Archiv für den Autor: H.P. Schaarschmidt

Baywatch

Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Sie sind gerne am Strand, genießen die Freiheit und machen eine ziemlich gute Figur, zumindest die Hunde…und vielleicht auch Pamela Anderson. Kaum sind wir an dem fast menschenleeren Küstenabschnitt angelangt, laufen auch schon die Kollegen von David und Pamela im chilligen Schritt an uns vorbei, aber weder im engem Badeanzug noch in extrem körperbetonter Kleidung, sondern in dicken Jacken. Haben die denn nie Baywatch gesehen? Mit Baywatch ist es so wie mit der Bildzeitung. keiner will sie gelesen haben, aber wieso ist sie dann mit Abstand die meistverkaufte Zeitung in Good Old Germany?

Da steht der Schaf-Peter, der eher Berge gewohnt ist, am Strand, schaut auf die winzige Linie am Horizont und ist mächtig beeindruckt, was ihn hinter dieser Linie erwarten würde. Wie haben, verdammt noch mal, die alten Seefahrer vor 500 Jahren neue Welten entdeckt? Waren sie alle Helden oder einfach nur rund um die Uhr betrunken? Vielleicht beides.

Baywatch Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Baywatch  Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Für das Foto haben sie schnell ihre Winterjacken ausgezogen.

Nachdem ich das Foto geschossen habe, will ich die Damen eigentlich noch fragen, ob sie für mich in zu engen Badeanzügen und in Zeitlupe über den Strand laufen würden, aber aus irgendeinem Grund traue ich mich das dann doch nicht. Vermutlich hätte mich meine bessere Hälfte mit dem Schlag einer Boje hart auf den Boden der Realität zurückgeholt. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt: Ich will ja nur realistische Fotos wie aus dem Film machen.

Was fasziniert uns eigentlich an einer Wasserfläche, die bis zum Horizont reicht? Der Anschein von Unendlichkeit, eine unbezwingbare Naturgewalt oder einfach nur Fernweh? Obwohl wir bequeme Langzeiturlauber geworden sind, steckt in uns allen ein neugieriger Kämpfer und Entdecker. Wir leben in Deutschland wie auf einer kleinen Insel der Glückseeligen und bemühen uns nach besten Kräften, die böse Welt um uns herum zu ignorieren. Werte Damen und Herren, Sie können gern alle Fenster Ihres trauten Heimes schließen, aber trotzdem atmen wir alle immer noch die gleiche Luft und leben alle gemeinsam auf einem kleinen Planeten. Zahlreiche Wissenschaftler beschäftigen sich inzwischen mit der Frage, wie das „Leben“ der Pflanzen wirklich ist und ob sie untereinander kommunizieren können. Einige Forscher wollen bereits bewiesen haben, dass sich Pflanzen gegenseitig vor Gefahren warnen. Was für eine Wunderwelt sich da wohl in Zukunft noch offenbaren wird? Aber das ist eine andere Wundertüte, die wir an dieser Stelle nicht öffnen wollen.

Ich stehe noch immer am Strand und starre auf die kleine Linie am Horizont, genau wie meine bessere Hälfte, die ihr Foto-Verhinderungs-Schlaggerät inzwischen beiseite gelegt hat. Das wird wohl nichts mit Baywatch-Fotos.

Baywatch Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Traumhafter Ausblick und die Quelle der Sehnsucht.

Durch die schmale Linie da hinten kommt das Schiff nie durch.

Heute wissen wir, dass die Erde rund ist und man nach dieser Linie am Horizont nicht von der Erde herunter fällt. Damals wie heute begründen wir das plausibel und mit größter Gewissheit: „So ist es.“ Was wäre also, wenn wir eines Tages doch herausfinden, dass Pflanzen miteinander reden und Steine ein Gedächtnis haben? Das hört sich ziemlich verrückt an, aber genau das hat man von Nikolaus Kopernikus auch behauptet. Nicht die Erde, sondern die Sonne sollte nach seiner Ansicht im Zentrum stehen. Seine Gegner hielten seine Überlegungen für ein wirres Hirngespinst, denn wenn das wahr wäre, müsse man ja durch die Bewegung um die Sonne einen Fahrtwind spüren. Heute lachen wir darüber, weil wir es besser wissen, aber damals…

Was könnte also noch dahinter stecken, dass wir diese kleine Linie am Horizont faszinierend finden?

Die Antwort ist mal wieder ziemlich simpel:  Weil wir noch immer Entdecker sind, die nach neuen, besseren Lebensräumen suchen.  Wie schon vor 100.000 Jahren. Leider ignorieren wir vieles von dem, was uns in tausenden von Jahren geprägt hat. Die Erde ist unser Zuhause und die Tiere sind unsere Mitbewohner. Wir alle sind aber auch nur Teil eines Kreislaufes. Unsere tapferen Vorfahren waren ganz einfach gezwungen,  neue Lebensräume zu entdecken und das steckt noch immer in uns.

Baywatch Was haben David Hasselhof, Pamela Anderson und vier Border Collie gemeinsam?

Das Tor zur Welt

Das Tor zur Welt – und ein Hilfsmittel für die schmale Linie am Horizont

Es ist schon faszinierend, was sich unbewusst in unserem Inneren abspielt. Ob nun die Gedanken über die schmale Linie am Horizont, durch die sowieso niemand durchkommt, oder der Drang, Tiere zu halten: Wir sind fast immer Opfer unseres 90%-igen Ichs, dem Unterbewusstsein, das auf 200.000 Jahre Entwicklungsgeschichte zurückgreift. Ihr schüttelt den Kopf? Nun gut, kein Problem, das stören die 90% nicht. Wenn Ihr also in Zukunft mal wieder tiefsinnig nachdenkt „warum-wieso-weshalb“: Genießt einfach den Moment.

Wir tun, was wir tun müssen. Ich für meinen Teil lebe mit Hunden und Schafen, weil ich meine, es machen zu müssen.

PS.: Vielleicht schau ich mir auch irgendwann mal die schmale Linie am Horizont an, doch wichtiger ist das HIER und JETZT.

Schein oder Sein

Wir leben in einer schnellen, hektischen Welt, in der alles jetzt und sofort passieren muss. Dabei schauen wir auch gern mal NICHT hinter die Kulissen, sondern begnügen uns mit dem Schein.

Ein Beispiel: Fragen wir uns ernsthaft, wie es möglich ist, dass uns die bunte Werbung T-Shirts für 3,99 € verspricht? Nur drei Sekunden Gehirn-Aktivität und wir würden bei der Beantwortung dieser Frage in eine mittelschwere Krise stürzen. Da leben wir lieber weiterhin in unserer Schein-Welt. Wir leben in ihr, weil sie doch so wunderbar bequem und einfach ist.

Gruselige Scherzverpackung. Spiele-Wurst

Gruselige Scherzverpackung. Spiele-Wurst

Gruselige Scherzverpackung. Spiele-Wurst

Ich frage mich auch, weshalb es kaum jemanden interessiert, dass hinter den hübschen Bildchen auf der abgepackten Wurst für 79 Cent millionenfaches Elend steckt. Wollen wir diese schrecklichen Bilder aus den Tierfabriken überhaupt sehen? Nein, denn mit einem netten Bildchen auf der Verpackung schmeckt die Wurst besser und lässt sich auch besser verkaufen.

Kürzlich fragte mich jemand:  „Bist du ein Grüner?“ Als ob die Grünen das Tierwohl für sich gepachtet hätten. Und nein, ich bin parteilos. Nur mal nebenbei angemerkt: Hätten die Grünen einen guten Job gemacht, wären wir heute nicht Weltmeister in der Massentierhaltung. Meine Einstellung, die zugegeben nicht immer mit dem aktuellen Zeitgeist konform geht,  habe ich meinem gesunden Menschenverstand zu verdanken.

Kürzlich bestätigte sich beim Besuch einer gut funktionierenden Thüringer Groß-Schäferei, dass respektvoller Umgang mit Tieren keine Theorie sein muss. Selbst die Hundezwinger gefielen mir, obwohl ich kein Anhänger von Außenzwingern bin. In diesem Unternehmen herrschte nicht der Schein oder eine Wunsch-Welt vor, sondern ein respektvoller Pragmatismus, gepaart mit Erfahrung und Begeisterung. Wunderbar.

Auch wenn unsere selbstgebastelte Schein-Welt bequem zu sein erscheint, in den 200.000 Jahren Menschheitsgeschichte hat sie noch nie funktioniert.

 

Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

 

Ein tolles Wochenende mit Gleichgesinnten, das ist es doch, was wir uns alle wünschen. Ich hatte mal wieder das Glück, zwei wundervolle Tage zu erleben. Leider war meine bessere Hälfte Jasi nicht mit dabei, aber das Wochenende war trotzdem unvergesslich. Eigentlich habe ich zwei Tage mit Sandra  im Richterwagen zugebracht, aber wir hatten so extrem viel Spaß, dass selbst der Fotograf Martin Schulte schon anfing, über unsere extrem gute Laune Scherze zu machen.

Falls jemand auf den Gedanken kommt, wir könnten unsere Aufgabe nicht ernst genommen haben, dem kann ich versichern: Doch, wir haben unseren Job erledigt – und dabei einen Riesenspaß gehabt. Eigentlich sind wir ganz schön verrückt: Wir lassen unsere Partner zu Hause, obwohl wir mit ihnen ein tolles Wochenende verbringen könnten, stellen uns bei Wind und Wetter auf irgendeinen Acker und schauen zu, wie Border Collies fünf Schafe über die Fläche schieben. Ich gebe aber zu, dass es schon mächtig faszinierend ist, diesen vierbeinigen Raketen bei der Arbeit zuzuschauen und ihre Fähigkeiten zu bewundern.

Ich gestehe aber auch, dass man ein Border Collie Bewunderer sein muss, wenn man sich stundenlang, ach, was sage ich, tagelang hinstellt, um bei strömendem Regen diesen schwarz-weißen kleinen Genies zuzusehen. Sandra, die Richterin an meiner Seite, ist ständig im Zwiespalt zwischen Kritik und Motivation. Lässt sie das jetzt durchgehen? Motiviert sie dieses Team, weiter zu machen, auch wenn ein anderer dann vielleicht fragt „Warum warst du bei mir härter?“

Wir haben mehr als einmal darüber diskutiert, ob das jetzt zu lieb bewertet war und ob sie deshalb positiver von der Wettkampffläche gehen. Gerade in den Klassen 1 und 2 spielt die Motivation eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn viele Teams schnuppern zum ersten Mal Trial-Luft und sind vor jedem Start so aufgeregt, dass sie fast erstarren. Aber sein wir doch ehrlich: Gerade diese Aufregung macht die Tage zu etwas Besonderem.

Nun sitze ich, wie so oft in diesem Jahr, wieder in einem Hotel. Diesmal in Thüringen, denn Morgen haben Bianca und ich wieder Hütevorführungen. Vormittags sind wir mit einem Schäfer aus der Region verabredet, der sich nicht nur um 2.500 Muttertiere kümmert, sondern auch mit Isegrim zu kämpfen hat. In den letzten Wochen wurden 80 Tiere gerissen. Das treibt dem Schaf-Profi deutliche Sorgenfalten auf die Stirn. Auf einmal wirken unsere Problemchen eher als Luxussorge. Ich komme nicht umhin, die Berufsschäfer voll Hochachtung zu betrachten, denn sie leisten täglich Wunder. Ein Schäfermeister, der seinen Megabetrieb im Griff hat, ist einfach ein tolles Erlebnis.

Prost /Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

Prost /Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

Ich habe beim Einschlafen zwar keine Schäfchen gezählt, bin aber mit großer Neugier auf den nächsten Morgen eingeschlafen.

Die Nacht war schnell vorbei und der neue Tag hatte gleich zu Beginn Erstaunliches zu bieten. Einen umsichtigen Schäfermeister, der sich neben 2.500 Muttertiere auch noch um Angestellte und Azubis zu kümmern hat. Nach einer freundlichen Begrüßung stellten Bianca Jacobi und ich uns kurz vor. Nachdem wir einen Vorraum mit unzähligen Auszeichnungen an der Wand durchquert hatten, traten wir in die erste Halle ein. „Wow“, fiel mir da nur ein, denn die Ausmaße waren gigantisch. Ich vermute, man könnte auch zwei Reithallen daraus machen. Aber Schafe sind mir hier lieber. Toll, dass es überhaupt noch solche großen Betriebe gibt, die noch nicht von dem allgemeinen Industrie-Wahn aufgefressen wurden. Um es vorweg zu nehmen, wir haben uns für die nächste Lammzeit wieder verabredet. Das Gewimmel möchte ich unbedingt sehen. Zwei Megahallen voller Wollis mit Lämmern bekommt man in unserem Land so gut wie gar nicht mehr zu sehen. In der übrigen Zeit sind alle Tiere auf unendlichen Weiden.

Wunderbar

Wärend er uns den Ablauf ausführlich erklärte, begutachtete ich die wenigen aufgestallten Tiere. Sie sollten verkauft werden. Ich dachte: „Die haben ihren Laden wirklich im Griff.“ Die vielen Auszeichnungen in der Eingangshalle haben sie zu Recht bekommen, denn die Merino Schafe sind wirklich vorzeigbar. Da wir bereits vor Sonnenaufgang vor Ort waren, konnte ich mit meinem Handy nur Geister-Fotos schießen.

 

Keine Geister Merinos

Keine Geister Merinos

Keine Geister Merinos, sondern eine Unzulänglichkeit meines Handys.

Auf dem Rückweg hielten wir an einer Tankstelle und mussten uns erst Mal von den überwältigten Eindrücken erholen. Die Tankstelle glich eher einem Supermarkt und zu unserer großen Verwunderung gab es hier Dinge, die bei uns in Niedersachsen unvorstellbar währen.

Zum Kaffe noch einen Schlagstock to go

Zum Kaffee noch einen Schlagstock to go

Zum Kaffee noch einen Schlagstock to go gefällig? Thüringen ist wunderschön, aber das hat uns dann doch verwirrt. Nochmal zu Erinnerung: Wir waren in einer Tankstelle!

Trotzdem, Thüringen ist toll. Allerdings muss man hin und wieder mit Straßensperren und Polizeikontrollen rechnen, weil gerade Stiefelträger im Nachbarort aufmarschieren. Und ich meine damit nicht die Feuerwehr.

Wir kommen wieder.

 

Hütevorführung oder Hüte-Vorführung?

„Wie? Sie wollen bei uns eine Hüte-Vorführung präsentieren?“ fragt ein Schlossverwalter, willigte aber im gleichen Moment ein. Er wundert sich nur, dass wir so viel Fläche dafür benötigen. Hüte passen ja wunderbar zu einem Schloss, aber eine gewisse Verwirrung ist dem Hausherren deutlich anzusehen.

Ich trage Gummistiefel und eine Wachsjacke, habe zwei Border Collies dabei und erzähle von meinen Laufenten, aber irgendwie will sich der Nebel in seinem Kopf noch nicht verziehen. Ich überlege kurz: „Gefällt mir diese Verwechselung?“ Die Antwort ist schnell gefunden: „Ja, echt witzig!“ Eigentlich müsste ich diesen Herrn auf den Boden der Tatsachen holen, aber die Wortspiele und das offensichtliche Missverständnis machen mir ziemlich viel Spaß.

Wir reden noch immer über eine Hütevorführung, oder doch eine Hüte-Vorführung?

Die Frage nach Absperrgittern und Strom für die Technik bringen ihn nicht auf andere Gedanken, aber das Thema Heu macht den Freiherrn von ich weiß nicht genau dann doch etwas stutzig.

„Heu? Sie brauchen Heu?“ „Ja, das wäre super, wenn die Wiesen so weit runter gemäht sind, dass sie nicht mehr ergiebig sind.“ „Die Wiesen müssen ergiebig sein?“ „Naja“, antworte ich „unsere schottischen Kolleginnen müssen ja ordentlich versorgt werden“. So langsam werde ich mutig und erwähne noch: „Schließlich bin ich für die vielen hübschen Damen verantwortlich“.

Vor mir steht ein Mann, der ein Schloss von seiner Familie übernommen hat und in seiner ganz eigenen Welt lebt. Ich gebe zu, seine mit Wappen bestickten Hemden und seine Lack-Schühchen finde ich etwas lächerlich, aber jeder mag so leben, wie es ihm beliebt. Über mein Leben mit den Tieren werden sicherlich auch viele Menschen den Kopf schütteln.

Doch dann findet er seine Sprache wieder und stellt die richtige Frage: „Was machen Sie eigentlich genau?“ Nun wird es Zeit, die Situation aufzulösen. Eigentlich schade. „Wir präsentieren den Border Collie Arbeitshund in der Tradition der schottischen Farmer und das mit Hilfe von schottischen Schafen und Laufenten.“ Ich sehe in aufgerissene Augen und wieder folgt Schweigen.

Hütevorführung Border Collie May /Foto: Jasemin B

Hütevorführung Border Collie  /Foto: Jasemin B

Dann aber bricht es aus ihm heraus: „Das ist ja wunderbar und es passt perfekt in diese Umgebung“. Ich mochte den schottischen Landadel schon immer, denn er ist das Paradebeispiel für Pragmatismus und Tradition. „Werter Freiherr von ich weiß nicht genau, bei uns geht es weniger um den schottischen Adel, sondern eher um den Border Collie. Genau gesagt, um den Arbeitshund Border Collie“. Ich kann fast sehen, wie seine grauen Zellen auf Hochtour laufen, er aber versucht, diese Gehirnakrobatik zu verstecken.

„Wieviel Fläche brauchen Sie und kann man diese Präsentation in einem Schloss-Event integrieren?“ „40m x 60m wäre wunderbar, aber wir kommen auch mit etwas weniger zurecht. Es ist aber sehr schön, auch für die Zuschauer, wenn die Hunde genügend Platz haben, um ihren Job zu erledigen. Es sieht einfach besser aus und das Publikum sieht Border Collies, wie sie wirklich agieren. Das ist ziemlich spektakulär. Und was die Einbindung in ein Schlossfest betrifft, so haben wir mit dieser Kombination nur gute Erfahrungen gemacht. Der Veranstalter benutzt unsere Hütevorführung sogar als zusätzliche Werbung für sein Fest.“ „Ok, das kann ich mir alles gut vorstellen“, ist seine spontane Antwort.

Während er betont lässig hinter seinem ehrwürdigen Schreibtisch sitzt, der vermutlich von seinem Ur-Ur-Urgroßvater stammt, beschleicht mich ein komisches Gefühl. So ganz genau kann ich es nicht beschreiben, aber seine übertriebene Lässigkeit passt irgendwie nicht zu ihm. Dieser Freiherr versucht doch tatsächlich, einen auf Kumpel zu machen, aber meine Magengegend rebelliert. Nein, kein Durchfall. Mit dem Mann, der in den Lackschühchen steckt, stimmt etwas nicht.

„Für die Programminhalte geben wir auf unseren Schlossfesten nichts aus, weil unser Event eine tolle Plattform ist, bei der alle dabei sein wollen.“ OK, das erklärt meine Bauchschmerzen. Sie wollen sehr viel für Null. Am besten alles. Die Lackschühchen suchen nur Einnahmequellen, da vermutlich die Unterhaltskosten der Schlossmauern drücken. So habe ich mir eine Zusammenarbeit nicht vorgestellt. Ich wünsche mir eine gewisse Begeisterung und Achtung für und vor uns und unseren Hunden. Ich mag die Geschichte, Burgen und Schlösser auch, aber keine arroganten Fatzke, die den Verfall mit Überheblichkeit verdecken wollen. Bin ich jetzt zu streng oder zu intolerant?  Mir ist es egal.

H.P.Schaarschmidt /Foto: Jasemin B

H.P.Schaarschmidt /Foto: Jasemin B

Auf diesem herrschaftlichen Schlossgelände werden wir dann wohl nicht den Arbeitshund Border Collie vorstellen. Bei der Arbeit mit Schafen und Hunden spielen Ideale mehr als nur eine große Rolle.

Einige „Otto Normalverbraucher“ halten uns Schaf- und Hundeleute sicher für verrückt. Als ich meinen Lektor in Berlin frage, ob da etwas dran sei, fällt seine Antwort so kurz wie simpel aus: „Natürlich sind Sie etwas verrückt, sonst würden Sie das doch alles nicht machen. Schafe, Border Collies, Hütevorführungen, ein Buch schreiben und dabei noch einem Beruf nachgehen ist verrückt. Aber schön, dass Sie es tun.“

 

Bucherscheinung 2017 – Tiergefährten –

Meine täglichen Erlebnisse rauschen wie ein Schnellzug in voller Fahrt an mir vorbei und ich komme gar nicht dazu, all das Erlebte festzuhalten. Das Erleben, das Machen und das Aktiv sein sind ja aber auch nur eine Seite meines Lebens, worum es mir noch geht, nämlich das Schreiben, ist eine ganz andere.

Eigentlich sollte mein Erstlingswerk „Tiergefährten“ bereits im Sommer auf dem Markt sein, aber bei der Abschlussbesprechung in Berlin flogen mir nicht nur die Kritikpunkte meines Lektors um die Ohren, sondern auch die von einer guten Freundin, die der schreibenden Kunst mächtig ist. Das Schreiben und Veröffentlichen eines Buches hatte ich mir bis dahin ganz anders vorgestellt.

Bucherscheinung 2017 - Tiergefährten -

Bucherscheinung 2017 – Tiergefährten –

Aber da jede Krise auch ein produktiver Prozess ist, sollte ich froh sein, dass ich so kompetente Freunde an meiner Seite habe. Deshalb ist des vermeintlich fertige Buch nun wieder für eine neue Überarbeitung freigegeben. Nein, ich bin nicht deprimiert, vielleicht ein bisschen enttäuscht. Mit meinem Erstlingswerk male ich mir natürlich keine Chancen auf den Pulitzer Preis aus, der mir sowieso egal ist, aber ich möchte unbedingt, dass der Schnellzug meines Lebens einen Moment anhält, Ihr eine Strecke mit mir reisen könnt und ich Euch dabei meine Geschichten über die Tiere und Mutter Natur lebendig und fesselnd erzählen kann.

Mutter Natur? Mit diesem Namen sollte ich mich auch mal näher beschäftigen..

Auch wenn ich dachte, wir hätten alle Arbeiten abgeschlossen, haben sich nun alle Beteiligten wieder in die Arbeit gestürzt und aus dem Sommer-Buch wird wohl eher ein Herbst-Buch 2017.

Ganz mit den Worten des genialen Oscar Wilde: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es nicht das Ende“. Ihr dürft also weiter gespannt sein und ich informiere Euch über Neuigkeiten.

 

Herzliche Grüße aus dem schönen Nienburg
H.P.Schaarschmidt

 

Ich glaube, ich bin verrückt geworden oder einfach nur ein Tierfreund?

Auch wenn jetzt einige zustimmend nicken (zumindest zum 1.Teil meiner Überschrift), so möchte ich dem Rest kurz von meinen Gefühlen berichten. Alle Tierfreunde wissen, wie sehr einem diese kleinen Biester ans Herz wachsen können. Meine Tiere haben nicht nur einen festen Platz in meinem Leben, sondern gehören mit zur Familie. Aus beruflichen Gründen habe ich für meine Lieblinge im Moment relativ wenig Zeit und irgendwie fehlt das. Was aber machen, wenn man den 120 Schafen und den Hunden die Mäuler zu stopfen hat? Meine Hunde und ich gingen an einem späten Nachmittag zu den Schafen und kontrollierten alle drei Standorte. Als wir auf der letzten Weide, auf der eine meiner drei Photovoltaikanlagen steht, angekommen waren, tollten wir herum und verbrachten dort etwas freie Zeit, denn bei den Damen war alles in Ordnung. In diesem Moment war ich sehr glücklich und meine Hunde genossen es auch.

Abby & May /h.p.schaarschmidt

Abby & May /Foto  Jasemin B

Plötzlich schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf: Irgendwann werden sich unsere Wege schmerzlich trennen. Ich fühlte einen Schmerz, den ich mir niemals so überwältigend vorgestellt hatte. Bin ich jetzt verrückt geworden? Vermenschliche ich meine Tiere? Ich bin der Meinung, dass ich alles für meine vierbeinigen Gefährten tue, um ihnen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Wieso kann mich ein Trennungsschmerz überwältigen, den es noch gar nicht geben kann?

Vielleicht bin ich ja verrückt geworden.

Das führte mich aber sofort zu der Frage: „Was bedeutet der unfachmännische Begriff  „verrückt“?“
Bedeutet es vielleicht auch, in seiner eigenen Welt zu leben und eine ganz eigene Sicht auf die Dinge da draußen zu haben? Eine interessante Frage. Wir Tierfreunde werden von manchen Zweibeinern hin und wieder sehr kritisch betrachtet und ich bin mir sicher, dass einige uns zumindest für seltsam halten. Ich hingegen halte es für mehr als nur eigenartig, wenn man, als extremes Gegenbeispiel, Tiere generell ablehnt oder die störende Katze des Nachbarn fangen will, um sie in der Regentonne zu ertränken.

Wer ist da nun wirklich verrückt?

Diejenigen, die sich mit Tieren und dem Kreislauf der Natur eng verbunden fühlen, oder die anderen, die Tiere als lästiges Beiwerk betrachten? Fragen über Fragen. Das sind Themen, die uns mehr prägen als wir im Allgemeinen annehmen und es sagt zudem auch eine ganze Menge über unsere Persönlichkeit aus. Natürlich ist es auch falsch, 20 Katzen in einer Wohnung zu halten und der Meinung zu sein, das sei Tierliebe. Oder seine 6 Hunde jede Nacht im Bett schlafen zu lassen.  Diese Beispiele zeigen eine extrem andere Einstellung zu Tieren, sind aber ebenso „verrückt“. Warum? Weil dies weder gut ist für Tiere, noch eine artgerechte Haltung unserer vierbeinigen Mitbewohner darstellt.

Ein von mir sehr geschätzter Border Collie-Züchter und Ausbilder verbrachte vor einigen Jahren seinen Urlaub in England und besuchte natürlich auch viele Veranstaltungen, Verkaufs-Events von Border Collies und Trials. Einer der vorgeführten Junghunde zeigte sich an diesem Tag nicht von seiner besten Seite. Der Ausbilder aber sah mehr in ihm. Er kontaktierte den Besitzer, verhandelte und nahm diesen Hund als neuen Kollegen mit nach Deutschland. In den kommenden Jahren schenkte er ihm Zuwendung, artgerechte Ausbildung und ein gutes Zuhause. Die zwei wuchsen zusammen und machten in der Ausbildung große Fortschritte. Das wurde nach einer langen Trainingszeit mit dem Titel „Deutscher Meister“ ausgezeichnet. Die beiden hatten es doch tatsächlich geschafft, das beste Team Deutschlands zu werden. Toll!

Kurz nach dieser erfolgreichen Zusammenarbeit nahm  das Leben dieses Traum-Teams eine überraschende Wendung. Der Vierbeiner erkrankte Krebs. Eine Tumorerkrankung von der Sorte, die schnell, effektiv und bösartig vorgeht …und meistens gewinnt. Da der Zweibeiner Tierarzt war, wusste er nach zahlreichen Untersuchungen, was auf seinen vierbeinigen Kollegen und auf ihn selbst zukommen würde. Er musste seinen Gefährten einschläfern.  Was mag in einen wirklichen Tierfreund vorgehen, wenn er seinen talentiertesten Begleiter selbst einschläfern muss? Diese Ereignisse müssen ihn schwer erschüttert haben. Unvorstellbar.

Können Nicht-Tierfreunde solch tiefe Erschütterungen verstehen? Ich glaube nicht. Deren Bemerkung wäre wahrscheinlich: „Es war doch nur ein Hund.“ Hunde und viele andere Tiere sind intelligente, sensible Wesen, die unseren Respekt verdienen und keine Verachtung als „niedrige Wesen“.

h.p.schaarschmidt

Der kleine Haus-Tiger / Foto Steffen Reute

Derjenige, der Nachbars Katzen ertränkt, brüstete sich noch, dass man sie, wenn sie zu zappeln aufgehört haben, noch weitere dreißig Sekunden unter Wasser halten muss, damit sie auch wirklich tot sind. Auch das sind unsere Mitmenschen: grausam, rücksichtslos und dumm.

Falls wir Tierfreunde also mal wieder einmal als seltsam oder gar verrückt bezeichnet werden, so können wir allen Kritikern entgegentreten und unsere Einstellung voller Stolz verkünden: Die Natur ist kein Streichelzoo, aber wir sind ein Teil des Kreislaufs und voller Respekt vor jeglichem Leben. Meine Freundin ist auch eine echte Tierfreundin, deshalb muss ich mit ihr auch noch mal über Spinnen reden…

Bin ich also verrückt, dass ich mehr als nur erschrocken bin, wenn ich an die bevorstehende Trennung von meinen vierbeinigen Freunden denke?

NEIN, denn sie sind ein Teil meines Lebens und das gut so.

 

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen (Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland)

Von Border Collies, Schafen und einem tollen Tag.

Als ich das Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen auf Kloster Schinna mit der Klosterchefin besprochen habe, war ihre erste Antwort: Reichen da unsere Parkflächen? Sie war wohl der Meinung: da fallen 70 Mitglieder mit 140 Hunden auf dem ehrwürdigen Klostergelände ein, sie gab aber dennoch sofort ihr ok. 70 Zweibeiner und 140 Vierbeiner sind es dann doch nicht geworden, aber der Tag war toll und zwar so richtig toll.

Als ich am Veranstaltungsmorgen aus dem Fenster schaute, traf mich fast der Schlag. Regen wie aus Eimern…  Mist, so haben wir uns das nicht vorgestellt. Ein Blick auf die Wetter-App prophezeite uns aber einen schönen Tag, dann glaube ich ganz einfach mal der Technik. Die Einzigen die an diesem Morgen das Wetter super fanden, waren meine Laufenten. Sie putzten sich im Regen, liefen quietschvergnügt über die Wiese und dachten sich: Genau so kann es bleiben.

Die App sagte NEIN, aber das habe ich ihnen nicht verraten.

Warum treffen wir uns eigentlich, wobei einige sogar 1 ½ Stunden Fahrzeit auf sich nehmen?
Um den freien Tag mit anderen Border Collie- und Schaf-Leuten zu verbringen. Dieser Regio Treff hat mich auch wieder daran erinnert, warum ich in der ABCD bin. Eine tolle und entspannte Zeit mit Menschen, die von dem gleichen Virus befallen sind, dem „Border Collie Wahnsinn“.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Pünktlich beim Eintreffen der ersten Border Collies (mit ihren Zweibeinern), machte sich dieses gelbe Ding am Himmel  Platz und verschönerte uns den Tag. Brauchen wir eigentlich unbedingt Sonne für unsere Arbeit? Ich glaube die Frage hat sich erledigt. Denn im Mutterland dieser vierbeinigen Kollegen hat die Sonne nicht gerade eine Chefposition. Egal, wir sind hier. Die Sonne scheint und heute dreht sich alles um  unsere schwarz-weißen Mitarbeiter.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Einige kamen auch ohne Herrchen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Man beachte den Border Collie-Teller von Jasi. Ulrike kann ihre Freude nicht „verheimlichen“.

Nach Begrüßung und einem süßen Imbiss schlenderten wir erst mal über das Klostergelände. Als aber die Sonne unsere Regio noch mehr verschönern wollte, verlegten wir kurzerhand das Ganze ins Freie. Die Figur auf dem Teller lies Jasi nicht aus den Augen, denn dieser Glücksbringer sollte wieder mit nach Hause.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Ein schönes Plätzchen mit Blick auf die Schafe (Auf dem Kloster meine Lieblings-Ecke)

Bevor das lockere Training beginnen konnte, stand zunächst eine kurze Regio-Besprechung auf der Tagesordnung: Vorschläge, Anliegen, Anregungen und Vorschau auf anstehende Veranstaltungen bei uns in Niedersachsen. Eine der ersten Fragen war: wie lief das letzte Treffen bei Christine Fischer. Da die Anmeldezahl bescheiden ausfiel, wurde auch ein Gast aus NRW gerne gesehen. Wir waren alle der gleichen Meinung: sind noch Plätze frei, ist jedes ABCD Mitglied aus ganz Deutschland herzlich willkommen. Die Regio-Vorsitzende Ulrike machte aber auch nochmal deutlich, dass sie einen der Schwerpunkt darin sieht, Trial für die Klassen 1 und 2 zu fördern. Es ist fantastisch, dass wir international erfolgreiche Trialisten haben, aber die Basis müsse in Zukunft deutlich mehr unterstützt werden, denn die ABCD ist der Verein des Arbeitshundes Border Collie und erst an zweiter Stelle ein Veranstalter von Trials. Was nicht heißen soll, dass wir weniger machen sollten, ganz im Gegenteil, aber eben deutlich mehr für die Basis. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass wir uns in Niedersachsen aller 3 Monte Treffen, um sich auszutauschen und enger zusammen zu rücken, sagte Ulrike.

Das nächste Treffen findet voraussichtlich bei Svea Bruhn statt. Svea, wir freuen uns darauf!

Nun ging es an die Abteilung Spaß. Lockeres Training an meinen Blackys. Ich hatte drei Tore aufgebaut und jeder konnte das trainieren, was er seinem Hund zutraute. Bei ausgelassener Stimmung gingen viele Junghunde an den Start und  wertvolle Ratschläge gab es von einer gut gelaunten Ingrid Stottmann.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Training unter realistischen Bedingungen.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Zahlreiche Zaungäste gab es auch. Sie beobachteten uns bei der „schweren Arbeit“.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Der schönste Platz ist noch immer im Wasserkübel.

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Grill-Meister Jan

Das gemeinsame Trainieren machte riesen Spaß und konnte nur noch von dem „Tagesordnungspunkt“ Grillen getoppt werden. Profi-Griller Jan hatte das heiße Monster voll im Griff und zauberte uns Leckereien.  Jan, vielen DANK!

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Regio-Treffen der ABCD Niedersachsen

Ich denke, dass Foto spricht für sich.

In unserer ABCD geht es um Zusammenhalt und um Freude an gemeinsamen Interessen. Wir alle können nicht immer einer Meinung sein. Das ist auch gut so. Die Leidenschaft für Tiere vereint uns, denn in einer funktionierenden Gemeinschaft sind wir stärker als Einzelkämpfer. Gebt euch beim nächsten Regio Treffen einfach mal einen Ruck und kommt mit dazu. Wir freuen uns auf euch.

Ein entspannter Tag mit Freunden, die gemeinsam Zeit verbringen, sich austauschen und Spaß haben wollen, genau so war es. Einfach toll.

Schön das ihr alle dagewesen seid.

Der Schweinehund

Der „innere Schweinehund“ hat ziemlich viele Tricks auf Lager und ist zudem ein begnadeter Überzeugungskünstler. Ihr kennt ihn auch und habt ihn regelmäßig zu Besuch? Dann wisst ihr ja wovon ich rede und überlegt: wie werde ich diesen lästigen Kerl los?! Mediation, Wut oder der pure Wille, nix hat geholfen, vielleicht Gewalt? Keine schlaue Idee, ich kann mich ja nicht selbst verhauen (auch wenn ich das manchmal verdient hätte).

Die Wissenschaft sagt zu diesem Dauermieter Willensschwäche. Sie kommt aus dem Unterbewusstsein und diesem Wunderding namens Gehirn. Also haben wir schon mal eine Adresse. Ich stelle mir einen fiesen kleinen Kerl vor, der schmutzig und fett ist, den ganzen Tag nur faulenzt, aber immer flotte Sprüche auf Lager hat. Hat der innere Schweinehund eine Adresse und Aussehen, so muss natürlich auch „Der Gute“ in Erscheinung treten. Er macht uns bei weniger guten Aktionen das schlechte Gewissen, oder treibt uns an, etwas Wichtiges doch zu erledigen   – was der Schweinehund gerne auf übermorgen verschiebt.

Der Schweinehund

Der Schweinehund

Historische Darstellung  „Schweinehund“

Ursprünglich stammt diese Wortkreation aus der Wildschwein-Jagt. Hunde wurden zur Schweinehetze eingesetzt, bis  zur Ermüdung der Gejagten Vierbeiner. Genau diesen Job erledigte der Sauhund, aus dem wir später den Schweine-Hund gemacht haben. Manche Dinge sind doch ziemlich simpel. Nur seltsam, dass aus dem Jagdhund ein Schimpfwort geworden ist. Wir verwenden die Wort-Kreationen ganz einfach, oder habt ihr euch schon mal Gedanken über Tohuwabohu, Mumpitz oder WC gemacht?  Und über Engelsgeduld, Zeitgeist oder Weltenschmerz könnte man ganze Bücher füllen.

Aber wieder zurück zu unserem Schweinehund, oder sollte ich lieber Willensschwäche sagen? Willensschwäche klingt so wissenschaftlich, ich bleibe lieber bei Schweinehund und meinem kleinen  faulen Mann. Warum eigentlich Mann? Egal!  Der Kopf sagt uns des Öfteren, dass wir unseren Hintern bewegen sollen und redet uns ziemlich oft ein schlechtes Gewissen ein, aber der kleine fette Mann liefert uns prompt gute Argumente. Ein Leben lang machen wir uns Gedanken: wie trixen wir diesen kleinen Fiesling aus?

Der Schweinehund

Der Schweinehund

Verschiebe nichts bequem auf morgen, wenn du`s heute kannst besorgen. Das ist ALLES.

WOW, also nichts einfacher als das. Dumm nur, dass diese ganzen Sprüche und Weisheiten reine Theorien sind und die Praxis mal wieder auf einem ganz anderen Planeten zu Hause ist. Es gibt aber ein Geheim-Rezept: Was wir gerne machen, erledigen wir sofort und nur die unangenehmen Dinge lassen wir warten. Versuchen wir also mehr Schönes in unser Leben zu lassen, dann klappt’s auch mit dem Schweinehund.

Wir müssen unser Leben umkrempeln,
anstatt an einzelnen Aufgaben herum zu doktern.

 

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Wer hätte es gedacht, dass ich mich einmal mit dem hüten von Enten beschäftige. Prompt bekam ich auch einige Sprüche zu hören. Zum Beispiel:  ich dachte du kennst nur die Peking-Ente beim Chinesen,  Ente gut, alles gut oder das ist die falsche WC-Ente und andere wichtige Lebensweisheiten.

Das kleine Flatter-Vieh ist schon was Besonderes und sie haben auch noch Ansprüche. Was macht man aber nicht alles, damit es dem lieben Vieh gut geht. Es fängt schon mal damit an, dass die Laufenden bei zahlreichen vierbeinigen „Kollegen“ als Beute  willkommene ist und keine Lücke in der Behausung zu klein ist, um in der Nacht einen „Besuch“ abzustatten. Da waren sie auch schon wieder, die Sprüche und hilfreichen Lebensweisheiten: Der Fuchs hat drei Enten geholt?! Die Besten kommen halt zuerst in den Himmel. Heißt das jetzt wenn ich sehr alt werden sollte, wollte mich da oben keiner haben? Und überhaupt, wer soll das entscheiden und wo ist eigentlich da oben?

Fragen über Fragen…

Enten hüten ist so eine ganz spezielle Sache, denn die Fehlerquote unserer Hunde sollte bei null liegen. Warum?  …muss ich das wirklich erläutern? Meine Abby könnte zum Beispiel nicht diesen Job erledigen, weil sie des Öfteren nicht nur ein schwaches Nervenkostüm hat, sondern auch mal deutlich! nach-hilft. Die kleinen Biester sind ja nicht nur niedlich und die Schnecken-Vertilger schlecht hin, sondern auch ganz schön aufwendig  – wenn man sie lange behalten möchte.

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Nix mit einfach über den Hof laufen lassen, oder Freies Land für Freie Gänse. Toller Spruch, aber leider nur für eine kurze Zeit, denn dann sind sie gern gesehene „Gäste“ bei Marder, Fuchs und Kollegen. Also Obacht und Sicherheitsstufe 1.

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Laufenten hüten …und „wichtige Lebensweisheiten“

Meine Hündin Abby ist an den Enten nicht so gut aufgehoben, aber dafür meine May. Einen richtig guten Job macht Sky von Bianca Jacobi. Da wir des Öfteren gemeinsam unterwegs sind, habe ich Sky genau beobachten können  – sie ist bei der Enten-Arbeit einfach traumhaft.

Wenn ich ganz ehrlich bin, wollte ich „eigentlich“ nie zu meinen Hunden und Schafen auch noch Federvieh, aber nun sind einige dieser possierlichen Wesen bei mir eingezogen und ich bereue nichts. Die Laufis sind toll und lieb gewonnenen Mitbewohner.

 

Herzlich willkommen, schön dass ihr da seid.

Schafschur

Eigentlich waren wir dieses Jahr spät dran, aber beim ersten Versuch hat der Himmel unverhofft alle Schleusen geöffnet und meine Mädels ordentlich eingeweicht. Ich möchte einmal das Gesicht des „Frisörs“ sehen, wenn er  über 100 klatschnasse Damen scheren soll. Nun ging es aber endlich los und der Wettergott hatte glücklicherweise ein Einsehen mit uns.

Der Frisör und ich waren um 7.30 Uhr verabredet. Neugierige hatten sich auch angesagt, denn schottische Damen nackt zu machen ist ein Ereignis. Manche behaupten ja, Blackis haben immer einen Plan. Das vermute ich schon lange, aber bei dem Thema „Wolle ab“ sind wir einer Meinung  – meine Damen und ich.

Rainer, der Schaffrisör, war super pünktlich. Um 07.30 Uhr fuhr er auf den Hof. Gut gelaunt und voller Tatendrang begrüßte er mich und machte gleich seinen ersten Scherz:  „Du, eigentlich habe ich gar keine Lust.“

Da ich aber Rainer kenne, weiß ich, er macht seinen Job mehr als nur gerne  – er liebt ihn geradezu. In der Halle war alles vorbereitet. Strom für die Schermaschine, Scheinwerfer positioniert, Gatter aufgestellt und die angemeldeten Zaungäste wollten für Kaffee und Brötchen sorgen. Das Treffen von netten Menschen und vielen schottischen Damen war arrangiert. Naja, viele Damen ist relativ, denn ich habe ja noch immer eine Hobbyzucht, auch wenn ich die 100er Marke längst überschritten habe   – und dabei meine ich nicht mein Alter.

Rainer schaute sich die vorbereitete Arbeitsstelle an: „Sehr schön, aber hatte ich schon erwähnt, dass ich gar keine Lust habe?“ „Ist ja gut, Rainer, du musst nicht verheimlichen, dass du deinen Job sehr gerne machst“, war meine Antwort.

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Maschine aufbauen und dann geht es den Damen an die „Wäsche“,
Foto Hardi P. Schaarschmidt

Nur noch Messer aufstecken und schon konnte die Aktion „nackte Damen“ beginnen. Gleich bei der ersten Lady hatte Rainer ein Problem. Die Unterwolle löste sich schlecht, so dass der Tag mit richtiger Arbeit begann. Eigentlich hatte ich sechs Stunden mit Pause eingeplant, aber das stand nun auf der Kippe. Doch es lief besser als vermutet. „Der gleiche Herr – die nächste Dame“, nach diesem Motto lief es zügig bis zur ersten Pause.

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Die Chefin beobachtete Rainer ganz genau. Wer ist der Fremde? Was hat er vor?
Foto Hardi P.Schaarschmidt

Pünktlich zur Pause trafen unsere Zaungäste Karin, Tessa und Wilhelm F. ein. Bewaffnet mit Kaffee, Brötchen und guter Laune. Es waren sehr nette, kreative „Schreibtisch-Täter“, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Schafschur live erleben wollten. Wir hatten alle viel Spaß, aber die Schäferromantik hatte ihren Platz mit Arbeit getauscht. Unsere Besucher machten reichlich Fotos und überraschten uns mit liebevoll belegten Brötchen. Zu unserer Verwunderung stand dann plötzlich auch noch ein ganzer Pulk von Menschen vor uns.

„Wow, wo kommt Ihr den aller her?“ „Guten Morgen, wir machen gerade eine Klosterführung und haben gehört, dass hier eine Schafschur stattfindet.“ „Ok, herzlich willkommen.“ Dann prasselten tausend Fragen auf mich ein. Rainer trank in Ruhe seinen Kaffee, unsere Besucher posierten zwischen den Schafen und ich stand Rede und Antwort. Viele schlaue Fragen, aber auch einige, über die man sich schon mal wundern darf.  „Was machen Sie, wenn jetzt plötzlich Wölfe kommen?“
„Ich hole meine Schrotflinte und erschieße alles, was sich meinen Schafen nähert.“ Wenn ich eine Flinte hätte. Eine schlaue Antwort auf eine schlaue Frage.

Nach diesen tiefsinnigen Weisheiten des Lebens war unsere Pause auch schon wieder vorbei und es wartete noch einen Menge Arbeit auf uns. Eine Dame nach der anderen ließ ihre Wolle und, oh Wunder oh Wunder, wir hatten mehr Platz im Stall. Angezogene Frauen nehmen doch schon eine ganze Menge Platz weg. Als ich nebenbei davon erzählte, dass ich nach der Schafschur viel mehr „ausgezogene“ Damen in den Anhänger bekomme, überraschte unsere Besucherin mit der Frage:
„Gilt das auch fürs Bett“?

Rainers Kommentar: „Die Frau überrascht mich positiv.“ und ich bekam einen Lachanfall.

Und wieder ging es zügig voran. Ich reichte die Schafe an, Rainer „zog sie aus“ und unsere Besucher hatten offensichtlich viel Spaß. Ganz besonders erstaunlich war die Wandlung ihrer Tochter Tessa. Als sie bei uns eintraf, hatte sie eine Riesenangst und traute sich nicht an meine Mädels heran. Nach einem Vormittag  – das Foto spricht für sich selbst

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Schafschur /H.P.Schaarschmidt

Tessa und Rosemarie, Foto privat

Das war sie also wieder, die Schafschur für dieses Jahr. 100 nackte Damen, ein witziger Schafscherer und die kleine Tessa, die ihre Liebe zu Schafen entdeckt und eine Schaf-Freundin gefunden hat. Die vierbeinige Freundin wurde Rosemarie getauft   – warum, um Himmelswillen, gerade Rosemarie?

Kann eine Schafschur noch besser laufen?
Wohl kaum, denn wir alle hatten eine GUTE Zeit.