Der überfahrene Hund …oder Automaten kennen keinen Tierschutz

Für alle Tierfreunde ist dieser Satz schon allein sehr bedrückend, wenn dann aber noch menschliche Dummheit dahintersteckt, könnte man bei dieser Geschichte doch schon gewisse „Hass-Gefühle“ entwickeln. Falls ihr der Meinung seid, ich würde dies zu drastisch ausdrücken, dann lest selbst und wir werden sehen…

An meiner Weidefläche am Kloster führt eine Straße vorbei. Nicht stündlich verstopft, aber zur Feierabendzeit ist da schon etwas mehr los. Tagsüber hält sich der Verkehr in Grenzen und übersteigt nicht den ganz normalen Wahnsinn auf deutschen Straßen. Vor einigen Monaten war ich auf dem Weg zu meinen Damen, um einen Kontrollblick über die „Kloster-Truppe“ zu werfen. Es war vormittags und ich eigentlich auf dem Weg nach Minden. Auf dem Weg lag die Klosterfläche, ein kurzer Kontrollgang  – dass passt. Etwa 800m vor dem Abzweig sah ich schon von weitem einen Auflauf. Lkw, Pkw und Polizei, meist bedeutet das nichts Gutes. So war es dann leider auch. Im Straßengraben lag ein Hund und die Personen diskutierten ganz aufgeregt mit der Polizei. „Verdammt“, war mein erster Gedanke, da hat es diesen Hund aber schlimm erwischt. Bestimmt haben die Besitzer nicht aufgepasst und er ist in ein Auto gelaufen. Das war vor einigen Monaten.

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Der Straßenabschnitt ist schnurgerade und sehr übersichtlich, umso entsetzlicher sind die Ereignisse.

Nun habe ich aber bei einem Bier mich mit dem Kloster-Hausmeister Frank unterhalten und wir kamen auf den Unfall mit dem Hund zu sprechen. Was ich da aber hörte, lies mich mehr als nur zusammenzucken, ich war geschockt. Er kannte einen der Polizisten (Polizeistation Stolzenau), der den Unfall mit aufgenommen hat und es war ganz anders, als ich gedacht hatte.  Der Hund, der überfahren wurde, war schon alt, aber sonst noch ganz fit. Er sah nur nichtmehr so gut und war inzwischen etwas langsamer in seinen Bewegungen  – was halt das Alter so mit sich bringt, aber er kam zurecht. (…nein, ich dachte nicht auch an mich) Doch dieser Senior hatte es nicht nur mit der Unwegsamkeit des Alters zu tun, sondern mit den Automaten des Erdölzeitalters  – mit uns Autofahrern. Jeder sitzt in seiner „fahrenden Burg“, starrt auf die weißen Linien der Straße und macht das, was er gelernt hat. Genau so wie es sich für einen „Automaten“ im Erdölzeitalter gehört. Sind wir denn alle wirklich schon Automaten geworden? Und wie steht es um unser Seelenleben, oder sind wir inzwischen alle schon „programmierbar“? Gibt es in unserem „Speicher“ noch Platz für Verantwortung, Mitgefühl und Nächstenliebe?

An jenem Tag war der „Speicher des Automaten“ mit anderen Dingen beschäftigt, nur nicht mit Sensibilität, Mitgefühl oder Tierliebe. Er handelte tatsächlich wie ein Automat. Was war passiert? Am späten Vormittag, die Straße war nur schwach befahren, steuerte ein Mann mittleren Alters seine fahrende Burg auf der Landstraße an meinem Kloster vorbei. Er machte alles so, wie er es gelernt hatte. Dieser „Automat“ fuhr nicht zu schnell, vorausschauend und behielt auch immer den Rückspiegel im Auge. Die Straße vor ihm war frei und in größerem Abstand folge ihm ein Lkw. Alles war perfekt, denn es passte in sein Schema, in seinen Plan, korrekt von A nach B zu gelangen. Bis dahin können wir diesem wunderlichen Mensch noch folgen, doch dann änderte das Leben die Umstände und er musste eine blitzschnelle Entscheidung treffen. Auf dieser unbefahrenen Straße tauchte weit vor ihm ein Hund auf. Er saß mitten auf der Fahrbahn und war offensichtlich orientierungslos. Der Hund war noch weit weg und man konnte sehen, dass ein weit vorrausfahrendes Fahrzeug, dem Hund langsam auswich. Nun liefen seine grauen Zellen auf Hochtouren, denn er musste neu planen, denn daran hatte er nicht gedacht.  Vor ihm ein Hund, hinter ihm ein Lkw und was würde die Versicherung sagen…  Er fuhr sein Auto nicht schnell und es dauert auch noch einige Zeit bis zu dem alten Hund (der noch immer mitten auf der Straße saß) und traf folgende Entscheidung:

Falls mich der Lkw übersieht, könnte er an meinem Auto eventuell einen Schaden verursachen und die Versicherung würde mir den Schaden nicht bezahlen  …somit fuhr er langsam aber zielstrebig direkt auf den Hund zu.

Er überfuhr den alten Hund in Schrittgeschwindigkeit. Unfassbar!

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Der überfahrene Hund Ⓒ Hardi P.Schaarschmidt

Alte Hunde haben besonderen Respekt verdient, denn sie waren ihr ganzes Leben treue Begleiter.

Der Lkw Fahrer hat später bei der Polizei ausgesagt: Schon als ich den Hund aus der Ferne gesehen habe, hielt ich meinen Lkw an und konnte es kaum fassen, dass der Pkw der weit vor fuhr, direkt auf den Hund zu rollte. Ich war entsetzt und stand schon lange, bevor er ihn überfuhr“. Nicht nur die Polizei schüttelte den Kopf, sondern jeder, der vom Treiben dieses „Automaten“ gehört hat.

Schaden am Pkw, 16,90 €

PS.: Nein ich will ihn nicht hassen, nein ich will ihn nicht hassen, …aber man ist ja auch nur ein schwacher Mensch.

8 Gedanken zu „Der überfahrene Hund …oder Automaten kennen keinen Tierschutz

  1. Christel

    Jeder der Tiere liebt und achtet bekommt da Hassgefühle !
    Das ist wirklich unfassbar, ich hätte da nicht in der Nähe sein dürfen !

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  2. Andrea

    Unfassbar!

    Und nein, Menschen sind KEINE Automaten! Ich weiß nicht, wie das bei euch in Deutschland ist, doch ich hoffe, dass dieser Unmensch zumindest bestraft wird. Wobei das Leben dieses Hundes ohnehin unbezahlbar ist!!!

    Ich verachte solche „Menschen“ zutiefst, darum nenne ich sie auch Unmenschen.

    Doch auch der LKW-Fahrer hätte zu Gunsten dieser armen alten Seele eingreifen können.

    Genauso ein Unmensch!

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  3. Astrid Vermeulen

    Unglaubliches Ereignis und fast nicht zu ertragen, aber auch wieder sehr überzeugend geschrieben.

    A.Vermeulen

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  4. Ute A. Kubisch

    Hallo,
    schlimme Ereignisse, uns kamen fast die Tränen. Wir hoffen, der Autofahrer wird nie wieder ruhig schlafen können.
    Ihre Artikel lesen wir sehr gern und freuen uns auf Ihr Buch. Welche Themen „behandeln“ Sie darin?

    Sie merken – wir sind neugierig.
    U.Kubisch

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    1. H.P. Schaarschmidt Artikelautor

      Liebe Frau Kubisch,
      in meinem Buch geht es um Hunde, Schafe und Individualisten. Vorab veröffentliche ich noch einen kleinen Ausschnitt aus dem Inhaltsverzeichnis.

      Viele Grüße aus dem schönen Nienburg
      H.P.Schaarschmidt

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  5. Christel

    Ich bin davon überzeugt, das unser aller Leben vorbestimmt ist. Alles was passiert hat einen Sinn, auch wenn wir ihn nicht sehen oder gleich verstehen. Wir haben nur ein Leben und das sollten wir genießen !
    Viele Grüße
    Christel

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  6. Herta Zillner

    Hallo,
    habe bereits vor längerer Zeit die fb-Freundschaftsanfrage erhalten, die ich bisher nicht bestätigt habe, da ich dies nur bei mir persönlich Bekannten mache. Bin soeben auf den Blog gestoßen und beim Lesen dieser unsagbar traurigen Geschichte sind mir die Tränen gekommen….
    Fazit: Ich möchte gerne mehr über die spannende Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund erfahren!

    Anfrage bestätigt, mit lieben Grüssen aus Wien

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    1. H.P. Schaarschmidt Artikelautor

      Hallo,
      die Ereignisse haben sich leider genau so zugetragen und sind für jeden „normal“ denkenden menschen unfassbar.
      Es gibt in unserer Welt nichts, was es nicht gibt, doch wir Tierfreunde können in unserem kleinen Umfeld eigene
      Vorstellungen umsetzen.

      Ganz liebe Grüße nach Wien

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