Der Geisterhund

Man sagt „er ist bösartig und tötet jeden“. Einige behaupten sogar „er habe übernatürliche Kräfte“. Niemand hat ihn so richtig aus der Nähe gesehen, nur ein Landwirt, zwei Kinder und drei Radwanderer, die sich verfahren hatten. Ein großer schwarzer Hund, der in den riesigen Sandabbaugebieten und Kiesgruben umherstreift. Am Tag kann man ihn nicht sehen, oder nur ganz selten, aber in der Dunkelheit gehören alle Kiesgruben ihm. Denn niemand traut sich zu später Stunde zwischen die Sandberge. In der Nachtschicht schallen quietschende Förderbänder weit über die Ebene und verbreiten eine fast schon mystische Atmosphäre.

Der Geisterhund Ⓒ Steffen Reuter

Der Geisterhund Ⓒ Steffen Reuter

Der „Geisterhund“ – eine einsame „Bestie“

Soweit die „Legende oder besser gesagt der „Volksmund“. Nun ist dies aber keine Erzählung aus Grimms Märchen, tatsächlich vor drei Jahren, ca. 10 Kilometer von mir in den Stolzenauer Kiesgruben passiert. Arbeiter wollten ihn fangen, Jäger erschießen und besorgte Tierschützer adoptieren – doch keiner hatte „Glück“, denn er war einfach zu schlau. Dieser Pfiffikus kannte sich in dem großen Abraumgebiet aus und kam anscheinend gut zurecht. Er war so menschenscheu, dass man vermuten könnte, dieser „arme“ Hund hat wohl schlecht Erfahrungen gemacht.
Soviel zu dem „bösartigen“ Geisterhund.
War dieser Hund wirklich ein „Aussätziger“, den man nur bedauern konnte? Ich für meinen Teil, vermute, er hatte die schönste Zeit seines Lebens – von gelegentlichen Futterengpässen mal abgesehen. Nur eine Hündin hätte sein Leben noch bereichern können. Dieser „vogelfreie“ Vierbeiner war für kurze Zeit ein nicht fassbarer Teil der Natur und das machte uns Menschen Angst. Wir Zweibeiner konnten ihn noch nicht einmal sehen. Denn er mied unsere Nähe wie der Schneemann das Feuer. (…ich weiß, der Vergleich „hinkt“ etwas)
Genauso entstehen Geschichten und Märchen. Aus einem vermutlich entlaufenen Vierbeiner wird „Der Geisterhund“ und aus unerklärlichen Todesfällen ein “Geisterhaus“. So sind wir eben, Angst vor dem Unbekannten und bei eigenen „Erklärungen“ sehr erfindungsreich. Manche sehen sogar um Mitternacht 30 weiße Schafe, wow „gruselig“. Waren das auch „Geister Schafe“? Falls also auch ihr weiße „Geister Schafe“ seht, wendet euch vertrauensvoll an mich, denn es waren bestimmt meine Scottish Blackface auf Entdecker Tour.
Eine Freundin aus Dortmund, die sich im Tierschutz engagiert, hatte schon den wunderlichen Gedanken: „wir fahren in die Sandgruben, locken den Hund mit Futter an, fangen ihn ein und ich nehme ihn mit nach Hause“. Über diesen Vorschlag könnt ihr sehr gern nachdenken und ich bin auf eure Antworten gespannt.

Ist dieser Vorschlag nun GUT oder SCHLECHT?

Es gibt aber auch „Geisterhunde“ eines ganz anderen Schlages. Hunde die so ausgemergelt aussehen – fast „gruselig“. Vor zwei Wochen fuhr ich auf einer Bundesstraße in Landesbergen Richtung Nienburg und mitten im Ort stockte der Verkehr. Ein ziemlich großer Hund lief ziellos über die Straße. Blieb stehen, bewegte sich und machte einen leicht verwirrten Eindruck. Alle Autofahrer hielten Abstand, fuhren langsam vorbei oder hielten an, auch die 40 tonner Lkw`s. Ein Verkehrs Chaos. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bist dieser Vierbeiner unter die Räder kommt. „Eigentlich“ hatte ich in 10 Minuten einen Termin, aber kann man da einfach weiterfahren? ich in diesem Fall nicht. So fuhr ich also rechts raus, stellte mein Auto ab und machte mich ans Werk. Meine erste Aktion, die komplette Bundesstraße zum Stillstand zu bringen. Das ging ja leicht und das für mich als Zivilist, ohne Kelle und Uniform. Als nächstes nahm ich den Hund in Augenschein, ob er aggressiv ist und in welchen Zustand sich dieser verwirrte Kammrad befindet. Es stand eine ausgemergelte Hündin vor mir, die nicht nur einen leicht verwirrten Eindruck machte, sondern auch ein Gesäuge hatte, dass fast bis auf die Erde hing. Ein Paradebeispiel für Missbrauch als „Gebermaschine“.
Ein erschreckendes Bild, auch das war ein „Geisterhund“, denn er war nur noch ein „Schatten“.

Nachdem ich diese bedauernswerte Kreatur von der Straße gebracht hatte, rief ich die Polizei. Die netten uniformierten Polizisten schüttelten auch nur den Kopf, aber nun erhielt das Ganze was Offizielles. Sie stellen sich doch tatsächlich mit Blaulicht an den Straßenrand und fahndeten nach dem Halter. Zu meiner Überraschung kannten sie den „Züchter“, denn seine Hundehaltung (er hatte noch zwei weitere) war bereits mehrfach aufgefallen.

Das „zu Hause“ der Hunde Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Das „zu Hause“ der Hunde Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Das „zu Hause“ der Hunde, ein „Müll-Haus“

Die Gesetzeshüter übernahmen die Verkehrsregelung, sicherten den Hund und warteten auf eine Antwort zum Halter aus ihrer Leitstelle. Bei der Verabschiedung fragte ich: „was wird aus diesem „Geisterhund“? er sieht ja gruselig aus“. „Wir schreiben einen Bericht, der Halter bekommt vielleicht eine Anzeige und es geht eine Meldung an die zuständige Behörde“. Das ist mir eindeutig zu wenig. Aber das ist nicht die Schuld der zwei freundlichen Beamten, sondern der entsetzlich laschen Gesetzeslage.

Doch bleibt die Frage: Was ist damals aus dem „Geisterhund“ in den Sandgruben geworden?
Niemand hat ihn jemals wieder gesehen.

Ein Gedanke zu „Der Geisterhund

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