Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein unter Tränen

Das macht mich so richtig sauer und geht alle Schafhalter an. Ganz besonders geht es aber auch stellvertretend allen Berufsschäfern an den „Kragen“. Wenn schon solche hoch qualifizierten und umtriebigen Schäfereien sterben, ist es für die letzten verbliebenen Betriebe auch nur noch eine Frage der Zeit.

Kerstin Doppelstein, die letzte Schäferin

Kerstin Doppelstein, die letzte Schäferin

Gestern erhielt ich eine E-Mail, mit der ganzen Wahrheit über die Arbeit und dem Desaster der von mir so sehr geschätzten Schäfermeisterin und studiertem Biologin Kerstin Doppelstein: Vor drei Tagen sprach Kerstin vor Hunderten von Zuhörern an einem ganz besonderen Ort in Großenhain, wo sie selbst zur Schäfermeisterin ausgebildet wurde  – ihrem Traumberuf. Neben Kollegen saßen auch hochrangige Persönlichkeiten aus der Politik und der Staatssekretär im Publikum. Als sie am Rednerpult das Wort ergriff, war es beängstigend still und nachdem die gestandene Schäfermeisterin ihre Tränen nicht mehr zurückhalten konnte, begann ein tosender Beifall. Das war vor vier Tagen.

Begonnen hat Kerstin Doppelstein mit 28 Tieren und 1,5 Hektar. Sie baute ihren Betrieb in den vergangenen Jahren auf über 600 Muttertieren und  300 Hektar Landschaftspflege aus. Als ich das letzte mal mit ihr gearbeitet habe, hatten wir über 1.000 Tiere zu betreuen und die Arbeit schien kein Ende zu nehmen. Obwohl sie häufig nur vier Stunden schläft, ständig arbeitet, zehrten einige zusätzliche Probleme ganz besonders an ihrer Substanz. So ist ihr unverständlich, weshalb eine EU-Förderrichtlinie zu Weideland und Dauergrün so ausgelegt wird, dass sie die dazugehörige Betriebsprämie nur für einen Teil ihrer Flächen erhält. Obwohl sie alle auf die gleiche Art und Weise mit Schafen beweidet.

Kerstin Doppelstein, die letzte Schäferin

Kerstin Doppelstein, die letzte Schäferin

Zu all dem nehmen die Behörden zu viel Rücksicht auf Beschwerden von Personen, die alles habe, nur leider kein Schaf-Wissen. Etliche irrwitzige Gespräche mit dem  verantwortlichen Amt haben deshalb schon Unmengen an Zeit verschlungen. Zum Beispiel klang das so: „Frau Doppelstein, ein aufmerksamer Bürger ist der Meinung, er kann spüren, dass es Ihren Schafen nicht gut geht. Er erkennt es daran, dass sie so traurig gucken. Ich halte davon auch nicht viel, aber wir müssen dem nachgehen. Könnten Sie bitte irgendetwas tun, damit Ihre Schafe fröhlicher gucken?“

Wortwörtlich und tatsächlich genau so passiert.

Was sich wie ein Witz anhört, behindere die Arbeit immer massiver. 2013 erhielt Kerstin den Umweltpreis für ihr Projekt „Hutewald am Cospudener See“. Durch den Einsatz ihrer Bio-„Rasenmäher“ – darunter 20 Yaks – entsteht auf früherem Tagebaugebiet eine Landschaft, in der bereits wieder der Kuckuck oder der sehr seltene Wendehals ihren Nachwuchs aufziehen.

Weitere „aufmerksamer Bürger“ haben beim Landwirtschaftsministerium angezeigt, dass für 300 Coburger Fuchsschafe, die den letzten Winter nahe des BMW-Werks verbringen sollten, ein Witterungsschutz fehle. Die Behörden-Maschine setzte sich in Gang. Eine Kontrolle vor Ort ergab: Nichts zu bemängeln, alles in Ordnung. Dennoch wurde der Schäferin geraten, bei der nächsten Anzeige mit den Tieren besser in einen Stall zu wechseln. Kerstin wollte die Herde daher vorsichtshalber auf Weideflächen im Stöhnaer Becken umsetzen. Dort verlangte das zuständige Amt des Landkreises einen ganzjährigen Witterungsschutz. Dabei würde der Bau solcher Anlagen in dem Naturschutzgebiet, wo Kraniche brüten, vom Umweltamt niemals erlaubt. Und wäre nach ihrer Überzeugung auch für die Tiere nicht gut.

Soviel zum Thema Unterstützung und realitätsferner Auflagen.

Diese fast film-reifen Erlebnisse mit den Behörden brachten irgendwann selbst eine Kerstin Doppelstein an ihre Grenzen und macht mich so richtig sauer, denn wenn eine „hart gesottene „ Schäfermeisterin vor Hunderten Zuhörern in Tränen ausbricht, ist das nicht hinzunehmen.

Wenn ihr Kerstin Doppelstein unterstützen möchtet, so sendet bitte ein Mail an die Stadtverwaltung Leipzig und bekundet eure Unterstützung für die letzte Leipziger Schäfermeisterin, Kerstin Doppelstein.

 

23 Gedanken zu „Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein unter Tränen

  1. Christin Kern

    Da verschlägt es einem die Sprache. Wie kann es sein, das vollkommen Inkompetente Personen über das Befinden von Tieren urteilen, obwohl sie wahrscheinlich Schafe und co. nur aus „Heidi Filmen“ kennen.
    Wozu hat man Ausbildungen gemacht, amtstierärztliche Auflagen erfüllt, Gelder ohne Ende investiert? Weshalb verbringt man so unendlich viel Zeit und Energie mit dem vollenden des Lebenswerkes, wenn weder das Land, die Gemeinden noch Komunen einen solchen Betrieb einmal mit Rat und Tat unterstützen. Nur wenn sie einen benötigen, scharren sie schneller an der Türe, als man sich das vorstellen kann. Das kann ich leider aus eigener Erfahrung berichten.
    Das macht traurig, wütend und sprachlos..
    Ich habe nichts mit Schafen zu tun, freue mich aber unglaublich eine Herde zu sehen und zu wissen, dass diese Toere Landschaftsschutz in höchstem Maße betreiben.
    Allen Landschafts- und Tierhaltern dieser Art wünsche ich mehr Interesse der Öffentlichkeit und viel Kraft gegen die Windmühlen der Behörden und Ämtern zu kämpfen.
    Christin Kern

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  2. A.S.

    Schäfer eine vom Aussterben Bedrohte Art
    anstatt sie zu Unterstützen werden sie von SOGENANNTEN Tierfreunden (die eigentlich nichts von Schafhaltung verstehen) und von Behörden mit Diversen zum teil aberwitzigen der Schafhaltung völlig fremden Auflagen und Sachverstand Boykottiert .Man sollte auch mal die Leistungen die die Schäfer für die Natur und auch für die Allgemeinheit in die Waagschale werfen , und dann schauen was mehr Wiegt .
    Mensche die sich noch all Schäfer betätigen ( es sind nicht mehr viele) gehören von allen Seiten Unterstützt und nicht Boykottiert
    Mfg. A.S. Schäfer aus Leidenschaft

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  3. Weiß

    Die Schäfermeisterin sollte von der Stadtverwaltung Leipzig Unterstützung erhalten. Wie hier mit Fachkräften umgegangen wird ist erschreckend. Wenn sogenannten besorgten Bürgern, die keine Ahnung haben Gehör geschenkt wird, dann ist das sehr traurig und äusserst fragwürdig.

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  4. Clara. H.

    Das ist wirklich untragbar. Leider nimmt genau diese Problematik immer mehr zu. Ich denke es wird leider jeder Weidetierhalter kennen. Wenn selbst Profis wie Kerstin Doppelstein solche Probleme haben, macht es in der Tat einfach nur noch traurig!

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  5. Wolfgang Karn

    Es ist eine Schande, wie manche Ämter arbeiten, man könnte fast der Meinung sein, dass es Absicht ist was diese Sesself…… da machen!!!
    Anstatt froh zu sein das es noch Schäferinnen und Schäfer gibt die sich mit unserer Natur befassen und sich der Schafhaltung verschrieben haben beharrt jedes Amt auf „sein Recht“. Es wäre auch alles zu einfach. Da sieht man, dass sich manche “ Amtsarbeiter“ absolut keine Gedanken darüber machen und nicht die geringste Ahnung von dieser Materie haben.
    Ich jedenfalls unterstütze und wertschätze die Arbeit unserer Schäfermeisterin Kerstin Doppelstein
    Ich selber habe seit über 15 Jahren Schafe in Koppelhaltung und gehe demnächst nach Württemberg auf die Alb in einer Wanderschäferei zum hüten.
    Allen Schafhalterinnen-Schafhalter und Wanderschäferinnen-Schäfer wünsche ich weniger Bürokratie, unsinnige und blödsinnige Ratschläge von ganz schlauen Leuten und mehr Respekt und Hochachtung vor dieser Sparte. Landschaftspflege und den guten Umgang mit unseren Tieren ist das höchste für uns Schafhalter.

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  6. Godau

    Diese Tierschutzuschis und Horstis haben alle irgendwie den Bezug zur Realität verloren. Tierschutz JA, aber das ist einfach nur hirnloser Schwachsinn

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      1. kies

        Ich glaube die Aufmerksamen Bürger mit denen Kerstin zu kämpfen hat, kommen eher aus der Fraktion altdeutsche Besserwisser. In konsequenten Tierschutzkreisen wird genau die Arbeit von Kerstin hochgeschätzt, in den Tierschützerkreisen mit dem angesprochenen geringeren Kontakt ist sie beliebt.
        Dazu muss man wissen, dass Kerstin ihre Herden nicht auf klassischen Schlacht- oder Milchviehweise finanziert, sondern fast ausschließlich über die Beweidungsfinanzierung.

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  7. Petra

    Es ist nicht zu glauben wieviel nicht kompetente Leute in den Behörden das Sagen haben. Haben keine Ahnung können aber leider bestimmen. Sie hören auf Leute die meinen die Ahnung zu haben oder meinen ihre nicht kompetente Meinung g äußern zu müssen.
    Ich wünsche der Schäferin alles Gute

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  8. C. Schickel

    Halloho!!!
    Es gibt nun mal Tiere, die auch ganzjährig im völlig Freien leben können, wozu ist die Schafwolle sonst gut? Geschoren werden sie doch erst im Spätfrühling!
    Sollten wir wirklich diese und andere vollaklimatisierten Tiere derart vermenschlichen, dass sie (wir übrigens wir Menschen inzwischen sowieso) nicht mehr artgerecht gehalten werden?
    Sehr schade, dass anscheinend nicht nur einzelne Menschen sondern auch unser behördlich Erlaubtes von jeglich Natürlichem einen derart großen Abstand nehmen. Verwaltet doch alle mal schön weiter, aber bitte nur Eure Paragraphen – lasst die Finger von allen Lebewesen!!!
    Ein Link zu der betreffenden Behörde in Leipzig wäre hilfreich gewesen, denen hätte ich auch mal ’n paar Takte aufgeschrieben.

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    1. H.P. Schaarschmidt Artikelautor

      Vielen Dank für Deine Zeilen,
      zum Glück haben sich die zuständigen Behörden und Kerstin nach langem hin und her geeinigt, so dass sie weiter arbeiten kann.

      …auch Dank der Hilfe von Euch

      Vielleicht erkennen die Leipziger Behörden irgend wann mal, dass sie mit Kerstin Doppelstein eine ganz besondere „Schaf-Frau“ haben.

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    1. Hohenberg

      Es tut mir leid ,daß manche Leute nichts Besseres können,statt eine Schäferin zu unterstützen und ihre Arbeit zu würdigen ,ihr zusätzlich noch Steine in den Weg zu legen, Hoffentlich lässt sie sich davon nicht beirren.Ich würde sehr gern ein Praktikum bei ihr machen, als Ausgleich für meine berufliche Tätigkeit (Krankenpflege) 🙂

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  9. Peter

    Ist es nicht so, dass die Tiere, nachdem sie für uns gearbeitet haben und Landschaftspflege betrieben haben, früher oder später grausam abgeschlachtet werden?

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    1. H.P. Schaarschmidt Artikelautor

      Wir alle sind ein Teil im Kreislauf der Natur und die Natur hat bekanntlich ihre eigenen Gesetze und Regeln – falls wir sie regeln lassen. Wenn Raubtiere Beute reißen, ist das wirklich nicht schön anzusehen, aber so funktioniert die Natur. Wir haben die Aufgabe, allen Lebewesen Respekt entgegen zu bringen und gerade eben dieses „grausame“ töten zu vermeiden. Zudem ist das abfressen eine Weide für die Schafe keine Arbeit, sondern einer der artgerechtesten Haltungen die wir in Deutschland ermöglichen können. Die Tiere sollen artgerecht leben und im Gegensatz zur Natur schmerzfrei getötet werden. Genau das versuchen alle verantwortungsvollen Schäfer.

      Viele Grüße

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  10. Heike Schönherr

    Was ich bisher über Kerstin Doppelstein gehört und gelesen habe, hat mich total beeindruckt. Absolute Hochachtung- für das, was sie tut, wie sie es tut, mit welcher Hingabe und mit welchem Einsatz! Wenn es mehr von solchen Menschen geben würde, wäre unsere heutige Welt ein riesengroßes Stück besser! Um so unverständlicher sind die ganzen unnötigen Dinge, mit denen sie sich dann auch noch auseinandersetzen und kämpfen muss! Mit herzlichen Grüßen, auch an Kerstin Doppelstein.

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  11. Astrid Vermeulen

    Hallo,
    wie kommen nur einige „vermeintliche Tier-Kenner“ darauf, dass Schafe bei der Landschaftspflege für uns Menschen arbeiten müssen und dann angeblich hinterher qualvoll getötet werden??? (von einem „besorgten Bürger“ hier in einem Kommentar angemerkt)

    Wir brauchen Tierschützer, aber keine dummen Menschen. Sie schaden eher den Tieren als sie nützen.

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  12. Angela Bley

    Ich finde es toll, dass es solche Menschen wie Kerstin Doppelstein gibt. Es wäre schön wenn die Stadt solchen Einsatz auch belohnt und nicht ihr immer wieder Knüppel in den Weg legt. Der Umwelt zuliebe sollte die Stadt auch Gelder zur Verfügung stellen, oder andere Zugeständnisse machen. Hoffentlich werden ihre Arbeits- Lebensbedingungen verbessert. Ich drücke ihr die Daumen.

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  13. Kerstin Zbinden

    Es tut mir unendlich leid für diese Kämpferin das Sie von Ihrer Umwelt zum Aufgeben gezwungen wurde.Menschen mischen sich ein -die keine Ahnung haben. Menschen entscheiden-die von der Uni ins Büro kommen. Mit Natur und Tier nicht in Berührung kommen. Ein uralter Beruf der wohl immer mehr zugrunde geht.

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  14. Heike Gymbel

    Es ist schon verrückt . Da wird eine Schäferin zum Aufgeben gezwungen, weil besorgte Bürger nicht gesehen haben das an den Schafen „Bio“ dran steht. Unser allgegenwärtiges Zauberwort. Eine Herde Schafe auf der Weide mit Platz zum Laufen und grasen, artgerechter kann eine Tierhaltung nicht sein.
    Ich hoffe Frau Doppelstein bekommt die Möglichkeit weiterzumachen und Seitens der Behörden mehr Unterstützung.

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