Ich glaube, ich bin verrückt geworden oder einfach nur ein Tierfreund?

Auch wenn jetzt einige zustimmend nicken (zumindest zum 1.Teil meiner Überschrift), so möchte ich dem Rest kurz von meinen Gefühlen berichten. Alle Tierfreunde wissen, wie sehr einem diese kleinen Biester ans Herz wachsen können. Meine Tiere haben nicht nur einen festen Platz in meinem Leben, sondern gehören mit zur Familie. Aus beruflichen Gründen habe ich für meine Lieblinge im Moment relativ wenig Zeit und irgendwie fehlt das. Was aber machen, wenn man den 120 Schafen und den Hunden die Mäuler zu stopfen hat? Meine Hunde und ich gingen an einem späten Nachmittag zu den Schafen und kontrollierten alle drei Standorte. Als wir auf der letzten Weide, auf der eine meiner drei Photovoltaikanlagen steht, angekommen waren, tollten wir herum und verbrachten dort etwas freie Zeit, denn bei den Damen war alles in Ordnung. In diesem Moment war ich sehr glücklich und meine Hunde genossen es auch.

Abby & May /h.p.schaarschmidt

Abby & May /Foto  Jasemin B

Plötzlich schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf: Irgendwann werden sich unsere Wege schmerzlich trennen. Ich fühlte einen Schmerz, den ich mir niemals so überwältigend vorgestellt hatte. Bin ich jetzt verrückt geworden? Vermenschliche ich meine Tiere? Ich bin der Meinung, dass ich alles für meine vierbeinigen Gefährten tue, um ihnen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Wieso kann mich ein Trennungsschmerz überwältigen, den es noch gar nicht geben kann?

Vielleicht bin ich ja verrückt geworden.

Das führte mich aber sofort zu der Frage: „Was bedeutet der unfachmännische Begriff  „verrückt“?“
Bedeutet es vielleicht auch, in seiner eigenen Welt zu leben und eine ganz eigene Sicht auf die Dinge da draußen zu haben? Eine interessante Frage. Wir Tierfreunde werden von manchen Zweibeinern hin und wieder sehr kritisch betrachtet und ich bin mir sicher, dass einige uns zumindest für seltsam halten. Ich hingegen halte es für mehr als nur eigenartig, wenn man, als extremes Gegenbeispiel, Tiere generell ablehnt oder die störende Katze des Nachbarn fangen will, um sie in der Regentonne zu ertränken.

Wer ist da nun wirklich verrückt?

Diejenigen, die sich mit Tieren und dem Kreislauf der Natur eng verbunden fühlen, oder die anderen, die Tiere als lästiges Beiwerk betrachten? Fragen über Fragen. Das sind Themen, die uns mehr prägen als wir im Allgemeinen annehmen und es sagt zudem auch eine ganze Menge über unsere Persönlichkeit aus. Natürlich ist es auch falsch, 20 Katzen in einer Wohnung zu halten und der Meinung zu sein, das sei Tierliebe. Oder seine 6 Hunde jede Nacht im Bett schlafen zu lassen.  Diese Beispiele zeigen eine extrem andere Einstellung zu Tieren, sind aber ebenso „verrückt“. Warum? Weil dies weder gut ist für Tiere, noch eine artgerechte Haltung unserer vierbeinigen Mitbewohner darstellt.

Ein von mir sehr geschätzter Border Collie-Züchter und Ausbilder verbrachte vor einigen Jahren seinen Urlaub in England und besuchte natürlich auch viele Veranstaltungen, Verkaufs-Events von Border Collies und Trials. Einer der vorgeführten Junghunde zeigte sich an diesem Tag nicht von seiner besten Seite. Der Ausbilder aber sah mehr in ihm. Er kontaktierte den Besitzer, verhandelte und nahm diesen Hund als neuen Kollegen mit nach Deutschland. In den kommenden Jahren schenkte er ihm Zuwendung, artgerechte Ausbildung und ein gutes Zuhause. Die zwei wuchsen zusammen und machten in der Ausbildung große Fortschritte. Das wurde nach einer langen Trainingszeit mit dem Titel „Deutscher Meister“ ausgezeichnet. Die beiden hatten es doch tatsächlich geschafft, das beste Team Deutschlands zu werden. Toll!

Kurz nach dieser erfolgreichen Zusammenarbeit nahm  das Leben dieses Traum-Teams eine überraschende Wendung. Der Vierbeiner erkrankte Krebs. Eine Tumorerkrankung von der Sorte, die schnell, effektiv und bösartig vorgeht …und meistens gewinnt. Da der Zweibeiner Tierarzt war, wusste er nach zahlreichen Untersuchungen, was auf seinen vierbeinigen Kollegen und auf ihn selbst zukommen würde. Er musste seinen Gefährten einschläfern.  Was mag in einen wirklichen Tierfreund vorgehen, wenn er seinen talentiertesten Begleiter selbst einschläfern muss? Diese Ereignisse müssen ihn schwer erschüttert haben. Unvorstellbar.

Können Nicht-Tierfreunde solch tiefe Erschütterungen verstehen? Ich glaube nicht. Deren Bemerkung wäre wahrscheinlich: „Es war doch nur ein Hund.“ Hunde und viele andere Tiere sind intelligente, sensible Wesen, die unseren Respekt verdienen und keine Verachtung als „niedrige Wesen“.

h.p.schaarschmidt

Der kleine Haus-Tiger / Foto Steffen Reute

Derjenige, der Nachbars Katzen ertränkt, brüstete sich noch, dass man sie, wenn sie zu zappeln aufgehört haben, noch weitere dreißig Sekunden unter Wasser halten muss, damit sie auch wirklich tot sind. Auch das sind unsere Mitmenschen: grausam, rücksichtslos und dumm.

Falls wir Tierfreunde also mal wieder einmal als seltsam oder gar verrückt bezeichnet werden, so können wir allen Kritikern entgegentreten und unsere Einstellung voller Stolz verkünden: Die Natur ist kein Streichelzoo, aber wir sind ein Teil des Kreislaufs und voller Respekt vor jeglichem Leben. Meine Freundin ist auch eine echte Tierfreundin, deshalb muss ich mit ihr auch noch mal über Spinnen reden…

Bin ich also verrückt, dass ich mehr als nur erschrocken bin, wenn ich an die bevorstehende Trennung von meinen vierbeinigen Freunden denke?

NEIN, denn sie sind ein Teil meines Lebens und das gut so.

 

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