt und getan, sie galoppierten vorbei. Das ist jetzt nicht euer Ernst, war mein Gedanke. Also alles wieder auf Anfang und diesmal verhielt ich mich nicht wieder voreilig, sondern habe meinen Posten standhaft verteidigt. Alle Tiere waren verladen, der Tank bis zum Rand gefüllt, also konnte es endlich losgehen. Auf nach Thüringen.

Nun hatte ich vier Stunden Autobahnfahrt vor mir. Vielleicht etwas langweilig, aber in solchen Situationen denke ich über all meine Aktivitäten gern auch mal tiefgründiger nach und manchmal ist das gemächliche Dahinrollen sogar entspannend. Die elektronische Fahrtenhelferin zeigte nur zwei unproblematische Baustellen an, keinen Stau, so dass mein Tagesplan, trotz Verspätung, doch noch klappen könnte.

Nach vierzig Minuten Landstraße fuhr ich in Hannover auf die Autobahn. Der Verkehr wurde zwar dichter, aber kein Problem  …dachte ich. Der Verkehr wurde immer langsamer, bis wir ganz zum Stehen kamen. Da berichteten sie im Radio auch schon: Stau auf der A2 nach einem Unfall in  der Baustelle bei Herrenhausen. Da fahre ich gerade mal eine halbe Stunde und stehe auch schon im Stau. Das passt ja heute besonders gut und meine Ruhe vom gemächlichen Dahinrollen war schlagartig verflogen. Unglaublich, da bin ich gerade mal dreißig Minuten unterwegs, fahre auf die Autobahn und stehe sofort im Stau. Vollgepackt bis unters Dach mit Netzen, Zubehör, Tontechnik, Hunden, Schafen und Enten, auf dem Weg nach Thüringen, aber wir stehen gleich am Anfang im Stau. Bereits gestern dachte ich, was kann noch Schlimmeres kommen, doch:
Schlimmer geht`s immer.

Falls nun jemand meint, was für ein Pech, der hat Recht. Dies war aber nur ein laues Lüftchen, zu dem was da noch kommen sollte. Ein Tornado war im Anflug. Nach fünfundvierzig Minuten löste sich der Stau langsam auf, zumindest ging es Stück für Stück weiter, bis unser Tross allmählich wieder Fahrt aufnehmen konnte. Na prima, wieder eine Stunde verloren. Jetzt werde ich nicht mehr im Hellen mit den Arbeiten fertig, sondern muss mit dem Mond als Beleuchtung Vorlieb nehmen. Nur im schwachen Scheinwerferlicht die Damen bewegen, ohne dass man die Hunde sehen kann, das grenzt schon fast an ein Kunststück. Nein, das ist ein Kunststück. War ich glücklich, dass die Reise weitergehen konnte und begann mit Überlegungen, wie ich das ganze Geschehen im dunklen organisieren wollte. Die Tiere waren ruhig, ich gelassen und der Wagen schnurrte über die Autobahn. Genau so sollte es sein.

Dieses Glücksgefühl dauerte ganze zwanzig Minuten. Dann leuchtete im Armaturenbrett etwas auf, das- was keiner von uns gern auf langer Fahrt sehen möchte, die Motor-Stör-Leuchte. Gleich danach blinkte die Batterie-Warn-Leuchte auf und der Motor verlor im selben Moment an Leistung, gefolgt von Aussetzern in der Zündung. Panik kroch in mir hoch.

Die Zündung hatte ein Einsehen und fing sich wieder, aber der Leistungsverlust machte mir mehr als nur Kopfzerbrechen, denn wir waren vollgepackt bis in die letzte Ecke. Eine dunkle Vision folgte, sollte sich die Lichtmaschine verabschiedet haben, so dass auch die Batterie leer ist und nun alle Steuerelemente ausfallen? Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf, aber dann war es auch schon so weit, der Motor kollabierte und gab kein Lebenszeichen mehr von sich.

Ich befand mich gerade kurz vor einer Tankstelle und rollte noch mit letztem Schwung auf deren Freifläche.  Endstation.

Ich stieg aus.

Denk nach, was machst du als erstes.

Natürlich nach den Tieren sehen und dann?  …und dann fiel mir der Rat meines Mechanikers ein, komme in die Werkstatt, deine Lichtmaschine kann jederzeit komplett ausfallen. Herzlichen Glückwunsch, ist passiert. Da stand ich also wieder, vollgepackt und natürlich auch wieder mit Hunden, Schafen und Enten. Niemand baut mir heute Nacht eine neue Lichtmaschine ein und überhaupt, was mache ich mit meinen Tieren? Glück im Unglück, ich bin im ADAC. Nach meinem ersten Panikanfall, beruhigte ich mich, holte einen Klappstuhl aus dem Anhänger, ich bin ja immer voll ausgerüstet, mache es mir bequem und suchte die Nummer der Gelben Engel.

Obwohl es mit riesen Schritten dem Abend zuging, war es noch immer heiß. Ich stand mit meinem Gefährt am Rande der Tankstelle, hatte durch Zufall einen Schattenplatz erwischt und richtete mich schon auf eine lange Nacht ein. Nur noch mal zur Erinnerung, ich bin keine hundert Kilometer weit gekommen, aber bereits einige Stunden unterwegs, bin mit Mann und Maus gestrandet und stehe am Rand einer Autobahntankstelle. Der Veranstalter, zu dem ich unterwegs war, hatte für seine drei Tagesveranstaltung kräftig Werbung gemacht, natürlich auch für uns und die Hotelzimmer wurden lange im Voraus gebucht. In den letzten Jahren ist dies bereits die dritte Autobahn Katastrophe. Vor drei Jahren nachts auf der Autobahn Richtung Sauerland, dieses Jahr in Österreich und jetzt wieder auf dem Weg nach Thüringen. In allen drei Fällen, genau wie heute, vollgepackt bis unter das Dach und immer mit Hunden, Schafen und natürlich auch Enten. Ich sollte also langsam Erfahrung und eine gewisse Routine darin haben. Über das Autobahn Chaos im Sauerland, habe ich ja schon in meinem Buch Tiergefährten geschrieben, das Drama Österreich steht in meinem Buch Beste Freunde (was demnächst erscheint und unglaubliche Kurzgeschichten enthält). Dieses Desaster belasse ich in meinem Blog, sonst könnte ich irgendwann einmal  nur etwas über Dramen auf der Autobahn schreiben. Titel: Autobahn –willkommen im Chaos.

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt  Schaf-Land.de

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt Schaf-Land.de

Guten Tag, meine Name ist Peter Schaarschmidt, ich möchte eine Autopanne melden. Einen Moment bitte. Guten Tag, wo stehen Sie? Ich stehe auf der A7 bei Hildesheim in Richtung Göttingen, der Tankstelle Hildesheimer Börde.  Herr Schaarschmidt, ich habe ihre Nummer und ihren Standort notiert, wir rufen sie gleich zurück. Bei den ersten beiden Autobahn-Abenteuern hatte ich immer mit der Aussage des ADAC`s  zu kämpfen: Wir kümmern uns darum, aber Tiere transportieren wir nicht. Dies ist doch genau der Satz, den man nachts auf der Autobahn, mit einem Gefährt voller Tiere, hören möchte. Nun wartete ich also. Auf was?  Auf eine kleine Portion Glücksgefühle und den Anruf des ADAC. Nach meinen einschlägigen Autobahn-Erfahrungen, machte ich mich daran den Stellplatz in mein Heim zu verwandeln, denn es waren Geduld, gute Nerven und vermutlich eine lange Nacht angesagt. Natürlich schoss mir auch hier wieder eine Frage durch den Kopf: Passieren eigentlich immer nur mir solche Katastrophen? Nach langer Überlegung kam ich dann zu dem beruhigenden Schluss, ich reise mit meiner Karawane wirklich extrem viel umher …nur auf dem Sofa passieren keine Überraschungen. Vom schlechten Fernsehprogramm mal abgesehen, dass überraschend immer noch schlechter werden kann. Da meine Situation nun mal so war wie sie war, richtete ich mich ein.

Nun begann die erzwungene Reise-Pause und den Vorbeifahrenden stand die Verwunderung deutlich ins Gesicht geschrieben. Ich habe sogar darüber nachgedacht, Netze zu stecke um meine Damen weiden zu lasse. Nachdem ich es mir bequem gemacht hatte, startete meine Telefonitis. Freunde waren entsetzt, meine Freundin schockiert und der Veranstalter alles andere als begeistert. So plätscherte der Tankstellen-Aufenthalt dahin. Der Abend hatte Einzug gehalten, der Tankstellenbetreiber brachte mir Getränke, ich versorgte die Tiere und erste Gäste trafen ein.

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Ihr habt richtig gelesen, Gäste! Mein Autobahn-Desaster hatte sich schnell herumgesprochen und da ich noch nicht weit gekommen war (bei Hildesheim auf der A7), trafen Freunde und Bekannte ein. Wäre der Anlass nicht so ernst gewesen, hätte man viel Spaß haben können. Aber nein, die Weltverschwörung hatte beschlossen, mir nicht nur den Tag, sondern gleich das ganze Wochenende zu vermiesen. Also kam es wie es kommen musste, mein Auto stand mal wieder auf einem Abschlepper und mein Pferdeanhänger hinten dran. Beim Aufladen hatte ich so ganz nebenbei erfahren, dass die beiden rettenden Gelben Engel erst 2 Tage beim ADAC arbeiteten, was wohl auch ihre ratlosen Augen erklärte, als sie versuchten die Auflade-Technik in Gang zu setzen.

Ich habe kurzzeitig darüber nachgedacht, für den Abschlepper einen Abschlepper zu holen, denn sie waren offensichtliche Anfänger, ohne die Last von lästigem Wissen. Schlimmer geht’s halt immer.

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Unterwegs mit Schaf-Land und H.P.Schaarschmidt

Während die fast Profis mit der Technik kämpften, stellte sich aber die Frage: Was nun? Tiere bis unters Dach und der Veranstalter wartete auch auf meine Anreise. Dann kam einem der zahlreichen Besucher die zündende Idee: Ich arbeite unweit von hier in einer KFZ Werkstatt, du könntest mit unserem Firmenwagen weiterfahren. Gesagt getan. Wir fuhren vorweg und die tapferen Gelben Engel hinterher. Dann ging alles sehr schnell. Auto abstellen, umladen und schon konnte es weitergehen. Da es bereits dunkel war, ich aber noch viele Kilometer zu fahren hatte, lief mir ein leichter Schauer über den Rücken, denn die Ankunftszeit bewegte sich Richtung  2 Uhr (natürlich nachts). Nachts im Schlosspark abladen, aufbauen und Tiere im Dunkeln umsetzen, das wird der krönende Abschluss einer abenteuerlichen Anreise.

So kam es dann auch. Nur dass ich nicht 2 Uhr im Schloss ankam, sondern wegen einer
Autobahn-Nacht-Baustelle erst 3 Uhr.

Schlimmer geht`s immer.

 

Weihnachtsgrüße an alle Border Collie Besitzer, Hunde Liebhaber und Natur-Freunde

Weihnachtsgrüße an alle Border Collie Besitzer, Hunde Liebhaber und Natur-Freunde.

Weihnachtsgrüße an alle Border Collie Besitzer, Hunde Liebhaber und alle Natur-Freunde

Weihnachtsgrüße an alle Border Collie Besitzer, Hunde Liebhaber und Natur-Freunde

Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

 

Ein tolles Wochenende mit Gleichgesinnten, das ist es doch, was wir uns alle wünschen. Ich hatte mal wieder das Glück, zwei wundervolle Tage zu erleben. Leider war meine bessere Hälfte Jasi nicht mit dabei, aber das Wochenende war trotzdem unvergesslich. Eigentlich habe ich zwei Tage mit Sandra  im Richterwagen zugebracht, aber wir hatten so extrem viel Spaß, dass selbst der Fotograf Martin Schulte schon anfing, über unsere extrem gute Laune Scherze zu machen.

Falls jemand auf den Gedanken kommt, wir könnten unsere Aufgabe nicht ernst genommen haben, dem kann ich versichern: Doch, wir haben unseren Job erledigt – und dabei einen Riesenspaß gehabt. Eigentlich sind wir ganz schön verrückt: Wir lassen unsere Partner zu Hause, obwohl wir mit ihnen ein tolles Wochenende verbringen könnten, stellen uns bei Wind und Wetter auf irgendeinen Acker und schauen zu, wie Border Collies fünf Schafe über die Fläche schieben. Ich gebe aber zu, dass es schon mächtig faszinierend ist, diesen vierbeinigen Raketen bei der Arbeit zuzuschauen und ihre Fähigkeiten zu bewundern.

Ich gestehe aber auch, dass man ein Border Collie Bewunderer sein muss, wenn man sich stundenlang, ach, was sage ich, tagelang hinstellt, um bei strömendem Regen diesen schwarz-weißen kleinen Genies zuzusehen. Sandra, die Richterin an meiner Seite, ist ständig im Zwiespalt zwischen Kritik und Motivation. Lässt sie das jetzt durchgehen? Motiviert sie dieses Team, weiter zu machen, auch wenn ein anderer dann vielleicht fragt „Warum warst du bei mir härter?“

Wir haben mehr als einmal darüber diskutiert, ob das jetzt zu lieb bewertet war und ob sie deshalb positiver von der Wettkampffläche gehen. Gerade in den Klassen 1 und 2 spielt die Motivation eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn viele Teams schnuppern zum ersten Mal Trial-Luft und sind vor jedem Start so aufgeregt, dass sie fast erstarren. Aber sein wir doch ehrlich: Gerade diese Aufregung macht die Tage zu etwas Besonderem.

Nun sitze ich, wie so oft in diesem Jahr, wieder in einem Hotel. Diesmal in Thüringen, denn Morgen haben Bianca und ich wieder Hütevorführungen. Vormittags sind wir mit einem Schäfer aus der Region verabredet, der sich nicht nur um 2.500 Muttertiere kümmert, sondern auch mit Isegrim zu kämpfen hat. In den letzten Wochen wurden 80 Tiere gerissen. Das treibt dem Schaf-Profi deutliche Sorgenfalten auf die Stirn. Auf einmal wirken unsere Problemchen eher als Luxussorge. Ich komme nicht umhin, die Berufsschäfer voll Hochachtung zu betrachten, denn sie leisten täglich Wunder. Ein Schäfermeister, der seinen Megabetrieb im Griff hat, ist einfach ein tolles Erlebnis.

Prost /Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

Prost /Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

Ich habe beim Einschlafen zwar keine Schäfchen gezählt, bin aber mit großer Neugier auf den nächsten Morgen eingeschlafen.

Die Nacht war schnell vorbei und der neue Tag hatte gleich zu Beginn Erstaunliches zu bieten. Einen umsichtigen Schäfermeister, der sich neben 2.500 Muttertiere auch noch um Angestellte und Azubis zu kümmern hat. Nach einer freundlichen Begrüßung stellten Bianca Jacobi und ich uns kurz vor. Nachdem wir einen Vorraum mit unzähligen Auszeichnungen an der Wand durchquert hatten, traten wir in die erste Halle ein. „Wow“, fiel mir da nur ein, denn die Ausmaße waren gigantisch. Ich vermute, man könnte auch zwei Reithallen daraus machen. Aber Schafe sind mir hier lieber. Toll, dass es überhaupt noch solche großen Betriebe gibt, die noch nicht von dem allgemeinen Industrie-Wahn aufgefressen wurden. Um es vorweg zu nehmen, wir haben uns für die nächste Lammzeit wieder verabredet. Das Gewimmel möchte ich unbedingt sehen. Zwei Megahallen voller Wollis mit Lämmern bekommt man in unserem Land so gut wie gar nicht mehr zu sehen. In der übrigen Zeit sind alle Tiere auf unendlichen Weiden.

Wunderbar

Wärend er uns den Ablauf ausführlich erklärte, begutachtete ich die wenigen aufgestallten Tiere. Sie sollten verkauft werden. Ich dachte: „Die haben ihren Laden wirklich im Griff.“ Die vielen Auszeichnungen in der Eingangshalle haben sie zu Recht bekommen, denn die Merino Schafe sind wirklich vorzeigbar. Da wir bereits vor Sonnenaufgang vor Ort waren, konnte ich mit meinem Handy nur Geister-Fotos schießen.

 

Keine Geister Merinos

Keine Geister Merinos

Keine Geister Merinos, sondern eine Unzulänglichkeit meines Handys.

Auf dem Rückweg hielten wir an einer Tankstelle und mussten uns erst Mal von den überwältigten Eindrücken erholen. Die Tankstelle glich eher einem Supermarkt und zu unserer großen Verwunderung gab es hier Dinge, die bei uns in Niedersachsen unvorstellbar währen.

Zum Kaffee noch einen Schlagstock to go    Schaf-Land.de

Zum Kaffee noch einen Schlagstock to go Schaf-Land.de

Zum Kaffee noch einen Schlagstock to go gefällig? Thüringen ist wunderschön, aber das hat uns dann doch verwirrt. Nochmal zu Erinnerung: Wir waren in einer Tankstelle!

Trotzdem, Thüringen ist toll. Allerdings muss man hin und wieder mit Straßensperren und Polizeikontrollen rechnen, weil gerade Stiefelträger im Nachbarort aufmarschieren. Und ich meine damit nicht die Feuerwehr.

Wir kommen wieder.

 

Hütevorführung oder Hüte-Vorführung?

„Wie? Sie wollen bei uns eine Hüte-Vorführung präsentieren?“ fragt ein Schlossverwalter, willigte aber im gleichen Moment ein. Er wundert sich nur, dass wir so viel Fläche dafür benötigen. Hüte passen ja wunderbar zu einem Schloss, aber eine gewisse Verwirrung ist dem Hausherren deutlich anzusehen.

Ich trage Gummistiefel und eine Wachsjacke, habe zwei Border Collies dabei und erzähle von meinen Laufenten, aber irgendwie will sich der Nebel in seinem Kopf noch nicht verziehen. Ich überlege kurz: „Gefällt mir diese Verwechselung?“ Die Antwort ist schnell gefunden: „Ja, echt witzig!“ Eigentlich müsste ich diesen Herrn auf den Boden der Tatsachen holen, aber die Wortspiele und das offensichtliche Missverständnis machen mir ziemlich viel Spaß.

Wir reden noch immer über eine Hütevorführung, oder doch eine Hüte-Vorführung?

Die Frage nach Absperrgittern und Strom für die Technik bringen ihn nicht auf andere Gedanken, aber das Thema Heu macht den Freiherrn von ich weiß nicht genau dann doch etwas stutzig.

„Heu? Sie brauchen Heu?“ „Ja, das wäre super, wenn die Wiesen so weit runter gemäht sind, dass sie nicht mehr ergiebig sind.“ „Die Wiesen müssen ergiebig sein?“ „Naja“, antworte ich „unsere schottischen Kolleginnen müssen ja ordentlich versorgt werden“. So langsam werde ich mutig und erwähne noch: „Schließlich bin ich für die vielen hübschen Damen verantwortlich“.

Vor mir steht ein Mann, der ein Schloss von seiner Familie übernommen hat und in seiner ganz eigenen Welt lebt. Ich gebe zu, seine mit Wappen bestickten Hemden und seine Lack-Schühchen finde ich etwas lächerlich, aber jeder mag so leben, wie es ihm beliebt. Über mein Leben mit den Tieren werden sicherlich auch viele Menschen den Kopf schütteln.

Doch dann findet er seine Sprache wieder und stellt die richtige Frage: „Was machen Sie eigentlich genau?“ Nun wird es Zeit, die Situation aufzulösen. Eigentlich schade. „Wir präsentieren den Border Collie Arbeitshund in der Tradition der schottischen Farmer und das mit Hilfe von schottischen Schafen und Laufenten.“ Ich sehe in aufgerissene Augen und wieder folgt Schweigen.

Hütevorführung Border Collie May / Schaf-Land.de

Hütevorführung Border Collie  / Schaf-Land.de

Dann aber bricht es aus ihm heraus: „Das ist ja wunderbar und es passt perfekt in diese Umgebung“. Ich mochte den schottischen Landadel schon immer, denn er ist das Paradebeispiel für Pragmatismus und Tradition. „Werter Freiherr von ich weiß nicht genau, bei uns geht es weniger um den schottischen Adel, sondern eher um den Border Collie. Genau gesagt, um den Arbeitshund Border Collie“. Ich kann fast sehen, wie seine grauen Zellen auf Hochtour laufen, er aber versucht, diese Gehirnakrobatik zu verstecken.

„Wieviel Fläche brauchen Sie und kann man diese Präsentation in einem Schloss-Event integrieren?“ „40m x 60m wäre wunderbar, aber wir kommen auch mit etwas weniger zurecht. Es ist aber sehr schön, auch für die Zuschauer, wenn die Hunde genügend Platz haben, um ihren Job zu erledigen. Es sieht einfach besser aus und das Publikum sieht Border Collies, wie sie wirklich agieren. Das ist ziemlich spektakulär. Und was die Einbindung in ein Schlossfest betrifft, so haben wir mit dieser Kombination nur gute Erfahrungen gemacht. Der Veranstalter benutzt unsere Hütevorführung sogar als zusätzliche Werbung für sein Fest.“ „Ok, das kann ich mir alles gut vorstellen“, ist seine spontane Antwort.

Während er betont lässig hinter seinem ehrwürdigen Schreibtisch sitzt, der vermutlich von seinem Ur-Ur-Urgroßvater stammt, beschleicht mich ein komisches Gefühl. So ganz genau kann ich es nicht beschreiben, aber seine übertriebene Lässigkeit passt irgendwie nicht zu ihm. Dieser Freiherr versucht doch tatsächlich, einen auf Kumpel zu machen, aber meine Magengegend rebelliert. Nein, kein Durchfall. Mit dem Mann, der in den Lackschühchen steckt, stimmt etwas nicht.

„Für die Programminhalte geben wir auf unseren Schlossfesten nichts aus, weil unser Event eine tolle Plattform ist, bei der alle dabei sein wollen.“ OK, das erklärt meine Bauchschmerzen. Sie wollen sehr viel für Null. Am besten alles. Die Lackschühchen suchen nur Einnahmequellen, da vermutlich die Unterhaltskosten der Schlossmauern drücken. So habe ich mir eine Zusammenarbeit nicht vorgestellt. Ich wünsche mir eine gewisse Begeisterung und Achtung für und vor uns und unseren Hunden. Ich mag die Geschichte, Burgen und Schlösser auch, aber keine arroganten Fatzke, die den Verfall mit Überheblichkeit verdecken wollen. Bin ich jetzt zu streng oder zu intolerant?  Mir ist es egal.

H.P.Schaarschmidt /Foto: Jasemin B

H.P.Schaarschmidt /Foto: Jasemin B

Auf diesem herrschaftlichen Schlossgelände werden wir dann wohl nicht den Arbeitshund Border Collie vorstellen. Bei der Arbeit mit Schafen und Hunden spielen Ideale mehr als nur eine große Rolle.

Einige „Otto Normalverbraucher“ halten uns Schaf- und Hundeleute sicher für verrückt. Als ich meinen Lektor in Berlin frage, ob da etwas dran sei, fällt seine Antwort so kurz wie simpel aus: „Natürlich sind Sie etwas verrückt, sonst würden Sie das doch alles nicht machen. Schafe, Border Collies, Hütevorführungen, ein Buch schreiben und dabei noch einem Beruf nachgehen ist verrückt. Aber schön, dass Sie es tun.“

 

Der überfahrene Hund …oder Automaten kennen keinen Tierschutz

Für alle Tierfreunde ist dieser Satz schon allein sehr bedrückend, wenn dann aber noch menschliche Dummheit dahintersteckt, könnte man bei dieser Geschichte doch schon gewisse „Hass-Gefühle“ entwickeln. Falls ihr der Meinung seid, ich würde dies zu drastisch ausdrücken, dann lest selbst und wir werden sehen…

An meiner Weidefläche am Kloster führt eine Straße vorbei. Nicht stündlich verstopft, aber zur Feierabendzeit ist da schon etwas mehr los. Tagsüber hält sich der Verkehr in Grenzen und übersteigt nicht den ganz normalen Wahnsinn auf deutschen Straßen. Vor einigen Monaten war ich auf dem Weg zu meinen Damen, um einen Kontrollblick über die „Kloster-Truppe“ zu werfen. Es war vormittags und ich eigentlich auf dem Weg nach Minden. Auf dem Weg lag die Klosterfläche, ein kurzer Kontrollgang  – dass passt. Etwa 800m vor dem Abzweig sah ich schon von weitem einen Auflauf. Lkw, Pkw und Polizei, meist bedeutet das nichts Gutes. So war es dann leider auch. Im Straßengraben lag ein Hund und die Personen diskutierten ganz aufgeregt mit der Polizei. „Verdammt“, war mein erster Gedanke, da hat es diesen Hund aber schlimm erwischt. Bestimmt haben die Besitzer nicht aufgepasst und er ist in ein Auto gelaufen. Das war vor einigen Monaten.

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Der Straßenabschnitt ist schnurgerade und sehr übersichtlich, umso entsetzlicher sind die Ereignisse.

Nun habe ich aber bei einem Bier mich mit dem Kloster-Hausmeister Frank unterhalten und wir kamen auf den Unfall mit dem Hund zu sprechen. Was ich da aber hörte, lies mich mehr als nur zusammenzucken, ich war geschockt. Er kannte einen der Polizisten (Polizeistation Stolzenau), der den Unfall mit aufgenommen hat und es war ganz anders, als ich gedacht hatte.  Der Hund, der überfahren wurde, war schon alt, aber sonst noch ganz fit. Er sah nur nichtmehr so gut und war inzwischen etwas langsamer in seinen Bewegungen  – was halt das Alter so mit sich bringt, aber er kam zurecht. (…nein, ich dachte nicht auch an mich) Doch dieser Senior hatte es nicht nur mit der Unwegsamkeit des Alters zu tun, sondern mit den Automaten des Erdölzeitalters  – mit uns Autofahrern. Jeder sitzt in seiner „fahrenden Burg“, starrt auf die weißen Linien der Straße und macht das, was er gelernt hat. Genau so wie es sich für einen „Automaten“ im Erdölzeitalter gehört. Sind wir denn alle wirklich schon Automaten geworden? Und wie steht es um unser Seelenleben, oder sind wir inzwischen alle schon „programmierbar“? Gibt es in unserem „Speicher“ noch Platz für Verantwortung, Mitgefühl und Nächstenliebe?

An jenem Tag war der „Speicher des Automaten“ mit anderen Dingen beschäftigt, nur nicht mit Sensibilität, Mitgefühl oder Tierliebe. Er handelte tatsächlich wie ein Automat. Was war passiert? Am späten Vormittag, die Straße war nur schwach befahren, steuerte ein Mann mittleren Alters seine fahrende Burg auf der Landstraße an meinem Kloster vorbei. Er machte alles so, wie er es gelernt hatte. Dieser „Automat“ fuhr nicht zu schnell, vorausschauend und behielt auch immer den Rückspiegel im Auge. Die Straße vor ihm war frei und in größerem Abstand folge ihm ein Lkw. Alles war perfekt, denn es passte in sein Schema, in seinen Plan, korrekt von A nach B zu gelangen. Bis dahin können wir diesem wunderlichen Mensch noch folgen, doch dann änderte das Leben die Umstände und er musste eine blitzschnelle Entscheidung treffen. Auf dieser unbefahrenen Straße tauchte weit vor ihm ein Hund auf. Er saß mitten auf der Fahrbahn und war offensichtlich orientierungslos. Der Hund war noch weit weg und man konnte sehen, dass ein weit vorrausfahrendes Fahrzeug, dem Hund langsam auswich. Nun liefen seine grauen Zellen auf Hochtouren, denn er musste neu planen, denn daran hatte er nicht gedacht.  Vor ihm ein Hund, hinter ihm ein Lkw und was würde die Versicherung sagen…  Er fuhr sein Auto nicht schnell und es dauert auch noch einige Zeit bis zu dem alten Hund (der noch immer mitten auf der Straße saß) und traf folgende Entscheidung:

Falls mich der Lkw übersieht, könnte er an meinem Auto eventuell einen Schaden verursachen und die Versicherung würde mir den Schaden nicht bezahlen  …somit fuhr er langsam aber zielstrebig direkt auf den Hund zu.

Er überfuhr den alten Hund in Schrittgeschwindigkeit. Unfassbar!

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Alte Hunde haben besonderen Respekt verdient, denn sie waren ihr ganzes Leben treue Begleiter.

Der Lkw Fahrer hat später bei der Polizei ausgesagt: Schon als ich den Hund aus der Ferne gesehen habe, hielt ich meinen Lkw an und konnte es kaum fassen, dass der Pkw der weit vor fuhr, direkt auf den Hund zu rollte. Ich war entsetzt und stand schon lange, bevor er ihn überfuhr“. Nicht nur die Polizei schüttelte den Kopf, sondern jeder, der vom Treiben dieses „Automaten“ gehört hat.

Schaden am Pkw, 16,90 €

PS.: Nein ich will ihn nicht hassen, nein ich will ihn nicht hassen, …aber man ist ja auch nur ein schwacher Mensch.

Ruhm, Ehre und Geld

Anne Krüger, Eckhard Sievers, oder Serge van der Zweep sind Border Collie „Dirigenten“, was ist aber an diesen „Dirigenten“ so anders? Sind sie genial? Quatsch, natürlich nicht. Wobei Serge van der Zweep schon in einer ganz besonderen Liga spielt. Aber Vorsicht, bei manchen Supertalenten gilt meine „Albert Einstein-Regel“. In dieser einen Sache sind sie außergewöhnlich, fantastisch und unglaublich, aber im normalen Leben manchmal recht gewöhnungsbedürftig. Albert Einstein war in seinem Fach ein Genie, als Mensch und Familienvater „gewöhnungsbedürftig“ bis mangelhaft.

Ich will damit sagen, diese “Border Collie Einsteins“ kochen im normalen Leben auch nur mit H²O und  nur in dieser speziellen „Disziplin“ laufen sie übers Wasser. Wenn aber respektvolle Wertvorstellungen, Erfahrung und dieses außergewöhnliches Talent aufeinander treffen, ist das schon etwas Besonderes und formt außergewöhnliche Menschen. Leider treffen diese drei Umstände nur sehr selten aufeinander, sondern gehen sich meist wie Erzfeinde aus dem Weg. Auf Beispiele möchte ich an dieser Stelle besser verzichten, sonst ernte ich zahlreiche „Unmutsbekundungen“. Das zu unterlassen hat mir eine leise Stimme ins Ohr geflüstert  …die aber nichts mit Kobolden zu tun hat, sondern hinter einem Schreibtisch mit vielen Aktenbergen sitzt.

…na, ihr wisst schon.

Jeder lehne sich einmal auf seinem Stuhl zurück und denke an sein Umfeld. Betrachtet ganz neutral das Leben der kennengelernten Border Collie Spezialisten, denn nur das ganze Bild verkörpert sein handeln. Egal was dabei herauskommt  (Überraschung inklusive), ihre besondere Art mit diesen vierbeinigen Kollegen umzugehen bleibt bestehen.

Border Collie bei der Arbeit   www.schaf-land.de

Border Collie bei der Arbeit www.schaf-land.de

Jubeln wir also nicht blind, sondern freuen uns, dass wir auch solche Border Collie Dirigenten unter uns haben. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, aber halten wir es doch wie mit der Ausbildung unserer Hunde: stärke die Stärken. Meine drei Beispiele machen da keine Ausnahme. Anne ist eine begnadete Tiertrainerin, Eckhart hat den uneingeschränkten Leistungswillen und Serge hat ein außergewöhnliches Gefühl für diese außergewöhnlichen Hunde. Es gibt aber auch Hundeführer, die lassen für Wettkampf Punkte wirklich alles sausen, Familie, Ausbildung oder Beruf, manche sogar alle drei. Wofür? Für Ruhm, Ehre und Geld? Was den Ruhm betrifft, so zeigt uns die Statistik eine ernüchternde Zahl. Für die Trial-Ergebnisse interessieren sich ca. 0,00001 % unserer Bevölkerung. Dabei war ich schon sehr „großzügig“ und habe allen ABCD Mitgliedern (Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland) „unterstellt“, stets wissbegierig nach den neusten Trial-Ergebnissen zu fragen. Ich denke, Ruhm sieht anders aus. Die Ehre ist so eine ganz persönliche Angelegenheit und Wettkämpfe waren schon immer ein Schaufenster für die eigenen Ansprüche. Und Geld, was ist mit Geld verdienen? Trials kosten eigentlich nur Geld, aber ist man erfolgreich, könnten die eigenen Welpen besser verkauft werden oder man wird zu einem Seminar eingeladen. Ich staune immer wieder, wo jedes Jahr die vielen Welpen hingehen. Angeblich alle in beste Verhältnisse mit Arbeit am Vieh.

Irgendwie ein Wunder.

Ich sollte mal in Rom beim Vatikan nachfragen, die kennen sich ja mit Wunder gut aus. Haben wir da etwa bestätigte Wunder? Dann kann für Border Collie Züchter die Heiligsprechung beantragt werden.

Anne Krüger und Serge van der Zweep kämpfen mit einem ganz besonderem Phänomen, dass man sich „eigentlich“ erst hart erarbeiten muss: Übertriebene Kritik. Diese zwei „Überflieger“ haben es doch tatsächlich geschafft, von ihrem Talent gut leben zu können und dem zollen wir Respekt. Nun ist aber aus der begnadeten Tiertrainerin, unserer Anne, eine Geschäftsfrau geworden, die auf Trials leider nur noch sehr selten zu sehen ist. Das ist schade. Serge hingegen, hat seinen Kurs beibehalten und segelt als Kapitän auf seiner Erfolgswelle, soweit sie ihn trägt. Dieser Kurs hat ihm schon mehrfach den Titel „bester Handler“ eingebracht und hat mit seinen Hunden so ziemlich alles gewonnen, was man auf unseren blauen Planeten gewinnen kann.

Serge mit seiner Frau Ⓒ Serge van der Zweep

Serge mit seiner Frau Ⓒ Serge van der Zweep

Serge bildet nicht nur aus, sondern handelt auch mit Border Collies und  das lehne ich selbstverständlich reflexartig ab. Man sollte aber immer Fairness walten lassen und seine „Arbeit“ ganz neutral betrachten. Serge ist in der glücklichen Lage, sein großes Talent und seine Leidenschaft zu seinem Beruf machen zu können, wer möchte das nicht. Dieser „Wunderknabe“ muss also damit seinen Lebensunterhalt bestreiten. Das ist doch eine ganz andere Sache, als „nur“ seinen Idealen zu folgen. Die besten Trialisten in unserem Land sprechen voller Hochachtung von ihm und hoffen (im geheimen) irgendwann auch mal so gut wie Serge zu werden. Na-ja, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Dabei hat doch jeder seinen eigenen Weg und seine eigene Art mit diesen vierbeinigen Raketen umzugehen.

In dieser Szene gibt es viele Individualisten, mit denen der Umgang nicht immer ganz so einfach ist. Hierzu  habe ich von Anita Hermes eine wunderbare Umschreibung gehört  – obwohl Anita mit Sicherheit auch zu diesen Individualisten gehört. „Unsere Arbeit ist so speziell, dass sie nur von Individualisten bewältigt werden kann und solche Individualisten passen nun mal nicht mit jedem zusammen“.   (Anita Hermes)

Ok, diese Erklärung leuchtet uns ein, aber ich habe auch Weltklasse Trainer kennen gelernt, die alles andere als exzentrisch oder schwierig waren, im Gegenteil, sympathisch, unkompliziert und sehr bescheiden. Das erinnert mich irgendwie an die Welt der erfolgreichen Schauspieler. Warum? Da gibt es auch die „lieben und schwierigen“ oder die Tom Hanks und Klaus Kinskis  …das lässt mich dann doch wieder nachdenklich werden.

Wir stehen morgens auf und gehen abends ins Bett, dazwischen leben wir unser Leben. Wir erledigen kleine oder große Dinge und hin und wieder verhindern wir sogar Katastrophen. Kein Tag ist wie der andere, aber das ist gut so  – auch wenn wir mal falsche Entscheidungen treffen.