Achtung Lebende Tiere – Was für eine Heuchelei.

Es ist 8.30 Uhr am Sonntagmorgen. Ich habe heute etwas länger geschlafen als sonst, aber nun bin ich auf dem Weg zu meinen Schafen. Die Hunde, hinten im Auto, sind voller Tatendrang und ich gehe im Kopf schon mal den Plan für den Tag durch. Im Radio läuft gerade ein Titel von Michael Jackson, als vor mir ein großer Lastzug auftaucht. Ich komme näher und erkenne einen Schriftzug:

Achtung, lebende Tiere.

Ich lebe auf dem Land und solche Transporter habe ich schon oft gesehen, aber heute Morgen durchfährt mich dabei ein Schock und ein Gedanke trifft mich wie ein Blitz: „Wie mögen sich die Tiere wohl  fühlen?“ Dann kommt mir sofort ein zweiter Gedanke und ich stelle mir die Frage:  „Was ist denn heute anders?“ An diesem Sonntagmorgen irritieren mich meine eigenen Fragen. In meinem Kopf muss über Nacht ein Schalter umgelegt worden sein, denn die zur Schlachtung transportierten Tiere bereiten mir fast Schmerzen. Ich habe das Gefühl, als könne ich ihre Verzweiflung spüren.

„Verzweifelte Tiere“? Das würde ja bedeuten, dass diese vierbeinigen Tiergefährten viel mehr wahrnehmen und erfassen, als ich mir jemals gedacht habe. Ehrlich gesagt, kann ich die Gedanken und Gefühle für mich in diesem Moment nicht einordnen. Natürlich bin ich sehr naturverbunden und selbstverständlich spielen Tiere in meinem Leben eine sehr große Rolle, aber ein so überwältigendes Gefühl beim Anblick eines Tiertransporters?! Ich bin verwirrt.

Tiertransporter zum Schlachthof - Nach der Massentierhaltung fast eine „Erlösung“

Tiertransporter zum Schlachthof – Nach der Massentierhaltung fast eine „Erlösung“

Fast wie ein Blitz durchzucken mich Bilder von üblen Massentierhaltungen und diese Bilder machen diesen Moment nicht leichter. Ist es tatsächlich möglich, dass viele Menschen dieses Elend nicht im Geringsten kümmert? Hat ein Großteil der Bevölkerung ihre ethischen Werte für Euros verkauft? Lassen sie für Geld wirklich alles zu? Vermutlich lautet die Antwort: „Ja.“

Eine kleine Hoffnung bleibt, damit die Menschheit und die Menschlichkeit nicht völlig im Erfolgs- und Gewinnmaximierungswahn untergehen. Wir müssen unsere Hoffnung in die Träumer und die Idealisten setzen, die uns Rettung bringen können. Sie können das Licht am Ende des Tunnels sein, denn was bleibt schon übrig, wenn bei einem Gewinnmaximierer der Gewinn ausbleibt? Nichts! Den Idealisten bleibt alles, oder sagen wir lieber fast alles. Egal, ob Schafzüchter, wie ich es einer bin, der seine komplette Freizeit investiert, um eine kleine Herde von 120 Scottish Blackface zu halten, oder Jung-Landwirte, die Freiland -Schweine züchten.

Der Lastzug  „Achtung, lebende Tiere“  – er fährt noch immer vor mir.

Soll ich das Fahrzeug stoppen und die Tiere befreien? Ich bin mir sicher, dass das nicht einer meiner besten Einfälle wäre, aber was kann ich sonst tun? Dass wir alle kein Fleisch mehr essen, wäre z. B. eine logische Konsequenz, um Tierleid zu verhindern.

Hilft aber den zu transportierenden Tieren leider nicht wirklich.

Eine von vielen Möglichkeiten, die gar nicht so schwierig ist, wäre: Konsequente, artgerechte Freilandhaltung, bei der es Freude macht, dass treiben zu beobachten.

Konsequente, artgerechte Freilandhaltung

Konsequente, artgerechte Freilandhaltung

Einige kennen solche Bilder gar nicht mehr.

Konsequente, artgerechte Freilandhaltung

Konsequente, artgerechte Freilandhaltung

Als ich vor den Weiden der Freiland-Schweine stand, kam in mir ein Glücksgefühl auf, denn so ausgelassen wirkende Schweine hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Natürlich wird das Fleisch bei einer solchen Haltung teurer. Aber was wäre bei steigender Bevölkerungszahl sonst die Alternative?
Vermutlich noch intensivere „Fleisch-Fabriken“ und das möchte ich nicht.

Achtung, lebende Tiere – Was für eine Heuchelei.

Tiertransporter zum Schlachthof - Nach der Massentierhaltung fast eine „Erlösung“

Tiertransporter zum Schlachthof – Nach der Massentierhaltung fast eine „Erlösung“

 

2 Gedanken zu „Achtung Lebende Tiere – Was für eine Heuchelei.

  1. Holger Bohl

    Danke für diesen Artikel, er hat mich nachdenklich gemacht … und vermutlich nicht nur mich.
    Holger Bohl

    Antworten

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