Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

Ein tolles Wochenende mit Gleichgesinnten, das ist es doch, was wir uns alle wünschen. Ich hatte mal wieder das Glück, zwei wundervolle Tage zu erleben. Leider war meine bessere Hälfte Jasi nicht mit dabei, aber das Wochenende war trotzdem unvergesslich. Eigentlich habe ich zwei Tage mit Sandra  im Richterwagen zugebracht, aber wir hatten so extrem viel Spaß, dass selbst der Fotograf Martin Schulte schon anfing, über unsere extrem gute Laune Scherze zu machen.

Falls jemand auf den Gedanken kommt, wir könnten unsere Aufgabe nicht ernst genommen haben, dem kann ich versichern: Doch, wir haben unseren Job erledigt – und dabei einen Riesenspaß gehabt. Eigentlich sind wir ganz schön verrückt: Wir lassen unsere Partner zu Hause, obwohl wir mit ihnen ein tolles Wochenende verbringen könnten, stellen uns bei Wind und Wetter auf irgendeinen Acker und schauen zu, wie Border Collies fünf Schafe über die Fläche schieben. Ich gebe aber zu, dass es schon mächtig faszinierend ist, diesen vierbeinigen Raketen bei der Arbeit zuzuschauen und ihre Fähigkeiten zu bewundern.

Ich gestehe aber auch, dass man ein Border Collie Bewunderer sein muss, wenn man sich stundenlang, ach, was sage ich, tagelang hinstellt, um bei strömendem Regen diesen schwarz-weißen kleinen Genies zuzusehen. Sandra, die Richterin an meiner Seite, ist ständig im Zwiespalt zwischen Kritik und Motivation. Lässt sie das jetzt durchgehen? Motiviert sie dieses Team, weiter zu machen, auch wenn ein anderer dann vielleicht fragt „Warum warst du bei mir härter?“

Wir haben mehr als einmal darüber diskutiert, ob das jetzt zu lieb bewertet war und ob sie deshalb positiver von der Wettkampffläche gehen. Gerade in den Klassen 1 und 2 spielt die Motivation keine zu unterschätzende Rolle, denn viele Teams schnuppern zum ersten Mal Trial-Luft und sind vor jedem Start so aufgeregt, dass sie fast erstarren. Aber sein wir doch ehrlich: Gerade diese Aufregung macht die Tage zu etwas Besonderem.

Nun sitze ich, wie so oft in diesem Jahr, wieder in einem Hotel. Diesmal in Thüringen, denn Morgen haben Bianca und ich wieder Hütevorführungen. Vormittags sind wir mit einem Schäfer aus der Region verabredet, der sich nicht nur um 2.500 Muttertiere kümmert, sondern auch mit Isegrim zu kämpfen hat. In den letzten Wochen wurden 80 Tiere gerissen. Das treibt dem Schaf-Profi deutliche Sorgenfalten auf die Stirn. Auf einmal wirken unsere Problemchen eher als Luxussorge. Ich komme nicht umhin, die Berufsschäfer voll Hochachtung zu betrachten, denn sie leisten täglich Wunder. Ein Schäfermeister, der seinen Megabetrieb im Griff hat, ist einfach ein tolles Erlebnis.

Prost /Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

Prost /Eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten

Ich habe beim Einschlafen zwar keine Schäfchen gezählt, bin aber mit großer Neugier auf den nächsten Morgen eingeschlafen.

Die Nacht war schnell vorbei und der neue Tag hatte gleich zu Beginn erstaunliches zu bieten. Einen umsichtigen Schäfermeister der neben 2.500 Muttertiere, auch noch um Angestellte und Azubis zu kümmern hat. Nach einer freundlichen Begrüßung, stellten Bianca Jacobi und ich uns kurz vor und schon traten wir nach einem Vorraum mit unzähligen Auszeichnungen an der Wand in die erste Halle ein. WOW fiel mir da nur ein, denn die Ausmaße waren gigantisch. Ich vermute, man könnte auch zwei Reithallen draus machen, aber Schafe sind mir hier lieber. Toll das es überhaupt noch solche großen Betriebe gibt und noch nicht von dem allgemeinen Industrie-Wahn aufgefressen wurden. Um es vorweg zu nehmen, wir haben uns für die nächste Lammzeit wieder verabredet. Das Gewimmel möchte ich unbedingt sehen. Zwei Megahallen voller Wollis mit Lämmern bekommt man in unserem Land so gut wie gar nicht mehr zu sehen, denn in der übrigen Zeit sind alle Tiere auf unendlichen Weiden.

Wunderbar

Während er uns den Ablauf ausführlich erklärte, begutachtete ich die wenigen aufgestallten Tiere, sie sollten verkauft werden. Man man man, dachte ich, die haben ihren Laden wirklich im Griff. Die vielen Auszeichnungen in der Eingangshalle habe sie zu Recht bekommen, denn die Merino Schafe sind mehr als nur vorzeigbar. Da wir bereits sehr früh vor Ort waren, hatte der beeindruckende gelbe Ball am Himmel noch nicht seine Arbeit aufgenommen, so dass mein Handy nur Geister-Fotos schießen konnte.

Keine Geister Merinos

Keine Geister Merinos

Keine Geister Merinos, sondern eine Unzulänglichkeit meines Handys.

Auf dem Rückweg hielten wir an einer Tankstelle und mussten uns erst Mal von den überwältigten Eindrücken erholen. Die Tankstelle glich eher einem Supermarkt und zu unserer großen Verwunderung gab es hier Dinge, die bei uns in Niedersachsen unvorstellbar währen.

Zum Kaffe noch einen Schlagstock to go

Zum Kaffee noch einen Schlagstock to go

Zum Kaffe noch einen Schlagstock to go gefällig?! Thüringen ist wunderschön, aber das hat uns dann doch verwirrt. Nochmal zu Erinnerung, wir waren in einer Tankstelle!

Trotzdem, Thüringen ist toll – nur muss man hin und wieder mit Straßensperren und Polizeikontrollen rechnen, weil gerade Stiefelträger im Nachbarort aufmarschieren und damit meine ich nicht die Feuerwehr. Was aber die Begeisterung für den Arbeitshund Border Collie betrifft, einfach überwältigend.

Wir kommen wieder.

 

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